Biopolitik

Amnesty engagiert sich für Menschenrechte von Intersexuellen

Auf Initiative der deutschen und der schweizer Sektionen, soll sich  amnesty international künftig verstärkt für die Menschenrechte von intersexuellen Menschen einsetzen. Dabei geht es insbesondere um sogenannte geschlechtszuweisende Eingriffe im frühen Kindesalter bei denen Genitalien von Menschen, die nicht eindeutig männlich oder weiblich sind, verstümmelt oder gar entfernt werden. Aber auch Operationen bei erwachsenen Intersexuellen, die bisweilen ohne umfassende Aufklärung vorgenommen werden, werden von den Menschenrechts-Initiativen ins Visier genommen.

Die Gruppe „Menschenrechte und sexuelle Identität“ der deutschen amnesty Sektion erläutert auf ihrer Homepage::

„Im Mittelpunkt der Bemühungen steht die Ächtung einer medizinischen Praxis, intersexuellen Menschen entweder im frühen Kindesalter ohne Einwilligungsfähigkeit – oder Erwachsenen ohne Aufklärung über Folgen – auf operativ-medikamentösem Weg ein eindeutiges Geschlecht „zuzuweisen“. Dies wird als fundamentaler Verstoß gegen die Menschenrechte (Recht auf körperliche Unversehrtheit, auf Selbstbestimmung und Würde und auf Nicht-Diskriminierung) gewertet, da solche Maßnahmen in den allermeisten Fällen aus medizinisch-gesundheitlicher Sicht keinerlei Begründung haben.“

Auf der schweizer Seite von „queeramnesty“ heißt es zu dem Thema:

„Die Hintergründe für die Leiden von Intersex sind in erster Linie im herrschenden Zwang zur Zweigeschlechtigkeit zu suchen: Verhalten oder gar Körper, welche nicht in dieses Muster passen, weden ablehnt. Intersex sind weniger sichtbar als etwa Transsexuelle und werden deshalb auch weniger wahrgenommen“.

Dass sich mit amnesty nun eine der klassischen großen Menschenrechtsorganisationen für die Rechte von Intersexuellen positioniert (zumindest mit zwei Länder-Sektionen), ist für ein so vergleichsweise junges Politikfeld (in der Bundesrepublik sind Mitte der Neunziger Jahre erste Texte veröffentlicht worden, die sich kritisch mit der Behandlung Intersexueller auseinandersetzen) ein großer Schritt hin zu einem umfassenden Perspektivwechsel: Intersexualität wird immer weniger als medizinisches Problem gesehen und zunehmend als Thema bei dem es um Selbstbestimmung, Menschenrechte und Teilhabe geht. Das ist eine Entwicklung, die sich seit gut dreißig Jahren schon mit Blick auf Behinderung vollzieht. Diese (bei allen Unterschieden, die es auch gibt) Parallele, zeigt aber auch, was an Widerständen noch zu überwinden sein wird – zumal die Anerkennung der Menschenrechte von intersexuellen Menschen vor allem verlangt, dass der starre Geschlechterdualismus überwunden werden muss, ein Projekt, das nicht nur im internationalen Leistungssport höchst schwierig erscheint.

Aber amnesty international steht nicht zuletzt auch für grosse Beharrlich keit und dafür, was auch scheinbar schlichte Mittel, wie das massenhafte Schreiben von Postkarten, bewirken können.

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