Berlin ABC

Berlin ABC

Wir fahren durch die Hauptstadt

12. Dez. 2015
von Holger Klein
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Dorfkirche Tempelhof (Alt-Tempelhof)

Ich stehe auf Alt-Tempelhof und halte meine Kamera hoch. „Was fotografieren Sie denn da?“, fragte eine Dame um die 50. „Das Schild“, antwortete ich. Darauf sie, leicht verschwörerisch: „Achso, ich dachte, die Streifen da oben am Himmel“ und ich: „Warum sollte ich denn bitteschön Kondensstreifen fotografieren?“.

thf_dorfkirche_schild

Dabei habe ich geblickt, als hätte sie nicht mehr alle Tassen im Schrank, was bei Menschen, die Kondensstreifen mit einer Hosentaschenkamera fotografieren, ja häufiger vorkommen soll, woraufhin sie weiter ihres Weges zog, ohne mich mit irgendwelchem „Chemtrail“-Schwachsinn vollzulabern. Glück gehabt. Einerseits. Andererseits habe ich jetzt eine Möglichkeit gefunden, solche Spinner aktiv anzuziehen, wenn ich mal ein wenig Spaß mit der Denkfaulheit meiner Mitmenschen haben möchte: Einfach mal Kondensstreifen fotografieren (und dabei vielleicht noch ein wenig paranoid aussehen).

Das Schild habe ich beim letzten Besuch hier einigermaßen ignoriert. Zwar wusste ich, dass es die kleine Kirche gibt, aber dass ein Schild auf sie hinweist, ist mir bisher entgangen. Guter Grund, dem Schilde zu folgen. Auf zur „alten Dorfkirche“ (der Italiener hatte sowieso noch zu), der größten Dorfkirche Berlins.

thf_dorfkirche_01

Ein wenig wie der Kölner Dom, den man auch nicht komplett auf ein einzelnes Bild bekommt – so sehr sich die Touristen auch bemühen, die man gelegentlich dabei beobachten kann, wie sie in der Burgmauer, gegenüber von Café Reichhard (gute Torten!), auf dem Bauch liegen und sich abmühen – ist auch die Dorfkirche kaum in Gänze fotografierbar. Im Winter, wenn die Bäume kein Laub mehr haben, funktioniert es halbwegs, während die Kirche im Sommer immer ein wenig verwunschen aussieht – was ja auch seinen Charme hat.

thf_dorfkirche_02

Die Dorfkirche steht am Rande des alten Parks, der Teil einer dreiteiligen Parkanlage aus altem Park, Lehnepark und Bosepark ist und sich zwischen Manteuffelstraße und Tempelhofer Damm entlangzieht (gleich auf Höhe des Rathauses). Um diese Parks herum wohnt es sich sehr schön, so dass ich mich einerseits immer ein wenig ärgere, meine Wohnung nicht einfach eine oder zwei UBahn-Stationen weiter stadtauswärts bezogen zu haben – was damals auch nicht teurer, vermutlich sogar billiger gewesen wäre – um nicht mehr fünf Minuten mit dem Fahrrad, sondern nur noch drei Minuten zu Fuß dorthin zu brauchen. Außerdem gibt es in der Parkstraße ein gemütliches Café mit lecker Kuchen unter Bäumen. Ja, was will ich denn mehr?! Andererseits amüsiere ich mich immer ein wenig über all die Leute, die heutzutage noch versuchen, irgendwo in der Innenstadt in ähnlich schöner Lage zu wohnen und sich darüber beschweren, dass dies ja kaum noch möglich, weil zu teuer oder zu voll (vor allem mit Touristen) sei. Mehr will ich über die Parks auch gar nicht sagen. Hinterher kommt noch jemand anderes außer mir auf die Idee, dorthin zu gehen. Und dann wäre ja der Geheimtipp weg.

thf_alter_park

Die kleine Dorfkirche hatte mich schon irgendwie verzaubert, als ich vor sechs Jahren in die Gegend gezogen bin. Dabei hab ich es eigentlich gar nicht sonderlich mit Sakralbauten – dafür aber anscheinend umso mehr mit Idylle und mit Sachen, die ein wenig mysteriös aussehen, wie eine Kirche hinter Bäumen. Umso erfreuter war ich, zu hören, dass die historischen Anfänge der Kirche einigermaßen im Dunkeln liegen. Anfang des 13. Jahrhunderts gründete der Templerorden hier seine Komturei und die Kirche gehörte sowohl dazu, wurde aber auch als Dorfkirche für Tempelhof selbst benutzt (was sie auch schon vor Ankunft der Templer gewesen sein könnte – vermuten jedenfalls die Archäologen). Die Templer wurden aufgelöst, weil sie sich nationaler Kontrolle entzogen, die Kirche ging an die Johanniter, brannte ab, wurde wieder aufgebaut, brannte im Krieg wieder ab, wurde Anfang der 1950er Jahre ordentlich restauriert, steht jetzt rum und sieht hübsch aus. Ich würde gerne mal reinschauen, aber leider ist das Gebäude bisher immer verschlossen gewesen. Angeblich ist sie regelmäßig Donnerstags von 14 bis 18 Uhr geöffnet, aber Donnerstags habe ich um diese Uhrzeit leider nie Zeit in die Kirche zu gehen. Aber immerhin gibt es ein Büchlein zu ihrer Geschichte, dass man für fünf Euro bei der Gemeinde oder für sechs im Buchhandel kaufen kann, und wie es sich für eine moderne Dorfkirche gehört, ist sie auch auf Facebook.

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Es gibt übrigens noch die Legende eines unterirdischen Ganges der Tempelritter, die sich seit mindestens dem 19. Jahrhundert fast genauso hartnäckig hält, wie die Verschwörungstheorien um die Templer und deren vermeintliche Nachfolger, die Illuminaten. Womit wir wieder bei den Spinnern vom Anfang wären, in deren Wahnvorstellungen man sich ganz herrlich verlieren kann, wenn man einmal damit angefangen hat, über sie zu lesen. Man darf ihnen bloß nicht auf den Leim gehen und ebenfalls anfangen zu glauben, die Welt sei ein strukturierter Ort. Folgen Sie einfach dem Link zum Illuminatenorden und dann den Links im Wikipedia-Artikel (vor allem den Fußnoten). Schönes Wochenende!

12. Dez. 2015
von Holger Klein
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08. Dez. 2015
von Katrin Rönicke
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Französische Straße

Wenn Menschen nach Berlin kommen, wenn sie sich die Stadt ansehen wollen, wenn sie herum flanieren und gucken und shoppen wollen, dann gehen sie nach Mitte. Gerade im Winter, gerade in der Weihnachtszeit, wo am Gendarmenmarkt einer der bekanntesten und angeblich auch schönsten Weihnachtsmärkte der Stadt zu finden ist. Der Gendarmenmarkt liegt nahe der U-Bahn-Haltestelle Französische Straße.

franz_strasse

Weil mir Weihnachtsmärkte nicht zusagen, denn dort treten sich gemeinhin Menschen mit zu viel Glühwein intus gegenseitig auf die Füße, und weil es außerdem an jenem Tag ganz schön geregnet hat, bitte ich um Nachsicht, wenn ich lieber eine andere Geschichte über die Französische Straße erzähle. Es ist eine Geschichte, über Eliten und soziale Rollen.

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Rund um die Haltestelle finden sich Orte, an denen ich meinen 13 Jahren Berlin so gut wie noch nie war. Edle Hotels, der Rotary und der Capital Club, Einkaufszeilen der gehobenen Klasse, das Restaurant „Borchardt“ und andere Adressen der höheren Klassen, der Elite – ob Finanzelite oder politische Elite. Ein Mädchen wie ich würde dort eher aus dem Rahmen fallen, denn ich liebe Hoodies, trage nicht selten Doc Martens-Boots und mein gesamtes Antlitz strahlt die Mittelschicht aus, der ich entstamme (ich habe das schon einmal am Tegernsee ausprobiert, auch dort fiel ich etwas aus dem Rahmen). Mit dem Alter sind die Zeichen meiner linken politischen Einstellung weniger geworden. Früher, als ich Chapati-Röcke über Cordhosen trug, hielt man mich in der Drogerie der Heimatkurstadt auch schon mal für eine potentielle Diebin – den Blicken nach zumindest. Weiterlesen →

08. Dez. 2015
von Katrin Rönicke
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04. Dez. 2015
von Holger Klein
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Savignyplatz

Ich musste zum Savignyplatz, um ein paar Flaschen Wein zu besorgen. Der Savignyplatz ist einer meiner Berliner Sehnsuchtsorte, von denen ich kaum Schlechtes zu berichten weiß.

savignyplatz_schild

Ich hätte schon immer gerne hier gewohnt. Dummerweise war mir das zunächst nicht wirklich klar, und mittlerweile kann ich es mir nicht mehr leisten. Dabei flaniert es sich hier ausgesprochen gut, denn es gibt ungeheuer viel zu sehen – und darum auch zu erzählen. Spontan fallen mir ein: Die Paris Bar, das Stilwerk, Eisenwaren Adolph, Viniculture, das Schwarze Café, das winkende Mädchen, Habitare, der Bücherbogen, dieses eine zypriotische Restaurant und der Koreaner, deren Namen ich vergessen habe und endlos mehr. Ich könnte ein Hotelzimmer am Platze beziehen und mehrere Wochen von dort schreiben. Diesmal bin ich allerdings kaum aus dem Bahnhof herausgetreten, als ich schon über meine erste Geschichte gestolpert bin. Es ist mal wieder eine von denen, die ich längst nicht mehr präsent hatte, die mir aber eingefallen ist, als ich vor einem Restaurant stand, das direkt gegenüber dem Bahnhofseingang liegt: Dem 12 Apostel.

savignyplatz_12_aussen

Als ich vor 20 Jahren nach Berlin gezogen bin, war einer der größten Unterschiede zu meiner Heimatstadt Köln, dass es hier keine Sperrstunde gab. Prinzipiell haben also die Gaststätten rund um die Uhr geöffnet haben können. Wahnsinn! Unvorstellbar! Weltstadt! „In Berlin kann man nachts um vier ein Steak essen gehen!“, war einer der beliebteren Sätze, um die Daheimgebliebenen zu beeindrucken. Ich bin noch nie nachts um vier ein Steak essen gegangen. Wohl aber eine Pizza und Pasta. Und zwar mehrfach. Und zwar im 12 Apostel. Die hatten nämlich rund um die Uhr geöffnet und rund um die Uhr Küchenbetrieb, so dass wir gerne mitten in der Nacht angetütert und hungrig dort eingekehrt und niemals rausgekehrt worden sind. Das Einzige, was gelegentlich passierte, war dass ein zackig-höflicher Kellner uns gebeten hat, wahlweise in den vorderen oder hinteren Teil des Restaurants umzuziehen, weil man den jeweils anderen Teil putzen wolle.

savignyplatz_12_innen

Die Küche war recht offen, so dass es im gesamten Restaurant immer sehr gut gerochen hat. Irgendwann morgens, vielleicht so gegen halb fünf, mischte sich unter den Standardgeruch der Duft von frisch gebackenen Croissants und dergleichen, denn man reichte dort auch Frühstück. Noch heute schaudert es mich, wenn ich an das Gefühl denke, das mich in diesen Momenten übermannt hatte. Trunken, gutgelaunt, übermüdet und plötzlich: Bäckereigeruch. Da soll mal einer die Fassung bewahren!

Es gab noch ein weiteres 12 Apostel in Friedrichshain, das aber mittlerweile verschwunden ist. Von dort habe ich auch eine Geschichte zu erzählen. Sie ist ein wenig rührend und ich hebe sie mir auf, denn erst muss ich hier fertig werden.

Als ich mir die heutigen die Öffnungszeiten anschaue, stutze ich. Das Restaurant hat Montag bis Samstag ab 11.00 und Sonntags ab 09.00 Uhr geöffnet. Es steht dort zwar nicht, wann geschlossen wird, so dass ich zwar den Verdacht habe, es geht so lange, bis der letzte Gast gegangen ist, aber auch nicht mehr rund um die Uhr. Das macht mich ein wenig wehmütig. Um der alten Zeiten Willen. Die sind allerdings auch schon reichlich lange her. Damals war das Schwarze Café noch räudig. Aber auch das ist auch eine andere Geschichte, von der ich nicht sicher bin, ob ich sie jemals öffentlich erzählen werde. Dafür aber ganz bestimmt die von meinem Weinhändler in der Grolmannstraße, der eine ziemlich tolle Auswahl an Naturweinen feilbietet und mir eine Flasche verkauft hat, deren Inhalt bisher immer nur der Inhalt eines meiner Lieblingsscherze war. Ich hoffe, der Wein ist besser als mein Scherz (der ist nämlich ziemlich schlapp).

04. Dez. 2015
von Holger Klein
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30. Nov. 2015
von Katrin Rönicke
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Körpersäfte in der S-und U-Bahn

Ich sitze in der S5 in Richtung Spandau. Am Hackeschen Markt steigt ein junger Mann ein. Er hat kinnlange, tropfnasse Haare. Zumindest wirken sie tropfnass – vielleicht sind sie einfach ungewaschen. Er läuft auf das Plakat der Bundeswehr zu, hält kurz inne, spuckt beherzt drauf und dreht sich wieder um. Von vorne sieht er leicht derangiert aus. Seine Lippen sind mit weißen Schuppen belegt. Er stellt sich hinter mich. Ich bekomme Beklemmungen. Ich habe Angst, dass er bröselt oder tropft. An der Friedrichstraße setzt er sich dann plötzlich auf einen Sitzplatz vor mich, legt seine Hand auf die Rückenlehne und guckt mich aus den Augenwinkeln an, dann springt er wieder auf – ich habe mittlerweile Herzklopfen – dann steigt er endlich aus.

 

Das bespuckte Bundeswehrplakat
 
Sowas kommt vor. In der Stadt wimmelt es nur so von Leuten, die einen an der Waffel haben. Manche mehr, manche leider auf eine Art, die unglaublich unangenehm werden kann, wenn die Leute ihre Flüssigkeiten nicht in ihrem Körper behalten können.

Als ich neulich wegen einer Abrechnung im Büro einer Kollegin saß, erzählte diese vor ihrem Horror, mit der S-Bahn zu fahren und sich auf einen nassen Sitz zu setzen – ohne dies sofort zu merken. Wenn man dickere Mäntel trägt, ist der Effekt ein wenig wie beim sprichwörtlichen Frosch im Wasserglas, der nicht merkt, dass man das Wasser erhitzt, ehe es zu spät ist.

Die Kollegin hatte einen Pelzmantel an und setzte sich, ohne es zu merken, in das Nasse. Erst als sie aufstand und ein Lüftchen an ihren Po kam, merkte sie, was passiert war. Seither ist sie traumatisiert. Sie hat nie versucht herauszubekommen, was für eine Flüssigkeit das war. Sie redete sich für die restliche Zeit, die sie unterwegs war, einfach ein, es sei Wasser gewesen.

Das hofft man öfters mal. Auch bei so mancher Lache auf dem Boden. Klar – wenn Bröckchen drin sind, ist der Fall eindeutig. Man denkt oft bedauernd an die Menschen, deren Job es ist, die Ergebnisse undichter Körper wegzumachen. Natürlich denkt man auch an sich. Man fängt an, Sitzplätze erst einmal mit der Hand vorzufühlen. Man hat das Fläschchen Handdesinfektion immer bei der Hand, obwohl man früher über die Paranoiden gelacht hat, die so sehr Angst vor Bazillen haben, dass sie alles vorher desinfizieren.

Die S-Bahn und U-Bahn sind ein Spiegel dieser Stadt. Man kann mit den Verkehrsmitteln meistens sehr gut von A nach B kommen – doch Ausfälle – zeitliche, organisatorische, menschliche und körperliche – sind immer wieder Teil des Alltags. Menschen zeigen sich von allen Seiten, von den Guten und den Schlechten. 

Als neulich ein junger Mann eine Schlägerei mit einem Touristen anfing, der dem Klang nach aus den Niederlanden kam, da war der junge Mann schneller nach draußen befördert, als man gucken konnte. Das war erstaunlich. Alle hatten mit angepackt, der eine nahm ein Bein, die nächste das andere, zwei Leute die Arme und nochmal zwei für die Füße – damit er nicht austreten konnte – und schon war der kleine Bissige draußen, selbst ganz überrascht.

Es wimmelt hier nur so vor Menschlichem. Manchmal wie im Mittelalter und manchmal geradezu rührend. Man weiß nur leider vorher nie so ganz, wie es heute kommen wird. 

30. Nov. 2015
von Katrin Rönicke
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27. Nov. 2015
von Holger Klein
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Voltastraße Teil 2

Im Frühjahr war ich an der Voltastraße, um diese kleine Geschichte zu erzählen. Wie ich aber dort so stand, fiel mir eine andere ein und ich bin diese hier schuldig geblieben. Die alte Geschichte hing mit Ereignissen zusammen, die in den späten 80er Jahren gründen, diese hier hat  sogar einen noch älteren Anfang.

voltastrasse

Irgendwann zu Beginn der 80er Jahre hatte ich irgendetwas ausgefressen, keine Ahnung mehr was das war. Damals gab es neben Hausarrest, den meine Eltern mir aber nie aufgebrummt haben – Freiheitsberaubung kann immer nur die letzte Möglichkeit sein und ich habe glücklicherweise nie dermaßen über die Stränge geschlagen, dass es nötig geworden wäre – eine für junge Menschen schreckliche Strafe, die heutigen Jugendlichen vermutlich nur noch ein müdes Lächeln ins Gesicht zaubern würde: Fernsehverbot. Und zwar zwei Wochen lang.

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27. Nov. 2015
von Holger Klein
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23. Nov. 2015
von Katrin Rönicke
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Moritzplatz

Mancher Leute größte Angst ist, dass sie ein langweiliges Weihnachtsgeschenk kaufen. Ich möchte gerne helfen…

total [...] Überwachungtotal […] Überwachung

Am Moritzplatz hing ich in letzter Zeit etwas häufiger rum, weil ich dort viel zu arbeiten hatte. Gerade aber in der vergangenen Woche ist mir dieser Ort ans Herz gewachsen, weil ich jeden einzelnen Tag, inklusive Samstag, von morgens bis abends, dort im Einsatz war.
der namensgebende Platzder namensgebende Platz

Am Moritzplatz – und das wurde mir selbst erst jetzt klar, aber es ist wirklich so! – kann man aussteigen, um DAS UNGEWÖHNLICHE WEIHNACHTSGESCHENK zu erwerben, jahaa! Wer genug von den üblichen Socken, Schlüppern, Pralinen, Büchern, Alkoholika und Teekörbchen hat, wer überdies Gelegenheit hat, nach Berlin zu kommen, eventuell sogar nach Kreuzberg, der steige bitte schnell hier aus und ab geht es in die Shops, die etwas andere Dinge im Angebot haben, als ein 0/8/15-Laden im Massenabfertigungskonsumtempel Alexa (in das mich auch für dieses Blog hier garantiert keine zehn Pferde hinein bekommen werden). Das Aufbauhaus nennt sich nämlich selbst Kreativzentrum und so abgedroschen das klingen mag: Ich finde, das ist nicht falsch.
aufbauhaus
Hier meine drei Favoriten in Sachen „Weihnachten mal anders“: Weiterlesen →

23. Nov. 2015
von Katrin Rönicke
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18. Nov. 2015
von Holger Klein
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Plänterwald

Ich steige oft am Ostkreuz in die Ringbahn. Jedenfalls bemühe ich mich immer brav, das zu machen, wenn ich nachhause, nach Tempelhof will. Wenn man unachtsam ist, kann es einem allerdings passieren, dass man in die S8 einsteigt, die am Treptower Park die Ringbahn verlässt und Richtung Zeuthen fährt. Genau das ist mir neulich mal wieder passiert – und ich habe die Gelegenheit genutzt, am Plänterwald auszusteigen.

plaenterwald_bahnhof

Der Bahnhof Plänterwald ist die Station, über die man den verlassenen Vergnügungspark „Spreepark“ erreicht, der seit einem Jahrzehnt im Plänterwäld vor sich hingammelt. Die Geschichte des Spreeparks ist einer von denen, die dazu geeignet ist, die Verachtung, die man für Berliner Politiker und Teile der Exekutive möglicherweise sowieso schon übrig hat, noch weiter zu steigern.

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18. Nov. 2015
von Holger Klein
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15. Nov. 2015
von Katrin Rönicke
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Rahnsdorf

Mit Rahnsdorf verknüpft sich die folgende Geschichte:

Ich war erst 21 Jahre alt, als ich geheiratet habe. Vielleicht war das ein bisschen verrückt. Aber ich habe mir immer eingebildet, dass man im Leben auch mal große Schritte machen sollte, nicht immer nur so vorsichtige kleine Trippelschrittchen. Vielleicht lag das wiederum daran, dass ich mich selbst als eine Art „Selbstmörderin“  gesehen habe, wie Hermann Hesse das im Steppenwolf beschrieb: 

„dem Selbstmörder ist es eigentümlich, daß er sein Ich, einerlei, ob mit Recht oder Unrecht, als einen besonders gefährlichen, zweifelhaften und gefährdeten Keim der Natur empfindet, daß er sich stets außerordentlich exponiert und gefährdet vorkommt, so, als stünde er auf allerschmalster Felsenspitze, wo ein kleiner Stoß von außen oder eine winzige Schwäche von innen genügt, um ihn ins Leere fallen zu lassen.“

So fühlte ich mich eine lange Zeit meines Lebens, bitte fragen Sie nicht, ob es heute noch so ist, darauf wüsste ich momentan keine sinnvolle Antwort. Es ist auch gut möglich, dass ich mich mit Anfang 20 einfach aus Gründen des Anfang-20-Seins mit solchen Flausen überidentifiziert habe. Jedenfalls lebte ich stets mit diesem Gefühl, dass ich im Leben alles mitnehmen sollte, das sich bot und das mir am Herzen lag. Große Schritte zu gehen besser sei, als kleine, weil ein vielleicht kurzes Leben dann doch einiges beinhalten konnte. Also heiratete ich eben.


Für diese Hochzeit brauchte ich eine Torte. Hochzeiten sind mir ansonsten als furchtbar albern im Kopf. Das ganze Gewusel, das dem Monate vorausgeht: Kleid, Schuhe, Standesamtstermin, Location, Einladungskärtchen, Blumen, Band, wer sitzt neben wem?, was Blaues, was Altes, was Neues, einstudierte Phrasen und Stücke, Tanzschule, den Champagner aussuchen, die Familie befrieden, die Freunde befrieden – all sowas war mir lästig. Wir planten unsere Hochzeit so aufwendig wie nötig und so bodenständig wie möglich. Die Torte hätte dabei eigentlich ausfallen müssen. Doch aus irgendeinem Ulk heraus, der fest in meinem Kopf saß, wollte ich einen weißen Mehrstöcker mit Marzipanpaar obendrauf dastehen haben. Aber wo bekommt man so etwas eigentlich her?


Man bekommt es zum Beispiel beim „Conditor Gerch“ in Rahnsdorf. Dort fuhr ich hin. Vom Ostkreuz fährt die S3 durch. Das sind vielleicht 20 Minuten oder so, also ein Klacks. Von dort aber wird es etwas komplizierter. Es war in der Zeit vor den Smartphones, also noch eine völlig andere Gesellschaft! Man musste seinen Weg mit Hilfe einer Karte finden, die man zuvor aus dem Internet ausgedruckt hatte. Zumindest trug es sich bei mir so zu und so kam es, dass ich mich erst einmal im Wald verlief. Denn die Gegend um den S-Bahnhof Rahnsdorf ist in erster Linie das: Wald. Dass zum „Conditor Gerch“ auch ein Bus gefahren wäre, das war mir nicht gleich klar, deswegen ging meiner Hochzeitstortenbestellung ein schöner Spaziergang voraus. Damals dachte ich: „Ach cool – so schnell ist man im Grünen?! Das muss ich mir merken! Mit Kindern ist das vielleicht einmal noch nützlich!“ Die Realität ist allerdings, dass man mit den Kindern schon viel früher aus der S3 aussteigt, wenn man in den Wald will. Nämlich in Wuhlheide oder in Hirschgarten. Weiterlesen →

15. Nov. 2015
von Katrin Rönicke
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12. Nov. 2015
von Holger Klein
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Die Big-Gastro-Verschwörung

Ich bin da einer RIE-SEN-SACHE auf der Spur!

Das Ostkreuz (Friedrichshain)

Passt auf: Die Menschen haben Hunger und bekommen davon schlechte Laune. Also betreten sie Gaststätten, in der Hoffnung auf anständigen Service und anständiges Essen. Was sie aber tatsächlich bekommen, ist schlechter Service und schlechtes Essen. Eigentlich ist es ja Sinn der Gastronomie, die Menschen satt und glücklich zu machen, aber tatsächlich sorgen die Gastronomen dafür, dass man immer ein wenig Hunger und ein wenig schlechte Laune hat, so dass man gezwungen ist, die nächste Gaststätte aufzusuchen, um seine Laune verbessern und das Loch im Bauch verkleinern zu lassen – was dann wiederum nicht zufriedenstellend funktioniert, weshalb man gezwungen ist, die nächste Gaststätte aufzusuchen undsoweiterundsofort.

Das Ganze ist eine Verschwörung, vermutlich derselben Leute, die gleichzeitig versuchen, uns mit Schemmträils dumm zu halten, damit wir nicht merken, wie wir an Big Gastro verraten und verkauft werden. Ich meide mittlerweile die Schulgastronomie. Stattdessen gehe ich nur noch in Alternativgaststätten. Die sind zwar fünfmal so teuer, aber dafür bin ich nicht mehr Spielball der geheimen Mächte, die auch die tellurischen Ströme kontrollieren (hab ich mal gehört). Ich habe hinterher zwar meistens immer noch Hunger und schlechte Laune, aber das ist bloß die Anfangsverschlimmerung. Man muss sich halt auch drauf einlassen, sonst wirkt es nicht. Diese Zusammenhänge sind den wenigsten Menschen klar, denn die meisten schlafen wie die Schafe vor sich hin, denn sie werden mittels Schämmträils aus Puderzucker auf einem hohen Insulinspiegel gehalten.

Ich bin glücklicherweise aufgewacht. Und das kam so: Wenn man am Ostkreuz aussteigt, läuft man die Sonntagstraße entlang. Auf der sind – je nach Wetterlage – Tag und Nacht sehr viele Menschen unterwegs und machen sogenanntes Nightlife. Auf der Sonntagstraße und ihren Seitenstraßen gibt es jede Menge Gaststätten und in fast jeder, in die man geht, wartet man entweder ewig auf den Service – selbst, wenn der Laden leer ist – oder bekommt Speisen serviert, wie sie langweiliger kaum sein können oder halt beides. Früher war das anders und man bekam überwiegend gutes Essen und anständigen Service. Einmal ist Zufall, zweimal ist ein Trend, ab dreimal ist es ein System – und ich habe das System durchschaut! Mich legt ihr nicht mehr rein!

Die beste Frau von allen ist zwar der Meinung, das läge daran, dass Gastronomen aufhören, sich auch nur ein Quentchen Mühe zu geben, sobald sie feststellen, dass die Gäste sowieso kommen, weil davon mehr rumlaufen, als es Plätze in den lokalen Lokalen gibt, aber bei ihr bin ich mir sowieso nicht sicher, ob sie nicht auch bloß eine Agentin der NGO (Neue Gastronomie Ordnung) ist, die auf mich angesetzt wurde, um meine Erkenntnisse zu diskreditieren.

Übrigens: Gute Pizza gibt’s bei Caminetto – aber nur am Straßenschalter, die Burger bei „Burgers Berlin“ sind nicht überragend, aber wirklich gut genug und der neue Araber, der, wo man rechts im Laden auf dem Boden sitzt und dessen Namen ich immer vergesse (Zufall?!?) ist sogar sehr gut. Aber auch das könnten alles Ablenkungsmanöver sein.

Wacht auf!

Denkt selbst!

(Aber bitte denkt ausschließlich Gedanken, von denen ich euch sage, dass ihr sie denken sollt.)

12. Nov. 2015
von Holger Klein
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07. Nov. 2015
von Katrin Rönicke
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Pankow-Heinersdorf

S-Bahnhof
Auf dem Weg nach Blankenburg kamen die Kinder und ich an Pankow-Heinersdorf vorbei und sahen von der Bahn aus die Ruinen des Bahnbetriebswerks mit seinem Wasserturm und den Ringlokschuppen. Die Kinder waren sofort Feuer und Flamme und seitdem stand für uns auf dem Plan, einmal dort auszusteigen und durch die Ruinen zu streunen. Aber dann war erst einmal Sommer und wir zogen es vor, uns an den Seen Berlins zu verlustieren.

So sehen die Ruinen von der S-Bahn aus - einfach verlockend!So sehen die Ruinen von der S-Bahn aus – einfach verlockend!

JugendlicheJugendliche

Der Herbst war in diesem Jahr ein besonders freundlicher, die Blätter malte er bunt und die Sonne schien häufig so erfreulich hell, dass man erst recht Lust auf Entdeckungstouren durch wilde Gefilde bekam. Wir stiegen aus der Bahn und suchten uns den Weg in Richtung altes Bahnbetriebswerk; liefen über die Brücke (direkt an der Autobahn, was mich immer an den alten Witz mit der Frau erinnert, die gefragt wird, ob es ihr was ausmache, an der Autobahn zu wohnen, und sie antwortet mit der Stimme eines rasenden Motorrads: „NEEIIIIN, NEEEIIIIN, NEEEEEEIIIIIN!“ – war das Otto?); treppab, vorbei an Jungen um die 13, die gerade aus der Richtung kommen und vorbei an der kleinen Kleingartenkolonie mit dem schönen Namen „Feuchter Winkel“ und immer schön in Richtung Wasserturm laufen. Am Ende standen wir vor einem Zaun mit einem Tor, das unmissverständlich mit einer Kette versperrt war.
Feuchter_Winkel
Tor

Sagen wir es mal so: Als ich klein war, da kam das Schild „Betreten verboten, Eltern haften für ihre Kinder“ einer Aufforderung gleich… Weiterlesen →

07. Nov. 2015
von Katrin Rönicke
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04. Nov. 2015
von Holger Klein
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Halensee

Ich musste nach Halensee, um eine kleine Reportage für den Hörfunk zu machen. Dazu nehme ich die Ringbahn, lieber noch die S46, denn in die steigen weniger Menschen ein. Vermutlich, weil sie nur bis Westend fährt. Genau genommen musste ich nicht hierhin, sondern wollte.

halensee_bahnsteig

Halensee ist einer dieser Bahnhöfe, die dermaßen wenig einladend sind, dass man sie nur ihrer Funktion wegen nutzen und entsprechend zügig verlassen will. Wenn man dann auch noch – wie es mir am Tag des Besuchs passiert ist – auf dem Bahnsteig von einem Mitglied der bildungs- und anstandsfernen Schichten angepöbelt wird, das nicht begriffen hat, dass man kein fotografisches Interesse an ihm, sondern an einem Schild hat (was man durchaus auch als Beleidigung auffassen könnte, von der ich aber glaube, dass solche Leute sie kaum kapieren dürften), das in einem solchen Winkel zu ihm selbst steht, dass er nichtmal mit einem Fisheye-Objektiv abgelichtet worden wäre. So hat man es einerseits umso leichter, den Bahnsteig hinter sich zu lassen und andererseits sogar noch ein wenig was zum Feixen auf dem Weg nach oben (nimm einstweilen dies, Bourdieu!).

Ich habe drei Gründe identifizieren können, aus denen man möglicherweise nach Halensee wollen würde, wenn man nicht das Glück hat, in einer der hübschen Straßen zu wohnen, die sich dort in der Nähe tummeln (sich über Deppen lustig zu machen, gehört aber nicht dazu).

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04. Nov. 2015
von Holger Klein
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31. Okt. 2015
von Katrin Rönicke
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Pankow

Die Kinder und ihre Mutter waren hungrig. Hungrig in Pankow. Man muss dazu sagen: Als ich zuletzt in der Florastraße unterwegs war, im Jahr 2003, da gab es dort nicht sehr viel als das „Flora Bistro“ und einen Bratnudelasiaten. Damals wohnte ich in einer Fünfer-WG in der Florastraße. Meistens holten wir uns auf dem Nachhauseweg schnell ne Bratnudel-Aluschale beim Asiaten. Aber die Kinder mögen das nicht, also halte ich das „Flora Bistro“ für die einzige Einkehrmöglichkeit, nicht ahnend, wie der Bezirk sich hier verändert hat.

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Als ich die „Chili Cheese Pommes“ bestelle, so nur, weil eine romantische Erinnerung an eine kulinarische Jugendliebe mit mir durchgeht. Und zwar gab es im „AbraKebabra“ in Castlebar Pommes mit den unterschiedlichsten Toppings: Chilisoße, gröstete Zwiebeln, Ham and Eggs und eben alles mit Cheddar überbacken. Wir kehrten dort ein, als ich im Alter von 17 Jahren zu Besuch bei einer irischen Familie im County Mayo war und dort mit der ältesten Tochter in die Schule ging. In Castlebar. Und so manches Mal gingen die Mädels in der Mittagspause eben dort essen.

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Im „AbraKebabra“ liefen manchmal Jungs rum, die leicht gerötete Augen hatten. Ich habe erst viel später kapiert, warum. Der Laden erfüllt vermutlich so ziemlich alle Wünsche, die man stoned an ein Essen richten kann. „Haschisch“, so lernte ich übrigens damals, heißt bei den Iren umgangssprachlich „turf“ – „Torf“. Das lernte ich. Genauso wie den Begriff „Blow Job“. Weiterlesen →

31. Okt. 2015
von Katrin Rönicke
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27. Okt. 2015
von Holger Klein
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Nollendorfplatz

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In meinem ersten Jahr in Berlin habe ich in Kreuzberg gewohnt und Spandau gearbeitet. Mein Weg zum Büro führte quer durch die Stadt und immer am Nollendorfplatz vorbei. Damals gab es dort einen Laden für Autozubehör, der schon sehr früh geöffnet hatte, so dass ich morgens um halb sieben schon ölverschmierte Menschen mit geschulterten Auspuffanlagen beobachten konnte. Das hat mich immer irgendwie beeindruckt. Heute ist im Gebäude ein Biosupermarkt. Ich glaube, das bedeutet etwas.

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27. Okt. 2015
von Holger Klein
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25. Okt. 2015
von Katrin Rönicke
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Ode an die S-Bahn

Katrin: Ich finde ja: Was wir, die wir in Berlin leben und arbeiten viel zu selten tun: DANKE sagen. Danke für die Dinge, die uns schon so selbstverständlich vorkommen, dass wir vergessen, was wir an den Menschen und an dieser wunderbaren Technik haben, die uns jeden Tag durch unser aller Berlin, oben an der Spree, fahren. 

Holger: Findest du?

  

  
K: Ja. Dabei ist es doch so: Manchmal kommen die Züge pünktlich. Manchmal funktionieren alle Türen. Und manchmal sind auch alle Wagen beheizt. 

H: Stimmt!

K: Ich habe schon erlebt, dass auf einer längeren Fahrt durch die Stadt alle Stationen korrekt von der Laufschrifttafel und der automatischen Durchsage vorhergesagt wurden, so dass auch die Fremden, die eine Station nicht an ihrem Aussehen oder an der Abfolge ihres Auftretens erkennen, an der richtigen Stelle auszusteigen vermögen. 

H: Cool!

  
K: Was mir auch schon passiert ist, sind freundliche Kontrolleure, die geduldig und respektvoll die Kundinnen der S-Bahn Berlin darum bitten, ihre Fahrausweise vorzuzeigen UND die mit denjenigen, die keinen vorzeigen können nicht wie mit Untermenschen umgehen. Sondern eher wie mit solchen, denen etwas passiert ist, was jedem mal passieren könnte – falsche Jacke an, Portemonnaie zuhause vergessen – der ein normales Gehirn hat.

H: Ach schön!

K: Neulich habe ich erlebt, dass ein Zug ausgefallen ist, und am Bahnhof freundlich und rechtzeitig mehrfach die Information in ruhiger, sachlicher und gut verständlicher Stimme mitgeteilt wurde, wobei sogar erklärt wurde, was passiert war, nämlich dass es am Zug eine technische Störung gegeben habe. UND man bat um Entschuldigung für daraus entstehende Folgeunannehmlichkeiten. 

H: Hach! 

  
K: Was mir auch schon einmal passiert ist, darüber habe ich hier sogar im Text zum Humboldthain berichtet, ist dass der Weg zum Schienenersatzverkehr so gut ausgeschildert war, dass mein 7-Jähriger und meine 5-Jährige ihn wie in einer gut organisierten Kindergeburtstagsschnitzeljagd selber fanden UND dann kam der Schienenersatzbus weder zu spät noch fuhr er zu früh, es war eine für Alte wie für junge flinke perfekt eingerichtete Übergangssituation. 

H: Klasse!

K: Neulich habe ich außerdem einer Situation bewohnen dürfen, in der einer dieser Security-Menschen der deutschen Bahn ihr Smartphone in der Tasche ließen – sie haben die gesamte Fahrt über nicht drauf gesehen – und einen Mitfahrer, der sich einen Döner mit in den Wagen gebracht hatte, freundlich aber bestimmt baten, den Zug zu verlassen und wie in der Hausordnung der Deutschen Bahn bestimmt bitte draußen zu essen, da das Verzehren von Speisen in der S-Bahn nicht erlaubt ist. 

H: Das ist so mutig!

  
K: Deswegen möchte ich nicht jammern.

H: Nein. Ich auch nicht!

K: Immerhin bringt mich die S7 in 70 Prozent aller Fälle pünktlich nach Potsdam zu meiner Arbeit UND auch wieder zurück. 

H: Das ist echt ’ne Leistung!

K: Immerhin ist die Wartezeit beim Pendelverkehr zwischen Hermannstraße und Tempelhof an den vergangenen Wochenenden nie länger als 10 Minuten gewesen. Einmal waren es sogar nur vier!

H: Erstaunlich! 

K: Und auch, wenn bisher jedes Mal, wenn ich zu meinem Steuerberater fuhr, eine Strecke von drei Stationen auf der Stadtbahn, die Bahn plötzlich zwischen Warschauer Straße und Ostbahnhof stehen blieb, so dauerte es nur fünf Minuten, bis die in der Bahn eingeschlossenen Insassen darüber informiert wurden, was los war. 

H: Man merkt einfach, dass die da richtige Kommunikationsprofis sitzen haben!

  
K: Super niedlich ist ja auch dieser Maulwurf, der an den Baustellen an den Bahnhöfen der Stadt freundlich um Nachsicht wirbt. „Am Ostkreuz geht es drunter oder drüber“, sagt er zum Beispiel und sieht dabei so schnuckelig und liebenswert aus, mit seinem lustigen Bauarbeiterhelm! 

H: Aaaawwwww – ja, der ist toll! <3

K: Da ist man natürlich dann auch nicht mehr sauer, wenn die Rolltreppe seit drei Wochen kaputt ist und keine Anstalten zu erkennen sind, dass sie mal repariert werden würde in naher Zukunft. Und so ein bisschen drunter und drüber hat noch niemandem geschadet, da kommen die Menschen endlich mal aus ihren Komfortzonen – Treppe laufen ist eh viel gesünder!

H: Eben!

K: So, und jetzt schließ das Auto auf. Wir müssen los.

25. Okt. 2015
von Katrin Rönicke
3 Lesermeinungen

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22. Okt. 2015
von Holger Klein

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Ordnung muss sein!

Auch auf Bildern von U-Bahnhöfen. Lauren Randolph fährt mit der U-Bahn durch Berlin, fotografiert deren Stationsschilder und sortiert die Bilder hinterher nach Farben.


„Riding the trains during my very first visit to Berlin I instantly became obsessed with the colorful underground metro stations (Known as the U-Bahn, short for Untergrundbahn.) With lines dating back to the early 1900’s up through the 90’s, and 170 stations in total – each stop has it’s own charm and character. It took a lot longer than I expected to ride many of these all the way to the end and back, but it was really the best way to witness the changing districts and the people who reside in Berlin – a city so rich with history, and so rapidly evolving at present. I’m nowhere near done documenting them all, and I’ve tried to stick to only the most monochromatic stops, but this is the start of my project to file Berlin’s U-Bahn stations into Chromalogical Order.“

(via @texec)

22. Okt. 2015
von Holger Klein

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