Bagdad Briefing

Eine arabische Kampftruppe

Der saudi-arabische König begab sich eigens hinaus auf die Gangway, um den Gast aus Ägypten am Sonntag zu empfangen. Abd al Fattah al Sisi dürfte die Geste zu würdigen gewusst haben: Im Februar waren abgehörte Gespräche bekannt geworden, in denen sich der Präsident in Kairo spöttisch über den Reichtum der Golf-Staaten geäußert hatte. Sein Treffen mit Salman in Riad dürfte deshalb auch dazu gedient haben, das Klima im Verhältnis zu dem wahabitischen Königreich zu verbessern.

Leicht wird das Sisi nicht gefallen sein. Denn die Prioritäten in Saudi-Arabien haben sich seit seiner Machtergreifung im Sommer 2013 deutlich verschoben: Nicht mehr der Kampf gegen die Muslimbruderschaft steht oben auf der Agenda, sondern die Bedrohung durch den „Islamischen Staat“ (IS). Dass mit der sunnitischen Terrorgruppe anders umgegangen werden muss als mit der ägyptischen Massenbewegung gilt in Riad – anders als in Kairo – als ausgemacht: Das Treffen des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan mit Salman an diesem Montag ist Ausdruck davon. Ankara gilt neben der qatarischen Regierung in Doha als wichtigster Unterstützer der Muslimbrüder. Sisi dürfte das nicht gefallen, denn auch in Libyen unterstützt Erdogan die islamistische Gegenregierung in Tripolis – nicht die international anerkannte Führung in Tobruk und Baida.

Hinzu kommt, dass der Vormarsch der Houthi-Rebellen im Jemen inzwischen ebenso bedrohlich für Riad ist wie das Erstarken des IS. Ägypten dürfte auf der Prioritätenliste des neuen Königs deshalb weiter nach unten rutschen. Zumindest darauf hat Sisi reagiert: Sein Vorschlag einer arabischen Eingreiftruppe nahm Medienberichten zufolge großen Raum ein beim Treffen mit Salman. Da Jemen die Meerenge von Bab al Mandab kontrolliert, über die Frachter den Suez-Kanal erreichen, ist das Land auch für Ägypten von großer Bedeutung.

Um “strategische arabische Interessen” zu verteidigen, wie Sisis in einem Interview mit dem saudi-arabischen Fernsehsender Al Arabiya sagte, sei es dehalb notwendig, eine Eingreiftruppe zu schaffen. Bereits zuvor hatte Riad darauf gedrungen, dass diese eine große ägyptische Komponente beinhalte. „Nicht um anzugreifen“, so Sisi, „sondern um die Sicherheit unserer Staaten zu verteidigen“, sollte die arabische Kampftruppe aufgestellt werden.

Angesichts der Abhängigkeit von Öl- und Finanz-Hilfen aus den reichen Golf-Staaten könnte Sisi die bittere Pille schlucken, seine Armee auf Wunsch Riads ins arabische Armenhaus zu schicken. Denn auch bei seinem letzten Versuch, die Partner am Golf auf seine Seite zu ziehen, hatte er den Kürzeren gezogen: Bislang haben nur die Vereinigten Arabischen Emirate offen seinen Kurs für eine stärkere Intervention in Libyen unterstützt. Wie im Jemen, wo der entmachtete Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi gerade in Aden eine Gegenregierung zu den Houthis installiert, schreitet im westlichen Nachbarland Ägyptens die Spaltung des Staates voran.

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