Balance-Akt

Mit Oma, ohne Vampire

Alle schreiben Bücher, obwohl kaum einer liest. Das ist erstaunlich. So wie es bald mehr Talkshowgäste gibt als Zuschauer, übersteigt die Zahl der Dichter demnächst die der Leser. Bevor es so weit ist, verfasse ich noch schnell ein Werk.

Ich habe da nämlich eine grandiose Idee. Ich schreibe erstmals mit meiner Tochter. Damit folgen wir dem neusten Schrei unter amerikanischen Mamis. P.C. Cast und Kristin Cast aus Oklahoma zum Beispiel sitzen mindestens an Band sieben von „House of Night“. Verkauft sich millionenfach das Zeug, muss also auch bei uns klappen: Leser lieben Mutter-Tochter-Duos. Weil das so authentisch ist. So viel heile Welt, wo Eltern und Kinder fröhlich zusammen musizieren oder, wenn das eben nicht klappt, gemeinsam texten. Und obendrauf (gegenüber der Vater-Sohn-Kombination) der Gender-Bonus. Die Sache läuft, ich bin ganz sicher. Die Welt lechzt nach Power-Autorinnen, nachdem wir über Jahrhunderte durch die Le Carrés, Scholl-Latours, Goethes und Grishams in unserem literarischen Fortkommen unterdrückt wurden. Jetzt sind wir dran! Durch das Tandem-Modell weiten wir die Zielgruppe extrem aus, verfassen einen sogenannten „All-Ager“, ein Buch, das 13- bis 15jährige nicht überfordert, so dass auch die Eltern inhaltlich noch mitkommen. Das geht weg wie nix.

Nur weiß ich noch nicht, welche Tochter ich einspanne. Jule ist mit elf Jahren fast etwas alt, werkelt doch die halbe Klasse an Debüt-Roman, Autobiographie oder Youtube-Clips. Dann vielleicht doch lieber Nina. Die, so könnte ich in Interviews erzählen, hat bereits mit acht Jahren (amazing, oder?) im Sommerkurs „creative writing“ ihr Talent entdeckt. Vielleicht nehmen wir die Oma mit ins Team, beglücken als „Triple aus dem Taunus“ das Volk. Das Thema? Ja, gibt es natürlich. Dazu jetzt nur so viel: Es wird alles ganz anders. Ohne Gier, Sex und Skandale (Oma mag das nicht), ohne Vampire und depressive Patchwork-Familien (die mag Oma noch weniger). Seltene Erden werden eine Rolle spielen, ein Fußballstar im Erziehungsurlaub und mutige Monchichis. Ich denke, eine Trilogie wird‘s wohl werden.

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