Bagdad Briefing

Geld wie Reis

Der Kampf gegen den „Islamischen Staat“ (IS) schweißt die autoritären Golf-Staaten immer enger zusammen. Opfer des Schulterschlusses könnte Ägypten werden, das bis zuletzt größte Unterstützung vor allem aus Saudi-Arabien, Kuweit und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) genoss. Seit dem Putsch gegen den Muslimbruder Muhammad Mursi durch den damaligen Armeechef Abd al Fattah al Sisi im Juli 2013 haben Riad, Kuweit und Abu Dhabi dessen Regime mit Milliarden unterstützt.

Doch der Vorwurf des ägyptischen Botschafters bei der Arabischen Liga, Adel Tarek, Qatar unterstütze Terrorismus in Libyen, hat zu einer scharfen Rüge seitens des Golf-Kooperationsrats (GCC) geführt. „Solche Stellungnahmen helfen nicht, die arabische Solidarität in Zeiten zu stärken, in denen sich unsere Vaterländer beträchtlichen Herausforderungen gegenübersehen, die Sicherheit, Stabilität und Souveränität bedrohen“, sagte Abdullatif al Zayani. Qatar berief seinen Botschafter am Mittwoch zurück nach Doha.

Das kursichtige Vorgehen der ägyptischen Außenpolitik in der Libyen-Krise könnte langfristig Konsequenzen haben: Anfang Februar war es Sisi gerade noch gelungen, den Unmut am Golf zu besänftigen, nachdem abgehörte Tonbandaufnahmen ausgestrahlt worden waren, in denen er sich darüber mokierte, dass die GCC-Staaten über „Geld wie Reis“ verfügten. Sisis Stabschef ist mit den Worten zu hören, dass die Golf-Länder „Halbstaaten“ seien, die man „zur Kasse bitten“ müsse, weil sie ein „Luxusleben“ führten „und Berge an Geld“ hätten.

Offenbar gaben von Sisi enttäuschte Angehörige des Regierungsapparats die Aufnahmen an Sender weiter, die die in Ägypten seit mehr als einem Jahr als Terrororganisation verfolgte Muslimbruderschaft unterstützen. Berichte, wonach der neue saudi-arabische König Salman eine Annäherung an die auch in dem wahabitischen Königsreich und den Emiraten geächtete Organisation betreibt, dürfte die Sorge der Machthaber am Nil befördern, bald ohne Finanzspritzen auskommen zu müssen.

Die Deutlichkeit, mit der GCC-Generalsekretär Zayani die ägyptischen Vorwürfe an Qatar als „unbegründet“ und „fernab jeder Realität“ zurückwies, macht deutlich, dass die Geduld mit dem Regime in Kairo bald zu Ende sein könnte. Der qatarische Botschafter hatte zuvor lediglich das unilaterale Vorgehen Ägyptens kritisiert, ohne Rücksprache mit der Arabischen Liga militärisch gegen IS-Stellungen im libyschen Derna vorzugehen.

Dass sich der Wind nach anderthalb Jahren uneingeschränkter Solidarität Riads und Abu Dhabis wechseln könnte, scheint die völlig von seinen eigenen Problemen gefesselte ägyptische Diplomatie nur langsam zu realisieren – wenn überhaupt. Nicht die Bedrohung durch Mursis Muslimbruderschaft, sondern die Kämpfer des „Islamischen Staats“ und der Staatszerfall im Jemen bereiten der GCC-Führungsmacht Saudi-Arabien inzwischen größere Sorgen. Dass am Mittwoch auch der Versuch Außenminister Samih Shukris vor dem Sicherheitsrat in New York kläglich scheiterte, Unterstützung für den Alleingang der Luftwaffe in Libyen zu bekommen, zeigt, wie die Unterstützung für Ägyptens aggressive Außenpolitik schwindet.

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