Blogseminar

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Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Akademisierung als Hoffnung für die Pflege?

| 29 Lesermeinungen

An der Uni Lübeck können Studierende in vier Jahren einen dualen Bachelor in „Pflege“ absolvieren. Doch ist die Akademisierung eine Antwort auf den Fachkräftemangel der Branche?

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© Universität zu LübeckIn der Pflege fehlt es an Fachkräften – um diesem Problem entgegenzukommen, bieten immer mehr deutsche Hochschulen duale Bachelorstudiengänge an, wie hier an der Uni zu Lübeck.

Dem Pflegeberuf mangelt es an Nachwuchs und das, obwohl die Gesellschaft in Deutschland beschlossen hat, immer älter zu werden. Momentan kümmern sich um 3,3 Millionen Pflegebedürftige rund 1,1 Millionen Menschen – zu wenige, sagt das Bundesministerium für Gesundheit. Demnach müssten allein in der Altenpflege weitere 30.000 Stellen besetzt werden. Die deutschen Hochschulen versuchen einen Beitrag durch duale Pflegestudiengänge zu leisten; dem Pflegeberuf sollen nicht mehr nur Fachkräfte aus der beruflichen Ausbildung, sondern auch aus den Universitäten und Fachhochschulen zuteil werden. Das mündet in eine Verbindung von Theorie und Praxis, Bachelor und Berufsabschluss als Pflegekraft, die in nur wenigen Jahren absolviert werden soll. Eine Herausforderung. Ist das Konzept auch tragfähig?

An der Universität zu Lübeck dauert der “duale Bachelorstudiengang Pflege” vier Jahre, 2014 hatte er sein Debüt mit rund 30 Studierenden, von denen circa 20 in diesem Jahr ihren Abschluss machen. Eine der Absolventen ist Frederike Lüth. Die 23-Jährige wollte vor vier Jahren eigentlich in Kiel ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin beginnen, erfuhr dann aber noch während ihrer Bewerbung von dem Pflegestudiengang in Lübeck. “Ich hatte mich bereits über duale Studiengänge in der Pflege informiert”, erinnert sich Lüth, “aber das Konzept in Lübeck, nach dem man zwei Abschlüsse in vier Jahren macht, hat mir am besten gefallen.” Zuerst machen die Studenten nach drei Jahren in einer staatlichen Prüfung ihren beruflichen Abschluss, je nach Schwerpunkt in der Krankenpflege, der Kinderkrankenpflege oder der Altenpflege. Nach einem weiteren Jahr Vollzeitstudium folgt der Bachelor. Die Praxiseinheiten – der praktische Ausbildungsteil im Studium –  sind an einen der zwölf Praxispartner gekoppelt, die sich auf ganz Schleswig-Holstein verteilen.

© Ulrike MühlhäuserBevor es an den Patienten geht, übt Frederike Lüth die Handgriffe an einer Puppe.

Der Praxispartner ist der Grundstein für die Aufnahme an die Universität. Erst wenn die Studenten über einen Ausbildungsvertrag verfügen, können sie sich für das Studium bewerben. Im Studium selbst folgt dann der stetige Wechsel, mal monatlich, mal innerhalb einer Woche zwischen Uni und Unternehmen. Das Wissen, das die Studenten in der Theorie erlernen, kann somit unmittelbar in der Praxis angewendet und überprüft werden. “Natürlich liegt der Fokus in der Theorie, aber auch in der Praxis auf dem wissenschaftlichen Arbeiten”, sagt Lüth – das heißt: Studien lesen und bewerten und sich mit Expertenstandards und Leitlinien auseinandersetzen. In Lüths Augen hilft gerade das wissenschaftliche Arbeiten in der Pflegepraxis. Welche Symptome zeigt der Patient? Welche Maßnahme wäre anhand der Symptome nötig? Was sagen die aktuellen Empfehlungen zu dieser Maßnahme? Und so weiter. Wenn die Studenten am Ende eines können, dann eine gute Literaturrecherche durchführen.

„Eine gute Art von anspruchsvoll“

Über das wissenschaftliche Arbeiten hinaus hilft den Studenten die Zusammenarbeit mit den anderen Berufsgruppen und Fachbereichen, sowohl in Übungen und Seminaren mit den Medizin- oder Physiotherapiestudenten in der Uni als auch in der Praxis. “Wir waren während unserer Praxiseinheiten in der Chirurgie, der Gynäkologie und der Psychiatrie, aber auch in Reha- und Sozialeinrichtungen”, zählt Lüth auf und nennt dabei nur einen Bruchteil der Fachbereiche, welche die Studenten kennen lernen, um einen guten Rundumblick zu bekommen. Sechs Wochen verbringen sie im Durchschnitt auf einer Station oder Einrichtung,  bis sie sich im dritten Studienjahr auf einen Schwerpunkt konzentrieren. Für Lüth hieß das in der Gesundheits- und Krankenpflege, zwischen den Schwerpunkten Intermediate Care, einer Art niedrigschwelligen Intensivpflege, der Geriatrie, der Versorgung alter Menschen, und der Onkologie, also der Versorgung von Krebspatienten, zu wählen. Sie entschied sich für Letzteres und erkannte während ihrer Arbeit, wie wichtig die berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit ist. “Die interprofessionelle Zusammenarbeit”, sagt Lüth, “erlaubt uns, Gespräche mit den anderen Professionen auf Augenhöhe zu führen und den Patienten aus einem anderen Blickwinkel heraus zu begegnen.” Seit ihrem Abschluss als Gesundheits- und Krankenpflegerin arbeitet Lüth auf einer Schmerz- und Palliativstation, wo es sehr wichtig sei, auf die individuellen Symptome und Schmerzen der Patienten einzugehen. So arbeitet ein Team aus Ärzten, Pflegefachkräften, Physiotherapeuten, Psychologen sowie Musik- und Kunsttherapeuten gemeinsam für jeden Patienten ein eigenes Behandlungskonzept aus. Das macht den Beruf für Lüth so interessant. Es gibt eben kein Schema F, nach dem die Patienten in Fließbandarbeit abgefertigt werden können. Auch wenn das in der Alltagspraxis oft anders aussieht.

“Wir wollen, dass unsere Studenten so handeln, wie es dem Patienten am ehesten nützt”, sagt Katrin Balzer, Juniorprofessorin für Evidenzbasierte Pflege an der Uni Lübeck, die den dualen Pflegestudiengang maßgeblich mitentwickelt hat. Die Studenten sollen wissen, wo sie die richtigen Informationen finden, wie sie diese bewerten und, vor allem, am besten in ihr eigenes Handeln integrieren – alles immer mit Blick auf die Bedürfnisse des Patienten und von dessen Familie. Abgesehen davon sollen die Absolventen am Ende jedoch auch in der Lage sein, später Schlüsselstellen in ihrem Beruf belegen zu können. “Wir bilden die Studierenden nicht dezidiert für die Pflegeleitung aus”, sagt Balzer, die Absolventen seien genauso Berufsanfänger wie andere Pflegefachkräfte direkt nach der Ausbildung auch und müssten zuerst einmal Erfahrungen in der Patientenversorgung sammeln. Sie hätten allerdings beste Möglichkeiten, sich in die verschiedensten Richtungen weiterzuentwickeln, etwa in die Forschung zu gehen oder in der Praxis neue Strategien und Konzepte zur Unterstützung der Versorgungspflege zu entwickeln.

Lüth nennt diese wissenschaftlichen Arbeitsmethoden ihr “Handwerkzeug”. Es ist, neben der Interdisziplinarität und Interprofessionalität des Studiums, der Grund, aus dem sie die Akademisierung der Pflege für sinnvoll hält. “Das Studium ist anspruchsvoll, aber eine gute Art von anspruchsvoll”, sagt sie. Gerade in den Praxiseinheiten sei der Studiengang stark reglementiert. Hinzu kommt, dass in den ersten drei Jahren Anwesenheitspflicht besteht, da die Studenten einen Arbeitsvertrag mit ihrem Praxispartner haben und für ihr Lernen und Arbeiten bezahlt werden.

Hoffnung für die Pflege?

Grundsätzlich sind die Rückmeldungen zum Studiengang positiv. Auch die Praxispartner äußern sich zufrieden über ihre Studenten. “Sie fragen mehr, sie fragen anders, sie fragen kritischer”, sagt Balzer. Die meisten Pflegestudienplätze an der Uni Lübeck entfallen auf die Gesundheits- und Krankenpflege, an der auch die meisten Berufsbewerber interessiert sind. Der Bereich der Altenpflege muss hingegen unbedingt noch ausgebaut werden, sagt Katrin Balzer: “Ich würde mir noch mehr Studenten mit der Berufsrichtung Altenpflege wünschen, dafür müssen wir definitiv noch mehr junge Menschen durch Praktika und FSJ begeistern.”

Die Hoffnung, durch duale Studiengänge in der Pflege das Problem des fehlenden Nachwuchses zu lösen, teilt Balzer nur begrenzt: “Duale Pflegestudiengänge gibt es seit 2004. Bisher machen Absolventen solcher Studiengänge aber erst 1 Prozent der Pflegenden in der direkten Patientenversorgung aus.” Nicht nur die Quantität der Ausbildungs- und späteren Arbeitsplätze müsse sich verbessern, sondern vor allem auch die Qualität. “Ohne Wende bei den Arbeitsbedingungen in der Pflege haben wir in zehn Jahren noch genau das gleiche Problem wie heute”, sagt sie. Bestehende Konzepte in der Pflegeversorgung müssten verbessert oder vielleicht sogar durch vollkommen neue Ideen und Konzepte abgelöst werden. Hier kommt das wissenschaftliche Arbeiten ins Spiel. Hinterfragen und strukturiertes, systematisches Denken hilft den Studenten, die richtigen Akzente in ihrem Beruf zu setzen, sei es in der Pflegeversorgung selbst, in Führungspositionen, in der Forschung oder gar der Politik.

Frederike Lüth blickt optimistisch in die Zukunft. Sie kann sich vorstellen, praktische Tätigkeiten auf der Station mit solchen in der Pflegeforschung zu kombinieren, um die Pflege selbst weiterzuentwickeln. Außerdem zieht sie einen Master in Erwägung. “Auf jeden Fall bleibe ich erst einmal in Kiel wohnen, werde hier arbeiten und noch weitere Erfahrungen in der Pflege sammeln”, sagt sie. Den Anschluss zu verlieren, kommt für sie nicht in Frage, dafür sei der Beruf viel zu spannend.


29 Lesermeinungen

  1. Blindstellen des Gesundheitswesens
    Als mein zweitjüngstes Geschwister in vergleichsweise jungen Jahren unheilbar erkrankte und Aufnahme in einer damals erst wenige Wochen bestehenden Palliativstation fand, stellten mich die Verhältnisse auf eine harte Probe. Sowohl die behandelnden Ärzte als auch die Angehörigen des dortigen Pflegepersonals hatten vor lauter Gelehrsamkeit den Blick für die Realität verloren. Angesichts der dadurch weit um sich greifenden déformation professionelle fragte ich mich schon früh, wer eigentlich der Versehrte ist. Im Unterschied zur ärztlichen Leitung des Universitätsklinikums als auch zur Pflegedienstleiterin halte ich meinen Bruder heute noch in seinem Innersten für unversehrt, weil er bis zuletzt die Wirklichkeit wahrnahm, wie sie schon immer gewesen ist; was letztlich der Grund für seinen raschen Tod binnen eines halben Jahres war, während der Ärztliche Direktor und die Leiterin des Pflegedienstes bislang keine Konsequenzen zu gewärtigen haben. Einer Akademisierung der Pflegeberufe stehe ich daher äußerst skeptisch gegenüber, solange stets damit gerechnet werden muss, dass in Wahrheit die medizinischen Fachkräfte ihrerseits dringend der Orientierung bedürfen anstatt notwendig für ihre Patienten da zu sein, wie es der Souverän in einem freiheitlich-demokratischen Gemeinwesen unabweisbar von ihnen verlangt.

    • Rätselhaft
      Sehr geehrter Herr Rath,
      zunächst mal tut es mir natürlich um Ihren Bruder leid.
      Allerdings verstehe ich hier in keinster Weise den Zusammenhang zur Akademisierung der Pflege, da Sie sich hier nur in nebulösen Andeutungen ergehen, anstatt zu erläutern, was denn genau Pflegekräfte und Ärzte der besagten Station falsch gemacht hätten bzw. warum ärztlicher Direktor und Pflegedirektor irgendwelche Konsequenzen zu gewärtigen haben sollten?
      Vielleicht könnten Sie ja etwas konkreter werden, anstatt uns weiter herumrätseln zu lassen. Natürlich ohne Namen.
      Mit freundlichen Grüßen, Martin H.

    • Korrektur und Ergänzung
      Korrektur: Es müsste im dritten Satz meiner gestern um 19:48 Uhr veröffentlichten Kritik „déformation professionnelle“ heißen. Ich bitte den Schreibfehler zu entschuldigen. Im Übrigen möchte ich nicht verhehlen, dass eine OP-Schwester des in Rede stehenden Universitätsklinikums, die zugleich eine der Partei „Die Linke“ nahestehende Personalrätin ist, unlängst auf Facebook einen offenen Brief an Frau Merkel geschrieben hat. Die falschen Voraussetzungen, von denen die Krankenschwester dabei ausgeht, um wortreich den Pflegenotstand zu beklagen, ließ die Bundeskanzlerin seinerzeit unkommentiert. Ein privater Radiosender kürte sie im Anschluss an die außergewöhnliche Resonanz auf Herrn Zuckerbergs Internetplattform indes zur „Schwäbin der Woche“. Bedenkt man, dass der „freiheitliche, säkularisierte Staat … von Voraussetzungen (lebt), die er selbst nicht garantieren kann“ (Böckenförde) wiegt solch eine „umgefälschte“ (Habermas) Lage der Dinge in der sozialen Welt umso schwerer. Das Risiko einer sich in der Irre verlierenden Gesellschaft schnellt in Höhen, die weltweit von keinem noch so exzellenten Forscher je wieder eingeholt werden können und die sich unter normalen Umständen bietenden Chancen sind ihrer Nutzung entzogen.

  2. Grundsätzlich andere Problematik
    Die Ursachen der aktuellen und wohl auch zukünftigen Probleme in der professionellen Pflege liegen nicht in der fehlenden Akademisierung. Vielmehr stehen folgende Faktoren einer Weiterentwicklung und dem Anschluss an internationale Standards im Weg:
    Pflege in Deutschland ist traditionell ein eher schlecht bezahlter, „dienender“ Frauenberuf mit einem abnorm hohen Anteil an prekär und in Teilzeit beschäftigten ArbeitnehmerInnen. Gleichzeitig ist der berufspolitische Organisationsgrad je nach Quelle im bzw. knapp über dem einstelligen Bereich. Zusätzlich fährt man in Deutschland das weltweit nahezu einzigartige System, ein Berufsbild in drei Untergruppen mit zusätzlichen Helferausbildungen zu differenzieren. Das Vergütungssystem (DRG) im klinischen Bereich bildet pflegerische Leistungen weder adäquat ab, noch setzt es Anreize hin zu einer höherwertigen Versorgung oder forciert Neueinstellungen.
    Alle aktuellen pflegepolitischen Initiativen deuten eher auf einen Erhalt des o.g. Status quo oder das Stopfen nicht mehr zu leugnende Lücken hin bzw. werden erkennbar durch Arbeitgeberinteressen verwässert (siehe „generalistische Ausbildung“,“Senkung der Fachkraftquote“ etc.).
    Eine Akademisierung ist daher ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, gerade wenn es um Netzwerkarbeit und Diskussionsversuche „auf Augenhöhe“ geht.
    Solange allerdings z.B. der Arbeitgeberverband Pflege durch massive Lobbyarbeit seine, primär pekuniären, Lobbyinteressen in Berlin durchsetzen kann, nützt auch die beste Akademisierung nichts.

  3. Wissenslücken
    Akademisierung gut und schön. Damit schließen wir zum internationalen Standard auf. Aber was helfen ein paar akademisch Pflegende, wenn die Mehrzahl die am Patienten arbeiten vom Examen bis zur Rente ohne jeglichen Fortbildungsnachweis arbeiten können. Einmal Examen gemacht nie wieder dazugelernt. Es gibt auch keinerlei Anreiz sein Wissen zu erweitern. Der unwissende bekommt das Gleiche Gehalt wie der wissende. Warum soll der Arbeitgeber mehr Geld für Akademiker ausgeben, wenn er seinen Laden auch mit wenig Fachpersonal und einer Menge Hilfskräfte am Laufen halten kann. Wir an der Basis kämpfen um satt und sauber, das die Schichten besetzt sind und kein Patient Schaden nimmt. Es gibt keine verbindlichen Untergrenzen für Schichtbesetzungen, was soll mir da eine Akademisierung helfen? Ich finde erst sollte die Basis saniert werden, denn nur auf einem guten Fundament kann man ein sicheres Haus bauen.

    • Wissenslücke
      Ich kann Ihnen da nur zustimmen.
      Es gab Ideen und Initiativen, die pflegerische Ausbildung neu auszugestalten, beispielsweise eine dreijährige generalistische Berufsausbildung mit Spezialisierung in den Bereich Geriatrie, Pediatrie oder allgemeine Pflege als Wahpflicht im vierten (!) Ausbildungsjahr. Anschliessend Option auf eine zweijährige berufsbegleitende Fachweiterbildung wie bekannt („Meister“). Parallel dazu ein grundständiges Studium über drei bzw. vier Jahre mit Option auf ein Aufbaustudium („Master“). Beide Ausbildungswege hätte mit Zusatzkursen ineinander verwoben sein können, um z.B. ein berufsbegleitendes Studium deutlich leichter als heute durchführen zu können; je nach Interessenlage des Arbeitnehmers.
      Dazu lebenslanges, verpflichtendes Lernen durch staatliche berufliche Registrierung mit Punktesystem.

      Aktuell blieb von solchen Ideen nur ein verwässertes Süppchen übrig, bei dem weiterhin viel möglich ist – insbesondere, wie Sie korrekt schrieben „wenn die Mehrzahl die am Patienten arbeiten vom Examen bis zur Rente ohne jeglichen Fortbildungsnachweis arbeiten können. Einmal Examen gemacht nie wieder dazugelernt. “
      Dass viele Pflegekräfte die heute dominanten und zahlreichen kleinen Fort- und Weiterbildungen nach dem Motto „Netter Titel – keine Mittel“ erfolgreich als Zeitverschwendung und nicht als geplante lukrative Höherqualifizierung identifiziert haben , werte ich im Gesamtbild jedoch eher positiv.

    • Basis
      „Ich finde erst sollte die Basis saniert werden, denn nur auf einem guten Fundament kann man ein sicheres Haus bauen.“
      Die Akademisierung gehört mit zur Basis. Bei den Fortbildungen gebe ich Ihnen (teilweise) recht, hier müßte der Gesetzgeber klare Vorgaben (mindestens soundsoviele Tage Fortbildungen pro Jahr) geben, bzw. an seiner statt gibt dies (so vorhanden) die Pflegekammer des jeweiligen Bundeslandes vor. (Teilweise deshalb, weil es einige magere Vorgaben bereits jetzt gibt, die jedoch viel zu kurz greifen und auch nicht in allen pflegerischen Bereichen greifen.)
      Es macht keinen Sinn, die eine sinnvolle Maßnahme gegen eine andere, ebenfalls sinnvolle, auszuspielen; im Bereich der Pflege in Deutschland gibt es inzwischen so viele offene Baustellen, dank der jahre- und jahrzehntelangen Untätigkeit der Politik, von denen jede genauso verheerend ist wie die andere. Ich hatte jetzt den Eindruck, die GroKo würde wirklich einmal ernsthaft etwas für die Profession Pflege verbessern, aber (wie Hr. Langenhauser auch schon andeutete) wurden viele an sich gute Ideen wieder verwässert.
      Es kann jedenfalls nicht sein, daß Arbeitgeberverbände jetzt vorhaben, Hilfskräfte mit 188 Stunden-Schnellkursen (!) mal eben zu Fachkräften „hochzuqualifizieren“, und diese dann der Fachkraftquote anrechnen zu wollen. Dies wäre eine schallende Ohrfeige ins Gesicht aller professionell Pflegenden.
      Ebenso sollte der Gesetzgeber endlich Nägel mit Köpfen machen und verbindliche Personaluntergrenzen für alle pflegerischen Bereiche einführen, anstatt dies Krankenkassen und Kliniken zu überlassen. Damit macht man nur den Bock zum Gärtner.
      Auch die angebliche fehlende Datengrundlage hierfür ist nur eine faule Ausrede bzw. Lüge, denn es gibt genügend Studien, die den Zusammenhang zwischen Anzahl/Qualifikation der Pflegekräfte und dem „Outcome“ der Pat. (=Komplikationen, Sterblichkeit) belegen: Es ist ganz klar erwiesen, daß Pat. bei mehr und höher qualifiziertem Personal bessere Chancen haben. Einfach mal RN4CAST googeln.
      Wird hingegen am Pflegepersonal gespart, so nehmen die dafür Verantwortlichen den Tod vieler Pat. in Kauf. Dies sollte inzwischen allen bewußt sein.

  4. Ob nun akademisch oder nicht,
    in der derzeitigen Pflegesituation wird jeder, der in der Gesundheitsversorgung arbeitet, verheizt. Das gilt für Pflegende genauso wie für Ärzte.

  5. Studium Teil der Professionalisierung
    Die Pflege in Deutschland leidet an mangelnder Profesionalisierung. Das liegt zum einen daran, dass die Pflege in Deutschland immer noch als Beruf gesehen wird, der dem ärztlichen Beruf unterstellt ist, anstatt gleichwertig und auf Augenhöhe. Zum anderen haben es die Pflegenden versäumt, sich effektiv berufspolitisch und gewerkschaftlich zu organisieren, um sich auf berufspolitischer Ebene abzugrenzen und zu definieren. Eine Professionalisierung der Pflegeberufe und eine damit einhergehende qualitativ hochwertige Ausbildung und Praxis des Berufes wie man sie in Großbritannien oder in Skandinavien sieht, scheint in Deutschland aus verschiedenen Gründen nicht erwünscht zu sein. Ein Blick nach Großbritannien zeigt, wie gut und evidenzbasiert Pflege sein könnte. Das Royal College of Nursing ist berufspolitisch einflussreich und maßgeblich an der hohen Ausbildungsqualität beteiligt. Ein Studium der Pflege ermöglicht nicht nur eine Akademisierung, sondern auch eine Professionaliserung. In Masterstudiengängen könnten sich Pflegende in klinischen oder wissenschaftlichen Schwerpunkten ausbilden lassen. So könnte man in einem Masterstudiengang Wundmanagement, Intensive Care, Notfallmedizin, Rehabilitation, Onkologie, Management Diabetes, Geriatrie usw. studieren. Wichtig ist, dass der Pflegeberuf unabhängig und gleichwertig zum ärztlichen Beruf positioniert wird. Die Unterordnung der Pflegeberufe unter den ärztlichen Beruf in Deutschland hat eine Weiterentwicklung als eigenständigen Beruf gehemmt. Von einer selbstständig und eigenverantwortlich arbeitenden Pflege, wie sie in Großbritannien oder Skandinavien zu sehen ist, ist Deutschland noch Lichtjahre entfernt………

    • Finanzierung
      Solange beispielsweise in Kliniken pflegerische Tätigkeiten und -expertisen nicht eigenständig erlösrelevant oder „privat“ liquidationsberechtigt sind, sondern primär in den von ärztlicher Seite bestimmten DRG-Codierungen („Fallpauschalen“) aufgehen, hat kein Betreiber einen Grund, besser qualifiziertes oder gar akademisiertes Pflegepersonal einzustellen.
      Die politische Stossrichtung zielt erkennbar auf eine Öffnung „nach unten“ ab und auch der geplante Ministeriumserlass zur Personaluntergrenze ist gezwungenermassen lückenhaft und nur bis 2019 gültig. RN4CAST hin oder her.
      Meine Bitte daher: schreiben auch Sie, gerade als Fachkraft, an Ihre Abgeordneten, pflegepolitischen Sprecher der Parteien, den Pflegebevollmächtigten und den BGM. Motivieren Sie Kolleg*innen, es ebenfalls zu tun. Bleiben Sie sachlich, kreativ und konstruktiv – aber bestimmt! Und legen Sie sich die Schreiben auf Wiedervorlage in drei Monaten…

  6. Zuerst habe ich die Ausbildung als Krankenpfleger danach ein Grundständiges STudium gemacht.
    Leider gibt es fast keine Stellen in der Pflege für dieses Studium. Und so was dies für mich zwar ein Karriere Sprungbrett aber gleichzeitig der Ausstieg aus der Pflege.
    Dieenten vmeisten Arbeitgeber lieben die wirklich qualifizierten Absolventen der Pflege Studiengänge. Und bezahlen sie dafür sehr oft unter Trarif.
    Wenn man also wie ich eine Familie zu versorgen hat blibt einem nur der Ausstieg aus der Pflege.

  7. Falsche Frage
    „Doch ist die Akademisierung eine Antwort auf den Fachkräftemangel der Branche?“
    Sorry, aber was für eine Frage ist das denn bitte?!
    Es geht bei der Akademisierung der Pflege in erster Linie darum, überhaupt erst mal Anschluss an internationale Standards zu finden; ein Blick über den Tellerrand täte hierzulande so manchem gut. Und erst durch die Aufwertung und Angleichung der Pflege an internationale Standards kann dann, langfristig gesehen, auch der Fachkräftemangel beseitigt werden, indem nämlich der Status der Profession Pflege endlich wirklich verbessert wird.
    Auf dümmliche Plattitüden und Worthülsen („gesellschaftliche Anerkennung“, „Wertschätzung“) können wir Pflegekräfte nämlich gerne verzichten, wenn dann doch wieder bereits beschlossene Gesetze (z. B. das neue Pflegeberufegesetz) verwässert oder Versprechen der Politiker („ihr kriegt die Pflegekammer“, „wir wollen flächendeckende Tarife“) unter dem Druck der Arbeitgeberverbände in der Pflege wieder gebrochen werden.
    So kann man einen an sich nicht schlecht geschriebenen Artikel schon durch die Überschrift ad absurdum führen.
    Martin H., Krankenpfleger

    • Falsche Antwort
      Aufgrund der in den Medien bzw. durch die entsprechenden Entscheider veröffentlichten Pläne und Regelungen, sowie einiger recht ernüchternden Antworten aus dem BGM oder Seitens der pflegepolitischen Sprecher der Parteien kann ich für mich folgern, dass politisch der Kampf um die Besten und Leistungsfähigsten als Grundlage für eine Behebung des Problems und auch in Konkurrenz zu anderen Berufsbildern und Studiengängen aufgegeben wurde…wenn man ihn je überhaupt ernsthaft hatte führen wollen.
      Statt dessen herrscht als Tenor ein realpolitisches „Du wirst genügen müssen…“.

  8. Akademisierung nur als "Verschönerung"
    Wir brauchen keine Akademisierung der Pflege. Generell haben wir heutzutage das Problem, dass viele denken, nur ernst genommen zu werden, wenn sie irgendetwas Universitäres an sich hätten. Ist meiner Meinung nach totaler Unfug. Pflege attraktiver machen. Da muss der Staat was tun. Das geht auch ohne Akademisierung.

  9. Für die Pflege am Bett zu teuer
    Kein Akademiker wird sich mit dem Lohn eines Altenpflegers zufriedengeben. Er wird auch nicht als Pflegekraft im Schichtdienst etc. arbeiten wollen. Wenn der Träger entscheiden muss, zwischen Akademikern oder „normalen“ Pflegekräften am Bett, wird er immer die 2. Variante wählen, weil günstiger. Akademiker sind eher für leitende Positionen, PDL oder im QM.
    Ich denke, der Fachkräftemangel wird durch die Akademisierung nicht beseitigt.

    • Irrtum
      „Kein Akademiker wird sich mit dem Lohn eines Altenpflegers zufriedengeben. Er wird auch nicht als Pflegekraft im Schichtdienst etc. arbeiten wollen.“
      Na dann werfen Sie mal einen Blick ins Ausland; dort ist es in fast allen Ländern so, daß die am Bett arbeitenden Pflegekräfte akademisiert sind (in einigen Ländern ist der Zugang zur Profession grundsätzlich NUR über ein Studium möglich).
      „Akademiker sind eher für leitende Positionen, PDL oder im QM.“
      Dem ist nicht so. PDL-Stellen i. d. R. von Personen mit einem Pflegemanagementstudium besetzt, Lehrerstellen von Personen mit einem Pflegepädagogikstudium. Dies hat mit der grundlegenden Akademisierung der „normalen“ Pflegekräfte nichts zu tun, diese absolvieren einen (wie auch im Artikel zu lesen) grundsätzlich anderen Studiengang (das ist heutzutage noch „Pflege dual“, da ein Examen in Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege oder Altenpflege an einer BFS (Berufsfachschule) bisher immer noch unabdingbar ist, um die Berufsbezeichnung zu erlangen. Dies wird sich übrigens ab 2020 mit dem neuen Pflegeberufegesetz ändern).

  10. Akademisierung von Pflegeberufen
    Die von mir sehr geschätzten Pfleger und Pflegerinnen brauchen nicht notwendigerweise eine Akademisierung. Eine anständige Bezahlung und die entsprechende gesellschaftliche Anerkennung wären viel wichtiger

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