Balance-Akt

Ein Autogramm von Olli Kahn

Wir haben Nina neulich ein Autogramm von Olli Kahn besorgt. Das war ein Fehler. „Gib deinen Traum nie auf, Nina“, hat der Torwart-Titan ihr geschrieben.

Seither steht Ninas Traumjob nichts mehr im Weg: Unsere Siebenjährige will Torwart werden. Und wie`s der Zufall so will, hat sich die Nummer eins in der F-Jugend die Hand gebrochen – jetzt steht Nina im Tor und es sieht nicht so aus, als würde sie den Platz je wieder räumen. Nur kann ich ihr, aller Mutterliebe zum Trotz, keine große Zukunft als Torwartin voraussagen. Den Beruf gibt es nicht einmal, so wenig wie Bergbau-Kumpeline, Kapitänin oder Bodyguardin. Ist ja auch alles nix für Mädchen.

Aber Nina träumt vom Einlaufen bei der Frauenfußball-WM im Sommer, an der Hand der schönen Lira Bajramaj. Dann folgt der Sieg im Derby gegen Neuenhain, bald darauf ein Trainingscamp mit Franz Beckenbauer und irgendwann zwangsläufig ihre Berufung in die Damen-Nationalmannschaft. Reich wird sie dann auch, sagt Nina. Die Zeiten, in denen Frauen im Fußball mit einem Kaffeeservice abgespeist werden, sind längst vorbei. Werbeverträge mit Mercedes, Black & Decker und Armani für sie sind das Mindeste.

Im WM-Endspiel 2027 hält sie spektakulär drei Elfmeter gegen die Grazien von der Elfenbeinküste, tritt dann – auf dem Höhepunkt des Erfolgs – ab, um sich voll ihren Verpflichtungen als UN-Friedensbotschafterin zu widmen. Harvard verleiht ihr ein bis zwei Ehrendoktor-Titel, Lady Gaga widmet ihr ihr neues Album und neben Marc Zuckerbergs Sohn spielt sie die Hauptrolle in einer wunderbaren Hollywood-Komödie.

Ich, die Heldenmutter, werde dann längst Gefallen an ihrer Karriere gefunden haben. In meiner vom Fußball finanzierten Villa im Tessin werde ich ihre Biografie schreiben: „Ich – Nina“; rührend, mit viel Atmo und irren Details. Ein Kracher.

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