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Zinstief ist schuld: Pensionsverpflichtungen auf Rekordniveau

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Der Rechnungszinssatz erreicht zur Jahresmitte ein Rekordtief und setzt Unternehmen unter Druck.

Die rechnerischen Pensionsverpflichtungen der Unternehmen, die mit ihren Aktien im Dax vertreten sind, sind im Laufe dieses Jahres um rund 65 Milliarden Euro gestiegen. Damit bewegen sie sich auf einem neuen Rekordniveau, nachdem sie Ende 2015 noch bei 361,3 Milliarden Euro lagen. Hintergrund ist der zum 31. Juli dieses Jahres zum dritten Mal in Folge gesunkene Rechnungszinssatz für Pensionsverpflichtungen nach der entsprechenden Rechnungslegungsvorschrift IAS 19. Für eine Laufzeit von 15 Jahren hat dieser nach Angaben der Managementberatung Mercer nun das Rekordtief von 1,34 Prozent erreicht.

Wie dramatisch die Auswirkungen auf die Zahlenwerke der Unternehmen sind, zeigte sich auch im jüngsten Quartalsbericht der Deutschen Lufthansa. Dort hieß es dazu: „Der vornehmlich auf dem Anstieg der Pensionsrückstellungen beruhende Rückgang der Eigenkapitalquote auf 10,4 Prozent (zum Jahresabschluss 2015 noch 18 Prozent) wurde durch den auf 1,6 Prozent abgesunkenen Rechnungszins verursacht. Zum Jahresabschluss hatte der Zins noch bei 2,8 Prozent gelegen.“

Der Zins sei damit allein in den vergangen zwei Monaten um mehr als einen halben Prozentpunkt und seit Anfang des Jahres um mehr als einen ganzen Prozentpunkt gesunken, heißt es in der entsprechenden Analyse von Mercer. Der Rechnungszins nach IAS 19 ermittelt sich auf der Basis von hochwertigen Unternehmensanleihen, deren Währung und Laufzeit der bewerteten Verpflichtung entspricht. Von Bedeutung sind damit vor allem die lang laufenden Unternehmensanleihen. Durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und verschärft durch die Breit-Entscheidung Großbritanniens ist das Zinsniveau mit Ausnahme von März und April dieses Jahres jeden Monat gegenüber dem Vormonat gesunken.

Das hat entsprechende Auswirkungen: Während der Rechnungszins nach der Berechnungsmethode von Mercer zum 31. Dezember des vergangenen Jahres bei einer Laufzeit von 15 Jahren noch bei 2,42 Prozent lag, ist er zum Ende des ersten Quartals 2016 auf 2,02 Prozent gefallen und liegt mittlerweile nur noch bei 1,34 Prozent. „Ähnlich sind die Auswirkungen bei anderen Laufzeiten“, heißt es bei Mercer: Für einen gemischten Bestand können sich die Pensionsverpflichtungen dadurch allein in diesem Jahr um 15 bis 25 Prozent erhöhen. Durch die Durchschnittsbildung beim Rechnungszins auf der Basis des deutschen Handelsgesetzbuchs (HGB) sind die Auswirkungen hier weniger dramatisch. Allerdings musste auch der hochgerechnete Rechnungszins zum 31. Dezember 2016, bei dem jeweils ab Berechnung ein unverändertes Zinsniveau unterstellt wird, kontinuierlich nach unten korrigiert werden. Die Prognose bis Ende 2016 liegt nunmehr auf Basis des 10-Jahres-Durchschnittszinses bei 4 Prozent. Das sei nur noch geringfügig mehr als die 3,89 Prozent, die zum Ende 2015 noch auf Basis des 7-Jahres-Durchschnittszinses ermittelt wurden. Diese Prognose werde von Monat zu Monat stabiler: Selbst wenn das Zinsniveau schlagartig auf 0 Prozent absinken und bis zum Jahresende so bleiben würde, läge der HGB-Durchschnittszins nur um etwa 5 Basispunkte unter den derzeit prognostizierten 4 Prozent.

Das Beratungshaus Towers Watson wiederum hatte vor einiger Zeit zusammengestellt, wie die Unternehmen auf diese Lage reagieren: Sie müssen immer wieder Geld in ihre Pensionspläne nachschießen. Zusammengerechnet hätten alle 30 Unternehmen, die mit ihren Aktien im Aktienindex Dax vertreten sind, ihre Pensionskassen im Jahr 2015 mit rund 10 Milliarden Euro gestützt – am stärksten der Autokonzern Daimler mit rund 2 Milliarden Euro und der Energieversorger RWE mit rund 1,6 Milliarden Euro. Mit einigem Abstand dahinter folgt der Autohersteller BMW mit 900 Millionen Euro. In diesem Jahr kündigte die Deutsche Post die Emission von zwei Anleihen über 1,25 Milliarden Euro an, die in erster Linie dazu dienen, einen Pensionskassenzuschuss in Höhe von 1 Milliarde Euro zu refinanzieren.


3 Lesermeinungen

  1. Die Magie des Zinseszins kennt fast niemand und schon gar nicht Politiker
    Uralter Hut. Bereits vor 40 Jahren hat man mir im 3. Semester Wirtschaftswissenschaften davon erzählt. Aber die heute herrschenden Klassen von Politikwissenschaftler und Juristen haben das nie gehört.

    Dazu gibt es übrigens einen wunderschönen Artikel (von Prof. Dr. Gerd Rose, damals Professoer für steuerlihce Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln) „Verachtet mir die Zinsfüsse nicht!“. Kann ich jedem nur zum Lesen empfehlen. Aber Juristen wie Schäuble oder Waigel haben davon keine Ahnung. Dennoch bestimmen sie über die weitreichenden, betriebswirtschaftlichen Konsequenzen mit ihrer überheblichen Politik.

    Die Folge ist jedoch, daß diese Gelder für langfristige Investitionen, Forschung- und Entwicklung, Erschließung von Märkten, etc. schlichtweg fehlen. Es ist die Einführung des Sozialismus in die Unternehmen. Aber der Sozialismus führt in den Konkurs, wie wir spätestens seit 1989 allgemein wissen.

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  3. Ad hoc
    Der Mensch ist unangefochtener Weltmeister im Schuld zuweisen,
    in Schuldzuweisungen…für Wohlstandsschmerzen…
    manchmal nehmen diese Schmerzen ln e-mäßig zu…bis man das
    schmerzerzeugende Schuldmittel losläßt…oder dafür stirbt?

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