Biopolitik

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Keine Leichenwagen in der Spielstraße? Protest gegen ein geplantes Hospiz

| 13 Lesermeinungen

Als vor Jahren im gut situierten Hamburg-Hummelsbüttel ein Altersheim für Schwule errichtet werden sollte, liefen die Hanseaten Sturm – und waren...

Als vor Jahren im gut situierten Hamburg-Hummelsbüttel ein Altersheim für Schwule errichtet werden sollte, liefen die Hanseaten Sturm – und waren erfolgreich. Die Einrichtung einer Kindertagesstätte im wohlhabenden Othmarschen scheiterte jahrelang an Einsprüchen von anwaltlich gut vertretenen Nachbarn, die zwar ertrugen an einer großen Straße zu wohnen, nicht aber, dass im Garten nebenan ein paar dutzend Kinder spielten. Jetzt  muss sich  in Hamburgs Süden das Deutsche Rote Kreuz  mit Anwohnern herumplagen, denen ein geplantes Hospiz in der Nachbarschaft ungelegen kommt. Der „Spiegel“ zitiert Volkes Stimme:

„Ich würde meinen Kindern gern den Anblick des Todes ersparen“, sagt eine Mutter, die in der Straße wohnt. „Wenn ich morgens beim Frühstücken aus dem Fenster schaue, möchte ich nicht, dass mir die Wurst im Hals stecken bleibt,“ meint eine andere Frau. „Ich habe selbst Krebserfahrungen in meiner Familie. Ich möchte nicht tagtäglich damit konfrontiert werden.“  

Und das „Hamburger Abendblatt“ hat Nachbarn getroffen, die auch eine Meinung haben:

„Hier sollte eine Reihenhaussiedlung entstehen“, so der Hausbesitzer. Die Spielstraße sei auf Durchgangsverkehr nicht ausgerichtet. „Wenn jetzt bald die Baufahrzeuge bei uns hin und her fahren, danach vielleicht Kranken- und Leichenwagen – ich kann mir vorstellen, dass einige Nachbarn diese Perspektive nicht gut finden“, sagt Regina Kreuzer.

Deutsches Rotes Kreuz und die Kirchengemeinde, die das Grundstück verkauft, planen nun das, was man sich vorstellt: Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung…. Denn in Hospizen ist es ganz anders: dort wird nicht nur gelitten, sondern gerade auch gelebt. Den Nachbarn werden die fröhlichen Grillabende nicht verwehrt werden und voraussichtlich bekommen sie von den Krebs- oder anderen Erkrankungen der Hospizbewohner weniger mit, als von Gewalthandlungen anderer Anwohner gegen Kinder oder sonstige unerfreulicher  Eigenschaften und Vorlieben.

Aber  das mitzuteilen wird wohl wenig helfen, ebensowenig, wie das Angebot des Deutschen Roten Kreuzes vor laufender Fernsehkamera für einen geeigneten Sichtschutz zu sorgen (was wohl in erster Linie auch für die künftigen Bewohner des Hospizes sinnvoll sein dürfte), denn letztenendes gründet der Protest nicht im mangelnden Wissen. Wer einfach nichts weiß, fragt, bevor er einen Anwalt einschaltet. Wer sofort den Rechtsweg beschreitet, will nicht überzeugt, sondern nicht gestört werden und vor allem Recht behalten.  Und lehrt uns das irgendwas? Möglicherweise das: Es genießen Palliativmedizin und Hospize zwar hohes Ansehen in der Gesellschaft, das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Bedarf das Sterben zu verdrängen auch noch recht hoch ist. Und je näher das Thema den Menschen rückt, desto irrationaler können die Reaktionen ausfallen. Die Debatte um das geplante Hospiz in Harburg und der Fortgang der baurechtlichen Einsprüche wird insofern zu beobachten sein. 


13 Lesermeinungen

  1. Man muss sich schon über ein...
    Man muss sich schon über ein Argument wundern, das da heißt: „ich habe selbst Krebserfahrungen in meiner Familie“: Gerade Betroffene sollten doch wissen, wie wichtig ein Hospiz ist. Wie bitteschön kann man mit so einer Erfahrung solche Sätze äußern? Man kann nur vermuten, wie mit den „Krebserfahrungen in meiner Familie“ umgegangen wird.
    Aber es stimmt schon: solche Menschen lassen sich nicht aufklären oder suchen nach Antworten. Es ist nicht Unkenntnis, die solche rechtlichen Schritte verursacht, sondern schlicht Intoleranz und Arroganz. Wenn dieses Hospiz einen anderen Bauplatz findet, sollte sich vielleicht von solchen „Nachbarn“ selbst verschonen – obwohl ich es ihnen von Herzen gönne, hier zu gewinnen.

  2. Gibt es ein Recht auf Leben in...
    Gibt es ein Recht auf Leben in der Illusionsblase und darauf, seine Kinder realitätsfern groß zu ziehen?
    Genau so wenig, wie ich einen Anspruch habe, dass meine Umwelt die kindliche Illusion vom Storch und Weihnachtsmann unterstützt, kann ich meine Kinder und mich selbst von Tod und Krankheit fern halten.
    Hier gilt es vielmehr, die Gelegenheiten, die das Leben mit sich bringt, zur kindgerechten, sachlichen Information zu nutzen.

  3. Seniorenheim für...
    Seniorenheim für Schwule……da würde ich sogar mit meinen Kids Leute besuchen….optimal, den Zwergen das Thema „Gleichberechtigung“ und „Toleranz“ näher zu bringen,…..ein Kindergarten…..wie toll….da würden meine Kinder gleich hingeschickt werden und ein Hospiz……ja, der Tod gehört zum Leben dazu, und? Da muss einem das Brot nicht im Hals stecken bleiben……
    Was sind das eigentlich für egozentrische Spiesser, die all diese Dinge versuchen zu unterbinden???? Nur, um sich selber gut zu fühlen? Nur, um Fragen der Kinder nicht beantworten zu müssen?
    Das sowas überhaupt rechtlich beklagt werden darf, ist peinlich…..

  4. .....Hauptsache das...
    …..Hauptsache das Edelstahlgeländer samt Glas protzt dem Nachbar samt Besucher entgegen, und vermittelt weltoffenheit, wohlstand usw. der Besitzer.
    Was fuer armselige Hanswurste wohnen da bloss?
    Wenn solche Kleingeister jahreang mit Rechtsverdrehern blokieren können, dann stimmt was nicht im Reich von Hamburgbimbescity.

  5. Da gab es mal ein Lied über...
    Da gab es mal ein Lied über „Ein ehrenwertes Haus“ und deren Bewohner.Ich könnte mir ganz gut vorstellen das jene Zeitgenossen ganz gut zu diesen Mietern passen würden.

  6. Hospiz: Das ist die Liga...
    Hospiz: Das ist die Liga „Mensch“ die andere absichtlich – siehe am Benaissa Beispiel wie so etwas funktioniert – per Biowaffen – zu veseuchen töten versuchen – um an ihre Organe zu kommen.
    Das sind Adoptionsfamilien wlece die tatsächlichen Eltern TÖTEN würden um ihren Schwindel nicht aufdecken zu müsen. (der zudem übrigens meist noch der Kidnervegünstigugen wegen ein Steuer udn Sozialbetriug ist).
    „um Fragen der Kinder nicht beantworten zu müssen? „

  7. "Gibt es ein Recht auf Leben...
    „Gibt es ein Recht auf Leben in der Illusionsblase und darauf, seine Kinder realitätsfern groß zu ziehen?“
    Es gibt auch ein Recht daruf die „Hartz IV Gene“ weiterzuverbreiten. Oder die wir gehen nie zum Arzt zu spielen.
    Ich fordere die Pflicht wie Michael Jackson Atemschuztzmasken zu tragen wenn man durch ein Gebiet fährt in dem die Ruhr ausgebrochen ist.

  8. Ich will nicht daß mein...
    Ich will nicht daß mein Nachwuchs mit irgendwelchen Sekten in Berührung kommt. Ich will daß diejenigen diemeinen Nachwuchs erzeien sich diesem voll widmen zu können statt nebenbei es permanent durch Beschäftigung mit alten an Aufmerksamkeit fehlen zu lassen.
    Jede Generation kümmet sich einfach um die für sie jüngere und nicht umgekehrt.
    Schon sind alle versorgt.

  9. Und in Zukunft machen wir noch...
    Und in Zukunft machen wir noch die Präferenz der Oragnspende so, daß junge Organe ansonsten absterbende Greisenkörper möglichst wider die Natur („biologische Uhr“) lebensverlängernd zur verfügung stehen? Warum nicht gleich Kinder in „Organplantagen“ für Ältere oder – deshalb funktioniert aufgrund des Wohlstandsgefälles keine internationale Organspende (unfreiwillige Spender-Nieren aus Afrika oder Indien) – züchten?

  10. Das sind zynische Argumente,...
    Das sind zynische Argumente, die hier Leser vortragen.
    Die Angelegenheit ist eine Frage des öffentlichen Rechts. Die Interessen der Anlieger sind abzwägen mit den Interessen der Krankenhausbauer (nicht mehr ist ein „Hospiz“). Warum bauen die nicht in kostengünstigeren Gewerbegebieten oder vor den Toren der Gemeinde? Im Interesse Aller muß es liegen, die Kosten für unser öffentliches Gesundheitswesen möglichts gering zu halten. Neubauten von Krankenhäusern und anderen Anstalten haben nichts in guten Lagen zu suchen, das verbietet m.E. das Wirtschaftslichkeitsgebot.

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