Biopolitik

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Sterbepillen, Sterbekliniken und die gute Nachricht

| 21 Lesermeinungen

"Mords was los in Sachen Sterbehilfe" soll man ja wohl nicht schreiben. Tatsächlich häufen sich die Meldungen gerade, wobei einige durchaus überraschend...

„Mords was los in Sachen Sterbehilfe“ soll man ja wohl nicht schreiben. Tatsächlich häufen sich die Meldungen gerade, wobei einige durchaus überraschend klingen. Beispielsweise, dass ausgerechnet in den Niederlanden, wo sogar die Tötung auf Verlangen legalisiert ist, ein Interessenverband nun die Schaffung einer Klinik fordert, weil viele Patienten sonst keinen Zugang zu tötender ärztlicher Behandlung hätten. Auch dass die Schweiz, hierzulande als Eldorado des begleiteten Suizids gelobt, vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verklagt worden ist, weil jemand hier das so sehnlichst begehrte Natriumpentobarbital nicht erhalten hat, entspricht nicht voll den Erwartungen. Dass die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben, deren Vorsitzender Atrott früher Zyankali für das Mittel der Wahl hielt, nunmehr fordert, Natriumpentobarbital müsste in Deutschland frei verschreibungsfähig sein (nicht etwa mit besonderen Restriktionen nach Maßgabe der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung) paßt dagegen wieder gut ins eher triste Bild, dieser um ein seriöses Image bemühten Organisation. Und wie es mit dem Hannoveraner Verfahren um die Ärztin bestellt ist, die manchen als tapfere Sterbehelferin gilt, der das Gericht aber mittlerweile den Hinweis erteilt hat, sie könnte auch wegen Mordes verurteil werden, lässt sich schwer sagen. Ich möchte aber doch mal den Hinweis darauf loswerden, dass das Verfahren, in dem es immerhin um den Tod von 13 Patienten geht, die nicht darum gebeten haben, getötet zu werden, gerade angesichts der Debatte um ärztliche Beihilfe zum Suizid mehr Aufmerksamkeit verdiente, als beispielsweise das doch eher recht spezielle Kachelmann-Verfahren.  

Aber raus aus Deutschland und wieder in die Niederlande. Das Projekt der Tötungsklinik ist bemerkenswert. Wenn man den Agenturen glauben darf, soll das so gehen:

„«Die Leute müssen ihre Pillen selbst zusammentragen, aber die Ärzte dürfen ihnen durchaus Informationen geben», sagte die Direktorin der «Niederländischen Vereinigung für ein freiwilliges Lebensende» (NVVE), Petra de Jong. Eine landesweite Studie der NVVE habe jetzt ergeben, dass sich viele Einrichtungen, von Hospizen bis Krankenhäusern, an der geplanten «Klinik für Lebensbeendigung» beteiligen wollen. Dabei denke man vor allem an Menschen, die zur Selbsttötung entschlossen seien, aber bislang keinen Arzt finden konnten, der bereit sei, sie dabei zu unterstützen.

Das klingt bizarr und man möchte gar nicht an all die Science Fiction denken, in denen es Säle voller untoter Patienten gibt, die dort für irgendwelche Zwecke am Leben gehalten oder aus dem Leben geschieden werden.

Aber eigentlich erscheint mir die Tatsache, dass über so ein Projekt offenbar schrecklich ernsthaft nachgedacht wird, ein eher positives Zeichen: Es zeigt, dass selbst in einem Land wie den Niederlanden, wo sich in Sachen Sterbehilfe ein antimetaphysischer Pragmatismus und Instrumentalismus politisch Bahn gebrochen hat, die Vorbehalte auch nach Jahren der Praxis der „Tötung auf Verlangen“ so massiv sind, dass es viele Ärzte gibt, die einfach nicht mitmachen. Das erscheint mir -auch mit Blick auf die bundesdeutsche Debatte um PID oder ärztlich unterstützten Suizid das Entscheidende: staatliche Verbote können (und sollen in manchen Bereichen) einen Rahmen abgeben, die Norm entsteht aber nicht durch einen Akt der Intervention des Gesetzgebers und der führt auch nicht dazu, dass sie gehalten und durchgesetzt werden kann. Er kann nur postulieren und flankieren. Entscheidend kommt es auf das Selbstverständnis der Einzelnen in de r Gesellschaft an. Ohne konkrete Angebote und konkrete Nachfrage läuft die Nicht-Strafbarkeit ins Leere, wenn aber der Bedarf groß ist, wird auf Dauer auch ein Verbot leicht aufgeweicht.

Das soll kein Plädoyer dafür sein, sich aus den parlamentarischen und gesetzgeberischen Auseinandersetzungen in bioethischen Fragen herauszuhalten. Im Gegenteil: Gerade in diesen Auseinandersetzungen werden Meinungen geprägt und Haltungen gezeigt. Übrigens auch Nachlässigkeiten demonstriert: Wieso gibt es eigentlich, trotz zahlreicher Ankündigungen, immer noch kein Gesetz, das gewerblich oder geschäftsmäßig betriebene Sterbehilfe verbietet? Diese Debatten sind aber nicht das Ende einer Kontroverse, sondern eine Etappe.

Achja, weil ich gerade positiv gestimmt bin (siehe nebenstehende Twitter zum Cannabis-Urteil des Verwaltungsgerichts Köln, das auch schon ganz anders zum Thema Cannabis in der Medizin gedacht hat), fällt mir ein Bericht des Guardian aus 2001 wieder ein: Damals wollte der australische Euthanasiearzt Philipp Nitschke eine schwimmende Tötungsklinik vor Englands Küste betreiben. Das Schiff sollte, nach dem Vorbild eines Projekts der „Women on Waves“, die ein Abtreibungsschiff, die Aurora, betreibt, unter niederländischer Flagge in internationalen Gewässern fahren und dort seine Dienste anbieten. Naja, ist nichts draus geworden. Ideen kommen und viele verschwinden erfreulicherweise auch wieder.

Womit wir bei der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte wären, die dem psychisch kranken Kläger aus der Schweiz kein Recht auf Natriumpentobarbital zur Selbsttötung gewährt hat – nicht überraschend, schaut man sich die Rechtsprechung des Gerichtes an, das in solchen ethisch geprägten Fragen den Unterzeichnerstaaten stets große Gestaltungsfreiheiten eingeräumt hat. Damit sollte die Entscheidung auch ein Präjudiz für den dort verhandelten deutschen Fall sein, der in den nächsten Wochen entschieden werden soll und in dem es auch um ein Recht auf Verschreibung von Natriumpentobarbital zur Selbsttötung ging.

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21 Lesermeinungen

  1. RUVA sagt:

    Herr Tolmein hat recht - zur...
    Herr Tolmein hat recht – zur (gewollten, nicht aufgezwungenen!) Aufklärung gehört die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Tatsächlich hat sich die DGHS inzwischen sogar vom Selbstverständnis verabschiedet, überhaupt eine „Sterbehilfe-Organisation“ zu sein – alles unter der Hand. Ohne offene Debatte, was sie stattdessen sein will. Eine 2. Patientenschutzorganisation a la Dt. Hospizstiftung? An deren Fachkomptenz reicht sie nicht annähernd heran.
    Also: Völlig überflüssig geworden? Kann man so sehen. Zumindest mit den von ihr selbst vielbeschworenen „Sorgfaltspflichten“ könnte sich die DGHS doch mal irgendwie beschäftigen – sofern sie ernsthaft nach einer neuen Aufgabe sucht. Eher scheint es jedoch, sie glaubt nicht mehr daran und ist im Niedergang begriffen. „Sorgfaltspflichten“ – in der eigenen DGHS-Zeitung wird der dramatische Mitgliederschwund und die Überalterung beklagt.

  2. Ich bin ein ehemaliges...
    Ich bin ein ehemaliges Präsidiumsmitglied der DGHS. Bitte verstehen Sie, dass ich hier ein Pseudonym verwende, weil ich mich im anderen Fall bedroht fühle.
    Es gehen hier einige Dinge durcheinander.
    1.) Es wird von Vertretern der heutigen DGHS „stolz“ verkündet, dass die DGHS sich von Herrn Atrott vollständig getrennt habe. Da liegt aber der Hund schon begraben. A) Dies wäre nur dann der Fall, wenn man die DGHS nach Atrott neu gegründet hätte. Man kann sich nur von dem Gründer trennen, indem man seine Gründung durch eine Neugründung aufhebt. Jedesmal, wenn die DGHS eines Jubiläums gedenkt, kommt man sich vor wie unter religiösen Lügnern, die die wichtigste Frage unterdrücken: Wo ist denn der Gründer bei diesem Jubiläum…? Dem stand offenbar das von Atrott angeschaffte Millionenvermögen und die vielen Immoblien entgegen. Ohne dieses hätten die heutigen Protagonisten wohl keinen Finger gekrümmt… Ausgerechnet diese Leute müssen Atrott als “geldgierig” beschmutzen. B) Ich bin davon überzeugt, dass diese “Trennung” von Atrott genau das größte Manko der heutigen DGHS ist. Die Befürworter der Sterbehilfe in Deutschland sind Anhänger Atrotts! Die Gegener der Sterbehilfe wollen die heutige DGHS. Es herrscht die verschwiegene Überzeugung, dass niemand von denen, die in der heutigen DGHS fungieren, auch nur im Entfertesten Atrott das Wasser reichen kann. Das wissen die Betreffenden! Das unterdrücken sie. Das fürchten sie! Ein Kollege von mir, hat nur einmal anmerken wollen, dass man die Kampagne gegen Atrott einstellen solle und erhielt prompt darauf eine “Abmahnung” vom Geschäftsführer mit Drohung auf Ausschluss… So etwas hatte es unter A. nie gegeben. Die heutige Vereinsführung will sich ihre von Atrott übernommenen Pfründe sichern, weil sie weiß, einen Fähigeren unter für sie sehr günstigen Umständen bestohlen zu haben. Die Behauptung, man habe sich von Atrott getrennt, soll eigenes Fehlverhalten und eigene Schande schön lügen. Man weiß, dass Hans Henning Atrott auch heute jede freie Wahl, die es in der DGHS nicht (mehr) gibt, gewinnen würde. Deshalb gibt es heute noch, fast nach 20 Jahren, noch immer besondere Sicherheitsvorkehrungen bei Versammlungen, weil man befürchtet, A. trete auf und werde wieder gewählt. Das wissen die Betreffenden. Das fürchten sie. Sie lügen strukturelle Gewalt als “Freiheit”. Die Tatsache der zwischenzeitlichen Halbierung der Mitgliedschaft der DGHS (im Vergleich zur illegalen Absetzung Atrotts) ist ein deutlicher Beweis, auch wenn die Betroffenen dafür erfinderisch mit Ausreden (zu ihren Gunsten) aufwarten. Ich wage die Voraussage: Die Namen aller Beteiligten, auch den von Hackethal (im Folgenden H.), werden künftige Generationen vergessen haben, nicht aber den Namen “Hans Atrott”! Schon im vorigen Jahrhundert war Atrott – international gesehen – renommierter als H. In den USA interessierte sich schon damals niemand für H., aber schon für Atrott. Sofern H. dort Auftritte hatte, dann nur von Atrotts Gnaden! Wenn ich die neusten Entwicklungen mir ansehe, dann werde ich den Eindruck nicht los, dass hier jemand an die Seite gedrängt wurde, weil er zu viel Verstand hatte. Verstand hat Atrott! Ob andere Beteiligte ihn haben, ist zweifelhaft.
    2. Es wird hier behauptet, dass Hans Henning Atrott eine verbotene Zyankali-Sterbehilfe und dann noch ohne Wissen des damaligen Präsidiums gemacht habe. Ich und alle meine damaligen Kollegen haben a) es alle gewusst und b) für gut befunden. Er war immer eine Möglichkeit der Hilfe da, wenn es sonst keine (mehr) gab. Allerdings wurden wir seinerzeit bedroht, auch verhaftet zu werden, wenn wir dies zugeben sollten oder überhaupt Hans Henning Atrott (weiter) unterstützen sollten. So verstanden wir das Auftreten der Staatsanwaltschaft und der Polizei! Wenn die (heutige) DGHS gegen Zyankali als Sterbemittel ist, dann nach der Fabel vom Fuchs und den Trauben. a) Herr Tolmein bemerkt hierzu richtig, dass die DGHS gleichzeitig die Sterbehilfe des H. an Hermy E. als einen Meilenstein in der Geschichte der Sterbehilfe bewertet. In Wirklichkeit war dieser Meilenstein in der Geschichte der Sterbehilfe eine solche von Atrott mit Zyankali, von welcher sich die heutige DGHS an anderer Stelle wegen angeblicher “Abscheulichkeit” distanziert. Aber die Doppelzüngigkeit reicht noch viel, viel weiter. b) Vor ein paar Jahren veröffentlichte eine norddeutsche Journalistin in vielen großen Tageszeitungen einen Bericht einer Sterbehilfe für ihren Bruder, zu welcher Atrott auch das Zyankali beschaffte (hier klicken). Dieser Bericht straft nicht nur die Darstellungen Atrotts als gierigen Zyankalihändler Lügen, sondern wurde sogar von der heutigen DGHS als ein Beispiel humanitärer Sterbehilfe zur Lektüre empfohlen. c) Auch wurde von der heutigen DGHS rühmend der Film “Mar Ardentro” erwähnt, der im Jahr 2005 den Oscar für den besten ausländischen Film in Holywood erhielt. Hier hatte ein halsquerschnittgelähmter Spanier unter äußerstem Lob der heutigen DGHS die von Atrott innovierte Methode der Selbsterlösung mittels Zyankali angewandt. Wer soll in solchen Leuten Vertrauen haben…?
    3. Es wird behauptet, dass Atrotts Sterbehilfe sei illegal gewesen und er habe vorsätzlich gegen Gesetze, wie z.B. ein „Krimineller“ bewusst verstoßen. Herr Oliver Tolmein, wies, wie schon erwähnt, auf die Sterbehilfe in der Klinik H. für Hermy E. (1984) hin. Es war schon damals bekannt, dass auch in diesem Fall Herr Atrott das Sterbemittel Zyankali besorgt hatte. Der Fall wurde vom Landgericht Traunstein, anschließend vom Oberlandesgericht München geprüft. Beide Gerichte kamen zu dem Urteil, dass es keine Beanstandungen gibt. Daher konnte A. in der Folgezeit davon ausgehen, dass seine solche Sterbehilfe keine rechtliche Beanstandung hat. D. h. der angeblich verbotene Charakter dieser Sterbehilfe wurde erst nachträglich erfunden, vermutlich, um die Rollen von Täter und Opfer zu vertauschen… Nach meiner Meinung war die heutige DGHS verpflichtet gewesen, die Öffentlichkeit auf diese Tatsache hinzuweisen, dass nicht Atrotts Sterbehilfe, sondern seine Verhaftung und Verurteilung unrechtmäßig sind. Dem standen und stehen aber deren materielle Interessen entgegen! Mit den Attacken auf Atrott erfreut die heutige DGHS die Gegner der Sterbehilfe, aber nicht deren Befürworter, die in Atrott einen Märtyrer für diese Sache sehen…! Sogar das heutige Pantienverfügungsgesetz geht auf eine Initiative Atrotts von 1981 an den damaligen Bundesjustizminister zurück! Im Übrigen honorieren selbst die Gegner der Sterbehilfe nicht den Dauerstreit mit Atrott, sondern lachen sich heimlich eins ins Fäustchen… Herr Tolmein weist auf eine Darstellung der DGHS in dieser Sache hin. Audiatur et pars altera. Gestatten Sie mir daher auf eine Darstellung Atrotts ebenfalls zu diesem Thema hinzuweisen (hier klicken). Obendrein bin ich der Meinung, dass nicht nur die heutige DGHS, sondern auch Deutschland sich mit der Verhaftung Atrotts sehr geschädigt hat. Die Sache ist noch lange nicht gegessen! Warten wir einmal ab… Keiner der christlichen “Pharisäer”, die sich über Atrott erheben möchten, kann erklären, weshalb die Sterbehilfe Atrotts mit H. gesetzeskonform gewesen sein soll und ohne H. eine Verhaftung erforderte…! Zumindest das hätte die heutige DGHS zugunsten ihres Gründers geltend machen müssen… Und eine öffentliche Aufarbeitung dieser Sache muss hier ansetzen oder sie bleibt Lügentheater…

  3. Lutz Barth sagt:

    Der Thread hat eine ungeahnte...
    Der Thread hat eine ungeahnte „Wendung“ genommen; „Die Befürworter der Sterbehilfe in Deutschland sind Anhänger Atrotts!“, so „H. Schinkelburg“ und ob dem tatsächlich so ist, darf bezweifelt werden, weil es im Diskurs nicht darum geht, „Jünger“ eines Sendboten gleich welcher Fraktion zu sein!
    Es kann im derzeitigen Wertediskurs auch nicht darum gehen, ein allgemeines „Loblied“ – auf wen auch immer – anzustimmen, bei dem es aus nachvollziehbaren Gründen nicht um eine „Seligsprechung“ gehen kann, wohl aber den Schluss nahe legen könnte, als sei hier zumindest das Bundesverdienstkreuz zu vergeben.
    Der Wertediskurs ist rational zu führen und insofern ist es nachhaltig zu begrüßen, dass die Debatte sich nicht auf einzelne Personen konzentriert, sondern derzeit auf ganz anderer Ebene geführt wird.
    Im Übrigen bleibt es auch dem Diskurs überlassen, darüber zu entscheiden, ob die DGHS an die Fachkompetenz einer namhaften Patientenschutzorganisation heranreicht. Es wird von so manchen Diskutanten auch nicht nur ansatzweise in Erwägung gezogen, dass im Zweifel Patientenschutzorganisationen „Glaubensbotschaften“ verkünden, die jedenfalls in einem wissenschaftlichen Wettbewerb um das bessere Argument nicht standhalten würden, mal davon abgesehen, dass die DGHS einen wissenschaftlichen Beirat hat, der – mit Verlaub – durchaus prominent besetzt ist und die Mitglieder sich durch eine hohe professionelle Reputation auszeichnen.
    Sei es drum: Der Diskurs wird derzeit durch andere Diskutanten mitbestimmt und da kann es nicht darauf ankommen, einen „Personenkult“ betreiben zu wollen.

  4. <p>Es geht hier um den...
    Es geht hier um den Sorgfaltsbegriff der DGHS.
    Eine Pressereferentin der DGHS gibt hier drei Sachverhalte zum Besten, zu denen die betroffene DGHS eine Kritik ertragen möchte:
    1.)Die Vereinigung hat niemals Zyankali als ein Sterbemittel gelobt.
    2.) Natrium-Pentobarbital sei ein geeignetes Sterbemittel, wenn nicht das beste, welches unter „großer Sorgfaltspflicht“ Sterbewilligen verschrieben werden solle.
    3.) Die DGHS a) habe sich auf allen Ebenen (also auch von der als Vereinsgründer) von Atrott getrennt, b) von der Sterbehilfe Atrotts mit Chemikalien nie etwas gewusst hätte, c) rühmt sich ihren Gründer schon vor einem rechtskräftigen Urteil abgesetzt zu haben und d) nichts für ein faires Verfahren für ihren Gründer beigetragen zu haben und so an seiner Verurteilung mitgewirkt zu haben. Die DGHS ist offenbar enttäuscht, dass die Sterbehilfegegner dies ihr nicht honorieren …!
    4.) Zusätzlich behauptet nun noch ein Herr Barth – vermutlich auch Funktionär von der DGHS -, dass der „Wissenschaftliche Beirat“ des Vereins von Prominenz strotze…
    Hierzu Folgendes:
    Ad 4: kann ich nur sagen, dass diese Behauptung lächerlich ist.
    Ad 3 und 1: Hierzu habe ich oben genug ausgeführt.
    Ad:2 (Natrium-Pentobarbital) ist Folgendes zu bemerken: Die Empfehlung beweist, dass die heutige DGHS (samt ihres angeblich „qualifizierten Wissenschaftlichen Beirates“) keine Ahnung hat, von dem, was sie redet. Entweder täuscht sie für diese Ansicht „Authoritäten“ vor oder Letztere sind der DGHS ähnlich ignorant. Natrium-Pentobarbital war in der Freitodbroschüre der DGHS als Sterbemittel erwähnt. Es liegen genügend Erfahrungen vor. Die DGHS verschweigt oder weiß nicht, was die ehemalige Sekretärin des schweizerischen Dignitas-Vorsitzenden im TV berichtete: Bei allen Formen von Barbituraten (auch bei Natrium-Pentobarbital), und zwar in ca. 5-10 Prozent der Fälle, treten Komplikationen auf, bei denen der Tod bis zu 72 Stunden dauert, und zwar unter erheblichen Besonderheiten. Nach dem glaubhaften Bericht der Sekretärin war man selbst bei der „Dignitas“ in der Schweiz in solchen Fällen ratlos. Als ehemaliger regionaler Mitarbeiter und ehemaliges Präsidiumsmitglied der DGHS bestätige ausdrücklich, die Richtigkeit dieser Aussage dieser ehemaligen Sekretärin von DIGNITAS. Sie ist richtig!
    Wie wenig Qualität die heutige DGHS hat und wie wenig sie ihre eigene Doppelzüngigkeit bemerkt, beweist die folgende, hier getätigte, Aussage ihrer PR-Referentin:
    „Sie wissen, dass wir die Wahlfreiheit am unvermeidlichen Lebensende befürworten. Missglückte Suizid-Versuche mit falschen Dosierungen, die schwerste Schädigungen hervorrufen, oder Suizide, die Unbeteiligte (wie Lokführer) in Mitleidenschaft ziehen, kann niemand wollen.“ Mit dieser Begründung könnte die DGHS beispielsweise auch die ehemalige Freitodbroschüre wieder einführen. Heuchelei und Perfidie auf Schritt und Tritt!

  5. Lutz Barth sagt:

    Verehrter Herr...
    Verehrter Herr Schinkelburg.
    Es sei mir gestattet, darauf hinzuweisen, dass ich kein „Funktionär“ weder der DGHS noch von irgendeiner Institution, einem Verband oder einem Verein bin, sondern mir persönlich gestatte, mich persönlich und vor allem aktiv an einem Wertediskurs zu beteiligen, der leider im Begriff ist, klerikalisiert zu werden.
    Ungeachtet dessen sei mir ferner erlaubt, anzumerken, dass ich die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats der DGHS für durchaus renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler resp. Mediziner halte und ich Ihnen daher empfehlen würde, zunächst einmal einen Blick auf die Seiten des DGHS zu werfen, um zu wissen, über wen Sie hier eigentlich den „Stab zu brechen“ bereit sind.
    Anschließend daran könnte sich ein Studium der Texte der Beiratsmitglieder anschließen, nachdem Sie dann feststellen konnten, dass einige Beiratsmitglieder in nicht ganz unwesentlichen Institutionen und Gremien mitwirken.
    Ein weiterer Kommentar ist im Übrigen entbehrlich!

  6. Elke Baezner sagt:

    Es lohnt sich nicht, mit "Herr...
    Es lohnt sich nicht, mit „Herr Schinkelburg“, dessesn Stil verblüffende Ähnlichkeiten mit dem von Herrn Atrott aufweist, auf diesem Niveau zu diskutieren.
    Zur Situation der Freitodhilfe in der Schweiz fand am 7.Februar 2011 an der Universität Genf, Faculté de Médecine, Département de santé et médecine communautaires, Unité de médecine forensique, die Antritts-Vorlesung von Frau Dr.Sandra Burckhardt als Privatdozentin statt. Thema : L’assistance au suicide en Suisse: un sujet d’actualité. Hier sind Fakten und Daten und Zahlen zu diesem Thema wissenschaftlich genau aufgearbeitet. Die aufschlussreichen Tabellen benötigen keine Übersetzung und können bei Frau Dr.Burckhardt angefragt werden.
    Sie bestätigen eines : Freitodhilfe in der Schweiz ist nur mit Hilfe eines auf den Namen des Patienten ausgestellten ärztlichen Rezeptes über eine tödliche Dosis von Natrium Pentobarbital möglich. Seit 1996 gestatten die Richtlinien des Schweizer Akademie der Medizinischen Wissenschaften ASMW einem Arzt, seinem Patienten unter sehr eng begrenzten Sorgfaltskriterien beim und zum sterben zu helfen. Diese besagen, dass der Arzt den Sterbewilligen persönlich kennt und seinen Sterbewunsch auf der Basis einer klaren Diagnose und Prognose und aller vorliegenden klinischen Examen akzeptieren kann. Somit liegt eine Zweitmeinung durch einen Arztkollegen implizit schon vor. Da das NaP als „Rohstoff“ in Medikamenten gegen die Epilepsie von der Liste der Betäubungsmittel wieder ausgenommen ist, kann jeder Arzt dieses Produkt auf einem normalen Rezeptblock verschreiben. Allerdings gibt es nur wenige Apotheken, die dieses Produkt vorrätig halten. Bei einer tödlichen Dosis muss der Apotheker sich vergewissern, i.a. durch telefonische Rücksprache mit dem verschreibenden Arzt, dass dieser der Wirkung bewusst ist. Er kann zudem den Arzt auch denunzieren. Eine zusätzliche Hürde und Kontrollinstanz also.
    Ich möchte betonen, dass die Ausbildung der Schweizer Ärzte der ihrer deutschen Kollegen in nichts nachsteht, ihr Ethikverständnis ebenso wenig !
    Der Arzt braucht nicht beim Sterbenden anwesend zu sein, tut dies allerdings in zunehmendem Masse. Die Auswahl (via Tests des Instituts für angewandte Psychiatrie der Universität Basel) und die Ausbildung der EXIt-Freitodbegleiter unterliegt strengsten Massstäben. Sie sind eigentliche „Sterbeammen“, in Analogie zu Hebammen.
    Seit 1984 werden in der Schweiz Freitodbegleitungen legal durchgeführt, sofern keine „egoistischen Motive“ vorliegen. Beide EXIT-Gesellschaften in der Schweiz verlangen über den Mitgliedsbeitrag hinaus kein Geld für ihren Dienst. .
    Alles ist eigentlich schon gesagt zum Thema der Freitod- und Sterbehilfe, alle Argumente, wie sie heute in Deutschland von Kirchenvertretern und konservativen Ärztekreisen vorgebracht werden, sind vor 15 Jahren auch in der Schweiz ins Feld geführt worden: slippery slope, Missbrauchsgefahr, Angst vor Druck auf Schwerstkranke, Rolle des Arztes, ärztliche Ethik usw.
    Nach einem rapiden Anstieg der Freitodbegleitungen, bedingt wohl durch einen grossen Nachholbedarf, sind die Zahlen heute stabil, sogar eher rückläufig. Wenn die Menschen darauf vertrauen können, dass ihre Bitte um Freitodhilfe nicht gleich abgewimmelt, als unmoralisch verworfen wird oder sie gar psychiatrische Zwangs-Behandlung befürchten müssen, sind sie sehr oft bereit, weitere Behandlungen zu versuchen, und in etwa einem Drittel der eigentlich für Freitodhilfe akzeptierten Fälle kommt es nicht dazu, weil die Patienten „eines natürlichen Todes“ sterben, was immer das heute auch sein mag.
    Ein letztes Wort zur ärztlichen Ethik : es waren keine schweizer Ärzte, die in Konzentrationslagern wissenschaftliche Experimente an wehrlosen Menschen durchgeführt haben. Bei staatlich angeordneten Foltern und Exekutionen (USA) ist immer ein Arzt anwesend. Und wo bleibt die ärztliche Ethik im Fall von Schwangerschaftshilfe bei weit überalterten Frauen ?
    Warum glauben die deutschen Ärzte und Politiker, das Rad neu erfinden zu müssen ? Ein Blick über die Grenzen, eine offene Diskussion mit ihren Kollegen jenseits der Grenzen in einem zivilisierten Land mitten in Europa könnten doch viel zu ihrem Verständnis beitragen, nicht ?
    Elke Baezner, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben DGHS e.V.

  7. 1. Die Behauptung, dass mein...
    1. Die Behauptung, dass mein Stil dem von Herrn Atrott ähnelt, ehrt mich!
    2. Mit der Synchronisierung zu anderen Ländern tut sich auch die Schweiz sehr schwer. Z. B. wird auf bis auf den heutigen Tag von der EXIT verschwiegen, dass sie zusammen mit einer Schweizerin auch von Herrn Atrott gegründet wurde. Das kränkt wohl zu sehr den schweizerischen Nationalstolz. Nichtsdestotrotz sollen wir Deutsche schwuppdiwupp in Sachen Sterbehilfe mit der Schweiz synchronisieren …
    3.Die Begründungen, welche die DGHS für Ihre Vorschläge zum Besten bietet, könnten ebenso sämtlich für eine Wiedereinführung ihrer früheren Suizidbroschüre verwendet werden und sind deshalb im Bereich der Unaufrichtigkeit „angesiedelt“. Allerdings, dieses Problem gibt es nicht in der schweizerischen EXIT. Insofern werden hier Äpfel mit Birnen verglichen.
    4. Das hier vorgeschlagene Präparat für einen Freitod ist nicht frei von erheblichen Komplikationen. Jeder, der etwas anderes sagt, weiß nicht Bescheid und soll sich sein Lehrgeld wiedergeben lassen! Abgesehen davon: Es gibt viel, viel Besseres!
    5. In der heutigen DGHS haben Leute das Sagen, die von Atrott ausrangiert wurden. A. äußerte sich damals in der Weise, dass sie für eine Organisation, die sich auf eine sechstellige Mitgliederzahl zubewege, nicht die Fähigkeiten hätten. Das erklärt manches hier oben Geschriebenes. Mir wäre es auch lieber, er hätte Unrecht gehabt. Die heutige Mitgliederzahl der DGHS beweist sein sicheres Urteilsvermögen.
    Herbert Schinkelburg

  8. gutroe sagt:

    Die Deutsche Bank hat sich...
    Die Deutsche Bank hat sich wahrscheinlich auch schon mit geeigneten Finanzprodukten auf das Problem der Selbsttötung auf Wunsch eingestellt. Mit dem Fonds „Kompass Life3“ können Anleger auf die Lebenserwartung von Menschen spekulieren. Perverser geht es wohl nicht mehr, oder?

  9. Entschuldigen Sie, dass ich...
    Entschuldigen Sie, dass ich mich erst jetzt melde, zumal es hier um meine Person geht. Herr „Schinkelburg“ sagt die Wahrheit. Es ist eine absolute Lüge, dass ich — wie hier von der heutigen „DGHS“ geheuchelt wird — „auf eigene Rechnung“ und „hinter dem Rücken des Präsidiums“ des Vereins Sterbehilfe (einschließlich von Sterbemitteln) geleistet hätte. Das Präsidium war mit mir seinerzeit davon überzeugt, dass die Sterbehilfe durch das Urteil des Oberlandesgerichts München in Sachen Hermy Eckert (1 Ws 23/1987, NJW Heft Nr. 46/1987) rechtlich abgesichert war. Geheim wurde die Hilfe nur deshalb gehalten, weil man sich vor Anfrage nicht retten konnte. Es war schon genug, was ungebeten an uns herangetragen wurde! Das ist die Wahrheit! Im Übrigen kann es in Sachen „Zurechnungsfähigkeit“ auch Grenzfälle und Meinungsverschiedenheiten geben, die nur kriminelle Naturen mit Mordanklagen „lösen“… Die heutige „DGHS“ basiert auf der gegenteiligen Aussage (der angeblichen „Unwissenheit“ des Präsidiums), weil dieser Betrug ihre Herrschaftslegitimation darstellt. Ab 1987 (Urteil des OLG München) war das damalige Präsidium froh, dass eine solche Möglichkeit der Hilfe bestand. Zwischenzeitlich gibt es Veröffentlichungen von Betroffenen (z. B. von der Journalistin Beate Ney-Janßen), welche die Geldgier als eine psychologische Projektion ausweisen. Die „Geldgier“ diente schon immer dazu, sich aus den Verbrechen gegen den „Juden“ und Juden ein schönes Gewissen zu lügen. Die Wirklichkeit ist so, dass ICH (HANS ATROTT) SOGAR 1990ziger JAHRE MEINE ANSCHRIFT IN FRANKREICH ÄNDERN MUSSTE, weil mir — wie ich auch dem damaligen Präsidenten K.H. W. berichtete – STERBEWILLIGE VON DEN HIER MIMENDEN „MORALAPOSTEL“ (d. h. vom „GESCHÄFTSFÜHRER“ DER HEUTIGEN „DGHS“) AN MEINE FRANZÖSISCHE PRIVATANSCHRIFT GESCHICKT WURDEN. Das war mir und meiner Familie zu lästig, von der Strafbarkeit in Frankreich ganz zu schweigen. Auf meine Frage, woher die Sterbekandidaten meine Anschrift haben, gaben sie gegenüber mir und meiner Ehefrau den heutigen „Geschäftsführer“ der DGHS als Quelle an. Deshalb ist meine Privatanschrift seit dieser Zeit wieder Geheimsache gegenüber der „DGHS“. Alles Heuchelei, Perfidie, Zynismus und Foul Play von Dieben, die ihren Vereinsdiebstahl schön lügen möchten. Wenn ich mir hier alles durchlese, dann kann man die Klagen der heutigen „DGHS“ in den Worten zusammenfassen: Der Verrat wird geliebt, doch die Verräter nicht … Deshalb fühlen sich diese Personen oder Unpersonen nun „ungerecht“ behandelt. Mal eine Frage: Was haben denn diese Leute für ein faires Verfahren für den Vereinsgründer getan, d. h. für denjenigen, dessen Brot sie bis auf den heutigen Tag essen und den sie gemäß ihrer Perfidie mit den Füßen treten …?
    Hans Henning Atrott

  10. s.m. sagt:

    Ich finde es unbegreiflich,...
    Ich finde es unbegreiflich, wie man als angeblich seriöser Journalist der FAZ über ein so ernstes und sensibles Thema in einer derart pietätlosen Art und Weise schreiben kann und das auch noch veröffentlichen darf! Rhetorisch frech und locker aus der Hüfte ist hier nicht der angebrachte Stil, den ich lesen möchte. Diesen Blog hätte ich nichtmal der BILD zugetraut geschweige den der FAZ.
    Ich wünsche Ihnen, Herr Tolmein, dass Sie einmal soviel psychisches und/oder physisches Leid und Schmerzen ertragen müssen, dass Ihr einziger Wunsch darin besteht, einfach zu sterben und dass es jemanden gibt, der Ihnen diesen einen, letzten Wunsch in einer sicheren und humanen Form erfüllen kann.
    Vielleicht hilft Ihnen das in Zukunft bei der richtigen Wortwahl.

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