Reinheitsgebot

Reinheitsgebot

Das Blog zum Bier

Zum Tag des deutschen Bieres

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Heute ist der 501. Tag des deutschen Bieres. Aber nicht allen ist nach Feiern zumute. Einige bekannte Kreativbrauer haben dem Reinheitsgebot endgültig den Kampf ansagt. Für sie geht es um die Existenz. Gestern haben sie ein Protest-Bier gebraut.

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© Deutsche Kreativbrauer e.V.Gruppenfoto der Kreativbrauer – die beiden Vorstände Andreas Seufert (ganz links) und Oliver Wesseloh (zweiter von rechts, vorne) mit ihren neben Hopfen und Malz auch Gewürz und Frucht liebenden Kollegen

F.A.Z.: Heute ist Tag des deutschen Biers. Sie hatten gestern die Auftaktveranstaltung Ihres Vereines Deutsche Kreativbrauer. Haben Sie das zeitlich bewusst so gelegt?

Andreas Seufert: Zum Teil. Hätte ein anderer Tag gut gepasst, hätten wir auch den genommen.

Die Gründung des Vereins, dessen Vorstand Sie zusammen mit Oliver  Wesseloh sind, liegt aber schon etwas zurück?

Gegründet haben wir ihn schon im Januar 2016. Wir hatten damals elf Gründungsmitglieder: die Kreativbrauerei Kehrwieder von Oliver Wesseloh, Ale Mania aus Bonn, Mashsee Hannover, Heidenpeters und Schoppe Bräu aus Berlin, Hopfenstopfer aus Bad Rappenau, das Riedenburger Brauhaus, Hanscraft und Co. aus Aschaffenburg, Wildwuchs Brauwerk und Buddelship aus Hamburg und meine Pax Bräu.

Warum haben Sie den Verein gegründet, es gibt ja schon viele Brauervereinigungen?

Wir wollen Sprachrohr sein für die kleinen, kreativen Bauer, die sich von den bestehenden Verbänden, vor allem dem Brauerbund, nicht vertreten, sondern verraten fühlen. Es hat Zeiten gegeben, gerade im Jahr vor dem Jubiläumsjahr 2016, da wurde in der Fachpresse gedroht, dass die Verbände die Lebensmittelüberwachung dazu aufgefordert hätten, das Brauen kreativer Biere außerhalb des Reinheitsgebots mit Nachdruck zu unterbinden. Ein Verband, der so etwas fordert, kann für uns nicht sprechen, darum haben wir einen eigenen Verein gegründet.

Im letzten Jahr mit seiner ausführlichen Bierberichterstattung gab es dann aus den Verbänden Andeutungen, man wolle eine Harmonisierung des vom Reinheitsgebot geprägten deutschen Biergesetzes herbeiführen. Es wurde in Aussicht gestellt, den Bierbegriff auch auf weitere Zutaten auszudehnen. Davon hat man jetzt schon seit einigen Monaten nichts mehr gehört.

Der Präsident des Bayerischen Brauerbundes, Georg Schneider, hatte im letzten Jahr erklärt, dass auf seiner Agenda eine Harmonisierung stehe. Der Zustand hat sich bis jetzt aber nicht verändert. Wir haben das Gefühl, dass sich die verschiedenen Verbände untereinander nicht einigen können, vor allem der Deutsche Brauerbund nicht mit dem Bayerischen, in dessen Einflussbereich es bisher keine Ausnahmegenehmigung für besondere Biere gibt. Hinzu kommen die privaten Brauer, die sagen, das Gesetz könne schon gelockert werden, Produkte mit mehr als den bisher erlaubten Zutaten dürften aber auf keinen Fall Bier heißen. Dummerweise ist 2017 Wahljahr im Bund, da tut sich die Politik eben schwer, das Reinheitsgebot anzutasten, das vermeintlich kaum jemandem schadet.

Welche Probleme entstehen für Sie als Kreativbrauer ganz konkret aus der jetzigen Gesetzgebung?

Dem deutschen Bier darf zwar zum Beispiel das künstliche Klärungsmittel PVPP zugefügt werden, das anschließend wieder herausgefiltert wird, wir als Kreativbrauer dürfen aber keine natürlichen Zusätze wie Gewürze und Kräuter in unseren Bieren verwenden. Dabei gibt es ein im vergangenen Jahr in den Bayerischen Verwaltungsblättern erschienenes Rechtsgutachten von Professor Möstl aus Bayreuth, das besagt: Wenn man europäisches Recht umfassend anwenden würde, wäre es jetzt schon möglich, in Deutschland legal Kreativbiere zu brauen.

Wie viele Kreativbrauer gibt es eigentlich, die als Mitglieder Ihres Vereins in Frage kämen? Die Gründungsmitglieder sind ja allesamt in der Branche schon anerkannt und etabliert.

Ich schätze: mehrere hundert.

Sie als fränkischer Brauer haben das besondere Problem, dass man für Biere, die nicht nach dem Reinheitsgebot gebraut sind, in Bayern keine Ausnahmegenehmigung beantragen kann. Aus den übrigen Bundesländern hört man, dass das unproblematisch ist. Theoretisch dürften Sie ein Erdbeerweißbier nicht als Bier bezeichnen, obwohl es nach verbreiteter internationaler Definition und gemäß dem gesunden Menschenverstand natürlich nichts anderes ist.

Ich dürfte es theoretisch sogar nicht einmal erzeugen. Mir bleibt daher nichts anderes übrig, als seit sieben Jahren unter dem Radar zu fahren und nur kleinste Mengen meines Kreativbiers zu brauen. Müsste ich große Chargen zurückrufen, wäre das für mich der Bankrott. Das Ganze ist für mich und mein Sortiment ein untragbarer Zustand. Mein Engagement ist dabei ein zweischneidiges Schwert: Einerseits sollten möglichst viele Leute über den momentanen Zustand Bescheid wissen, andererseits frage ich mich, ob gerade ich es sein muss, auf dem das Ganze abregnet.

Die Kreativbrauer in Ihrem Verein, die nicht aus Bayern kommen, sind dann eher aus Solidarität und, wenn man so will, zum Wohle der Vernunft dabei?

Für sie geht es um einen Abbau von Bürokratie und damit von Kosten. Wenn man zum Beispiel jeden Monat ein neues Bier herausbringt, kommt man aus dem Ausfüllen von Formularen nicht mehr heraus. Es muss ja auch kein Metzger, der eine neu Wurst kreiert, einen Antrag auf Sondergenehmigung stellen. Natürlich muss das Produkt unbedenklich für den Verbraucher sein, dafür gibt es ja Lebensmittelvorschriften, an die man sich halten muss.

Streben Sie einen Musterprozess an?

Darauf legen wir es nicht an. Es war aber wichtig für die Gründung des Vereins: Wenn es so weit kommen sollte, dass eines der Mitglieder den Rechtsweg beschreiten muss, wissen wir, dass wir es gemeinsam durchstehen können. Ich hoffe, wir können auch auf anderen Wegen genug Druck ausüben, damit sich etwas ändert.

Was war das für ein Bier, das Sie gestern bei Ihrem Treffen in der Rhön gemeinsam in einem Kommunbrauhaus gebraut haben?

Wir haben ein untergäriges Weizenbier gebraut – das in der deutschen Gesetzgebung aus historischen Gründen bis heute nicht vorgesehen ist. Weizenbier darf nur obergärig gebraut werden. Außerdem haben wir uns an einer Braulandesverordnung aus dem Jahr 1616 orientiert, die im bayerischen Staatsarchiv nachzulesen ist und nach der der Einsatz von Kümmel, Wacholder und Salz erlaubt ist. Das hört sich jetzt vielleicht nach Krautsalat oder Schweinebratensauce an, man kann es aber trinken, ich habe das im letzten Jahr schonmal ausprobiert (lacht).

© Picture-AllianceKönnte Weizenmalz diesem Lagerbier helfen?

Über diese Frage habe ich mich mal mit der Brauerikone Professor Narziss in diesem Blog unterhalten

… ein guter Mann, der schon wahre Worte zur Industrialisierung des Biers und den bedauerlichen Rückgang der Verwendung von Aromahopfen gesagt hat …

Ihn hatte ich gefragt, ob es nicht ein Fehler ist, das untergärige Weizenbier im Biergesetz auszublenden, und er sagte im Grunde, dass es darum nicht schade sei, weil die hohe Viskosität des Weizenmalzes beim Lager Probleme bereite und Weizenmalz – ohne den Einsatz obergäriger Hefe – auch nichtssagend schmecke. Was sagen Sie dazu unter Praxisaspekten?

Das hat er schon richtig erkannt. Was Herr Narziss aber aus meiner Sicht falsch einschätzt: Ein untergäriges Bier muss nicht immer unbedingt klar und filtriert sein, auch wenn man das vom Lagerbier her so kennt. Unter dem Aspekt der Filtrierbarkeit stört der Weizen zwar, der viel Eiweiß hat und viskos ist. Aber soll man untergäriges Weizenbier deshalb verbieten? Es gibt für alles ein Anwendungsgebiet – und Weizen macht zum Beispiel einen Bombenschaum, den ich in manchen untergärigen Bieren gut gebrauchen kann. Es stimmt auch, dass Weizenmalz neutraler im Geschmack ist. Aber bei unserem Bier haben dafür die Zutaten den entschiedenen Einfluss auf den Geschmack.

Hand aufs Herz: Hat das untergärige Weizen, das Sie gestern gebraut haben, Potential? Kann das ein Bier sein, das die Leute gerne trinken?

Ja, das glaube ich schon. Es geht auch nicht immer nur um den Geschmack, dafür ist der Mensch zu sehr auch Augen- und Kopfmaschine. Es geht immer auch um die Story hinter einem Projekt.

Gibt es im Ausland eigentlich Weizenlager?

(Andreas Seufert gibt die Frage an den sich offenbar in der Nähe des Telefons aufhaltenden Oliver Wesseloh weiter, einen früheren Biersommelier-Weltmeister)

Oliver Wesseloh: Es gibt in den Vereinigten Staaten einige Roggenlager, die nach deutschem Gesetz auch verboten wären.

Wie würden Sie sich eine vernünftige Zukunft für Kreativbiere in Deutschland vorstellen?

Oliver Wesseloh: Ziel der Veranstaltung ist es, eine Novellierung des vorläufigen Biergesetzes herbeizuführen. So dass wir in ganz Deutschland in der Lage sein können, mit allen natürlichen Rohstoffen zu brauen, ohne extra eine Ausnahmegenehmigung beantragen zu müssen. Es kann nicht sein, dass wir teilweise sogar historische deutsche Bierstile in manchen Bundesländern nicht oder nur mit erheblichem Aufwand verbunden brauen dürfen. Aus unserer Sicht bekäme jemand, der gegen das jetzige deutsche Biergesetz klagen sollte, Recht – das zeigt auch das eben schon erwähnte Gutachten von Professor Möstl. Dann dürften wir nach der EU-Lebensmittelrichtlinie Bier brauen, die Farbstoffe und alle möglichen zugelassenen chemischen Zusatzstoffe mitumfasst. Für uns aber ist Bier ein natürliches Produkt, und das soll es bitteschön auch bleiben. Deswegen würden wir gerne zu einer Einigung außerhalb des Klageweges kommen.

Warum haben Sie für Ihren Verein den Begriff Kreativbrauer gewählt – hat sich der Craftbier-Begriff, bezogen auf deutsche Verhältnisse, als untauglich erwiesen?

Andreas Seufert: Ja, er ist zu schwer definierbar.

Was stellt das Logo Ihres Vereins dar? Ein Adler wirkt ja vergleichsweise traditionell und unkreativ – oder?

Ja, es gab verschiedene Entwürfe – und der Adler mit dem Hopfengefieder hatte den größten Wiedererkennungswert. Eigentlich ist er fast ein wenig zu bieder, vielleicht hätte man von Kreativen etwas mehr erwartet (lacht). Aber eine klare Formsprache ist schon auch gut.


47 Lesermeinungen

  1. Ein Name muss her!
    Cervisia Germanica!

  2. Unverständlich
    Wo ist das Problem? Sollen die „Kreativen“ doch zusammenpanschen, was sie wollen. Solange das Zeug eindeutig als nicht nach dem Reinheitsgebot gebraut gekennzeichnet ist, habe ich nichts dagegen. Aber warum muss es dann unbedingt als „Bier“ vermarktet werden? Auf diese gut beleumdete und zugkräftige Bezeichnung wollen die Kreativen halt nicht verzichten. Das ist ein bisschen unehrlich und deutet an, dass man vom eigenen, kreativen Produkt nicht so recht überzeugt ist.

    • Verständlich
      Wenn ich etwas braue, nach der gleichen Methode wie normales Bier, nur anstelle vom Konservierungsmittel „Hopfen“ etwas anderes verwende, wie andere Gewürze zu denen der Hopfen auch zählt. Was seit Ewigkeiten schon in anderen Ländern, sowie früher auch in „Deutschland(das es so nicht gab)“ praktiziert wurde. Es in anderen Ländern weiterhin Bier ist, nur in Deutschland nicht, hä? Was soll das bitte? Wieso ist das kein Bier mehr?
      Dann können wir gleich anfangen ein Reinheitsgebot für Wasser, Wein usw. einzuführen und zu sagen, nur das ist Wasser, nur das ist Wein usf.
      Bier ist selbst ein Panschgetränk oder besser ausgedrückt gepanschtes Wasser. Was ist daran Rein?
      Und als Chemiker verbitte ich mir dieses ewige geschwafel von Chemie im Bier. Bier ist Chemie, das ist Physikalische sowie Biochemie usw. In welchem Fach lernt man zum ersten mal Wasser wirklich richtig kennen, was Wasser ist, woraus es besteht? Im Schulfach Chemie na erinnern sie sich H2O, klingelt da was, Lebens

  3. Fantasielos
    letztlich geht e darum, das Experimentierer Trittbrett fahren wollen.
    Statt ihrem Gebräu einen eigenen Namen zu geben, wollen sie unbedingt ihre Produkte mit dem Begriff Bier vermarkten.
    Der aber ist in Deutschland mit dem Reinheitsgebot verknüpft.
    Es ist weder nötig noch geboten das Gebot aufzuweichen, da niemand daran gehindert ist Anderes zu produzieren.
    Wer unbedingt diesen Begriff will, der lügt sich in die Tasche, er will nicht experimentieren, er will schlicht das gut eingeführte Markenetikett „deutsches Bier“ für sein Produkt. Was bei dem Selbstverständnis des Produktes und seiner Abnehmer aber schlicht ein trojanisches Pferd wäre, ein Etikettenschwindel um schneller absetzen zu können.
    Wenn ihre Produkte so gut wären, wie sie glauben, ist die Bezeichnung irrelevant, sie würden ihre Abnehmer finden.
    Hier geht es vielmehr um Eitelkeit und die Scheu vor der Mühsal ein Produkt wirklich selbst vermarkten und durchsetzen zu müssen.

    • Ah ja
      Dann versuchen sie doch mal etwas total Neues zu vermarkten. Bier ist ein Panschgetränk aus verschiedenen Zutaten, und dass man in Deutschland vorschreiben muss woraus es besteht ist anmassend. Zugleich behindert es für Deutsche Brauer sich mit der aus dem Ausland in den Markt eintretenden Konkurrenz auseinander zu setzen. Wieso darf etwas aus dem Ausland Bier heissen aber bei uns nicht? Dabei haben die teilweise eine viel längere und bessere Tradition als die ursprünglichen Weintrinker aus Bayern.

    • Einseitige Sichtweise
      Eins vorweg: ich war von den Craft-Bieren, die ich bisher so probiert habe, meist eher enttäuscht (selten sogar angeekelt) als begeistert, sehe die Erweiterung des Begriffes „Bier“ daher eher mit gemischten Gefühlen. Nichtsdestotrotz kann ich die „kreativen“ Brauer verstehen. Bier ist in erster Linie ein Gewohnheitsprodukt. Wer diesen Namen für sein Produkt nicht führen darf, der kommt so ohne weiteres gar nicht in den Kreis begrenzter Wahrnehmung hinein, innerhalb dessen sich die Experimentierfreude überzeugter Biertrinker abspielt, obwohl er mit dem Produkt an sich vielleicht Chancen hätte, zu überzeugen. Eines Ihrer Argumenten ließe sich übrigens trefflich umkehren: Wenn die großen Brauereien, die in den Verbänden den Ton angeben, von ihren Produkten so überzeugt sind, warum halten sie dann die Konkurrenz mit Spitzfindigkeiten auf Abstand?

  4. Das sog. Reinheitsgebot hatte ja mit Reinheit nichts zu tun
    Bekanntlich zielte das Reinheitsgebot nicht auf die Reinheit des Bieres ab, sondern sollte nur verbieten, dass Getreide, welches zur Backen von Brot verwendet wurde, zu Bier verbraut wurde. Bei ekzessiver Verbrauung derartiger Getreidesorten, hätten evtl. Hungersnöte entstehen können, was die Landesherren mit dem Gebot verhindern wollten. Und heute kann es ja leicht legal umgangen werden. Die Carlsberg Brauerei unterhält ein großes Hefeforschungslabor. Da untersucht man, was man alles über die Hefe ins Bier bringen kann, ohne formal gegen das deutsche „Reinheitsgebot“ zu verstoßen…

    • Zustimmung
      Ja das stimmt mit der Ergänzung, dass man dadurch noch Steuertechnische Vorteile bekam und viel Geld in die Klammen Kassen der Herzöge flossen. Vor allem bei den jenigen die mit Ausnahmegenehmigung als einzige Weizenbier brauen durften. Zudem wurde anschliessend kurz darauf das sowieso ausser Kraft gesetzt und einiges wieder erlaubt wie bestimmte Gewürze eine Zeit lang. Am Ende hat sich halt der Hopfen am besten etabliert. Das mit der Hefe stimmt auch die kann wenn sie genetisch verändert wird noch einiges andere ins Bier bringen. Vielleicht steht dann nicht nur der Schaum im Bier nach den Verzehr ;-).

    • Bekanntlich ist das so nicht ...
      … richtig! Richtig ist, dass Nürnberg 1303 aufgrund einer Hungersnot den Einsatz von Getreide auf Gerste beschränkte. Die dem deutschen Reinheitsgebot zugrunde gelegte Verordnung aus April 1516 indes hatte mit Hungersnöten nichts zu tun, sondern war eine Antwort auf allenthalben verkauftes minderwertiges bis schlechtem Bier. Hintergrund war, dass die Bierpreis verbindlich festgelegt waren, sodass allenthalben durch Bauern und Brauer versucht wurde, durch den Einsatz von billigen, minderwertigen Ersatzstoffen die Gewinnmarge zu steigern. Deswegen (!) wurde die Verordnung erlassen. PVPP, das übrigens allenthalben in Lebensmitteln, übrigens auch in Wein, zum Einsatz kommt, lässt sich rückstandsfrei entfernen, wäre im Übrigen selbst ohne rückstandsfreie Entfernung unschädlich. Und anders als die Gewürze und Kräuter wird es eben vor Abfüllung entfernt. Ansonsten gilt: Mag man die vorläufige Bierverordnung wieder abschaffen und das reine Reinheitsgebot wieder herstellen!

    • Falsch
      Leider hätten das die Bayern gern aber so ist es nicht. Die Panscherei mit Giftstoffen, abgeschnittenen Fingern, Halluzinogenen oder dem verdünnen gabs überall, solche Sachen gabs teilweise schon unter den Sumerern daraus entsteht kein Reinheitsgebot. Sonst hätten wir überall Reinheitsgebote quer über den Kontinent. Das Reinheitsgebot ist eine Idee zum Auffüllen der damalig klammen Kassen in Bayern. Fragen sie Gunther Hirschfelder.

  5. Liebe FAZ
    – ich schätze diesen Blog sehr, aber das Interview heute ist denkbar unkritisch.

    Welche Rolle spielen Biere mit Früchten und Gewürzen in Deutschland? Wie groß ist das Segment der Craftbiere? Welchen Stellenwert und welche Motive haben die in dem neuen Verein organisierten Mikro-Brauereien? Geht es etwa vorallem ums Marketing? Ist es wirklich so schwierig, in Deutschland ein Bier mit Erdbeere zu brauen? Wie stehen die etablierten Verbände tatsächlich dazu?
    Gibt es in Wahrheit nicht vielmehr nur in Bayern Probleme – und wie viele Brauer sind von dieser bayerischen Restriktion in Wirklichkeit betroffen?

    Hätte man ja mal fragen können.

    • Viele Fragen, die Sie stellen, finde ich nicht entscheidend, bzw. sie beantworten sich von selbst. Nur, weil das Problem der Kreativbrauer klein ist, muss man es ja nicht gering achten. So funktioniert Gesetzgebung nunmal nicht. Und was die Verbände angeht: Sie stehen aus meiner Sicht fast schon im Wort.

  6. Das Reinheitsgebot muss bleiben!
    Es gibt überhaupt keine Gründe für das Jammern! Es kann beim Brauen alles mögliche statt der klassischen Zutaten nach dem Reinheitsgebot eingesetzt werden. Das Getränk darf sich nur nicht „Bier“ nennen. Und wenn das Produkt den Leuten schmeckt, dann trinken sie es auch dann, wenn es nicht „Bier“ heißt. Es gibt keine Gründe, mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen Interessen der kleinen Brauer die Regeln sauberen Brauens aufzubrechen! Ich darf Apfelsaft auch nicht Apfelsaft nennen, wenn der Saft nicht zu 100 % aus Äpfeln ist – und schon gar nicht, wenn ich zur Geschmacksverfeinerung (oder aus wirtschaftlichen Gründen) irgendeine andere Frucht oder ein Gemüse dazu menge.

    • Ist Guinness mit einem Rohfruchtanteil kein Bier – oder ein Trappisten-Dubbel mit vergorener Zuckerzugabe?

    • Bier ist keine Deutsche Erfindung
      Apfelsaft ist Saft aus Äpfeln aber Bier ist ein Mischpanschgetränk aus verschiedenen Zutaten. In Deutschland glaubt man, dass es nur Wasser Gerstenmalz und Hopfen, Hefe kam erst später als man ups gemekrt hat die ist ja auch noch drin. Wie wäre es denn mit eine Weinheitsgebot Wein besteht aus dem diesem und jenem na? Und hats ein Problem damit dass es sowas für Wein nicht gibt oder nicht in Deutschland erfunden wurde? Ich glaub nicht und für Apfelsaft kenn ich auch kein Reinheitsgebot. Zudem im Zweistromland wo das Bier herkam wurde es noch ganz anders hergestellt. Deutschland ist nicht der Nabel der Welt und Bier ist Bier ob es aus Polen, England oder Österreich kommt. Die einzige Begrenzung ist, dass es auf Wasser und irgendeinem Getreide(Zuckerhaltig ok Honig ist auch erlaubt) besteht mithilfe von Hefe vergoren wird und jenachdem irgendwelchen ungiftigen haltbarkeitsmachenden Konservierungsstoffe wie Hopfen, Koriander, Orangenschalen, Salz oder sonst was enthält.

  7. Finger weg vom Reinheitsgebot!
    Haben Sie schon einmal ein amerikanisches „Lager“ getrunken?
    Da steht die „Blume“ eine halbe Stunde wie aufgeschlagener Eischnee und es schmeckt wie Chemie mit Gerstensaft! Finger weg von unserem Grundnahrungsmittel! Wenn sich die Herrschaften „kreativ“ betätigen wollen, dann können sie ja auch bei der Bezeichnung kreativ sein.
    Wie wäre es mit „Gerstenbrause mit naturidentischen Aromastoffen“ oder „Chemieplörre mit Biotarnung“. Bierpanscher wurden im alten Ägypten in ihrem Gebräu ersäuft! Meiner Meinung nach zu recht.

    • Aber der Verein, den ich hier gar nicht übermäßig verteidigen will, erklärt doch gerade, vehement gegen Chemie zu sein … Und wer das deutsche Biergesetz anpasst, muss doch nicht automatisch in amerikanische Verhältnisse fallen.

    • Gehts denn noch?
      Was hier irgendwie dauernd verwechselt wird ist panscherei übrigens finde ich ein Panache im Sommer sehr bekömmlich hat weniger Alk und haut nicht bei der Sonne so weit rein.
      Ich wiederhole mich nochmals Hamurabi hat als erster Biergebote erlassen und da stand das mit dem eigenen Bier ersaufen drin also nicht mit den Ägyptern verwechseln, obwohl die auch ordentlich gebechert haben sollen.
      Im amerikanischen Bier ist auch keine Chemie drinnen, das kriegt man auch so mit gewissen chemo-physikalischen Tricks mithilfe von Naturstoffen im Hopfen und dem Malz hin, dass die Blume ewigs steht wie mit den berühmten blauen Pillen ;-). Das amerikanische Craftbeer ist teilweise eine Wucht, woran sich manche Brauer in Deutschland wieder eine Beispiel nehmen könnten. Und die Industriebiere in USA sind eh auf deutschem Mist Gewachsen oder was denken sie woher Annheuser-Busch hergestammt ist, na?

    • Grundnahrungsmittel?
      Klkingt nach den typischen Ausreden einer Alkoholiker-Gesellschaft. Bier ist KEIN Grundnahrungsmittel! Es ist eine DROGE die vielen Menschen das Leben kostet. Das Schlimme: Unsere Politiker reden leider genau den selben Unsinn. Reden von Tradition o. Braukultur. Dumme Ausreden sind das, weil Geld schlicht mehr wert ist als Menschenleben

    • Eigentor
      „Chemieplörre mit Biotarnung“ trifft aufgrund der PVPP-Thematik ja gerade nicht auf die kleinen Craft-/Kreativbrauer zu, sondern auf die grossen „Fernsehbiere“…

    • Oh ihr Kleingeistigen
      Was das amerikanische Lager angeht, da kommt’s auch stark auf die Marke an, ob Ihre Aussagen in Bezug auf Blume und Chemiegeschmack zutreffen. Bisweilen ist in „nach deutschem Reinheitsgebot“ gebrautem Konzernbier mehr Chemie (z.B. über die Hefe eingebracht oder nachher wieder herausgefiltert, s. im Beitrag erwähntes Klärungmittel) enthalten, als in frz. Wein zu Zeiten der Frostschutzmittelaffäre. Die Vereinigung der Kreativbrauer vertritt vernünftige Ansichten in Bezug auf die Neubewertung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Steigerung der Wahrnehmung der Vereinigung sowie der Erhöhung ihrer Wettbewerbsfähigkeit.

      Mir ist nur eines unverständlich: der Durchschnittsdeutsche stopft sich tagtäglich mit Chemie in Form von Konservierungsstoffen, Geschmacksverstärkern usw. voll und es juckt ihn nicht. Aber beim Bier will man, obwohl dieses teilweise „chemieverseucht“ ist, zwanghaft an der Illusion festhalten, dass es „rein“ sei. *Kopfschüttel*

  8. Hallo Herr Ebbinghaus
    Es gibt in der unterfränkischen Rhön in Oberelsbach eine kleine Ein-Mann-Brauerei namens Pax-Bräu, die bayernweit, auch in den Medien und zum gleichen Anlass des Jahrestages, namentlich (Braumeister ist Andreas Seufert) genannt wird.

    Diese Brauerei hat zum Beispiel bisher gezeigt, dass es auch mit dem Reinheitsgebot technisch revolutionär geht, auch wenn der Brauer jetzt die Aufweichung will.
    Das Bier schmeckt, aus eigener langjähriger Erfahrung, ganz hervorragend, trotz der vergleichsweise hohen Preise. Mir selber sind weltweit viele Biere vor Ort bekannt, die schmecken
    auch gut. Da weiß aber nicht jeder was drin ist.

    Das ist der Grund, warum aus meiner Sicht das Reinheitsgebot bleiben sollte.

    • Verstehe, aber es sollte Deutschland noch eine bessere Lösung einfallen, mit der Sie und Herr Seufert leben könnten.

  9. "Bier"
    Der Verbandsvertreter hat es ja schon auf den Punkt gebracht: Brauen dürfen sie vieles, sie dürfen es halt nicht Bier nennen.

    Die Industrialisierung des Brauens kann man ja kritisieren. Trotzdem will ich nicht ganz einsehen warum es nicht möglich sein sollte die Klassiker in einer kleinen Brauerei zu perfektionieren, um sich so vom Einheitsgeschmack abzuheben.

    • Das Reinheitsgebot wird doch immer eine geschützte Marke bleiben – und es wird kaum jemand leugnen, dass das sehr gut so ist. Es kommt darauf an, das deutsche Biergesetz klug anzupassen. Man muss doch deshalb nicht den Bier-Begriff künstlich klein halten. Was soll denn zum Beispiel ein untergäriges Weizen anderes sein als „Bier“?

    • Bier
      Doch! Nach höchster Rechtsprechung (BVerwG – Urteil Schwarzer Abt) darf man auch ein Bier mit Frucht BIER nennen.
      Wo ist das Problem?

    • Das ist die Abteilung „besonderes Bier“, die es in Bayern nicht gibt. Letzteres ist das im Interview angesprochene Hauptproblem.

    • Wer hoats erfunda?
      Ich hab dauernd das Gefühl bei diesen Diskussionen, dass Deutschand und ganz besonders die Bayern das Wort oder den Begriff Bier gepachtet haben? Manchmal auch das Gefühl man hätte „Bier“ selbst erfunden, hä? Und dann hätte der liebe baiuwarische Gott Herzog soundso vom Himmel herab, auf der grossen Steintafel oder wars doch ein Steinkrug, das eine Gebot verkündet es möge nur das und das rein, alles andere ist nicht fein! Der Begriff Bier gehört nicht der bairsichen Landesregierung tut mir Leid und sie haben auch kein Patent darauf, eigentlich müssten sie Patentgebühren an Syrien zahlen wo das Bier wirklich herstammt.
      Zudem dreschen wir immer auf der Industrialisierung rum, dabei hat sie im 19 Jahrhundert zum Siegeszug des Bieres verholfen. Dass heutzutage durch die Globalisierung und den hart umkämpften Markt die Grosskonzerne zum Einheitsbrei übergegangen sind ist halt ein Nebeneffekt der aber widerum zum heutigen Gegentrend geführt hat der nicht falsch ist, somit wiede

  10. Gegen den Zeitgeist
    Genauso, wie die der Zeitgeist glaubt, er könne wie beim Wein aus der Traube einen Pfirsichgeschmack oder Himbeere oder sonstige Aromen der Eiche (eigentlich ist das alles nur Gerbsäure) rauszuschmecken, macht sich hier die Mode breit.

    Diese selbsternannten Kreativbrauer sind eigentlich nur Geschmackspanscher in der Tradition eine Bionade.

    Hoch lebe der Zeitgeist bis morgen, das Reinheitsgebot ist aber älter.

    • Solche Thesen führen doch nicht weiter. Die Aussagen von Herrn Seufert gehen doch in eine ganz andere Richtung. Außerdem ist es nicht zu leugnen, dass Bier auch nach Beeren und Früchten riechen und schmecken kann, das kommt dann aber nicht von der Gerbsäure, sondern von der Hefe oder dem Hopfen. Riechen Sie doch nur mal an einer Hopfenweisse von Schneider …

    • Scheinheitsgebot
      Das Reinheitsgebot für Bier nach Hamurabi ist noch viel Älter! Zudem hat man sich in Bayern nach dem Reinheitsgebot eh nicht gehalten und Weizenbier ist da schon gar nicht aufgeführt. Man muss nicht unbedingt Beeren im Bier schmecken wenn man nicht möchte, das ist jedem selbst überlassen. Und wenn man unbedingt will kann man auch Radler, Alsterwasser, Panache oder Berlinerweisse mit Waldmeister trinken um dem Bier anderen Pepp zu verleihen. Puristen werden ja nicht verdrängt oder abgeschafft ;-). Wann versteht man hierzulande endlich, dass Bier keine „Deutsche Erfindung“ ist auch wenn das manche gerne hätte?

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