Bagdad Briefing

Lange Schlacht um Tikrit

Der irakischen Allianz zur Rückeroberung Tikrits stehen noch schwere Kämpfe bevor. Weiterhin halte die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) siebzig Prozent der Provinzhauptstadt Salaheddins, sagte der Kommandeur einer schiitischen Miliz am Wochenende. Doch selbst wenn es zu harten Straßenkämpfen mit den sunnitischen Dschihadisten kommen sollte, würde Tigris „befreit“ werden, sagte Muain al Khamdy von den mächtigen Badr-Brigaden.

Rund 20000 schiitische Kämpfer bilden die wichtigste Einheit der Anti-IS-Bodentruppe, die seit zwei Wochen versucht, die Geburtsstadt Saddam Husseins wieder untere ihre Kontrolle zu kriegen. Das aber könnte länger dauern als von manchem General gewünscht. Nur rund 3000 Soldaten der schwachen Regierungseinheiten Ministerpräsident Haidar al Abadis beteiligten sich an den Kämpfen, hinzu kommen sunnitische Stammesangehörige aus der Gegend am Tigris. Auch der Optimismus Verteidigungsminister Khaled al Obedis, der die Schlacht um Tikrit bereits als „Wendepunkt“ im Kampf gegen den IS sieht, könnte verfrüht sein: Seit dem Siegeszug der sunnitischen Extremisten im vergangenen Sommer ist es der Armee noch nicht gelungen, eine Großstadt zurückzuerobern.

Und in den Orten, in denen die Einheiten IS-Führers Abu Bakr al Bagdadi erfolgreich vertrieben wurden, trug die amerikanische Luftwaffe erheblich zur Schwächung des mobilen Gegners bei. Das ist rund um Tikrit bislang anders: Wegen der starken Rolle, die iranische Militärberater und Offiziere der Revolutionsgarden bei der Offensive übernommen haben, halten sich die Vereinigten Staaten anders als im Nordirak mit Luftunterstützung zurück.

Dass der stellvertretende Verteidigungsminister Ibrahim al Lami am Montag Luftangriffe forderte, um die rund 700 in der Stadt am Tigris verbliebenen IS-Kämpfer stärker zu treffen, liegt daher auf der Hand. Berichte, wonach iranische Kampfflugzeuge in den vergangenen beiden Wochen an der Offensive beteiligt waren, gab es immer wieder. Offenbar sind selbst die vom Kommandeur der Quds-Einheiten, Qassem Sulaimani, dirigierten Schiitenmilizen nicht stark genug, ohne Lufthilfe auszukommen. Neben den kurdischen Peschmerga, denen es im Sindschar-Gebirge und am Mossul-Staudamm gelungen ist, den IS zurückzudrängen, bilden sie die wichtigste Bodentruppe gegen die Dschihadisten.

Verbrannte Häuser sollen sie bereits in den vergangenen Tagen auf ihrem immer wieder durch Sprengfallen und Scharfschützen aufgehaltenen Vormarsch Richtung Stadtzentrum zurückgelassen haben. Die Sorge vor konfessionell motivierten Racheakten durch schiitische Kämpfer ist groß, da der IS bei der Eroberung Tikrits vor einem Jahr im nordwestlich der Stadt gelegenen Camp Speicher Hunderte schiitische Rekruten massakrierte.

Am Montag veröffentlichten Nachrichtenagenturen Bilder des von IS-Einheiten dem Erdboden gleich gemachten Mausoleum Saddam Husseins im Süden der Stadt. Seit 2007 war dort der Leichnam des Diktators aufbewahrt worden, auch nachdem die sunnitischen Dschihadisten das Gebäude im Juni vergangenen Jahres in ihre Gewalt brachten.

Die mobile Version verlassen