Berlin ABC

Berlin ABC

Wir fahren durch die Hauptstadt

Einen hab ich noch!

| 14 Lesermeinungen

Eigentlich wollte ich mit den Geschichten vom Bahnhof Tempelhof ja Schluss gemacht haben, aber es gibt da doch noch ein paar Kleinigkeiten…

tempelhof_taxistand

Das hier zum Beispiel ist die vermutlich einsamste Taxirufsäule diesseits der Oortschen Wolke. Sie steht auf der Manfred-von-Richthofen-Straße an der Ecke zum Tempelhofer Damm. Ich wohne hier seit sechs Jahren und die bisher einzigen Gelegenheiten, zu denen ich dort überhaupt mal ein Taxi gesehen habe, waren jene, die man als “Feierabend” bezeichnen könnte. Und zwar Feierabend des Taxifahrers. In meiner Siedlung wohnen bemerkenswert viele Taxifahrer und manche von denen stellen ihre Fahrzeuge an dieser Säule ab, wenn sie nachhause gehen.

Weil bei mir so viele Taxifahrer wohnen, ist es einem, auch nur halbwegs kontaktfreudigen, Menschen kaum möglich, gelegentlich mit denen auch in jenem Alltag zu interagieren, in dem man sich nicht chauffieren lässt – was ich in Berlin ohnehin nicht gerne mache, denn mein Pech mit dem hiesigen Droschkengewerbe ist sprichwörtlich. Fahrer, die meine Sprache so schlecht sprechen, dass ich ihnen aufschreiben (und dann auch zeigen) muss, wohin ich will, Fahrer, die mit 80km/h durch die Stadt brettern und dabei pausenlos irgendwelche krummen Geschäfte am Telefon zu erledigen haben, Verschwörungstheoretiker, Rassisten… Alles, was es an Taxifahrerklischees gibt, scheine ich schon am eigenen Leib erlebt zu haben. Der absurdeste Fahrer war damit überfordert, mich vom Olympiastadion zum Flughafen Tegel zu bringen, ohne die ganze Zeit in eine Karte zu gucken. Diese lag auf dem Beifahrersitz, zu dem er immer wieder hinüber geschielt hat. Dummerweise war er derart kurzsichtig, dass er nur dann etwas erkennen konnte, wenn er sich weit runtergebeugt hat. Dadurch kam jedes Mal der Wagen leicht ins Schlingern, so dass der Fahrer jeweils vom Gas ging. Ich bin also per Taxi zum Flughafen gefahren und es muss von außen ausgesehen haben, als hätte ich mich nach einem halben Kasten Bier selbst noch ans Steuer gesetzt. Schreib sowas in ein Drehbuch und jemand anderes bekommt den Job.

Meine seit zwei Jahrzehnten schlechten Taxi-Erfahrungen (früher war es wenigstens noch billig) führen dazu, dass ich Taxifahrer zu den verachtenswertesten Berufen zähle, die etwas mit dem Befördern von Personen oder Gütern zu tun haben. Oder vielmehr zählen würde. Denn weil ich in meinem taxifahrtlosen Alltag so häufig mit Taxifahrern zu tun habe, bekomme ich jeweils einen Gratis-Realitätsabgleich, aus dem ich mit der Erkenntnis herauskomme, dass Taxifahrer auch bloß genauso Pfeifen sind, wie Du und ich, und ganz sicher nicht einer Sonderverachtung bedürfen.

Es ist mit in den letzten sechs Jahren schon mehrfach passiert, dass ich einem Taxifahrer erklären musste, wo ich wohne. Die Dialoge dazu liefen meist dergestalt ab:

Ich so: “Hoeppnerstraße. Ist die bekannt?”
Fahrer so: “Nein” *nestelt an Navi rum*
Ich so: “Ich sag an. T-Damm stadtauswärts bis kurz vor S-Bahn Tempelhof. Da ist so ‘ne Pizzeria. Da rechts rein.”
Fahrer so: “Ach, die Straße, wo die Taxihalte ist, wo nie einer steht?!”
Ich so: “Nein, genau eine Ecke weiter”

Ich bilde mir das alles also nicht bloß ein! Was ich aber eigentlich fragen wollte: Weiß hier jemand, wie die Säulen gemeint sind? Ich habe so ein Ding noch nie selbst benutzt, noch nie gesehen, wie eine benutzt wird, traue mich irgendwie nicht, an dem Ding mal herumzumanipulieren und war auch jeweils zu trunken, um den Fahrer zu fragen (wenn ich nüchtern bin, fahre ich S- oder U-Bahn). Wer weiß nämlich, was dann passiert… Bei Taxifahrern soll man ja lieber vorsichtig sein.

Hab ich gehört.


14 Lesermeinungen

  1. Jacobengel sagt:

    Txaxifahrergeschichten sind ein Buch wert
    Ja, wer ab und zu mal Taxi fährt, kann einiges berichten. Ich bin ja sonst eher “besorgter Bürger”, aber aus aktuellem Anlass sehe ich kein Problem in der NY-Lösung, nämlich: Jeder Immigrant soll sich möglichst schnell in seinem Land zurechtfinden und Einheimischer werden. Und wo geht das besser als im Taxigewerbe? Lass es mich so ausdrücken: Fuck Bürokratie, gebt ihnen Lizenzen! Gleichzeitig für uns Schlipsträger eine seltene Gelegenheit, Tuchfühlung mit den Neuen aufzunehmen. Ein gewisses Verkehrsrisiko und Nachhilfe in der Verkehrsführung nehme ich in Kauf. Wer mehr Sicherheit will, muss Uber nutzen (hihi).

  2. Tarifkenner sagt:

    Taxirufsäule und -fahrer
    Kleine Ergänzung zu den Taxisäulen: Als Alternative zu “beim Vorbeispazieren irgendwann mal die Nummer aufschreiben” konnte man zumindest früher auch im Telefonbuch nachschauen, da waren alle Taxisäulen der Stadt nach Standort gelistet.

    Obwohl ich nicht meistens in Berlin und am zweithäufigsten in Griechenland Taxi fahre, hatte ich doch mein mit Abstand heftigstes Taxierlebnis in einer touristisch einigermaßen erschlossenen Gegend Mecklenburg-Vorpommerns: Der Fahrer fährt mit überhöhter Geschwindigkeit eine typisch Mecklenburger Allee entlang. Plötzlich nimmt er beide Hände vom Lenkrad und massiert ausgiebig beide Augen gleichzeitig mit seinen Handballen. Als er fertig ist stöhnt er: “Booaaa, bin ich müde”.

  3. Robert Krön sagt:

    Im Ausland...
    Mir ist das auf Maui (Hawaii) mal passiert, das ich dem Fahrer mein Iphone mit Naviapp drauf durchreichen musste, da er nichtmal denOrt kannte, in den ich fahren wollte. Und die Insel hat deutlich weniger Straßen als Berlin.

Kommentare sind deaktiviert.