Akte Asien

Akte Asien

In der Welt der Wirtschaft verlagert sich das Gewicht nach Asien. Dreht sie sich deshalb schneller und runder, diese Welt? Oder gerät sie in Unwucht?

Reich, reicher, Asiat.

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Haben Sie sich gerade für ihre Drei-Zimmer-Wohnung verschuldet, wächst Ihr Gehalt langsamer als die Inflationsrate? Vorsicht, dann wird gleich Ihr Neid geweckt werden. Denn hier geht es um die Reichen dieser Erde. Und die gibt es immer öfter in Asien. Zwar zählt die Wachstumsregion immer noch die meisten Armen der Welt. Doch werden die Asiaten schon 2013 die Europäer als derjenige Teil der Erdbevölkerung ablösen, der das größte Vermögen angehäuft hat. Von Krise ist bei den Superreichen keine Rede: Denn das kumulierte Vermögen der Welt wird sich zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2016 auf 345 Billionen Dollar verdreifachen – Krise hin, oder her.

Von Christoph Hein  

Sie glauben, die Welt steckt in der Krise? Vielleicht. Aber sie scheint nicht alle gleichermaßen zu treffen. Denn die Vermögen derjenigen, die viel haben, wachsen weiter. Stand der Besitz der Erwachsenen dieser Welt im Jahr 2000 noch bei 113 Billionen Dollar, waren es im vergangenen Jahr schon 203 Billionen Dollar. In diesem Jahr wird der Wert auf 231 Billionen Dollar anwachsen – eine Verdoppelung innerhalb von einer guten Dekade. Dies haben die Ökonomen der Credit Suisse in ihrem jüngsten Global Wealth Report ermittelt. „Die Krise trifft die Vermögenden weniger, als vielleicht erwartet. Denn sie legen ihr Geld vor allem in lang laufende Anlageformen an, wie etwa Immobilien“, sagte Giles Keating, der den Bereich Forschung bei der Vermögensverwaltung der Credit Suisse leitet. Als Vermögen rechnen sie dabei den Besitz der Erwachsenen dieser Erde, einschließlich Immobilien, Pensions- und Rentenansprüche und abzüglich Schulden. 

Die Aussage ist klar: Wer hat, dem wird gegeben. Denn vom Finanzstandort Singapur wissen wir, dass die Reichen ihren Besitz in der vergangenen Dekade immer schneller mehrten, während die Unterschicht nur minimal mehr zurücklegen konnte. Der Stadtstaat ist die Nummer fünf unter den Ländern mit den Wohlhabenden dieser Erde und er zählt die meisten Millionäre gemessen an der Zahl der Bevölkerung. Die Gewichte verschieben sich: ausgerechnet die Region der Erde, die die meisten Armen zählt, wird 2013 das größte kumulierte Vermögen ausweisen: In  nur knapp zwei Jahren wird Asien damit Europa als reichste Weltregion abgelöst haben. Schon jetzt sind die Asiaten den Europäern dicht auf den Fersen: Ihr Vermögen beträgt 75 Billionen Dollar, dasjenige der Europäer liegen bei 78 Billionen. Die Amerikaner hatten zuletzt 2005 die Nase vorn. Nach den Krisenjahren kommen sie jetzt noch auf 65 Billionen Dollar Besitz. 2016 werden die Asiaten schon 116 Billionen Dollar zusammengerafft haben, die Europäer auf sitzen auf 113 Billionen Dollar, die Nordamerikaner auf 91 Billionen Dollar, haben die Schweizer berechnet. „Natürlich wird die Krise in Europa Spuren hinterlassen“, sagt Marcel Kreis, der für die Credit Suisse das Privatkundengeschäft in Asien leitet.

Dennoch kann sich Kreis freuen. Denn seine Klientel wächst in Asien rasant: Die Zahl der Dollarmillionäre wächst in China bis 2016 um 134 Prozent, in Indien von geringerer Basis sogar um 150 Prozent. Es folgen Singapur mit einem Anstieg um 123 Prozent innerhalb von fünf Jahren und das Nachbarland Indonesien mit 116 Prozent Wachstum. Und Deutschland? Hier steigt die Zahl der Millionäre immerhin um 78 Prozent. Dabei kommen die Schweizer Statistiker auf hübsche Einfälle. So haben sie berechnet, dass die Chinesen im Jahr 2011 erst so reich waren, wie die Amerikaner im Jahre 1968. Doch brauchten die Chinesen nur fünf Jahre bis 2016, um dann den Stand der Amerikaner von 1980 erreicht zu haben. 

Schnell wird klar, warum sich die Vermögensverwalter in Asien bittere Schlachten um Personal liefern. Chinas Vermögen wuchsen seit dem Jahr 2000 um durchschnittlich 15 Prozent, diejenigen der Inder um knapp 13 Prozent. Der Rest Asiens, belastet von der Stagnation in Japan, legte immerhin noch um durchschnittlich 6 Prozent jährlich zu. Was aber heißt das für den einzelnen Asiat? Statistisch kommt heute jeder Singapurer auf ein durchschnittliches Vermögen von 284700 Dollar, jeder Australier – dank des Rohstoffbooms, der geringen Zahl der Bevölkerung und dem starken Außenwert des australischen Dollars  – auf 396700 Dollar und der Durchschnittsjapaner auf 248800 Dollar. Pro Kopf berechnet bleiben die beiden großen Schwellenländer China und Indien weit zurück: Der Durchschnittschinese kommt auf 20700 Dollar Vermögen, der Durchschnittsinder auf nur 5500 Dollar. So aber wird es nicht bleiben: Allein die Vermögen der Chinesen haben sich seit dem Jahr 2000 vervierfacht – kein Wunder, bei einem Wirtschaftswachstum von gut 10 Prozent. 

So positiv aber die Aussichten sind, so ist doch Sprengstoff im wachsenden Reichtum enthalten: Denn nur 2,3 Prozent der 1,3 Milliarden Chinesen besitzen mehr als 100000 Dollar. Unter der nahezu selben Anzahl Inder liegt der Anteil der extrem Reichen sogar bei nur 0,4 Prozent. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt der Anteil der Besitzer von Vermögen von mehr als 100000 Dollar bei 50,2 Prozent. Und immer noch liegt Amerika bei der Zahl der Dollarmillionäre ganz weit vorn: Die USA steuern 34 Prozent zu den Millionären dieser Erde bei, Deutschland kommt auf 6 Prozent. Und die neue Macht China? Sie kommt auf bislang nur 4 Prozent, nicht mehr als Australien.


1 Lesermeinung

  1. Sehr interessant....
    Sehr interessant.

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