Bagdad Briefing

Bagdad Briefing

Über den neuen Krieg gegen den Terror – und jene, die sich Krieg und Terror entgegenstellen. Von Bagdad bis Benghasi, von Doha bis Damaskus.

Heucheln für die Pressefreiheit

| 24 Lesermeinungen

Die stolze Schar arabischer Staatsoberhäupter, Minister und Diplomaten, die sich am Sonntag unter die Trauernden in Paris mischte, ist beachtlich: Jordaniens König Abdullah nahm ebenso an der Großdemonstration für die getöteten Redakteure und Zeichner der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ teil wie die Außenminister Ägyptens, Algeriens, Bahreins, der Vereinigten Arabischen Emirate sowie der saudi-arabische Botschafter in Paris.

Was die Herren eint, ist ihre Verachtung für Pressefreiheit und Menschenrechte. In Dschiddah etwa wurde keine 48 Stunden vor dem Protestmarsch ein Blogger fünfzig Mal ausgepeitscht, weil er getan haben soll, was viele Muslime auch den ermordeten „Charlie-Hebdo“-Mitarbeitern vorwerfen: den Islam beleidigt zu haben.

Zu insgesamt tausend Peitschenhieben verurteilte ein Gericht Raef Badawi und hielt ein bereits zuvor erteiltes Urteil über zehn Jahre Freiheitsentzug aufrecht. Die Körperstrafe soll über zwanzig Wochen hinweg abgegolten werden – auf einem öffentlichen Platz, wie am Freitag. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte, dass das einzige Vergehen Badawis darin bestand, eine Webseite eingerichtet zu haben, auf der zu Diskussionen über die Lage in Saudi-Arabien eingeladen wurde. Badawi ist bereits seit 2012 inhaftiert.

Aber nicht nur in dem wahabitischen Königreich, wo 2014 mit vollstreckten 87 Todesurteilen ein neuer negativer Rekord erreicht wurde, haben Journalisten es in der arabischen Welt schwer. In Amman etwa wurde vergangenen Dezember ein Journalist zu vielen Jahren Haft und schwerer körperlicher Arbeit verurteilt, weil er zum Hass aufgerufen und die Darstellung Jordaniens verzerrt haben soll, berichteten israelische Medien im Dezember. Der bereits vor dem Urteil nach Großbritannien geflohene Mudar Zahran hatte zuvor für die „Jerusalem Post“ geschrieben und darin die Nähe König Abdullahs zu den Vereinigten Staaten und Israel kritisiert.
Ein schlechter Bündnispartner des Westens, wenn es um Pressefreiheit geht, ist auch Ägyptens Außenminister Sameh Shukri. Auf Platz 159 von 180 Ländern rangiert sein Land auf einer Liste von Reporter ohne Grenzen. Das Committee to Protect Journalists berichtet von mindestens zwölf Journalisten, die wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Gesetze hinter Gittern sitzen. Erst im Januar jedoch gab ein Gericht zu, dass die Verurteilung mehrerer Mitarbeiter des qatarischen Fernsehsenders Al Dschazira auf einem rechtlich zweifelhaften Prozess beruhe. Das Verfahren wird nun wieder aufgerollt.


24 Lesermeinungen

  1. ThomasSchlosser sagt:

    Mahmud Abbas...
    ..haben Sie in Ihrer Aufzählung noch vergessen. Dieser erklärte Juden-Hasser und Feind der Pressefreiheit marschierte in erster Reihe mit, Arm in Arm übrigens mit Frau Merkel, wie man auf den entsprechenden Fotos sehen kann.
    Für mich wurde durch seine Teilnahme dieser Trauermarsch zur reinen Show-Veranstaltung abqualifiziert.

  2. EyeCue sagt:

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    Bruderschaften
    Sie sind die Gleichen
    unter Gleichen,
    sektenartig zusammen geschweißt,
    ziehen an Strängen
    um andre zu hängen.

    Sie bestimmen den Geist dieser Zeit,
    geben brutales Geleit.
    Widersetzt man sich….spürt man den Stich,
    sie kennen keine Gnade….
    treten tiefe Pfade.

    Verbrüdert und eingeschworen,
    ist man in ihrem Sumpf verloren
    wenn man erkennt,
    mit wem man da rennt.

    Bruderschaften im Geist
    sind unglaublich dreist.
    Gesetze nur für andre gelten,
    für sie sind keine erdacht,
    so gelangt man zur Macht.

    Bruderschaften… Männer ohne Ehre,
    füllen schon Meere…die aus Tränen entstanden,
    weil sich Gleiche unter Gleichen fanden
    nur ihre Macht im Visier,
    der Treibstoff,
    die Gier.
    Brüderschaften,
    ohne Skrupel,
    ohne Gefühl,
    Gleiche unter Gleichen zu bleiben,
    das ist ihr Ziel!

  3. chinagirl sagt:

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    Hm, leider sind da die Gesetze so. Das wird sich so schnell nicht aendern. Das sollte jeder Journalist oder Blogger wissen

  4. Kleinkramer sagt:

    Pressefreiheit
    Freiheit und Pressefreiheit sind nicht islamkompatibel, da der Koran Unterwürfigkeit fordert. Viele dieser an- und nichtanwesenden muslimischen Politiker unterstützen un finanzieren alles, was ihnen in den Kram passt. Wahrscheinlich weiß keiner mehr so recht, was Islam ist. In der Westfalenpost vom 12.1.2015 ist dazu auf Seite 2 ein sehr interessanter Artikel erschienen. Lohnt sich zu lesen!

  5. Ginneh sagt:

    Ich stimme Ihrem Beitrag zu.
    Die Welt ist voller Heuchelfreiheit…
    manchmal auch von der “Presse(rei)”
    genutzt…manchmal, nur der
    Vollständigkeit halber.
    Gruß
    W.H.

  6. Bertl65 sagt:

    Gelebte Zweizüngigkeit!
    Der Koran wir in jedem Land anders ausgelegt. Es gibt keinen einheitlichen muslmischen Verteter, wie z.B. den Papst. Jede Gruppe kann sich einen regulativen Führer selbst aussuchen. Ein Moslem verhält sich häufig auf der Strasse halt anders als zu Hause. Daher ist die Teilnahme einiger Politiker kein Widerspruch.

  7. S.Eichendorff sagt:

    Kein Mangel an Heuchelei
    auch wenn ich mir die einheimische “Pressefreiheit” ansehe!!

  8. MF87 sagt:

    Notgesang der Gedanken von
    einem Gefühl her( Paul Celan).Ihre Aufschrei gerade in seiner Schlichtheit dem weitgespannten moralische Unverständlichkeit ganz und gar gerecht ist.

    ” Je me souviens de ce prophète au regard dur et qui par surcroît était bigle. Il me vint voir et le courroux montait en lui.Un courroux sombre:Et je compris qu’il avait le goût de la perfection.Car seule est parfaite la mort.
    ,dit-il.Je me taisais .Je voyais bien sous mes yeux cette âme taillée comme un glaive.Mais je songeais : … ” CITADELLE de Antoine de Saint-Exupér
    .

    • MF87 sagt:

      Erratum
      “….la mort.,dit-il.Je me taisais. …… Mais je songeais:….. ”
      Antoine de Saint- Exupéry.

  9. Schmidt2014 sagt:

    Der Leserbriefschreiber hat man's auch nicht leicht.
    Da stand ich nämlich heute in der Küche, und habe so über das Titelbild der Lokalzeitung siniert. Ich kam fast zu den gleichen Gedanken wie der Artikel hier. (Allerdings hätte ich auch noch ein paar andere Leute aufgeführt: Merkel, Nethanjahu, Tusk und Hollande, Schulz, und wer war der Schwarze neben Hollande, und dann noch Juncker-Wenn-Es-Eng-Wird-Muss-Man-Lügen, usw.)
    Wird eh gelöscht, hab ich mir dann noch gedacht.

  10. tine68 sagt:

    Doppelzüngigkeit wäre als Unwort des Jahres angebracht.
    Der Islam, ohne die notwendige Reformation, gehört nicht zu Deutschland und auch nicht zur westlichen Welt.

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