Balance-Akt

Kosmetik für Karrierebiester

Seit Wochen hat unsere Freundin,  die karriereversessene Soziologin, dem Termin entgegengefiebert: Ihr  Oberboss beim Weltkonzern hat sie für ein Top-Seminar für Top-Spitzenfrauen nominiert. Welch`  Ehre!  Wenn ihr das mal nicht den nächsten Kick gibt! Ihren Erzählungen nach wähnten wir sie eh bereits im Vorstand oder zumindest kurz davor. Wir werden das beobachten. Der Kongress war jedenfalls der Hit, hat sie berichtet. So was von hochkarätig.  

„Ein ganzer Saal voller Karrierebiester“, tönt Regine. Die Konkurrenz schreckt sie gar nicht. Sie tickt anders, sieht Karrierechancen überall. Denn Jobs gibt es massenhaft für Frauen. „Wenn sie nur wollen“, belehrt sie mich soziologenhaft: „Wir waren doch noch nie so begehrt.“ Pharma, Auto, Banken – alle Branchen hatten ihre Kundschafter geschickt, um das aufstiegswillige Geschlecht auszuspionieren. Da es Regine nach eigenem Urteil an Kompetenzen nicht mangelt („Intellektuell wie sozial habe ich alles drauf“), hat sie sich gleich mit den einschlägigen Karrieretechniken beschäftigt: „Umgang mit Macht: strategisches und politisches Agieren“, hieß ihre liebste Sitzung, gefolgt von „Führen im oberen Management“. Auch nicht schlecht: „Die Tätigkeit als Aufsichtsrätin“. Man weiß ja nie, wann  die erste Anfrage kommt. Die Belehrungen zu „Gehalts- und Beförderungsstrategien“ dagegen fand sie viel zu lasch: „Das läuft ganz anders bei uns.“  

Ein gelungener Tag also, wenn nur das Begleitprogramm nicht gewesen wäre: „Die hatten eine Kosmetikfirma als Sponsor“, empört sich Regina. „Ist doch prima“, entgegne ich: „Gab`s Pröbchen?“ Das war die falsche Frage. Die Soziologin wird ungehalten. „Kosmetik! Auf einem Karrieretag! Was ist das denn für ein Frauenbild?“ Und als Co-Sponsoren traten auch noch ein Wellnesshotel und eine Schuhmarke auf. „Das Allerletzte!“, schnaubt sie wütend. Sonst werben bei Manager-Tagungen Porsche, Boss und Rolex. So was mag Regine auch beim nächsten Women-Kadertreff.

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