Balance-Akt

Alles Banane

Heute gab es Bananen zum Abendessen. Ein ganzes Dutzend. Mit Schokosoße. Und drei selige Kinder dazu. Seither bin ich ein neuer Mensch. Denn ich weiß: Egal wie finster der Tag, Bananen hauen es wieder raus.

Nichts hat heute geklappt. Einen Termin in Österreich sollte ich bestätigen, mir ein Geschenk für meine Mutter einfallen lassen, eine Ausrede zurechtlegen für den Elternabend, den ich abends schwänzen wollte. Auf dem Weg in die Redaktion hatte ich mir vorgenommen, die Reportage aus München zu schreiben, einem Star-Autoren sein Geheimnis zu entlocken und mir eine Meinung zum Desertec-Projekt zu bilden. Das alles wäre auch geglückt, wenn nicht Olga angerufen hätte, unsere Putzfrau, dass die Waschmaschine leckt. Oder wenn ich den PC-Stick mit meinen Notizen nicht verlegt hätte. Oder wenn mich wenigstens nicht wieder dieser beleidigte Pressesprecher belästigt hätte. So muss ich das Schreiben auf abends verschieben, zum Kindergarten komme ich trotzdem zu spät.

Im Supermarkt habe ich alles unter Kontrolle. Bis Hannes, mein Sohn, drei Jahre alt, über die Bananen herfällt, während ich mit einem Verleger telefoniere. Aufquetschen, anbeißen, quetschen, beißen. Ein Dutzend Mal, bevor ich das Malheur entdecke. Ich breche das Gespräch ab. Schimpfe. Bezahle. Koche Schokosoße. Und plötzlich matschen wir Bananen und kichern. Morgen, denke ich zuversichtlich, morgen werde ich dem Verleger mailen, die Steuer überweisen, den Romancier ausquetschen, flache Schuhe tragen, die Kinder nicht schimpfen. Ich werde cool sein und gelassen. Und ich werde eine Kolumne beginnen über meine neue Balance. Hannes sei Dank.

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