Biopolitik

Leihmutter-Vertrag gescheitert, leiblicher Vater nur noch Samenspender

Es sollte eine Leihmutterschaft werden, jetzt wird stattdessen vor Gericht über das Besuchsrecht des unfreiwillig unehelichen Vaters verhandelt. Der Prozess, den ein gut situiertes englisches Ehepaar (Herr und Frau W.) mit der zur Mutter gewandelten Leihmutter (Frau NT), vor dem High Court in Birmingham, über das Schicksal der mittlerweile sechs Monate alten TT  führten hatte es in sich. Frau NT unterstellte ihren Auftraggebern eine gewalttätige Ehe zu führen, sie selbst versuchte sich unter falschem Namen während ihrer Schwangerschaft Informationen über die Ws zu verschaffen. Der Richter unterstellt in seiner ausführlichen Entscheidung allen drei Erwachsenen, dass sie ihm wesentliche Details des Leihmutterschaftsvertrages, der angeblich nicht schriftlich fixiert worden war, vorenthielten. Es lässt sich leicht ausmalen warum: Leihmutterschaft ist in Großbritannien, anders als die Beihilfe zum Suizid, zwar nicht verboten, es dürfen damit aber keine Geschäfte gemacht, sondern nur, in weiterem Sinne, Unkosten erstattet werden. Alles andere wäre füralle Beteiligten strafbar. Frau NT erhielt also offiziell gerade mal 4500 englische Pfund, ihr wurde außerdem die Umstandskleidung gestellt.

Warum Frauen wie Frau NT für so ein Salär die Mühen und Risiken auf sich nehmen sollen, ihr Kind für ein anderes Paar auszutragen? Nun, die offizielle Version hat viel mit Hilfsbereitschaft zu tun und dem Wissen darum, dass nur so ungewollt kinderlose Paare zu ihrem Wunschkind kommen können.

Im hier verhandelten Fall allerdings sah auch schon diese Wirklichkeit ein wenig anders aus. Herr W., 44 Jahre alt, hat bereits eine 17jährige Tochter aus erster Ehe, die bei ihrer Mutter lebt und mit der er wenig Kontakt hat.  Frau W. hat drei Töchter zwischen 15 und 19 Jahren, von denen nur noch die Jüngste bei ihr lebt. Nach einer Krebsbehandlung kann Frau W. keine Kinder mehr bekommen. Weil Herr W. und sie aber noch ein gemeinsames Kind wollten, suchten sie über das Internet eine Leihmutter – und fanden die 25 Jahre alte NT, die schon 5jährige Zwillingssöhne hat. Man wurde sich wohl rasch einig, es gab mehrere Treffen, bei denen Frau NT sich Sperma von Herrn W. einführte und schließlich auch schwanger wurde, dann allerdings nach einigen Monaten entschied, das Kind doch selbst behalten zu wollen. Als „Samantha“, vorgeblich eine Freundin von Frau NT, nahm Frau NT nach diesem Entschluss  per E-Mail Kontakt mit dem Ehepaar W.auf und versuchte herauszubekommen, was diese machen würden, wenn sie erführen,dass  sie das Kind nicht mehr abgeben wollte. Wir ersparen uns jetzt einige Details und kommen zum Rechtsstreit, in dem versucht wurde, die Ereignisse aufzuklären und zu entscheiden, wo das Kind aufwachsen sollte. Trotz allerlei Bedenken entschied sich der Richter schließlich, das Kind bei der Mutter zu belassen, die mittlerweile schon eine enge Bindung aufgebaut hatte. Er begründete das mit dem Kindswohl, daser bei der bei der leiblichen Mutter besser gewahrt sah – vor allem weil die Auftraggeber zu seinem großen Erstaunen im Rahmen des Verfahrens mehrfach ihr Unverständnis darüber bekundet hatten, dass sich das Gericht überhaupt Gedanken machte, ob es für das Kind schädlich sein könnte, von seiner Mutter, die es auch noch stillte, zu trennen.

Sicher ist der Fall, der noch nicht rechtskräftig abgeschlossen ist, untypisch.Allerdings dürfte das wohl für jede Entscheidung in solchen Leihmutterschaftsfällen gelten: Die Konstellation an sich ist untypisch, wenn die Vereinbarung zwischen Auftraggebern und Leihmutter gelöst wird, dürftedie Situation immer dramatisch sein und eskalieren. Das gilt vermutlich auch für alle anderen Konstellationen in denen Menschen sich vertraglich verpflichten ihren Körper ganz oder teilweise zeitweise oder dauerhaft anderen Menschen zur Verfügung zu stellen.

 

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