Bagdad Briefing

Bagdad Briefing

Über den neuen Krieg gegen den Terror – und jene, die sich Krieg und Terror entgegenstellen. Von Bagdad bis Benghasi, von Doha bis Damaskus.

Teheran greift nach Sanaa

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Die Verbündeten des Westens vor dem Aus, Al Qaida und von Iran unterstützte Aufständische auf dem Vormarsch: In Sanaa ist die Lage dem Sturm des Präsidentenpalastes durch die Huthi-Rebellen verheerend. Daran wird auch der am Dienstag rasch von Dubai in den Jemen zurückgeflogene Sondergesandte der Vereinten Nationen, Jamal Benomar, wenig ändern können. Denn der von Abd al Malik al Huthi angeführte Staatsstreich hat gerade erst begonnen.

Bereits am Montag hatten seine Kämpfer die Gebäude von Staatsfernsehen und der staatlichen Nachrichtenagentur Sabo unter ihre Kontrolle gebracht, am zweiten Tag des Putsches gegen die Regierung Präsident Abd Rabbo Mansur Hadis nahmen sie dessen Palast ein und umstellten sein Wohnhaus. In einer Fernsehansprache in der Nacht auf Mittwoch beschuldigte Huthi das Staatsoberhaupt der „Zersplitterung“ des Landes. Was das weitere Vorgehen seiner Bewegung anbelange, seien „alle Optionen“ offen.

Wenig beruhigend ist auch, dass ein führendes Mitglied von Huthis Ansarullah-Partei sagte, Ziel sei es nicht, den Präsidenten oder sein Haus anzugreifen. Die Fakten sind geschaffen – und der von der westlichen Staatengemeinschaft seit 2012 unterstützte Nationale Dialog zur Föderalisierung des Armenhauses im Süden der Arabischen Halbinsel gescheitert. Die beschwörenden Worte UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon, der in einer eilends einberufenen Sondersitzung des Sicherheitsrats in New York sagte, er sei „zutiefst besorgt“, scheinen nicht geeignet, den Staatszerfall weiter aufzuhalten.

Hadi sei die „legitime Autorität“ erklärte das höchste Gremium der Weltorganisation – ungeachtet der Tatsache, dass es der Bewegung Malik al Huthis seit vergangenem September gelungen ist, zur stärksten politischen Kraft aufzusteigen. Nicht nur die Besetzung weiter Teile der Hauptstadt macht das deutlich, sondern die Ausweitung ihres Einflusses auch auf Gegenden westlich und südlich Sanaas. Im Süden des Landes wiederum hat Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) das Chaos genutzt, um seine Stellung zu konsolidieren. Die beiden Attentäter von Paris sollen hier ausgebildet worden sein.

Das Scheitern Jemens bedeutet vor allem für Saudi-Arabien eine erhebliche Bedrohung. Erst Anfang des Monats sprengte sich an der Grenze des Königreichs zum Irak erstmals ein Selbstmordattentäter in die Luft – die sunnitischen Dschihadisten des „Islamischen Staats“ erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Durch die Lungenerkrankung König Fahds ist das Herrscherhaus in seiner Entscheidungsfindung geschwächt; eine geordnete Nachfolge zu regeln, während zwei Nachbarländer im Bürgerkrieg versinken, erhöht das Risiko, das aus dem Hort autoritärer Stabilität bald ebenfalls ein Unruhefaktor wird.

Profitieren davon kann Iran: Finanziell, politisch und mit Waffen sei der Aufstand Huthis in den vergangenen Monaten gefördert worden, sagen Offizielle in Washington. Nach Bagdad, Beirut und Damaskus ist Sanaa nach dem Putsch von Montag bereits die vierte arabische Hauptstadt, in der schiitische Gruppen der Regierung Teherans wohlwollend gegenüber stehen.


4 Lesermeinungen

  1. Yemen ,Iran.
    und Yemen war einst ein ge- und beliebter Land in der Kategorie Entwicklungsländer insbesondere der Niederlanden,wie Iran
    Europäische Unions Kuschelbär.
    Verstehe immer noch nicht wo,wann und was die entscheidende „Pivot“ war,trotz einer Fülle Berichterstattungen,Bücher
    (Kaplan ) und mehr….

  2. Lernen aus der Geschichte
    in den letzten 1500 Jahren hat Iran ein paar Mal Europa vor der Übernahme durch Moslime bewahrt. Wahrscheinlich in den 21 Jh. würde genauso werden!!!.
    Bevor diese beiden Sätze widersprechen, werfen Sie ein keinen Blick in der Geschichte.

  3. Ist das nicht eine einfach idyllische Gegend, in der man nur die Wahl zwischen
    vom Iran gesteuerten bewaffneten Irren, sunnitischen „Kopf ab“ Wahnsinnigen und – als „normalste“ Fraktion – autoritären Diktatoren hat, die ihre von AlQaida nur um eine Spaltbreite getrennte Auslegung des Islam um die Welt exportieren?

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  4. Gelesen:
    In Yemen Violence Pays,by Haykal Bafana,NYT,Jan.28,2015.

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