Berlin ABC

Berlin ABC

Wir fahren durch die Hauptstadt

19. Aug. 2015
von Holger Klein
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Döner am Wannsee

Neulich war im Tagesspiegel ein Artikel über ein kleines gallisches Dorf einen kleinen Dönerladen in der Ladenzeile des S-Bahnhofs Wannsee, seit über einem Jahrzehnt verkaufe man hier fies Essen und der Laden sei irre beliebt, aber die Bahn habe ihm gekündigt und wolle lieber einen anderen Dönerladen, einen aus einer Franchise-Kette, hier haben… alles ganz schrecklich… wissenschon…

wannsee_halle

Ich dann mal ganz selbstlos in die S1 gestiegen und dort einen dieser legendären Döner essen gegangen. Auf den Plastikstühlen vor dem Laden saßen ein paar junge Speisende und ein paar alte Alkoholiker herum, von denen andauernd einer reinkam, um neues Bier zu kaufen, während ich auf meinen Döner gewartet habe. Der Dönermann produziert in normalem Tempo und vor mir waren nur zwei andere Kunden, so dass die Trinkgeschwindigkeit der älteren Männer hinreichend beschrieben sein dürfte.

Das Essen war allenfalls durchschnittlich, unterscheidet sich also nicht vom kulinarischen Erlebnis, das man an gefühlt 70% aller Dönerbuden hat (mindestens 29% sind unter- und höchstens 1% überdurchschnittlich). Der Laden selbst hat keinen sonderlich gepflegten Eindruck gemacht und der Dönermann selbst war dermaßen unfreundlich, dass ich mich nicht getraut habe, ein Foto vom Laden zu machen, weshalb es eines von der Bahnhofshalle gibt, die sowieso viel hübscher aussieht. Und so richtig Mitleid über die Kündigung will bei mir – ehrlich gesagt – jetzt auch nicht mehr aufkommen. Das hatte ich mir auch irgendwie anders vorgestellt.

19. Aug. 2015
von Holger Klein
14 Lesermeinungen

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15. Aug. 2015
von Holger Klein
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Südkreuz (Papestraße)

Bis 2006 hieß das Südkreuz noch Papestraße und ist einer der Bahnhöfe, die man benutzt, um Berlin zu verlassen, was man gelegentlich auch machen sollte, um anschlussfähig zu bleiben. Vorausgesetzt, die S-Bahn schafft es, einen per Ringbahn dorthin zu bringen und die Deutsche Bahn schafft es, einen per Fernzug dort weg zu bringen, gelangt man von hier aus gut in Richtung München und gelegentlich auch, ohne umsteigen zu müssen, nach Hamburg.

suedkreuz_fassade

Eine schöne Besonderheit gibt es hier für Reisende in Richtung München, denn auf dieser Strecke verkehren die letzten Züge aus dem 2004 gescheiterten Versuch der Deutschen Bahn, zwischen Köln und Hamburg einen ernsthaft komfortablen Zug verkehren zu lassen und nicht bloß die Rappelskisten, die heutzutage unter “ICE” firmieren. Die Züge damals hießen “Metropolitan” und sind auch heute noch mindestens eine Klasse komfortabler, als alles, was ich bisher von der Bahn erlebt habe. Die Preise waren zu hoch und zu unübersichtlich strukturiert, die Billigflieger kamen auf, der Metropolitan war unrentabel und wurde eingestellt. Weil Züge aber auf einen jahrzehntelangen Betrieb ausgelegt sind, musste irgendwas mit der Technik passieren- und so fährt sie heute als ICE 1000, beziehungsweise ICE 1001 zwischen München und Berlin-Gesundbrunnen hin und her und irritiert Bahnreisende gleich doppelt: Zuerst, weil ein Zug einfährt der aussieht wie ein IC, so dass man geneigt ist, sich darüber zu ärgern, dass die Bahn es mal wieder nicht geschafft hat, jenes Produkt zu liefern, das sie einem verkauft hat, um dann festzustellen, dass man im geilsten Zug sitzt, den die Bundesrepublik bisher zustande bekommen hat. Die Diskrepanz zwischen Erwartung (“muffiger IC”) und vorgefundener Realität (kaum vorhandene Geräuschbelastung, viel Platz, hoher Komfort, schickes Design) ist dermaßen groß, dass man den Zug gleich noch viel toller findet, als er eigentlich ist.

suedkreuz

Gleichzeitig ist das Südkreuz einer der beiden S-Bahnhöfe, die zu meiner Wohnung am nächsten liegen, so dass ich regelmäßig zu Fuß dorthin laufe. Auf dem Weg zum Zug gehe ich über den Werner-Voß-Damm, der auf die General-Pape-Straße stößt, an der der Bahnhof liegt. Die beiden Straßen begrenzen ein Gelände, das aus Schrebergartenkolonien besteht und aus roten Backsteingebäuden, die man gut sehen kann, wenn man vom S-Bahnsteig aus Richtung Norden (stadteinwärts) blickt. Dieser Komplex wurde Ende des 19. Jahrhunderts dort erreichtet, um das 1. Eisenbahnregiment der Preussischen Armee aufzunehmen. Damals war der Truppennachschub per Bahn noch derart wichtig, dass man eigene Militärabteilungen vorgehalten hat, um ihn sicherzustellen. Heutzutage hat man dafür vermutlich Flugzeugregimenter oder sowas. Weiterlesen →

15. Aug. 2015
von Holger Klein
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12. Aug. 2015
von Katrin Rönicke
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Friedrichshagen, du kannst nichts dafür!

Wenn man schon so hinüber an einer Station ankommt, so angefressen, so fertig mit der Welt, dann kann das alles kein gutes Ende nehmen! Ich wollte eigentlich nach Rahnsdorf. Dort habe ich nämlich vor über 11 Jahren eine Torte besorgt, aber das muss ich eben ein anderes Mal erzählen. Denn nach Rahnsdorf bin ich gar nicht erst gekommen, die S3 hielt in Friedrichshagen und eine Durchsage machte klar, dass dies die Endstation sein würde.

Na super! Nüscht mit Torten! Aber passt ja. Passt zu der Fahrt, auf der ein Kontrolleur mich ohne Ticket antraf. Das kann passieren. Mein Ticket war schon vor meinem Urlaub nicht mehr auffindbar gewesen und das hatte ich im Laufe des Urlaubs gut verdrängt. So saß ich nichts ahnend in der Bahn und als der Kontrolleur kam, kramte und suchte ich und dabei wurde ich von Sekunde zu Sekunde röter und röter. Zu meinem Glück war dieser Kontrolleur ein echt netter Kerl. Er machte kein großes Aufhebens, sondern er nickte freundlich und erklärte mir, dass ich ab dem nächsten Morgen sieben Tage Zeit hätte, um am Ostbahnhof das fehlende Ticket nachzuzeigen, für eine vergleichsweise zumutbare Bearbeitungsgebühr von sieben Euro. Er lächelte mich sogar an! Liebe S-Bahn, liebe BVG – dieser Mann, der ist bestimmt, aber freundlich und so hätte ich bittegerne ALLE meine Kontrolleure. Nicht so ein Arsch, wie er einige Zeit auf der Ringbahn um Süden unterwegs war.

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Da nämlich war es so: Als wir im April vom Bratwurstwettbewerb in der Domäne Dahlem zu dritt nach Hause fuhren, da konnte die Beste bis zur Heimatstation des Herrn Klein auf dessen Umweltticket mitfahren. Ab da jedoch nicht mehr. Wir hätten dann aussteigen und ihr ein Ticket ziehen müssen – und zehn Minuten auf die nächste Bahn warten. Aber dazu waren wir zu faul. Ich zückte mein Smartphone und sagte: Hiermit geht das ja auch! Bloß: Ehe ich da alles eingetippt und das Ticket geordert hatte, stand ER schon neben uns und blaffte uns an. „Den Fahrausweis mal zeigen!“ – „ja, einen kleinen Moment“, sagte ich und starrte auf mein Smartphone in der Hoffnung, dass ein Wunder geschehe. „Nee, nee! – So geht das nicht! Das können Sie jetzt nicht erst kaufen! Sie sind ohne gültiges Ticket eingestiegen!“ blaffte er weiter. „Ausweis!“ orderte er dann an. „Meine Freundin ist nicht ohne gültiges Ticket eingestiegen…“ erwiderte ich. „Sie ist auf dem Umweltticket…“, weiter komme ich gar nicht. In meiner Hand war ja kein Umweltticket, also glaubte er, mir über den Mund fahren zu können. Da meldete sich eine Frau von weiter hinten. „Da“, sagte sie und zeigte ihr Umweltticket, „sie fährt bei mir mit.“ – „Nee, nee, nee! – so geht das nicht! Da kann ja jeder kommen! Ausweis!“ motzte er und meine Freundin zückte ebendiesen. Das war, mit Verlaub, ein Arschloch und ich kenne mehrere Leute, die an den geraten sind. Der findet das halt super, andere wie Dreck zu behandeln. Weiterlesen →

12. Aug. 2015
von Katrin Rönicke
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09. Aug. 2015
von Holger Klein
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Boelckestraße/Hoeppnerstraße

Ich fahre recht gerne Bus. Der fährt langsam durch die Stadt und man bekommt immer was zu sehen.

  
Hier fahren der 140er und der 184er. Meistens sind sie zu spät. Aber das kennt man vermutlich von allen Bussen der Welt, so dass man doof ist, wenn man Zeitkritisches freiwillig mit dem Bus zu erledigen versucht, und wenigstens gibt es hier überdachte Wartehäuschen.

Der 140er kommt. Ich steige ein und bestelle beim Fahrer: “Bitte eine Tageskarte ABC”.

Der Fahrer so: “Watt?!? Tajeskarte ABßeh?!? Na, dit ha’ick hier in dit Hartz4-Jebiet ja schon lange nisch mehr jehöaht!”

Da wusste ich dann auch nicht, was ich sagen sollte. Ich wohne nämlich nur 200 Meter von der Haltestelle entfernt.

09. Aug. 2015
von Holger Klein
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06. Aug. 2015
von Katrin Rönicke
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Zug fällt aus – schon wieder

Am dritten Tag in Folge sehe ich nun beim S-Bahn-Fahren diese Anzeige:

  
Am Dienstag sah ich diese Anzeige zwei Mal, obwohl ich nicht so sehr viel S-Bahn gefahren bin. Gestern sah ich sie und heute morgen schon wieder. An drei Tagen habe ich jetzt fünf Fahrten zu erledigen gehabt und wenn wir diese Fahrten als eine Art Stichprobe ansehen, was sie zwar nicht beabsichtigt sind, aber man könnte es so auslegen, dann ist an vier von diesen fünf Fahrten ein Zug ausgefallen. Ein bemerkenswerter Schnitt.

Wir haben derzeit in Berlin tagsüber gerne über 30 Grad. Zwar sind viele Berliner im Urlaub, was zumindest die Situation auf den Straßen etwas zu entspannen scheint, wie mir berichtet wird. Aber wir haben momentan auch viele Touristen von anderswo in der Stadt. Die Bahnen sind nicht wirklich leerer. Wenn mal eben so ein Zug ausfällt, dann stehen im nächsten Zug die Menschen bei über 30 Grad mit der Nase in anderer Menschen Achseln und die Wagen verwandeln sich in Saunen. 

Warum ist das eigentlich so? Na immer noch, weil die S-Bahn – vom tagesspiegel liebevoll als “Schrott-Bahn” bezeichnet – vom Senat nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die sie bräuchte. Da wurde verschlafen, rechtzeitig auszuschreiben, da gibt es keine Reserve – kaputte Züge fallen eben einfach aus. Und dann kommen unvorhergesehene Mängel dazu, etwa bei den Drehgestellen, die man sofort sanieren muss. Weil man aber keine Reserven hat… ja – fallen dann eben Züge aus. Im Moment ziemlich häufig. 

  
Immerhin: als gerade schon wieder ein Zug ausfiel, gab es dazu eine kurze Durchsage am Bahnhof. “Wir bitten um Entschuldigung”, endete diese. Und wer schon vorher wissen will, was alles ausfällt, der kann dem offiziellen Twitter-Account der S-Bahn Berlin folgen. Die scheinen immerhin ihre Informationen offenzulegen. Das Profil ist allerdings mit den vielen Ausfallwarnungen auch eine weitere Bestätigung, dass die Lage derzeit etwas – äh – angespannt ist.

Wann genau die Situation in der Hauptstadt besser sein wird, bleibt abzuwarten. Ein Stichprobenschnitt von 4/5 ist jedenfalls ziemlich peinlich für den Senat und eine Zumutung für jene, die auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind. Eine Entschädigung gibt es natürlich nicht.

06. Aug. 2015
von Katrin Rönicke
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04. Aug. 2015
von Holger Klein
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Grunewald

Als ich neulich über den Kronprinzessinnenweg geradelt bin, fiel mir auf, dass hier ja auch der Bahnhof Grunewald liegt. Da hab ich einfach mal angehalten, um nachzusehen, was es dort so gibt. Man kann allerdings auch mit der S7 hierher fahren.

Grunewald_Front

Nach den Strapazen des Radelns war ich dermaßen erfreut über den Biergarten, der auf der Rückseite (von wo ich kam) gleich am Eingang liegt, dass ich die Unterführung , die unter den Gleisen entlang zum Haupteingang mit Bahnhofsgebäude führt, leicht angetütert betreten habe.

Grunewald_Rück_02

In der Unterführung dann ein Seltsames Schild mit der Aufschrift “Gleis 17”, was ich irgendwie albern fand, weil ich mir sehr sicher war (und eigentlich auch immer noch bin), dass es am Bahnhof Grunewald gar nicht so viele Gleise für die olle S-Bahn gibt. Ich habe also eine Geschichte gewittert, die es mir gestattet, zu tun, was ich am liebsten tu: Mich über irgendwas lustig machen.

Grunewald_Gleis17_Tunnel

Stellt sich raus: Gleis 17 ist so ziemlich das Gegenteil von “was zum Lachen”. Es ist nämlich der Name einer Stätte “zum Gedenken an die mehr als 50.000 Juden Berlins, die zwischen Oktober 1941 und Februar 1945 vorwiegend vom Güterbahnhof Grunewald aus durch den nationalsozialistischen Staat in seine Vernichtungslager deportiert und ermordet wurden”, so eine Tafel.  Langsam wachsen die Schienen zu. Auf dass von diesen Gleisen nie wieder ein Zug abfahren möge. “Zur Mahnung an uns, jeder Mißachtung des Lebens und der Würde des Menschen mutig und ohne Zögern entgegenzutreten”.

 

Ich habe nicht das Gefühl, dass diese Mahnung bei allen Bundesbürgern wirklich angekommen ist. Dieser Tage schon gar nicht.

 

04. Aug. 2015
von Holger Klein
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29. Jul. 2015
von Katrin Rönicke
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Neunzehn-vierundvierzig-neun

Früher, als man noch Telefonnummern auswendig konnte, etwa die der Eltern, der besten Freunde, eine Taxi-Nummer und natürlich die des Liebsten, da prägte ich mir bei der Ankunft in Berlin im Jahr 2003 die Nummer 19449 ein, die Infonummer der BVG. Diese Nummer ist in meinem Kopf noch genauso drin, wie die letzte Nummer meiner Jugendliebe und ich glaube, würde ich dort anrufen bestünden Chancen, dass seine Mutter ans Telefon ginge und dann würde ich sicherlich hastig auflegen und mich fragen, was mit mir eigentlich nicht stimmt.

Die 19449 kann man auch immernoch anrufen und in meinen ersten Wochen und Monaten in der neuen großen Stadt habe ich das sehr sehr oft getan. Für mich war Berlin am Anfang ein extrem unübersichtlicher Ort. In meiner Erinnerung findet sich zum Beispiel ein Tag im Prenzlauer Berg: Wir stiegen aus der U2 aus, liefen die Schönhauser entlang, bogen rechts rein, dann leicht links, dann grade aus und irgendwann waren wir in einem Café, in dem wir in einer größeren Gruppe zusammen eines der schon damals berühmten berliner Brunch-Sit-Ins veranstalteten, die bis 16 Uhr am Wochenende in vielen Restaurants und Cafés angeboten werden. Ich erinnere mich auch, dass man damals im “An einem Sonntag im August” in der Kastanienallee ein solches Brunch für schlappe 2,90 bekam! Gibt es das heute eigentlich auch noch? Jedenfalls war ich damals so orientierungslos in dieser Stadt, dass ich von unserem Brunch-Sit-In alleine niemals zurück zur U-Bahn gefunden hätte. Und so kam es, dass ich nicht selten an einer Haltestelle der U- oder S-Bahn stand und die 19449 anrief um zu fragen, welches der beste Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln sei um zur Bornholmer Straße zu kommen. Und zur Ergänzung druckte ich immer Ausschnitte von Stadtplandienst.de aus, bevor ich das Haus verließ. So war das früher, liebe Kinder!

Jetzt fiel mir diese Nummer wieder ein – und das kam so: Anfang des Jahres, so im Februar oder auch im Januar schon, ich weiß es gar nicht so ganz genau, waren die berliner Nachrichten-Medien voll der Nachricht, dass ab Ende August die Stadtbahn zwischen Hönnöhö und Hünnühü gesperrt sein würde – Sie merken schon, ich habe mir supergut eingeprägt, wo und wann genau. Nein – ich weiß weder wo, noch wann genau – ich weiß nur noch, dass die Information ein ungutes Gefühl in mir hinterließ und ich erinnere mich, den Satz “ach du scheiße!” laut zu mir selbst gesagt zu haben.

CC-BY-SA 3.0  via Wikimedia Commons, Urheber: CellarDoor85 (Robert Aehnelt)CC-BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons, Urheber: CellarDoor85 (Robert Aehnelt)

Und all das fiel mir jetzt wieder ein: DA WAR DOCH WAS! Aber was? Ich googlete natürlich erst, wie man das heutzuztage tut, fand aber auf die Schnelle nur die alten Artikel von damals, nüscht aktuelles, nirgendwo. Wir haben jetzt einen Monat vor Ende August und ich werde langsam unruhig und ich finde es sehr befremdlich, dass man so gar nichts mehr gehört hat. Vermutlich wird das so wie mit der Sperrung zwischen Bundesplatz und Westkreuz – sie überfällt einen einfach so aus heiterem Himmel und dann hat man eben den Salat. Aber nicht mit mir! Ich rufe jetzt die alte Nummer an und ich werde genauestens nachfragen, wann, wo und wie! Weiterlesen →

29. Jul. 2015
von Katrin Rönicke
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27. Jul. 2015
von Holger Klein
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Geschichten vom Platz der Luftbrücke I

Ich war heute mittag beim Metzger, um die Wurstvorräte aufzufüllen (was an sich ja schon ein ziemlich cooler Satz ist!). Dort gibt es auch warmes Essen, Boulette, Schnitzel und ein, zwei wechselnde Mittagessen mit Beilagen und so. Man kann draußen sitzen und drinnen stehen. Entlang der Wand schlängelt sich eine, nicht sonderlich tiefe, Theke, an der man stehen, die Wand angucken und dabei essen kann.

Ganz hinten durch, gleich neben dem Eingang zu diesem Raum hinten in der Metzgerei (Was ist da überhaupt drin? Küche? Schlachthof?) stand ein Mann, den Rücken notwendigerweise dem Raum zugewandt, und aß etwas, das aussah wie Gulasch mit Nudeln. Ich hatte den Mülleimer gesucht und der stand – mehr oder minder – neben dem Herren, so dass ich seinen Teller und sein Gesicht sehen konnte und was ich sah, war das Gesicht eines bekannten Regionalfernseh-Ansagers.

Jetzt grüble ich die ganze Zeit, ob er sich so unsichtbar gemacht hat, weil es ihm irgendwie peinlich ist, als mutmaßlich Prominenter mittags beim Fleischer zu essen und nicht in einem schicken Restaurant, oder ob er so oft angequatscht wird, dass er einfach nur nicht erkannt werden wollte, um mal in Ruhe was zu essen.

(Mein bevorzugtes Einkaufsgebiet ist wohnortbedingt am Platz der Luftbrücke. Daher die Vermutung, noch häufiger Kleinigkeiten von dort zu berichten zu haben.)

27. Jul. 2015
von Holger Klein
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24. Jul. 2015
von Katrin Rönicke
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Südende

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Man steigt aus der S-Bahn am Bahnhof Südende und dann hat man wieder einmal die Wahl: will man rechts oder links der Schienen stöbern gehen? Zunächst wandere ich nach rechts, hinein in ein gediegenes Wohngebiet, das Straßennamen wie “Ellwanger Straße” und “Crailshaimer Straße” zu bieten hat – und tatsächlich: Es ist hier ein bisschen wie in einem Wohngebiet in einer Baden-Württembergischen Kleinstadt an der Jagst oder in der Region Heilbronn-Franken! Ich bin ja 13 Jahre in Tauberfranken zur Schule gegangen und Crailsheim ist da gar nicht so weit weg. Da ist es schon witzig, dass an der Station “Südende” dieses Flair aufkommt – oder bilde ich es mir ein, weil ich das Flair sehen will? Na egal.

Dazu passt auch die kleine weiße Kirche, in deren Garten man ein Stein-Labyrinth am Boden findet. Das wird mehrfach angepriesen: Auf einem Schild vor der Kirche, auf einem Plakat am Fenster und ich bin immer wieder fasziniert, was für eine beruhigende Wirkung solche Labyrinthe haben, obwohl sie so simpel sind: Man läuft einfach in vorgegebenen Bahnen, der Mensch wird zu einem kleinen Strudel, der sich von außen nach innen vorarbeitet – am Ende steht man an einem Baum und guckt herum. In unseren letzten Bergferien fanden wir auf einer Alpenwiese auch so ein Labyrinth und seine Wirkung auf die Kinder war fast magisch.

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Die Wikipedia erklärt den Ortsteil Südende zu einem Villen-Viertel und so finden sich hier auch einige wunderschöne Villen aus verschiedenen Zeiten, manche schon hundert oder so Jahre alt. Dazwischen dann Straßenzüge, die eher nach Achtziger aussehen, manche vielleicht Fünfziger – ach fragen Sie besser jemanden, der sich mit Architekturgeschichte auskennt, ich bin da ja eher überfragt. Wenn man aber zusammenfassend ein Wort für das Flair finden sollte, dann würde ich eines wählen:

gediegen.

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Und sehr höflich. Hier leben Menschen, die ihre Ruhe zu haben schätzen. Die angekommen sind. Die bleiben wollen und es deswegen gern sauber haben. Sie hängen von Kinderhand gefertigte Schilder an ihre Gartenzäune – ja Gärten gibt es hier sehr viele, sie sind gepflegt, man findet Rosen und Hortensien und auch mal einen Gingko – die darum bitten, dass die Hunde ihr Geschäft anderswo machen sollen. Und wenngleich das vielleicht utopisch ist, denn die machen eben hin, wo sie wollen, zumindest scheinen ihre Besitzer hier rücksichtsvollere Menschen zu sein, als im Friedrichshain. Weiterlesen →

24. Jul. 2015
von Katrin Rönicke
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21. Jul. 2015
von Holger Klein
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Eichkamp (Messe Süd)

Es gibt so Bahnhöfe, mit denen niemand, den ich kenne, jemals etwas anderes hätte anfangen können, als sich darüber zu wundern, dass es sie gibt.

Eichkamp_Bahnsteig

Wobei das auch nicht ganz stimmt, denn ich kenne ein paar Leute, die den Eichkamp benutzen, um Parkgebühren zu sparen, wenn sie, wie ich, doof und geizig genug sind, mit dem PKW zur Messe Berlin zu fahren. Der Bahnhof ist nämlich nach einer putzigen Siedlung benannt, die sich ganz hervorragend dazu eignet, von Leuten wie mir bewohnt zu werden, die gerne stadtnah, aber ruhig wohnen wollen, oder um von rücksichtslosen Automobilbenutzern, wie ich einer war, zugeparkt zu werden.

Eichkamp_Messeingang

Die Siedlung Eichkamp liegt südlich des Messegeländes, weswegen der Bahnhof vor gut einem Jahrzehnt umbenannt wurde in “Messe Süd (Eichkamp)“, denn die Stadt Berlin scheint Messebesucher, die mit der Bahn kommen, für noch doofer zu halten als ich Besucher die mit dem Auto kommen, so dass man ihnen lieber unmissverständlich sagt, wo die Messe ist.

Eichkamp_Rück_02

Der Bahnhof liegt an einer Strecke, die auf den lustigen Namen “Spandauer Vorortbahn” hört, was auch irgendwie wieder zu der latenten Provinzialität dieser einzigen Großstadt passt, die wir in der Republik haben, und diese gleichzeitig anziehend und abschreckend wirken lässt. Noch lustiger finde ich, dass der Bahnhof unter Denkmalschutz steht und aussieht, als würde er vor sich hinverwahrlosen. Vom kleinen Vorplatz ganz zu schweigen. Zumindest auf der Eichkamp-Seite. Auf der Messe-Seite sieht er eher gar nicht aus. Das muss man auch erstmal hinkriegen. Weiterlesen →

21. Jul. 2015
von Holger Klein
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17. Jul. 2015
von Katrin Rönicke
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Der Asimirl-Bauer-Platz und das Brackwasser am Ostkreuz

Das Ostkreuz war im Jahr 2001 *der* Ort, an den es mich bei meinem ersten Besuch in Berlin verschlagen hat. Damals bin ich mit meinem gepackten Rucksack und ohne Plan losgefahren und einfach mal am Ostbahnhof ausgestiegen. Aus irgendeinem Grund hat es mich nicht gereizt, den Zug bereits am Bahnhof Zoo zu verlassen – den Hauptbahnhof gab es ja damals noch gar nicht, da war nur eine kleine S-Bahn-Haltestelle namens Lehrter Bahnhof. Am Ostbahnhof prangte eine große Werbung für ein Hostel namens „A&O“, das sie an einem S-Bahnhof namens „Ostkreuz“ hingestellt hatten und ich ging in eine Telefonzelle und rief die Nummer des Hostels an, die ich mir zuvor auf einem Stück Papier notiert hatte, um zu fragen, ob noch ein Bett frei wäre und was das kosten sollte. Lange Rede kurzer Sinn: Es war absoluter Zufall, dass ich dort landete, aber ich bin gewissermaßen nie losgekommen von diesem ersten Ort. Ich lebe seit bald zwölf Jahren in dieser Gegend, zuerst in der Lenbachstraße, dann in der Neuen Bahnhofstraße, dann in der Finowstraße und jetzt hier und immer – immer, immer, immer – habe ich diesen Ort gern gehabt. Mit all seinen Verrückten, seinen Familien, seinen Hostelhorden, seinen Alkis, seinen Partyleichen und seinen Kiosken.

SymbolbildSymbolbild

Doch jetzt ist es aus. Ich hasse das Ostkreuz! Ich hasse diesen räudigen, ekelhaften und lieblosen Ort, der aus ihm geworden ist. Klar – da ist ne Baustelle und das ist nie sonderlich schön. Da gibt es Baudreck und manchmal werden Strecken gesperrt oder es gibt Pendelverkehr. Aber das ist es nicht.

Es ist das eklige Brackwasser, durch das ich neulich nach einer Nacht voller Regenschauer laufen musste. Es stank, als hätten sich in dieser Nacht nicht nur die Wolken hinein entleert, sondern ebenso alle vorbeilaufenden Menschen und Tiere – und als hätten diese auch noch Durchfall gehabt! Es tut mir leid, Ihnen vielleicht das Abend- oder Mittagessen zu verderben, aber das Ostkreuz ist ein riesiges, öffentliches Klo geworden und wenn es dunkel wird, dann setzen sich die Leute wirklich einfach in die unbeschieneneren Ecken und kacken und pissen, wie sie gerade lustig sind. So stelle ich mir das Leben in mittelalterlichen Städten vor: Kot, Pisse und dieser Gestank überall. Nur: Damals haben sich die Leute Trippen unter ihre Schuhe geschnallt, wenn sie durch den Kot und den Müll wateten – heute gibt es das nicht mehr. Weil wir ja eigentlich zivilisiert sind. Naja…

Ich finde die Zivilisation ist eine gute Idee. Nur sollte endlich mal jemand anfangen, sie auszuprobieren. (Arthur C. Clarke)

Dung

Das Brackwasser am Ostkreuz entsteht bei Regen genau auf dem Weg zum Fahrstuhl, ist also gerade für jene unausweichlich, die mit Rollstuhl, Gehbeschwerden, Kinderwagen oder anderen Dingen schon genug belastet sind. Lasst uns diese Menschen noch einmal ordentlich demütigen, indem wir sie durch eine Soße schicken, deren Geruch dann den ganzen Tag an ihnen haften wird. An ihren trippenlosen Sohlen. Der Gestank am Ostkreuz war in dieser Woche an einem Morgen so groß, dass die Insassen der S7 sich die Nasen zuhielten, als diese ihre Türen öffnete! Das ist kein Witz, das ist eine sehr sehr bittere und beschämende Tatsache. Weiterlesen →

17. Jul. 2015
von Katrin Rönicke
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15. Jul. 2015
von Holger Klein
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Schöne Weide

Journalisten wissen: Einmal ist Zufall, zweimal ist ein Trend und dreimal ist ein System. Der Trend deutet darauf hin, dass ich die Bahnhöfe abklappere, in deren Nähe ich mal Freundinnen hatte.

schoene_schild

Mir war allerdings gar nicht klar, dass es der Bahnhof in der Nähe der Ex von nach der Ex von der Leberbrücke gewesen wäre, denn damals bin ich immer mit dem Auto nach Schöneweide* gefahren, obwohl reichlich Bahnlinien dorthin führen, und war auch immer sehr froh darum, irgendwie abgeschirmt zu sein, denn auf den Straßen lungerten Nazis mit Kampfhunden in derart großer Zahl herum, dass ich an Ampeln den Knopf runtergedrückt hatte. Vermutlich sah die Realität völlig anders aus, aber halt nicht aus meinem PKW und meinen Vorurteilen heraus. Falls ich doch richtig lag, wissen Sie jetzt immerhin Bescheid. Ehrlich gesagt bin ich nach Schöneweide gefahren, um nachzusehen, ob es dort eine schöne Weide gäbe (ja, ich bin so albern). Gab es nicht.

schoene_bahnhof_05

Dafür gab es aber ein Bahnhofsgebäude, das so hübsch räudig war, dass ich es vor lauter Urban-Exploration-Fotografieversuchen kaum geschafft habe, herauszutreten, um einen Blick auf die Umgebung zu werfen, die – verlässt man das Gebäude durch einen zufällig offenstehenden Seiteneingang – nicht minder räudig, jedoch lange nicht so effektvoll zu fotografieren ist, wie das Innere.

 

Vorne raus liegt das Adlergestell, also die B96a, die hier aber schon nicht mehr Adlergestell, sondern irgendwie anders heißt, und dermaßen durchschnittlich bebaut und ausgestattet ist, dass ich Mühe hatte, den Bahnhofsvorplatz zu verlassen, ohne im Gehen einzuschlafen, geschweige denn ansehnliche Fotos zu produzieren. Die üblichen Kneipen, die man an Vorstadtbahnhöfen findet, die üblichen Imbißbuden und, um keine falschen Hoffnungen aufkommen zu lassen, die übliche Shoppingmall mit den üblichen langweiligen Ladenketten, deretwegen man in die Innenstadt zieht, wo man sie irritierenderweise dann auch wieder an jeder Ecke findet, sie aber ein wenig besser verschwinden, weil es auch noch andere Läden gibt, die man lieber betritt, weil man sich einbildet, dort auch nur ansatzweise irgendwas Exklusiveres zu finden, woran man selbstverständlich scheitert, was schönzureden man aber recht schnell lernt – schneller jedenfalls, als die verborgenen Läden zu finden, die sich tatsächlich dazu eignen, die Sehnsucht zu stillen, die die Vorstadt in einem ausgelöst hat (spätestens jetzt sollte Ihnen klar sein, in welcher Umgebung ich aufgewachsen bin), vorausgesetzt, man hat genug Geld, um sich im Inland handgearbeitete Waren zu leisten. Irgendwas ist halt immer. Weiterlesen →

15. Jul. 2015
von Holger Klein
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11. Jul. 2015
von Katrin Rönicke
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Schlachtensee

Die Kiefern neigen sich leise
blau liegt und still der See,
wir lauschen der alten Kunde
von Wendenlust und Weh.

Wir sind wieder so früh los, wie es nur ging – diesmal wusste ich auch, was schlimmstenfalls am Schlachtensee auf mich wartet, ich sah das Drama an heißen Tagen mehrmals von der S1 aus im Vorbeifahren: MENSCHENMASSEN!

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Die Kinder wussten ja schon beim letzten Mal, dass es keinen schöneren See, als den Biesdorfer Baggersee geben kann und nach unserem Besuch am Schlachtensee hat sich diese Diagnose für sie erhärtet.

Es ist auch wirklich schrecklich hier: Es sind nur wenige Kinder da; es gibt nur eine sehr kleine Badestelle, die dem Begriff “Strand” nahekommt, Schaufeln und Buddeln ist hier nicht; es gibt Fische im Wasser (“die wollen mich beißen!!”) und das Wasser ist nicht brühwarm, sondern klar und frisch – fast wie im Gebirge! Es ist also ganz ganz schlimm. Noch dazu liegt am Boden ein toter Maulwurf. Er hat sich vielleicht auf der Liegewiese ein bisschen zu sehr verausgabt. Die Kinder bedecken ihn mit Blättern und nennen es “Beerdigung” – ein trauriger Tag.

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Kalt ist es noch dazu: etwa 20 Grad im Schatten. “Das ist doch kein Wetter für den Badesee!” denkt der gemeine Berliner. So ist die Liegewiese wenig bevölkert, um unsere Decke gibt es im Umkreis von mehr als drei Metern keine andere Decke.

Der Sohn, der letztes Mal den Baggersee durchschwamm (und wieder zurück), kommt nach drei Minuten wieder aus dem Wasser. Es ist ihm viel zu kalt. Mürrisch setzt er sich auf die Decke und starrt Löcher in die Luft. Das Töchterchen überwindet sich und überschwimmt die Fische im Wasser mit mir. Wir schwimmen und schwimmen und erst, als es etwas kalt zu werden beginnt, suchen wir wieder das rettende Ufer. Weiterlesen →

11. Jul. 2015
von Katrin Rönicke
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08. Jul. 2015
von Holger Klein
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Auf die Länge kommt es an

Morgen, am 9. Juli will Andreas W. Dick die längste Berliner U-Bahnfahrt über alle Linien durchführen.

DickBahn

Also ungefähr das, was wir für dieses Blog auch machen. Ich gehe aber davon aus, dass er nicht überall aussteigt, um zu schauen, was um die Bahnhöfe herum los ist. Die Fahrt beginnt um 09.30 am Berliner Hauptbahnhof mit der U55 und Andreas erwartet, dass es nicht länger als neun Stunden dauert. Anderswo wird solcher Quatsch als “Aktion” bezeichnet, Andreas macht es zum Spaß. Jedenfalls hat er sich im Interview bei den Kollegen von radioeins so angehört.

Ich fände es ja irgendwie unangenehm, ein Hobby zu haben, bei dem ich durchgehend unter Tageslichtbaschluss existieren müsste, aber Andreas ist Wiener und bei denen ist ja eh alles ein wenig morbider als bei unsereinem (um hier mal ein wenig landsmannschaftliche Voreingenommenheiten zu kolportieren).

08. Jul. 2015
von Holger Klein
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05. Jul. 2015
von Katrin Rönicke
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Biesdorf-Süd

Seen, die direkt an S- oder U-Bahnhaltestellen liegen, sind derzeit natürlich eine ziemlich grandiose Angelegenheit. Einer davon, der Biesdorfer Baggersee, liegt wirklich nur 150 oder maximal 200 Meter von der U-Bahn-Haltestelle Biesdorf-Süd entfernt. Und wenn man an einem Sonntag wie diesem, an dem die Temperatur auf bis zu 38 Grad in Berlin steigen soll, einen Ausflug an eine Haltestelle machen möchte, dann am besten an eine mit angeschlossener Kühlung. Als wir kurz vor halb zehn dort ankamen, da waren schon einige Familien und vereinzelte Rentner am See, den das Neue Deutschland liebevoll den “Hartz-IV-See” nennt. Gelöcherte Plastikschuhe stehen im Sand, Schwimmflügel werden angelegt, Kinderbäuche platschen ins Wasser. Wir ergattern einen der wenigen verfügbaren Schattenplätze und breiten unsere Picknickdecke aus. Dann wird nicht lange gefackelt: Ausgezogen (die Badesachen hatten wir schon drunter) und ab ins Wasser. Halb zehn waren immerhin schon 28 Grad im Schatten.

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Der See ist wie die Baggerseen aus der Kindheit. Irgendwie ein bisschen klein, aber ganz ordentlich tief – man kann schon nach wenigen Metern nicht mehr im Wasser stehen und man muss nur ein bisschen rausschwimmen, um die Kälte von unten aufsteigen zu spüren. Die Eltern der hier badenden Kinder haben blondierte Haare, sind viel tätowiert und gepierct, einige sind übergewichtig, es gibt auffallend viele pinke Badeanzüge an erwachsenen Frauen. Ein tätowierter und gepiercter Vater auf der Decke neben uns herrscht seinen Sohn beim Sonnencreme auftragen an, er solle gefälligst “stehen wie ein Mann”.

Wir hopsen ins Wasser, schwimmen herum, bespritzen uns, mein Sohn schwimmt weiter raus, kommt zurück. Herrlich. So soll es ja sein. Die Kinder, Töchterchen hat Seepferdchen, Sohn hat das Bronze-Abzeichen, sind in den letzten Wochen und Monaten zu richtigen Wasserratten geworden und nach unserem Ausflug befinden sie einstimmig, dass es ein sehr schöner See sei, dass sie viel Spaß gehabt hätten und als ich vorschlug, dass wir uns demnächst auch noch einen anderen See anschauen könnten, da glauben sie irgendwie gar nicht, dass es noch einen schöneren geben kann. Nach ausgiebigem Bewegen im Wasser essen wir kurz eine mitgebrachte Kleinigkeit, dann werden die Schaufeln gezückt und Schlickburgen am Ufer errichtet. Vorbeiwackelnde Kleinkinder ruinieren immer wieder die mit mühevoller Arbeit errichteten Paläste. Irgendwann sind die Kinder genervt.

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Also wieder ab ins Wasser und etwas ungeplant durchschwimmen wir den See einmal, um zum Strand auf der anderen Seite zu schwimmen. Mein Sohn schwimmt sogar wieder zurück. Das waren bestimmt 400 oder 500 Meter pro Weg! Die Kinder lieben diesen See. Aber ich fühle mich langsam unwohler, denn um elf Uhr beginnt es ungemütlich voll zu werden. Immer mehr Menschen strömen herbei. Sie kommen aus allen Löchern gekrochen scheint es, die Sonne ist gewandert, die Schattenplätze dezimieren sich. Weiterlesen →

05. Jul. 2015
von Katrin Rönicke
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