Ad hoc

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Unternehmen bestimmen unser tägliches Leben. Aber was bewegt die Unternehmer? Über Trends, Technologien und Menschen, die sie bestimmen.

In der Fahrradstadt

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„Immer mehr Autos sind eine der größten Bedrohungen für das Klima und für die menschliche Gesundheit. Die Automobilwirtschaft hat nur dann eine Zukunft, wenn sie Fahrzeuge entwickelt, die sauber und leise sind und kein CO2 mehr verursachen. Der Verbrennungsmotor ist ein Auslaufmodell. Deshalb schlagen wir vor, vom Jahr 2030 an keine Autos mit Benzin- oder Dieselmotor mehr zuzulassen.“ Diese Vorschläge finden sich in einem Antrag für den Bundesparteitag der Grünen im November, natürlich in der Fahrradstadt Münster. Nun ist der Autor dieser Zeilen seinerzeit in Münster auch ausschließlich Fahrrad gefahren, wenn er nicht durch die Stadt gelaufen ist – und hat es genossen. Von dieser Atmosphäre, die es in der beschaulichen Studenten- und Beamtenstadt auch heute noch gibt, werden sich die Grünen gewiss inspirieren lassen. Schnell also her mit der nächsten Vorschrift.

Es ist, so werden die Grünen argumentieren, zum Besten aller – auch der deutschen Autohersteller, die nach wie vor diejenigen sind, die das Herz der deutschen Wirtschaft schlagen lassen. Begründung: Die Autokonzerne hätten sich mit dem Festhalten am Verbrennungsmotor in eine Sackgasse manövriert. Und damit die dummen Leute in den Chefetagen der deutschen Vorzeigekonzerne endlich aufwachen, muss also ein Exempel statuiert werden, samt Restwertvernichtung aller Autos mit Verbrennungsmotor.

Wie gut, dass zur selben Zeit, zu der der Vorstoß der Grünen publik geworden ist, der Autosalon in Paris stattfindet – und die seit dem Dieselskandal von Volkswagen in Antriebsfragen in der Tat gebeutelte Autoindustrie ihre eigenen Antworten geben kann, ganz ohne vermeintlich wegweisende Worte aus dem Bundesvorstand der Grünen.

Opel zum Beispiel hat dort den Ampera-e vorgestellt. Das ist ein reines Elektroauto, das im mehr oder weniger normalen Alltagsbetrieb ohne Umstellung der bisherigen Fahrgewohnheiten eine Reichweite von mehr als 300 Kilometern schaffen dürfte. Gemessen nach einer normierten Messmethode mit eher unrealistischen Annahmen, sind es sogar 500 Kilometer. Zu haben ist dieses Auto nicht erst 2030, sondern schon im Frühjahr des kommenden Jahres.

In Paris steht aber auch der Elektro-Golf. Zwar nur als Studie, aber bis zur Serienreife im Jahr 2020 ist es ebenfalls nicht mehr wahnsinnig lange hin. Sehr viel früher wird der vielbeachtete amerikanische Nischenhersteller Tesla sein kompaktes Modell 3 auch nicht in größeren Stückzahlen ausliefern. 4,10 Meter lang wird die E-Version des normalen Golfs sein. Gedacht ist an einen Preis von 30 000 Euro. Eine Beschleunigung von null auf 100 Kilometer in der Stunde in acht Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h klingen ordentlich, zudem wird eine Reichweite von 400 bis 800 Kilometern versprochen. Am Schnellladesystem soll die Batterie nach nur 30 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen sein.

Nun könnte man argumentieren, dass VW so etwas früher hätte auf die Beine stellen müssen. Aber die Elektroautos, die heute schon zu haben sind, enttäuschen die Kunden in der Regel und werden entsprechend selten gekauft. Selbst die staatliche Kaufprämie hat daran nichts geändert. Insofern kann man durchaus argumentieren, dass staatliche Eingriffe hier überflüssig sind. Die Kunden warten einfach auf Angebote, die aus ihrer Sicht alltagstauglich sind.

Allzu lange wird das aber gar nicht mehr auf sich warten lassen. Ein weiteres Beispiel aus Paris: Daimler will bis zum Jahr 2025 mehr als zehn reine Elektrofahrzeuge anbieten. Auf der IAA Nutzfahrzeuge, die gerade erst in Hannover zu Ende gegangen ist, bot sich übrigens ein ähnliches Bild: Alle Hersteller, die etwas auf sich halten, haben mit Blick auf den Lieferverkehr in Städten Elektroangebote im Köcher.

Ach so: In den vergangenen Wochen hat das Fahrradfahren übrigens auch in Frankfurt sehr viel Spaß gemacht, viel mehr als das Autofahren im Baustellen-Dauerstau. Kann man ja auch wieder einmal ausprobieren, nicht nur in Münster – und ganz ohne Vorschrift, einfach nur aus Lust und Laune.


2 Lesermeinungen

  1. Fahrradfahren in Münster
    ist allerdings, das vergaß der Autor zu erwähnen, sehr stark witterungsabhängig. Abgesehen von den bisweilen militanten Velo-Anarchisten trifft man dort überwiegend die Radler, die bei Sonnenschein auf die Autofahrer schimpfen, bei Regenwetter als solche Automobilisten wieder, die sich über das anarchische Verhalten der ökologisch bewussten Elite echauffiert.

  2. Antrag einer Splitterpartei...
    …mit Minifraktion im Parlament. Eigentlich könnte man milde lächelnd darüber hinweggehen. Was aber, wenn diese weltfremden und fanatischen Verbotspolitiker mit „Rot-Rot-Grün“ nächste Jahr plötzlich Teil der Regierung werden? Ich glaube zwar nicht an höhere Mächte, werde diese aber trotzdem vorsorglich in 2017 des Öfteren anrufen, um schlimmeres zu verhindern.

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