Biopolitik

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Therapieverzicht: Selbstbestimmung nur wenn das Ergebnis passt?

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 „Hochleistungsmedizin - wie lange noch? Ein künstliches Hüftgelenktmit 80 - können (wollen) wir uns das noch leisten?" Fragte mich ein...

 „Hochleistungsmedizin – wie lange noch? Ein künstliches Hüftgelenktmit 80 – können (wollen) wir uns das noch leisten?“ Fragte mich ein Mitarbeiter der Universität Greifswald vor einigen Wochen in einer E-Mail und wollte mich so offenbar motivieren eine wissenschaftliche Tagung an seiner Universität zu besuchen. Um mir den Besuch noch attraktiver erscheinen zu lassen ließ er mich etwas ungelenk formuliert wissen: Wir verfügen über Möglichkeiten wenn notwendig die Unterbringungskosten und Reisekosten für Sie zu übernehmen.“  Das war ein etwas ungewöhnliches Angebot, das Journalisten sonst eher in der Reisebranche unterbreitet wird: Üblicher- und richtigerweise zahlen wir bzw. unsere Redaktionen unsere Spesen selbst. Gerade die Veranstalter wissenschaftlicher Kongresse haben – so weit ich es bislang erlebt habe – auch kein besonderes Interesse und vor allem auch kein Geld die Kosten der Medienvertreter zu übernehmen. Bei dieser Tagung „Ethik für eine alternde Welt“ (altert die Welt? Sind es nicht eher die Gesellschaften in den Industriestaaten?)  – immerhin von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Akademie für Ethik in der Medizin und Pabst Publishers unterstützt – ging es dagegen offenbar mindestens genauso sehr um die öffentliche Aufmerksamkeit, wie um den wissenschaftlichen Gehalt der Vorträge.

Ich bin, weder trotzdem noch deswegen, nicht nach Greifswald gefahren sondern habe, was manche Medizinethiker und Allokationstheoretiker ja auch gerne tun, eine Priorität gesetzt: In Budapest fand zur gleichen Zeit eine Fachtagung des „Mental Disability Advocacy Centers“ statt. Dort sollten die Möglichkeiten strategischer Prozessführung erörtert werden, um die neue Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen in europäischen Staaten durchzusetzen. Wenn man so will ging es den dort Versammelten –  wohl anders als vielen in Greifswald Versammelten – darum, wie man Rechte in einer „inklusiven Welt“ durchsetzt, also in einer Gesellschaft, in der nicht Gruppen ausgemacht und deren Interessen gegeneinander gesetzt werden (keine Hüfte für die 80jährige, damit wir uns die Hüfte für den 75jährigen noch leisten können), sondern in der es darum geht, gerade der Verschiedenheit der Menschen gerecht zu werden. Dabei spielten natürlich auch in Budapest Kostenargumente eine Rolle, beispielsweise beim Recht auf eine „inklusive Bildung“ gerade auch für Menschen mit geistigen Behinderungen – das hübsche (und irgendwie Beruhigende) dabei ist, dass die bessere und gerechtere Lösung oft (nicht immer!) auf lange Sicht und im Ganzen betrachtet auch die kostengünstigere ist. 

Aber in Budapest war ich nicht als Journalist geladen und es war auch keine öffentliche Veranstaltung, deswegen zurück nach Greifswald, wo ich nicht war und zu meiner Reiselektüre, die mich nach Ungarn begleitet hat: Die Juni-Ausgabe der Zeitschrift „Ethik in der Medizin“, die neben der Ankündigung des Greifswalder-Kongresses (da schließt sich der Kreis) einen bemerkenswerten und anregenden Text enthält: „Ist ein Therapieverzicht gegen den Willen des Patienten ethisch begründbar?“ Die Münchner Medizinerin Eva Winkler weist darin darauf hin, dass es nicht nur Patienten gibt, die auf denkbare medizinische Behandlungen verzichten, um Sterben zu können, sondern auch recht viele, die Maximaltherapie verlangen in der Hoffnung länger leben zu können. Sie schreibt:

„In einer empirischen Studie zur Einbeziehung von Patienten in Entscheidungen zum Therapieverzicht konnten wir zeigen, dass etwa ein Drittel der Patienten auch bei infauster Prognose Lebenszeit durch Maximaltherapie gewinnen möchte. Diese Patienten wurden im Gegensatz zu Patienten mit palliativem Therapieziel häufig nicht in Entscheidungen zur Therapiebegrenzung einbezogen.“

Die Ergebnisse stammen aus der Hämatoonkolgie und wurden in einer methodisch aufwendig konzipierten Studie gewonnen. Einbezogen waren 70 Patienten, bei allen war Therapiebegrenzung ein Thema, bei 63 von ihnen wurde sie schließlich auch vorgenommen – dabei ging es vor allem um Verzicht auf Wiederbelebungsmaßnahmen, intensivmedizinischen Behandlungen und auf Chemotherapie. Bei 51 dieser Patienten waren die Wünsche hinsichtlich der Frage der Therapiebegrenzung bekannt. Zwar waren alle Patienten über ihre Erkrankung und den Therapieverlauf aufgeklärt, aber nur 47 Prozent, also weniger als die Hälfte, wurden in die Entscheidung über die tatsächlich vorgenommene Therapiebegrenzung einbezogen. Dass Patienten, die Maximaltherapie wünschten, seltener darunter waren, als solche, die ohnehin nicht Lebensverlängerung als oberstes Ziel hatten, ist ein auffälliges Ergebnis, das auch die verbreitete Legende widerlegt, Ärztinnen und Ärzte würden überall und immer am liebsten ihr gesamtes Therapiearsenal zum Einsatz bringen. Die Münchner Ärzte haben aber weiter gefragt und geschaut, warum sowohl Patiente, die Maximaltherapie wollten, als auch solche, die mit Therapiebegrenzungen einverstanden gewesen wären, nicht in die Entscheidung einbezogen wurden: Dabei ergab sich, dass ein entscheidender Faktor war, ob die Behandlungsziele von Arzt und Patient übereinstimmten. Divergierten die grundsätzlichen Behandlungsziele (was bei den Patienten mit dem Therapieziel „Lebensverlängerung“  allerdings deutlich häufiger der Fall war!), neigten die Ärzte dazu, die konkrete Entscheidung zu treffen, ohne die Patienten einzubeziehen.

Mit anderen Worten: Wenn erwartet wird, dass sich die Patienten verhalten, wie der Arzt es für richtig hält, werden sie in die Entscheidung einbezogen, andernfalls nicht. Da offenbar auch bei den Ärzten die Auffassung an Verbreitung gewinnt, dass Lebensqualität ein besseres Therapieziel ist, als Lebensverlängerung, hat – in einem bestimmten klinischen Kontext – das Selbstbestimmungsrecht von Patienten, die Therapiebegrenzung wünschen, bessere Chancen beachtet zu werden, als das von Patienten, die den vollen Einsatz aller medizinischen Möglichkeiten fordern.

Das ist ein Ergebnis, das quer zu dem steht, was in den öffentlichen Debatten verhandelt wird – insbesondere zu dem, was die Diskussion um Patientenverfügungen geprägt hat. Deswegen ist es unbedingt wichtig, sich damit auseinanderzusetzen – und weiter mit solchen Fragestellungen zu forschen, denn in der Geriatrie oder der Kardiologie mag die Situation anders sein, als in der Hämatoonkologie.

Die Münchener Studie beschränkt sich nicht auf den (überraschenden) Befund, sondern stellt weitere Überlegungen an:  Sind die von den Patienten geforderten Maßnahmen medizinisch akzeptabel? Was ist überhaupt medizinisch geboten? Dabei ist die Überlegung bemerkenswert, dass eine mit Sicherheit wirkungslose Therapie natürlich nicht angeboten werden kann und soll, dass aber in vielen Fällen Behandlungserfolge zwar unwahrscheinlich sind, aber dennoch möglich sein werden – da Prognosen gerade bei Behandlungen in Extremsituationen wie am Lebensende selten zuverlässig zu machen sind.  Auf der Basis kommt sie zu recht überzeugenden Überlegungen, die – unter bestimmten Voraussetzungen – auch eine Maximaltherapie  für richtig hält, die die Behandelnden für unangemessen handeln mögen.

„Im Gegensatz etwa zu Behandlungen, die unter den Begriff des ‚Enhancement‘ fallen, ist die Maximaltheapie am Lebensende die einzige Möglichkeit die Existenz des Patienten noch etwas zu verlängern, und der Patient hält diese Form der Existenz für lebenswert genug, um die Belastungen auf sich zu nehmen.“

Die Alternative dazu wäre eine offene (Alters-)Rationierung – die zumindest einige der auch mittlerweile in die Jahre gekommenen Redner, die in Greifswald angetreten sind, seit langem befürworten (andere einst lautstarke Befürworter einer solchen Altersrationierung, wie Daniel Callahan, konnten möglicherweise aus Altersgründen nicht kommen) . Darum hat es im Vorfeld der Veranstaltung einige Aufregung gegeben: grüne Politiker haben gegen die als einseitig empfundene Ausrichtung des Kongresses protestiert, die Veranstalter, die für ihre Konferenz geworben haben, wie für ein kommerzielles Produkt, sahen die Wissenschaftsfreiheit in Gefahr – naja.

Nach dem Wochenende wird die Veranstaltung, die so innovative Ethik-Themen bereithält wie „Das Betreuungsrecht aus der Sicht des Politikers“ , drei 30-Minuten-Vorträge „Therapiezieländerung …..aus der  Sicht des Intensivmediziners, Theologen, Juristen“ oder  gar, auf der Konferenz-Homepage in schrillem Rot  beworben, „11:00 – 13:00 Free presentation – NEW!!!“, voraussichtlich bald vergessen sein: Die Abwicklung der Honorarabrechnungen und Reisekosten (Journalisten inklusive) ausgenommen. Und das ist nicht schade, denn so brisant gesundheitsökonomische Fragen und Probleme der  Allokation knapper Ressourcen sind – die Mischung aus Altbackenheit, Beliebigkeit  und etwas provinziell Marktschreierischem, die den Greifswalder Kongress (der auch hübsch zwischen „German sessions“ -!- und „English Sessions“ unterscheidet), nach außen prägte, eröffnet nicht die neuen Perspektiven, die wir bräuchten (was natürlich nicht heißt, dass nicht der eine oder andere Beitrag interessant und wichtig gewesen sein mag).

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16 Lesermeinungen

  1. Da findet ein Kongress statt,...
    Da findet ein Kongress statt, den Sie nicht besuchen. Aber Sie schreiben ueber ihn. Die Lektuere des Tagungsprogramms, ein paar Zitate hieraus und ein Angebot zur Kostenuebernahme sind Ihre Grundlage, eine gesamte Veranstaltung zu diskreditieren. So geht’s doch nicht! – Halten Sie das fuer guten journalistischen Stil?
    Auf der Grundlage eines Programms kann man entscheiden, ob man teilnimmt – aber doch nicht mehr.
    Sehr interessant und bedenkenswert aber die Zusammenfassung und Diskussion der Muenchener Studie, vielen Dank.

  2. Das Ärzte, aber vornehmlich...
    Das Ärzte, aber vornehmlich auch Medizinethiker, gelegentlich erhebliche Probleme haben, dass Selbstbestimmungsrecht der Patienten zu akzeptieren, ist sattsam bekannt und nahezu allmonatlich in einschlägigen Fachzeitschriften nachzulesen, vorzugsweise in solchen, die sich der „Ethik“ als Wissenschaft verpflichtet fühlen.
    Das Thema „Maximaltherapie am oder bis zum Lebensende“ indes ist allerdings nicht neu, sondern ist geradezu prägend für die modernen Ethikdebatten und hier scheint sich „nur“ vordergründig ein Problem aufgetan zu haben, in dem der sterbende Patient eine Maximaltherapie wünscht, obgleich diese allenfalls dazu beiträgt, den Prozess des Sterbens hinauszuschieben. Die Ursachen für eine Maximaltherapie, die in erster Linie auch mit einer „Übertherapie“ gleichgesetzt werden kann, sind vielschichtiger Natur und bei einer ersten Annäherung an das Thema wird freilich nicht zu übersehen sein, dass hier ein ethisches Problem konstruiert wird, dass dann in der Folge als ethische Indikation/Implikation bezeichnet wird und natürlich dazu geeignet ist, die medizinische Indikation „zu ersetzen“. Es gibt kaum „Etwas“, was die Hochleistungsmedizin nicht zu leisten imstande wäre und so gesehen konkurriert vielfach der Ehrgeiz des Therapeuten – auch solche der Palliativmedizin – mit dem Selbstbestimmungsrecht der Patienten und – sofern die Ziele prinzipiell gleichgerichtet sind – wird der „Wunsch“ des Patienten für eine Maximaltherapie sich gerne in das Ohr des Therapeuten schleichen, der ohnehin nicht bereit ist, die „Grenzen“ seiner ärztlichen Kunst zu akzeptieren. Mehr noch – der Therapeut wird, wenn denn schon der Wunsch des Patienten für eine Maximaltherapie unabdingbar feststeht, ohne Frage zu der Auffassung gelangen, dass es immer noch eine „letzte Hoffnung“ des Patienten auch aus medizinischer Sicht gibt (z.B. die Spontanremission) und er kann hierauf Bezug nehmend sein Gewissen beruhigen, doch alles für den Patienten getan zu haben. Ein gewisses Unbehagen muss sich allerdings dort einstellen, wo eine „Maximaltherapie“ als medizinisch sinnlos und nicht Erfolg versprechend betrachtet werden muss und dennoch dem Wunsch des Patienten nachgegeben wird. So ehrenhaft die Einstellung auch sein mag, so drängt sich in mir allerdings zugleich auch der Verdacht auf, dass hier der Patient insbesondere deshalb mit seinem Wunsch für eine Übertherapie ernst genommen wird, weil er hierdurch den Therapeuten die exklusive Möglichkeit eröffnet, weiter „zu forschen“. Die Interessenlage ist mithin also gar nicht so unterschiedlich: Der Wunsch des Patienten wird erfüllt und die Therapeuten können anhand des individuellen Patientenschicksals einen weiteren Beitrag etwa zur palliativmedizinischen Forschung leisten, deren Kosten von der Solidargemeinschaft zu tragen sind. Aber auch das „Kostenargument“ wirft keine nennenswerte Probleme auf – so jedenfalls könnte man/frau meinen -, denn immerhin gilt es, dass „Leid“ auf sich zu nehmen und so einen Beitrag zum Ausbau der Palliativmedizin leisten zu können, die ja immerhin den späteren schwersterkrankten und sterbenden Patienten zugute kommen sollen. Aber wie geschrieben: ethische Dilemmata entstehen nicht, da der Wunsch des Patienten mit dem Willen des Therapeuten in die Segnungen und Möglichkeiten der Hochleistungsmedizin in bestem Einvernehmen harmoniert und demzufolge gleichgerichtet ist.
    Der Hinweis des Kollegen Tolmein auf die VA in Greifswald macht zunächst durchaus Sinn, allerdings wohl nur auf den ersten Blick: Durch diesen Hinweis wird eine „ethische Nebelbombe“ gezündet, denn es geht zuvörderst nicht um die Frage, ob ein Hochbetagter ein „künstliches Hüftgelenk“ bekommt oder nicht; in diesem Falle liegt eine medizinische Indikation vor, während dies sich bei dem Therapieverzicht am Lebensende eher anders darstellen wird, wonach eben der Patient „austherapiert“ ist und nunmehr der Palliativmedizin überantwortet wird. Aber auch die Palliativmedizin hat ihre Grenzen und da stellt sich dann schon die Frage, wie wir auf einen Wunsch eines Patienten zu reagieren beabsichtigen, der unmittelbar auf eine Maximaltherapie gerichtet ist.

  3. Bei dieser Medizinfolklore...
    Bei dieser Medizinfolklore geht es um nichts mehr als Umsatz und Gewinn.
    Klar wollen Schwerkranke eine gute Versorgung. Und klar ist, dass die
    Kirchen und kirchlichen Krankenhauskonzerne gut am „Hospizwesen“ verdienen,
    die Pharamaindustrie übrigens auch. Das „verpasste“ Seminar war eine Werbeveranstaltung der Unternehmensholding Gutmensch.

  4. <p>(Have to write in...
    (Have to write in English)
    Pitiable man
    Somebody offered that pure journalist money to come to Heringsdorf. And he ignored the invitation!? (This may be already a diagnosis, but let us see more of this.) So he had to be smart enough to see what is behind in, for him, so “easy” to decrypt titles of the philosophers and physicians who are, apparently, something like late Nazi followers. Who is he? I would think that this is at least a typical armchair war reporter who apparently believes to be under protection of the totalitarian media regime. So he is free to design a culprit and the victim without even knowing what is going on in the unhappy “land”. The diagnostics is probably much simpler. In reality we have in front of us a victim of a great sin that never was eradicated, a paranoia of responsibility and terrible drag to purity, desire to raise himself high in the Haven from the mud of eternal crime that he has still on his hands, and all over, up to his neck! Yes, simply stated that person is (at least and) obviously wrong. His broken German exposes an uneducated ignorant unworthy any serious answer at all, even if the regime would be as he believes that it is. His imagination gives him a nice illusion of grander that is so transparent and so naïve. It is true, some beginners in journalism dream to be invited and paid (!) to develop their Hemingway-like career. Yet our “he” would not do it on the bloody battlefields of Spanish civil war but from his armchair and in imagined contradictions of the world of intellectuals where, what a shame, he does not belong. Overwhelmed by his terrors, he finds himself to be brought right there, between these beasts of knowledge and then left defenceless and alone. Yes, this is a sad state where only remedy could be to sit and learn and try to get some high school diploma and more self confidence. So, we would advice Oliver Tolmein exactly this. It could save him from frustrations and terrible drive to live other people’s lives and awesome virtual world of mental emptiness, spreading hate. Yes, little knowledge is “verdamt” dangerous thing.

  5. Sehr geehrte Leserinnen und...
    Sehr geehrte Leserinnen und Leser dieses Blogs, heutzutage ist es üblich bei biomedizinischen wissenschaftlichen Publikationen so genannte Interessenskonflikte (finanzielle Vorteile, die durch die jeweilige Publikation erzielt werden) anzugeben.
    Stil und Aussagen der Publikation „Therapieverzicht: Selbsbestimmung…“ deuten darauf hin, dass Herr Dr. jur. O. Tolmein noch am Anfang des wissenschaftlichen Verständnisses der Medizin und Ethik (medizinische und berufliche) steht, sich dafür jedoch ziemlich nah an einem rechtsanwältlichen Interessenskonflikt befindet. Durch diese Publikation sichert sich unser Kollege von der medizinrechtlichen Front ganz einfach die eigene wirtschaftliche Zukunft indem er potentielle Kundschaft anspricht. Dabei sind auch die hellseherischen Fähigkeiten des jungen Kollegen zu bewundern – 3 Seiten Text mit Anspruch auf Wissenschaftlichkeit und politische Aktualität ohne den Kongress zu besuchen.
    Nun gut, um eine produktive Publikation zu hinterlassen, hier meine Empfehlungen für den aufstrebenden jungen Pioneer der Zeitungsmedizinethik:
    1. Vor dem Schreiben das Standesrecht Ihrer Berufsgruppe ordentlich studieren.
    2. Die Lehrbücher „Grundlagen klinischer Studien“ und „Grundlagen der Ethik“ lesen.
    3. Auf einer Intensivstation mindestens 3 Monate (auch im Nachtdienst) hospitieren.
    4. Erst die Veranstaltungen besuchen, dann darüber schreiben.

  6. <p>@Müller, DP: Ihre...
    @Müller, DP: Ihre Aufregung darüber, dass ich einen Kongress erwähne und mich mit den Themen der dort vorgetragenen Referate befasse, obwohl ich nicht persönlich anwesend war, könnte ich nachvollziehen, wenn ich diesen Umstand nicht erwähnt hätte (oder wenn ich über den Verlauf der Veranstaltung geschrieben hätte, den ich tatsächlich nicht kenne. Um festzustellen, dass „Betreuungsrecht aus der Sicht des Politikers“ ein wenig ergiebiges und wenig innovatives Thema ist, muss ich mir den Vortrag nicht anhören). Als Blogger streift man notgedrungen viel, was man nicht selbst erleben und woran man nicht persönlich teilnehmen kann…. Im übrigen stehe ich immerhin mit meinem Namen für das was, ich denke und schreibe. Dass sich beispielsweise DP hinter einem nichtssagenden Kürzel versteckt und eine e-mail-Adresse angegeben hat, die nicht die seine ist, erscheint mir angesichts seiner sehr persönlich gehaltenen Anmerkungen dagegen eher memmenhaft. Sei`s drum. Die Bioethik-Debatte geht weiter.

  7. @Oliver Tomelin. Thank you for...
    @Oliver Tomelin. Thank you for the answer. My excuses for accidentally including the e-mail of some other person, and my excuses to that other person too. My respect for quickly and silently removing this terrible error. Still, I find it fantastic that we could discuss in different world languages without much of the problem. Indeed, denigrating the conference because somebody offered you money to come is quite bad, since certainly nobody from the organisers made such an offer. And even if somebody did? However this is EXTREMELY unlikely to have happened. Trivial complains, like what should be called “World”, entire world population or a population of old people only from developed countries, is a mistake. Examples: World of computer users, World of the marathon runners – are “worlds” by any means. And even if the “world” of “aging Ivory Coast citizen” is not getting older, these citizens need to be cared more about and enjoy more of the possible paradigm change about the “old man” of our Western World. So this was their conference too. The Western old man is not even at 100 years of age as old as he was thought to be 20 years ago and needs more care in order to reach even 120 years of age in the near future, who knows. Medicine will very soon, I believe, offer these possibilities.
    The discussion around and at the conference in Heringsdorf showed (pity you were not there), contrary to what you tell us by the example from München study. It displayed rising concerns about the concept of the futility of therapy. The convictions expressed on the conference in Heringsdirf contradict your assumptions. Then you try to help your argument by citing that some side fraction of the Greens claimed that the organisers of the conference intended to promote a crazy idea that the demographic expansion is to be solved by euthanasia!!? Or that some of the speakers maintain to be moral to kill innocent people (!!?). This all should not have passed a serious editorial control of the media that transmitted this shameful insinuation. How it passed your moral concerns barriers then, I have to ask? When such deeply untrue and malicious accusations are so easy to verify. Still, a blog is a blog, and it permits strong words. My attacks on you were too strong anyway, my excuses for this. But to say what one knows to be false and still to dare not to know, and to clam the contrary of what truth is, is a kind of critical irresponsibility. Journalism must stay free but give away to the truth. And, as Francis Bacon used to say “little knowledge is dangerous thing” – the danger is (and this is great thing about intellectual disputes) in a potential powerful response of an intelligent opponent who we have to respect – if and only if he/she has intention to be truthful. To achieve this one needs knowledge. This is one reason for which you should have come to Heringdorf. Otherwise, you know this from the Tractatus, of course: …“wovon man nicht reden kann, darüber muß man schweigen“.

  8. Auch wenn ich viele Meinungen...
    Auch wenn ich viele Meinungen und Thesen von Herrn Dr. Oliver Tolmein nicht teile und für sehr diskussionswürdig halte, so kann von mir der der englische Beitrag nicht weiter kommentiert werden. Dem Verfasser wäre zu raten, sich einmal mit der englischen Interpunktion zu befassen bevor er sich an unhaltbaren und unzumutbaren Vergleichen versucht.

  9. <p>Sie haben, Herr Dr. Tolmein...
    Sie haben, Herr Dr. Tolmein Unrecht. @Peter Mueller schreibt: „Da findet ein
    Kongress statt, den Sie nicht besuchen. Aber Sie schreiben ueber ihn.“ Warum
    tun sie das, Herr Tolmein? Das ist die Tatsache dass es der Universität
    Greifswald gelungen ist, nach Heringsdorf die bedeutendsten Ethiker der
    Welt, Roger Scruton, wahrscheinlich der wichtigste Philosoph unserer Zeit,
    H.
    Tristram Engelhardt, John Harris, oder Georg Agich, Prof. Wiesemann, die als
    Begründer der modernen Bioethik gelten. Jeder dieser Philosphen
    veröffentlichte hunderte von Artikel und mehrere Buche PRO JAHR, die
    Grundlage unserer Kenntnissen über medizinische Ethik bilden. Und dann kommt
    ein Journalist von der FAZ daher um uns zu sagen, dass diese Konferenz
    provinziellen Charakter besitzt, keine Bedeutung hat und unterstützt
    gleichzeitig eine lokale grüne Politikerin die behauptet, dass die
    Universität Greifswald alte Menschen euthanasieren lassen möchte um den
    demographischen Wandeln zu regeln, oder dass der berühmte Professor Harris
    einen gesunden Menschen umbringen lassen will, um fünf Kranke zu retten. Das
    sagt uns ein Anwalt aus Hamburg (Sie). Deutschlandfunk sagt uns gestern
    (20.10) aber das Gegenteil! Er, der Anwalt, hat die Freiheit zu sagen was er
    möchte, selbstverständlich. Das ist aber nicht nur ein wenig provinziell,
    sondern auch ein sicheres Beispiel von absoluter Ignoranz. Fragt sich nur,
    ob dessen Arbeitgeber stolz auf solche Mitarbeiter ist…

  10. <p>@Ashley Bryon: Dass die...
    @Ashley Bryon: Dass die nach Greifswald geladenen die bedeutendsten Ethiker der Welt und Philosophen unserer Zeit sind bezweifele ich. Sie sind prominent, publikationsstark und eindeutig positioniert, aber Werke von Robert Spaemann, Jürgen Habermas, Erwin Chargaff, Susan Wolf, John Keown oder Jeremy Rifkin habe ich mit deutlich größerem Gewinn gelesen. Im Übrigen freue ich mich immer, wenn Menschen meine Blogs genau lesen und korrigiere ungern ungenaue Lektüre oder gar diffamierende Behauptungen. Aber manchmal muss es dann doch sein: Keineswegs habe ich geschrieben, dass die Greifswalder Konferenz „provinziellen Charakter“ besitze, ich habe, wie sich im Blog ohne Mühe nachlesen lässt, eine „Mischung aus Altbackenheit, Beliebigkeit und etwas provinziell Marktschreierischem, die den Greifswalder Kongress … nach außen prägte“ konstatiert. Ich habe auch keine lokale grüne Politikerin unterstützt, die was auch immer behauptet hat, sondern habe, ohne das zu werten, vermerkt, dass grüne Politiker die Konferenz wegen ihrer einseitigen Ausrichtung kritisiert haben. Vor allem habe ich aber weder in diesem Blog noch sonstwo behauptet „dass der berühmte Professor Harris einen gesunden Menschen umbringen lassen will, um fünf Kranke zu retten.“ Ich bezweifele allerdings auch sehr, dass der Deutschlandfunk gestern das Gegenteil gesagt hat bzw. dass Ihnen diese Aussage besser gefallen würde: Das hieße ja wohl, dass Professor Harris fünf Kranke umbringen wollte, um einen gesunden Menschen zu retten.

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