Balance-Akt

Schlaumeier am Montag

Es ist höchste Zeit für Solidarität mit Managern: Schützt die Männer (und Frauen) der Tat vor Beratern, Schlaumeiern und sonstigen Schwätzern! Ich kann sie nicht mehr hören, diese Typen, die sich im Nachhinein den Lauf der Dinge zusammenreimen: Wie Europa sich demontiert hat („Die Merkel war zu zögerlich“), was bei Siemens schiefläuft („Total overengineered“) und was Joe Ackermann falsch gemacht hat („Erstens hätte er nie…“). Für gewöhnlich beginnt jeder zweite Satz mit einem selbstbewussten: „Das hätte ich denen vor einem halben Jahr sagen können.“

In Amerika gibt es für diese Art Mensch den Begriff „Monday Morning Quarterback“ – notorische Besserwisser, die nach jedem Footballspiel dozieren, was sie als Spielmacher (Quarterback) besser gemacht hätten. Vom Sofa aus, versteht sich, nach dem Studium aller Zeitlupen-Aufnahmen und Spielanalysen. Gerade so wie die Consultants! Selbst nie etwas zustande gebracht, aber in der Nachlese unfehlbar. Die Deutsche Börse hätte, Helmut Dietl sollte, die FDP könnte, tönen die Sesselphilosophen, während sie Politik, Wirtschaft, Kultur in einem Atemzug erklären.

Dabei demonstrieren sie allerdings nur eine Fähigkeit, die sogar Affen beherrschen. Neurobiologen der Universität Yale haben nun herausgefunden, dass zumindest Rhesus-Affen zum Monday Morning Quarterbacking taugen. Dazu haben die Forscher mit den Tieren Schnick-Schnack-Schnuck gespielt, was auch unsere Kinder praktizieren, um auszuknobeln, wer den Ball beim bösen Nachbarn holen muss. Und siehe da: Auch ein Äffchen weiß im Nachhinein, dass die Schere die bessere Wahl gewesen wäre als das Papier und dass es damit ein besseres Ergebnis (der Siegeraffe erhielt ein Glas Saft) erzielt hätte. Nur für die nächste Spielrunde hilft das leider gar nichts. Im Übrigen: Bei uns muss immer der kleine Hannes laufen, egal wie Schnick-Schnack-Schnuck ausgeht.

 

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