Balance-Akt

Balance-Akt

Spielt sich die Wirtschaft nur in den Chefetagen ab? Nein, nein!

Milliardäre

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An der Schule hat es einen Eklat gegeben. Im Deutschunterricht nannte ein Junge „Milliardär" als Traumberuf. Er trainiere bereits auf Profigolfer, sagte...

An der Schule hat es einen Eklat gegeben. Im Deutschunterricht nannte ein Junge „Milliardär“ als Traumberuf. Er trainiere bereits auf Profigolfer, sagte der zehn Jahre alte Spross aus gutem Haus. Daraufhin dozierte der Lehrer eine Stunde lang über den schnöden Mammon, Hochmut, Habgier, Neid und andere Todsünden. Das hätte er nicht tun sollen. Unter den Eltern tobt nun ein Streit, wie er sonst nur aufkommt, wenn es ums Essen in der Schulkantine (Bio oder nicht) geht.

Wie kann der Lehrer es wagen, Ambitionen der Schüler auszubremsen, zetern die einen. Er hätte das Kind vor der Klasse nicht bloßstellen dürfen, geben die anderen zu bedenken. Wie will er den verpassten Lernstoff wieder reinholen – wo die Kinder doch mit G8 eh schon überfordert sind, sorgen sich die nächsten. Wieder andere fragen: Wie schützen wir unsere Kinder vor so verzogenen Vorstandsblagen? Vermittelt denn die Schule gar keine Werte mehr?

Ich halte mich da raus. Insgeheim nämlich befürchte ich: Unsere Kinder sind ähnlich verdorben. Die Sechsjährige fragt bei jedem Beruf, über den wir reden: Verdient man da viel? Auch bei Taliban und somalischen Piraten. Und der Kleine, gerade mal drei, sagt zu allem: „Das kaufen wir, oder?“ Ich besuche eine Zirkus-Direktorin, er will anschließend Elefanten, Zelt und den weißen Löwen. Ich treffe einen Stahlmagnaten, er fordert ein Bergwerk. Ein Spielwarenladen musste ich ihm ausreden, eine Ferienwohnung auf Rügen und kürzlich ein hübsches Minarett, das er in der Zeitung entdeckte. Grenzen kennen meine Kinder nicht. Als ich ihre Erwartungen für Weihnachten zu dämpfen wagte („Das Christkind bringt sicher nicht alles“), antworteten sie frech: „Dann kaufen wir uns eben eine neue Mama.“


1 Lesermeinung

  1. <p>Kinder spiegeln meistens...
    Kinder spiegeln meistens ganz gut ihre Eltern….und sagen, was sie gerne hören, wenn auch abwehrend, aber gewiss schmunzelnd.

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