Balance-Akt

Mails um Mitternacht

Meine Emailbox quillt über: Einladungen zu Adventsfeiern, Baumschlagen, Krippenspiel, Bläserkonzert und Erinnerungen an diverse Weihnachtsmarkt-Standdienste. Das Übliche halt. Erstaunlich aber sind die Sendezeiten: 0:59, 23:48, 4:01, 5:33.

Ja, drehen jetzt alle durch, arbeiten bis in die Tagesrandstunden hinein? Oder wollen sie sich bloß wichtigmachen? Stets im Einsatz, oder? Erreicht die Unart übereifriger young potentials unser Privatleben? Muss ich mitmachen? Vielleicht schenkt mein Bruder seiner Patentochter ja mehr, wenn ich ihm um 3.01 antworte, dass Nina sich Torwarthandschuhe wünscht und das „Piratenkommanto mit Waffenarsänal für 7,99 Euro“. Vielleicht verzeihen die anderen Mütter mir eher, dass ich den Instrumente-Fahrdienst für die Orchester-Kinder quittiere, wenn ich das nachts verkünde? Gibt es dazu Studien? Sollte sich das nämlich auszahlen, könnte ich es durchaus so hindrehen, wie bei der Waschmaschine, die wir so programmieren, dass sie morgens früh schon wäscht. 

Denn Zeit hab ich zu solch ungemütlichen Stunden nicht. Gestern Abend habe ich für Jule spontan ein Seminar „Anlegen eines Druckverbandes“ einberufen und morgens um vier musste ich drei Kurzreferate für anderthalb Zuhörer (mein verschlafener Gatte und ein hellwacher Fünfjähriger) erfinden: Los ging‘s mit der äußerst spannenden Frage „Wie fällt man in Ohnmacht und ist das gesund?“, es folgte „Mama, was ist eigentlich Dankbarkeit?“ und endete mit „Jedes Kind kann schlafen lernen – auch Du, Hannes!“

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