Bagdad Briefing

Israel stärkt Al Qaida

Israel hat seinen Einfluss auf den syrischen Teil der Golan-Höhen am Wochenende ausgeweitet. Der Angriff auf eine Einheit der libanesischen Hizbullah bedeutet zugleich eine weitere Regionalisierung des Konflikts, der bereits 200000 Menschen das Leben gekostet hat. Der Nachrichtensender der schiitischen „Partei Gottes“, al Manar, warnte Israel davor, „mit dem Feuer zu spielen und die Sicherheit des ganzen Mittleren Osten“ zu gefährden. Es war der erste Angriff auf Einheiten der von Generalsekretär Hassan Nasrallah geführten Parteimiliz auf den im Dreiländereck zwischen dem Libanon, Syrien und Israel gelegenen Golanhöhen.

Dass unter den Toten der Sohn des 2007 in Damaskus getöteten Militärführers der schiitischen „Partei Gottes“, Imad Mugnijeh, und ein Mitglied der iranischen Revolutionsgarden waren, macht den Vorfall umso gefährlicher: Noch vergangene Woche hatte Nasrallah Israel mit Vergeltung gedroht, nachdem 2014 mehrmals Militärkonvois und Waffenlager seiner Organisation in Syrien bombardiert worden waren. Zugleich bestritt er, dass Hizbullah-Kämpfer auf den Golanhöhen präsent seien.

Doch die schleichende Ausweitung der von Iran finanzierten Parteimiliz und verbündeter irakischer Schiitenmilizen auf die südliche Front folgt einem Muster, das sich auch in anderen Teilen Syriens beobachten ließ: Ende 2012 entsandte die Hizbullah zunächst Kämpfer in schiitische Dörfer östlich der Bekaa-Ebene, ohne dass ihre Führung sich dazu bekannte. Auch in Damaskus war die Organisation früh präsent, um den schiitischen Sayda-Zeynab-Schrein zu schützen. Im vergangenen Jahr weitete Nasrallah das Engagement auf Seiten des Regimes Baschar al Assads weiter aus: Die Rückeroberung der Grenzstadt Qusair und mehrerer Dörfer im Qalamun-Gebirge wären ohne Hilfe der Hizbullah nicht gelungen.

Eine stillschweigende Kooperation zwischen israelischen Einheiten auf dem südlichen Teil der Golanhöhen mit dem syrischen Ableger der sunnitischen Terrorgruppe Al Qaida im Norden dürfte der Grund für die Entsendung eigener Einheiten in die Umgebung von Quneitra sein, wo sich der Angriff am Sonntag ereignete. Der Nusra-Front nahe stehende syrische Oppositionelle berichteten vergangene Woche darüber, wie Israel den bewaffneten Regimegegnern sowohl medizinische wie logistische Hilfe zukommen ließen, um sie in ihrem Kampf gegen die Assad-Einheiten zu unterstützen.

Einen Monat bevor es den Aufständischen im vergangenen Oktober gelang, die strategisch wichtige Aufklärungsstation Tal al Hara einzunehmen, hatten israelische Kampfflieger die Anlage bombardiert. Bereits zuvor hatten sie durch die Geiselnahme von Angehörigen der UN-Beobachtungsmission Undof dafür gesorgt, ihren Einfluss auf die Gegend auszuweiten – und ein mögliches Einsickern von Einheiten des Assad-Verbündeten Hizbullah zu verhindern. In westlichen Sicherheitskreisen in Beirut heißt es, dass die Spitze der Parteimiliz besorgt darüber gewesen sei, dass über die Grenze zuletzt viele Nusra-Kämpfer eingesickert sei. Israel hat der sunnitischen Konkurrenz Nasrallah mit dem Angriff von Sonntag den Rücken gestärkt.

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