Balance-Akt

Von Bauern und PR-Mäuschen

„Mama, was ist ein PR-Mäuschen“, fragt mich unsere Achtklässlerin, die sich derzeit eifrig um ein Schulpraktikum bemüht. Und da Mama und Papa auf gar keinen Fall ihre Beziehungen spielen lassen sollen (so der Lehrer), klickt sie sich durch diverse Internetseiten.

Leider sprechen die Erfahrungsberichte anderer Schüler dort vehement gegen einen Erstkontakt mit der Arbeitswelt. Glaubt man den Teenies, so werden die Armen einfach nur ausgenutzt – als bessere Putzen, Koffer-Kulis oder eben als PR-Mäuschen. Absolut unzumutbar! Und sexistisch allemal.

Wo die jungen Menschen später arbeiten wollen, ist mir ein Rätsel. Natürlich will niemand von ihnen etwas mit Bankern zu tun haben, diesem Pack von Zockern und Spekulanten. Der Berufstand ist inakzeptabel, Schluss, aus. Die schreibende Zunft, für die ich bei der Tochter werbe, ist ebenfalls verpönt („Wer will schon lesen, was Du schreibst“), Lehrer rangieren knapp vor den Budenverkäufern auf dem Jahrmarkt. Anwälte und Ärzte sind Gierhälse, denen es nur ums Geld, nie um den Menschen geht, Erzieherinnen werden viel zu schlecht bezahlt. Ein Job als Handwerker scheidet generell aus („die Hände kriegst du nie wieder sauber“). Beamte sind verpönt als faule Säcke, Unternehmer sind Ausbeuter, Politiker sowieso Verbrecher. Bäcker und Metzger? Kennen sie nicht. Und was Bauern so treiben, will die Jugend von heute lieber gar nicht wissen. Hausfrau geht auch nicht (ein reicher Mann allerdings wäre nicht verkehrt).

Wovon träumen sie dann bloß, die Jungs und Mädels? Ein Leben als Umwelt-Blogger könnten sich viele vorstellen, haben Recherchen im Freundeskreis ergeben. Als Energiesparer, Tierschützer, Fußball-Profi, der nächste Steve Jobs oder überhaupt als Star.

Jule träumt vom Theater. Ein Praktikum bekommt sie da nicht – ohne Vitamin-B läuft nichts hinter der Bühne. Immerhin aber hatte die Konfirmandin schon ihre erste Rolle, im Krippenspiel.

 

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