Bagdad Briefing

Schlinge um Tikrit

Auch am dritten Tag der Offensive gegen den „Islamischen Staat“ ist es der von schiitischen Milizen geführten Allianz nicht gelungen, die Innenstadt Tikrits zu erreichen. Wie am Dienstag rückten die Einheiten, die vom Chef der iranischen Quds-Einheiten, Qassem Suleimani, dirigiert werden, nur langsam auf die Stadt am Tigris vor. Zu Gefechten kam es in Vorstädten nördlich, südlich und östlich der Hauptstadt der Provinz Salaheddin. Sprengfallen an den Straßenrändern und IS-Scharfschützen verlangsamten den Vormarsch.

Ziel der von drei Seiten auf Tikrit vorrückenden Kämpfer sei es, „sämtliche Vororte einzuzingeln, sie zum Ersticken zu bringen und dann zuzuschlagen“, sagte General Abdel Amir al Zaidi am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Weder die Gemeinde al Daur im Süden der Stadt noch al Alam nördlich von Tikrit sind bislang zurückerobert worden. Durch die Orte kam in den vergangenen Monaten der Nachschub an die IS-Kämpfer, die die Geburtsstadt des 2003 gestürzten Diktators Saddam Hussein im Juni 2014 erobert hatten.

Wie lange es dauern wird, die Schlinge um Tikrit so eng zu ziehen, dass die von Tausenden schiitischen Milizionären geführte Anti-IS-Bodenallianz auf das Stadtzentrum vorrücken kann, ist unklar. Irakische und amerikanische Militärs sehen sie als Test für die Rückeroberung des 220 Kilometer nördlich gelegenen Mossuls, das ebenfalls im Juni vergangenen Jahres vom IS eingenommen worden war. Um den Nachschub aus dem 160 Kilometer entfernten Bagdad zu sichern, ist die Einnahme Tikrits für eine Offensive auf die irakische Hauptstadt des “Islamischen Staats” unabdingbar, weil es auf der wichtigen Verbindungsstraße zwischen beiden Metropolen liegt.

Mehr als zwei Drittel der an der Tikrit-Offensive beteiligten Kämpfer sind Angehörige schiitischer Milizen, sagte der amerikanische Generalstabschef Martin Dempsey am Dienstag. Zudem bestätigte er, dass iranische Artillerie bei den Angriffen eingesetzt worden sei. Zur iranischen Rolle äußerte er sich positiv: Die Unterstützung bei der Rückeroberung Tikrits sei hilfreich. „Um ehrlich zu sein, wäre es nur ein Problem, wenn das zu konfessionellen Spaltungen führen würde.“

Unmittelbar nach Beginn der Offensive am Montag hatte der UN-Sondergesandte für den Irak, Nikolay Mladenov, vor möglichen Menschenrechtsverletzungen durch die angreifenden Kräfte gewarnt. Kämpfer der mächtigen Hashid-Shaabi-Allianz (Volksmobilisierungskomitee) betrachten die Rückeroberung Tikrits als Rachefeldzug für das Massaker an Hunderten schiitischen Rekruten im Camp Speicher, die im Juni 2014 von IS-Kämpfern und früheren Angehörigen von Saddam Husseins Baath-Partei getötet worden waren. Der Führer der mit den Hashid Shaabi verbündeten Badr-Brigaden, Hadi al Amari, hatte die Bewohner Tikrits am Sonntag dazu aufgerufen, ihre Wohnungen innerhalb von 48 Stunden zu verlassen.

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