Balance-Akt

Wilde Tiere im Büro

Hilfe, die Tiere kommen! Diese Woche hatte ich im Büro Besuch von einem Eichhörnchen. Es hüpfte durch die Terrassentür und blickte mich mit großen Özilaugen an. Wie süß, dachte ich im ersten Augenblick. Und dann: Nein, auf Dich fall ich nicht herein, Du kleines Monster!

Ich kenne die Tricks. Seine Krallen hätte das Vieh gegen mich ausgefahren, das Büro verwüstet, den Laptop entwendet. Das glauben Sie nicht? Dann haben Sie sich einlullen lassen von all den militanten Tierfreunden, die totschweigen, was derzeit passiert, überall in Deutschland. Ein Tiger zerfleischt eine Pflegerin, obwohl die beiden sich seit Jahren kannten. In Quickborn wurde eine Kuh auf frischer Tat als Einbrecherin gefasst, in Ostfriesland attackieren Feldhasen Autos (für den Blechschaden müssen die Fahrer natürlich selbst aufkommen), Schafe greifen Regionalzüge Richtung Stettin an, Enten besetzen unser Freibad und ein Otter vergreift sich an einer Hamburger Putzfrau. Das muss man sich mal vorstellen!

Bald werden die Krankenkassen Alarm schlagen: Denn der Krankheitsstand steigt, seit Mäusebussarde zuhauf harmlose Jogger anfallen. „Hitchcock ist nichts dagegen“, berichtet unser Freund, ein Unternehmensberater und Langstreckenläufer. Scheinbar gelangweilt beobachten sie von einem Baum aus, wie er antrabt, dann stoßen die Biester hinab auf seine lichte Kopfhaut. Wieder und wieder. Nun traut er sich kaum mehr aus dem Haus. Seine Work-Life-Balance wankt. Genau wie die der Filmproduzentin, die von Wildschweinen durch den Taunus gejagt wurde. Und es kommt schlimmer. Risikoaffine Zebrafische, so warnen Forscher, bereiten die Übernahme des Berliner Flughafens vor. Maulwürfe untergraben die Bundesbank und entwenden große Teile der Goldreserven. Und eine illegal eingereiste asiatische Tigermücke veröffentlicht im Herbst auf der Frankfurter Buchmesse ihr erstes Ebook: „Der Mensch schafft sich ab.“ Ohne uns! Als erstes fällen wir jetzt die Nussstauden. Dann betonieren wir den Garten.  

 

 

 

 

 

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