Bagdad Briefing

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Über den neuen Krieg gegen den Terror – und jene, die sich Krieg und Terror entgegenstellen. Von Bagdad bis Benghasi, von Doha bis Damaskus.

Al Qaida bleibt vereint – vorerst

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Die syrische Nusra-Front hat Berichten widersprochen, eine Abspaltung von Al Qaida zu planen. Die Organisationen „dementiert komplett“, dass ein Bruch mit der Mutterorganisation unmittelbar bevor stehe. Das war auf sozialen Medien und von Kennern der 2012 in Syrien zur stärksten Miliz im Oppositionslager aufgestiegenen Gruppe über Wochen geschrieben worden. Die Ankündigung, weiter dem von Ayman al Zawahiri geführten Terrornetz zu folgen, kommt nur wenige Tage nachdem die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram den Zusammenschluss mit Abu Bakr al Bagdadis „Islamischem Staat“ bekannt gegeben hatte.

Völlig aus der Welt freilich ist ein Bruch der Nusra-Front mit Al Qaida durch das Dementi nicht. In Syrien hat sie im vergangenen Jahr viel Boden gegenüber dem IS verloren, und in den Gebieten, in denen sie weiter die Kontrolle ausübt, gerät sie wegen ihres selbstherrlichen Vorgehens immer wieder in die Kritik – durch die Bevölkerung vom Regime belagerter Gebiete ebenso wie durch rivalisierende Milizen. Pragmatische Kräfte innerhalb der im April 2013 Al Qaida beigetretenen Gruppe forderten deshalb eine gemäßigtere Rolle in dem Konflikt, der kommende Woche in sein fünftes Jahr geht. 220000 Menschen sind seit März 2011 getötet worden, eine Million verletzt und mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht.

Doch vorerst scheint der Führung um Abu Mohammed Al Jolani nicht gewillt, den Bruch zu wagen. Aus Qatar hatte es zuletzt geheißen, dass man die Gruppe stärker unter die Fittiche Dohas nehmen wolle. Denn anders als der IS hat die Nusra-Front sowohl temporärer Bündnisse mit Milizen der Freien Syrischen Armee (FSA) gegen Einheiten des Regimes Baschar al Assads geschlossen – wie mit islamistischen Gruppen, die sich dem IS entgegenstellen. Die Rolle als Bodentruppe der von den Vereinten geführten Anti-IS-Luftallianz will die Nusra-Front aber nicht übernehmen. Vor allem die Tausenden ausländischen Kämpfer, die rund ein Drittel der Sunnitenmiliz ausmachen, träumen weiter von der Errichtung eines Kalifats nach IS-Vorbild in der nordwestsyrischen Provinz Idlib, wo die Organisation am stärksten ist.

Dieser Zweifrontenkrieg fordert seinen Tribut: Seit dem Eingreifen der Luftwaffe der Vereinigten Staaten in den Konflikt im vergangenen Herbst gerät auch die Nusra-Front stärker in Bedrängnis. Vergangene Woche war in Idlib der höchste Nusra-Militärkommandeur, Abu Humam al Shami bei einem Luftangriff ums Leben gekommen. Zuvor hatte ein amerikanischer Armeesprecher mitgeteilt, dass die Vereinigten Staaten zum Zeitpunkt des Angriffs keine Operationen über syrischem Territorium ausgeübt hätten.

Sowohl amerikanische Kampfflieger wie die Luftwaffe Machthaber Baschar al Assads gehen gegen sunnitische Dschihadisten in Syrien vor, ohne ihr Vorgehen miteinander zu koordinieren. Berichte, wonach auch der Nusra-Front-Führer Abu Mohammed al Jolani bei dem Angriff worden sei, ließen sich nicht bestätigen. Bereits im Februar jedoch waren weitere Führungsmitglieder der Organisation getötet worden.