Blogseminar

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Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Forschende Frauen: Auf diesen Zustand kann keiner stolz sein

| 20 Lesermeinungen

Frauen sind in den Naturwissenschaften stark unterrepräsentiert. Ein internationaler Workshop am ICTP in Triest will das ändern. Hier zeigt sich: Die Zustände in den Industrienationen sind nicht viel besser als in Entwicklungsländern.

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© ICTPMathematik-Studentin Alaa Elshorbagy im Gespräch mit dem Postdoktoranden Tarig Abdelgadir am International Center for Theoretical Physics (ICTP) in Triest

„Als ich meiner Familie sagte, dass ich Mathematik studieren möchte, erhielt ich statt Ermutigungen jede Menge Einwände. Ich bin in einer Bauernfamilie in Bayern aufgewachsen, wo Fleiß bei der Feldarbeit, schmackhaft kochen können und eine gute Frau und liebevolle Mutter zu sein die wesentlichen Attribute sind, auf die eine Frau stolz sein sollte“, sagt Katharina (ihren vollständigen Namen möchte sie nicht veröffentlichen), eine 33 Jahre alte Mathematikerin. „Schwierige, nutzlose mathematische Probleme zu lösen, die in der Zukunft keine gute Arbeit und ein hohes Gehalt garantieren können, sind immer noch sinnlos für meine Eltern.“

Als Katharina mir die Geschichte erzählt, fühle ich mich an die Figuren in Jane Austens Romanen aus dem 18. Jahrhundert erinnert. „Von all meinen Kommilitoninnen aus den Promotionskursen sind nur ich und eine andere Frau noch an der Universität. Alle andere haben sie verlassen, um einen Job in einem Unternehmen zu finden, als Buchhalter oder so. Das andere Mädchen hatte an der Mathematik-Olympiade teilgenommen und wurde wohl deshalb in der Fakultät sehr respektiert“, erzählt Katharina weiter.

Wissenschaftlerinnen brauchen mehr als nur Idole

Unabhängig davon, ob junge Frauen wie Katharina aus einem Industrieland oder einem Entwicklungsland kommen, begegnen ihnen ernsthafte Hindernisse in der männlich dominierten Welt der Wissenschaft, so empfinden es viele junge Frauen, insbesondere in der Mathematik und der Physik. Sie haben das Gefühl, nur mit herausragenden Leistungen eine Chance auf eine Karriere zu haben, in der sich ihnen nicht allzu große Hindernisse in den Weg stellen.

Der unerwartete Tod der Mathematikerin Maryam Mirzakhani, der einzigen Fieldsmedaillengewinnerin, löste abermals eine Diskussion über die Rolle der Frauen in der Wissenschaft aus. Maryam Mirzakhani, bekannt als „Meisterin der gewölbten Flächen“, steht dabei für die Einsicht, dass, obwohl die Zahl der Frauen in Mathematik und Physik weit hinter denen der Männer zurückliegt, ihre Fähigkeiten, schwierige wissenschaftliche Probleme zu lösen, keinesfalls zurückbleiben.

© dpaMaryam Mirzakhani

Mirzakhani wurde ein Vorbild für viele Mädchen und Frauen, die in Physik und Mathematik vorankommen möchten. Aber Wissenschaftlerinnen brauchen mehr als nur Idole, um ihre Präsenz in der globalen akademischen Welt zu erhöhen. Von den 171 Nobelpreisträgern in der Wissenschaft zwischen den Jahren 1996 und 2016 waren nur sieben Frauen, sechs davon kamen aus der Medizin; nur eine kam aus der Chemie.

Laut UNESCO liegt der Frauenanteil in der Forschung weltweit bei weniger als 30 Prozent. In Feldern wie der Mathematik und der Astronomie sind es sogar weniger als 16 Prozent.

In den obersten akademischen Positionen nimmt die geschlechtsspezifische Konzentration weiter zu, nur 11 Prozent werden von Frauen bekleidet. Die UNESCO-Statistik zeigt auch, dass zum Beispiel in Japan, in den genannten Fakultäten, weniger als 6 Prozent der Professorenstellen mit Frauen besetzt sind.

Das Potential ist immens

Die Gründe dafür werden oft in der Rolle der Frau in der Familie gesucht, oft wird die Kindererziehung genannt, vor allem aber kommt die große Imparität wohl aus einer sehr widerstandsfähigen Kultur des Patriarchates in der akademischen Welt.

„Es gibt eine Menge Psychologiestudien, die zeigen, welch große Rolle die kulturelle Voreingenommenheit in unserem Denken spielt. Sie macht uns glauben, dass Frauen etwa in der Mathematik weniger gut seien als Männer“, sagt Elizabeth Simmons, Dekanin des Lyman Briggs College und Professorin für Physik an der Michigan State University. Die einzige Physikerin, die das Problem der ungleichen Geschlechterverteilung in ihrer Disziplin aktiv angeht, erklärt weiter: „Dieses Vorurteil ist das größte Problem. Wenn es zum Beispiel darum geht, eine Kandidatin für eine Promotion oder einen Dozentenjob zu bewerten, neigen die Entscheider nach unserer Einschätzung dazu, die Bewerbungsunterlagen mit anderen Augen zu lesen, als wenn sie von einem Mann wären, obwohl sie wirklich fair sein wollen.“

© ICTPElizabeth Simmons beim ICTP-Workshop “Women in Physics”

„Ein anderes Beispiel sind Empfehlungsschreiben: Die Ausdrucksweise, die Professoren verwenden, um Frauen zu beschreiben, unterscheidet sich sehr von der Ausdrucksweise, die sie für Männer verwenden“, so Simmons weiter, „bei der Bewertung der Frauen werden ihre akademischen Talente letztendlich nicht wirklich geschätzt“.

Laut Boston Consulting Group würde eine Geschlechtsparität zu zusätzlichen 300.000 Doktorandeninnen jährlich führen. In einem Jahrzehnt wären dies mehr als 3 Millionen Forscherinnen, die das Tempo des weltweiten technologischen Fortschritts immens erhöhen könnten.

Ein weiteres Hindernis für Naturwissenschaftlerinnen ist der Mangel an starken Netzwerken. Aufgrund ihrer geringen Zahl haben sie weniger Möglichkeiten, ihre Erfahrungen zu teilen und Ratschläge von anderen zu bekommen.

Darauf kann niemand stolz sein

Probleme wie diese haben Elizabeth Simmons veranlasst, zusammen mit der Physikerin Sobhana Narasimhan, Dekanin der Akademischen Angelegenheiten am Jawaharlal Nehru Zentrum für fortgeschrittene wissenschaftliche Forschung in Bangalore, ein Netzwerk unter Physikerinnen aufzubauen und einen zweijährigen Workshop ins Leben zu rufen. Man sollte glauben, dass es eine größere Zahl solcher Veranstaltungen gibt, aber so ist es nicht.

Ich kenne Physikerinnen aus Entwicklungsländern”, erzählt Simmons, “die die einzige Frau in der ganzen Universität oder sogar in der Provinz sind. Oft ist es sehr einsam dort.“ Diese Frauen brauchen besondere Unterstützung.

Den idealen Ort für ihren Workshop fanden Simmons und Narasimhan, wie sie sagen, in Triest, der kleinen italienische Stadt an der nördlichen Adria, unter Mathematikern und Physikern wegen des 1964 von Abdus Salam, dem erstem muslimischem Nobelpreisträger für Physik, gegründeten International Center for Theoretical Physics (ICTP) bekannt. Alle Nobelpreisträger beider Disziplinen haben es mindestens einmal besucht. Salams Ziel war es, ein Bindeglied für Forscher aus Entwicklungsländern und Industrieländern zu schaffen.

© ICTPFernando Quevedo, Direktor des ICTP, im Gespräch mit Elizabeth Simmons (ganz links) und Shobhana Narasimhan (rechts)

„Die Aufgabe des ICTP ist es, Wissenschaftlern mit schwierigen Arbeitsbedingungen zu helfen“, sagt Fernando Quevedo, Direktor des ICTP, im Gespräch. „So versuchen wir auch, die Beteiligung von Frauen an unseren Aktivitäten zu erhöhen. Im Durchschnitt sind nur 25 Prozent unserer Besucher Frauen. Niemand kann darauf stolz sein! Wir wollen nicht nur eine Frau unter vier Teilnehmern in den Konferenzen, Arbeitskreisen und Seminaren oder auch  Diplom- und Promotionsprogrammen haben, sondern wir wollen zwei davon haben. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, aber wir haben gezeigt, dass es möglich ist. Vor sieben Jahren war keiner unserer ständigen wissenschaftlichen Mitarbeiter eine Frau, heute sind es immerhin 10 Prozent“. Der Nacholbedarf im ICTP war groß.

Zu den vom ICTP unterstützten und finanzierten Programmen für Forscherinnen gehört auch der „Career Development Workshop for Women in Physics“ von Elizabeth Simmons und Shobhana Narasimhan. Der erste  fand im Oktober 2013 statt, der dritte beginnt im Oktober 2017.

„Das Programm besteht aus zwei Teilen, der eine betrifft das wissenschaftliche, der andere das gesellschaftliche Leben“, erzählt Erika Coppola, Physikerin und Veranstalterin des Workshops im ICTP. „Wir laden berühmte Physikerinnen ein, ihre Erfahrungen mit Kolleginnen aus Entwicklungsländern zu teilen. Es hilft zu wissen, wie andere Wissenschaftlerinnen es geschafft haben, Hindernisse in ihrer Karriere zu überwinden.”

„Im zweiten Teil erklären Sprecherinnen wie Elizabeth und Sobhana jungen Forscherinnen, wie sie einen guten Lebenslauf vorbereiten oder wie sie mit ihren männlichen Chefs oder Kollegen umgehen sollen. Wenn es zum Beispiel um Verhandlungen geht“, fügt Elizabeth Simmons hinzu, “sind Männer üblicherweise sehr standfest in der Durchsetzung ihrer angestrebten Forderungen. Viele Frauen aber können nicht wirklich gleichwertig verhandeln. Deswegen fangen sie mit weniger Gehalt, befristeten Verträgen oder schlechteren Konditionen an. Wir bringen den Teilnehmerinnen bei, wie sie ihre Situation verbessern können.“

Die Erwartungen der Gesellschaft

Viele politische Bewegungen haben sich inzwischen die gender-balance zur Aufgabe gemacht. Zuweilen werden sie dafür von Wissenschaftlern kritisiert. Sie meinen, der einzige Auswahlfaktor sollte die Qualifikation sein. Fernando Quevedo sagt: „Wir wissen – in der ganzen Geschichte waren wir sehr unfair gegenüber den Wissenschaftlerinnen, doch wir haben eine Lösung für solche Kritik gefunden: wir gründen neue Positionen, nur für Frauen, in verschiedenen Fachgebieten. Die jeweiligen Sektoren nominieren dann ihre besten Kandidatinnen. So bekommen wir exzellente Fachkräfte in den verschiedenen Fachbereichen. Wir haben vor allem auch die nächsten Generationen im Auge. Wir ermutigen Mädchen, sich für unsere Diplom- und Promotionsprogramme zu bewerben. Einige Male ist es uns bereits gelungen, das Maximum von 50 Prozent zu erreichen.“

„Ich habe viel Glück gehabt, eine phantastische Mathematiklehrerin in der Schule zu haben“, sagt Stefanella Boatto, Außerordentliche Professorin für Mathematik an der Bundesuniversität Rio de Janeiro. „Ich denke, es ist sehr wichtig, Kinder, wenn sie noch jung sind, für Mathematik vorzubereiten. In den Vereinigten Staaten und auch in anderen Industrieländern wie Großbritannien oder den skandinavischen sind Mädchen nicht im Focus der Universitäten für Fächer wie Mathematik oder Physik, während in den romanischen Ländern wie Italien mehr für Mathematik geworben wird. Die Erwartungen, die eine Gesellschaft an junge Mädchen richtet, spielen bei ihren zukünftigen Entscheidungen eine große Rolle. Dieser Trend kann nur umgekehrt werden, wenn wir an und mit der jüngeren Generationen arbeiten – und nicht nur mit den Professoren, die vielleicht schon zu alt für Veränderung sind.“


20 Lesermeinungen

  1. Gast sagt:

    Problematische Diskussion
    Ich finde der Artikel zeigt eine interessante Perspektive auf, wohingegen viele der Diskussionsbeiträge nicht zielführend sind.
    Sicher wollen die meisten Deutschen, dass Frauen und Männer gleichberechtigt eine berufliche Karriere verfolgen können. Dennoch besteht eine strukturelle Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, die sich durch geringere Löhne, weniger Frauen in Führungspositionen oder eben in der Wissenschaft äußert. Sicher haben manche davon abweichende Erfahrungen gemacht, doch daraus darf nicht der falsche Schluss gezogen werden, dass eine strukturelle Ungleichheit nicht existieren würde (nur weil ein Raucher keinen Lungenkrebs bekommt, bedeutet es ja auch nicht, dass Zigaretten nicht schädlich seien).
    Wieso diese Ungleichheit also nicht durch Quoten oder ähnliche Maßnahmen vermindern? Ganz einfach: letztlich bedeutet jede Förderung von Frauen zwangsläufig ein Karrierehemmnis für Männer. Aus diesem Grund werden viele der Diskussionen zu dem Thema nicht auf einer sachlichen, sondern fast immer auf einer emotionalen Ebene („wieder so ein Jammerartikel“) diskutiert. Daher sollten wir uns klar machen, dass unsere Positionen in dieser Thematik nicht unbedingt auf rationalen Argumenten beruhen, sondern allzu oft durch egoistische Motive geprägt sind.
    Zwar können Quotenregelungen und Maßnahmen zur Frauenförderung manchen Frauen helfen, jedoch resultieren sie allzu oft in dem Vorwurf der „Quotenfrau“. Langfristig gesehen müssen Maßnahmen zur Frauenförderung viel früher ansetzen. Oft wird Mädchen in der Schule oder im Elternhaus vermittelt, Mathe sei eine Jungen-Domäne und sie wären deshalb nicht so gut in dem Fach. Diese Selbst-erfüllende-Prophezeiung hat bereits Generationen von Männern und Frauen geprägt und solange nichts dagegen unternommen wird, kann die Qualifikation nicht einziges Kriterium bei der Bewerberauswahl sein, sondern das Geschlecht muss miteinbezogen werden.

    • Gast sagt:

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      Lieber Gast,
      ich bin die Dame, die die Antwort mit dem Begriff “Jammerartikel” geschrieben hat. Nett, dass Sie mir unterstellen, auf emotionaler Ebene zu argumentieren, das passiert nicht so oft.

      Sie stellen eine rhetorische Frage: Warum Ungleichheit nicht mit Quoten vermindern?
      Es stellt sich erstmal die Frage, woraus “Ungleichheit” entstanden ist (Wer beurteilt übrigens “Ungleichheit”?): Gibt es eine zu schwache Nachfrage von Frauen für entsprechende Karriereangebote (wen mache ich dafür verantwortlich?), ist die Arbeitssituation zu unbequem (könnte für Frauen mit Kindern so sein), ist die Konkurrenz zu gross, ist die Kandidatin nicht gut genug (auch das kann es geben, dass Eigenbild und Fremdbild nicht übereinstimmen); das ist nur eine ganz kleine Auswahl an Möglichkeiten. Analysieren und situativ reagieren, wäre der Ansatz, nicht pauschale geschlechterbezogene Bevorzugung oder Benachteiligung. Das unschöne Wort “Quotenfrau” kommt auch (nicht nur, einverstanden) daher, dass nicht nach transparenten Prinzipien verfahren wird. Die beförderte Frau kann dann darunter leiden, bis hin zu massiven psychischen Problemen.

      Vermittlung des Frauenbildes in der Familie: Wir haben inzwischen, anders als bei uns in den 70ern, viel viel mehr Lehrerinnen. Man sollte doch annehmen, dass diese bemerken, wenn im Elternhaus ein antiquiertes Frauenbild gepflegt wird und entsprechend Einfluss bei den Eltern für das Mädchen nehmen – wie Sie sagen “etwas dagegen unternehmen” oder “das Übel an der Wurzel packen” (Lassen Sie uns radikal sein, aber ganz am Anfang, noch bevor der Schaden passiert ist). Wenn Lehrerinnen nicht merken und nicht unterstützen und (logisches “und”) die Mädchen nicht aus sich heraus (intrinsisch motiviert und mit Resilienz gesegnet) sich ihren Platz erkämpfen (aka: den Hintern hochbekommen und sich wehren), dann werden Sie solche Mädchen vermutlich mit weniger hoher Wahrscheinlichkeit an der Uni finden. Für solche armen Hascherl können Sie und ich dann leider nichts tun.
      Die Frauen, die an der Uni sind, was spricht dagegen, dass diese sich ihren Platz erkämpfen, wie jeder andere auch? Warum sollte ich einen guten, begabten und engagierten Mann zugunsten einer mittelmässigen, aber mit hohem Ego ausgestatteten Frau zurückstellen. Sollten beide gleich gut sein, dann kann ich mich auch gleich um beide kümmern, das sollte uns unser Nachwuchs schon wert sein (ich “klopfe” nicht nur Sprüche, ich war und bin Trainerin und Mentorin und befolge genau diese Linie).

      Egoistische Motive: Glauben Sie ernsthaft, dass nur Männer zu egoistischen Motiven fähig sind? Sie mögen mich wieder emotional nennen, aber ich habe in meinen über 30 Berufsjahren Egoismen von Frauen erlebt, die ich mir nicht so leicht von Männern vorstellen kann.

    • ebmile sagt:

      Erklärungen
      eine strukturelle Ungleichheit bedeutet nicht automatisch eine Ungerechtigkeit, die haben Sie auch bei Lehrern/innen und Müllmännern. Das müssen Sie schon trennen. Das ist der Denkfehler bei “affirmative actions” – nur wenn eine Diskriminierung nachgewiesen wäre, könnte man über “Ausgleichsmaßnamen” nachdenken. Und selbst hier wäre die Frage, warum dann junge männliche Wissenschaftler Opfer dieser Maßnamen sein sollten – sie haben für den status quo keinerlei Verantwortung. Und sich dagegen zu wehren ist durchaus rational – welcher Gruppe würde man denn sonst verweigern, sich gegen Diskriminierung zu wehren? Dass Berufsoptionen in jungen Jahren aufgezeigt werden sollen – d`accord, ist aber längst usus und eben was ganz anders als Diskriminierung bei Stellenbesetzungen.

  2. Vanessa Berger sagt:

    Fragen über Fragen
    Es stehen doch die Fragen im Raum, ob überhaupt:

    genauso viele Frauen wie Männer dort arbeiten wollen?
    Ob ein erzwungenes 50/50-Verhältnis überhaupt eine Verbesserung beim Output bringt?
    Ob wir bei der aktuellen Quotenhysterie nicht die Rechte vom anderen Geschlecht leichtfertig verletzten?
    Ob der theoretische Hintergrund des Gendermainstreamings nicht kompletter Humbug ist und wir ein gesellschaftliches Experiment durchführen, das auf Dauer unseren Wohlstand vernichtet.

  3. Frauke Amgelin sagt:

    Der Missstand beginnt mit der schulischen Koedukation während der Pubertät.
    Solange daran nichts geändert wird, bleibt es bei:

    Der Junge macht seinen Doktor.

    Das Mädchen heiratet seinen Doktor.

    • Gunnar Jeschke sagt:

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      Finde ich jetzt nicht. In meiner Arbeitsgruppe (Physikalische Chemie an eine guten Universität) gibt es derzeit mehr Doktorandinnen als Doktoranden, ohne dass ich bei der Einstellung einen Frauenbonus gegeben hätte.

  4. mmork sagt:

    Eine Gegemeinung...
    …wurde kürzlich im Internetmagazin Quilette formuliert: „Gender Bias in STEM—An Example of Biased Research.“
    Die dort dargestellte Position entspricht tatsächlich eher meinen Erfahrungen im Bereich der biomedizinischen Forschung.

  5. ebmile sagt:

    Das alte Problem - "wir gründen neue Positionen, nur für Frauen"...
    Das also soll die Lösung sein? Männer von Positionen systematische auszuschließen? Ehrlich gesagt hätte ich erwartet, dass wissenschaftlichen Einrichtungen samt der Verantwortlichen bessere – d.h. v.a. fairere und intelligentere – Lösungen einfallen, als nunmehr junge männliche Wisschenschaftler zu diskriminieren und, obwohl nicht ansatzweise für irgendwas verantwortlich, kollektiv abzustrafen, nur um den Frauenanteil zu erhöhen.

  6. Gast sagt:

    Keine Zustimmung zur Aussage
    Geprägt durch Erfahrungen und Beobachtungen, sowohl aus dem schulischen, als auch (aktuell) dem universitären oder aus dem beruflichen Umfeld mit meinen sehr gut ausgebildeten und selbstbewussten Kolleginnen (auch hochqualifizierten Ingenieurinnen) kann ich der Aussage im Artikel nicht zustimmen. Ich, weiblich, erinnere mich noch an meine Schulzeit in den 70ern: bevor ich auf dem Gymnasium mein Abitur machte, habe ich die Realschule besucht und dort mehrheitlich männliche (!) Lehrer vorgefunden, die uns in den MINT-Fächern gefordert und gefördert haben, ohne Ansehen des Geschlechtes. Höhepunkt unserer Realschul-Physikstunden war immer, dass wir Mädchen in einen Wettbewerb mit den Jungen getreten sind. Fragestellungen waren z.B.: wer schafft es, als erster eine Klingel aufzubauen? Selbige Erfahrung vom Gymnasium, egal welches MINT-Fach. Die Lehrer hatten an solchen Wettbewerben auch noch Spass, genauso wie wir (ein gut aufgelegtes “Ha, wir können das auch”). Es gab auch Uninteressierte bei den Mitschülern in meinen Klassen, aber die gibt es wohl immer, da ist das Interesse einfach anders gelagert (das sollte man akzeptieren) und dieses Desinteresse war mehr oder weniger gleichmässig auf Mädchen und Jungs verteilt. Meine Schwester bestätigt die Erfahrungen aus ihren Klassen.
    Wir – weiblich und männlich – erwarben dadurch neben Fachwissen eine gute Portion Frustrationstoleranz und Resilienz und die Einsicht, dass man Zeit und Geduld stecken muss in den Erwerb von Wissen, das man nutzen will. Man muss jedoch ein Ziel und einen Plan haben, der überzeugt und dann noch Energie und Geduld, Zeil und Plan zu verfolgen. Nicht: Wissen ist Macht, nichts wissen macht auch nichts.
    Heute lese ich ständig und zunehmend Jammerartikel, dass alle, alles und jedes den armen Mädchen im Wege stünden – wie in schlechten Schundromanen (sorry für die Wertung, aber das musste raus).

    • ebmile sagt:

      Volle Zustimmung - damals und heute ist es eine Mär
      dass Mädchen oder Frauen irgendwie, gar systematisch, benachteiligt wurden. Oft erlebt und erlebte man das Gegenteil: gerade weil das Interesse – im Schnitt – geringer war wurden diejenigen Mädchen, die Interesse zeigten (und ja, dazu gehört eben ein Tick Eigeniniative wie man ihn von Jungs ja auch – ganz selbstverständlich – abfordert) geradezu hofiert. Aber wie Sie sagen – Jammerartikel und das Jammern generell sind Basis um eines zu erreichen: Eben nicht Chancengleichheit (die haben wir längst bzw. dank Quoten und Förderprogrammen sind Frauen in vielen Bereichen längst privilegiert) oder Gleichberechtigung (haben wir längst), sondern noch mehr Bevorzugung.

  7. Gunnar Jeschke sagt:

    der einzige Auswahlfaktor sollte die Qualifikation sein
    Aber sicher doch. Wenn das nicht so ist, werden die eingestellten Frauen nicht voll akzeptiert werden- und das im Durchschnitt sogar zu Recht.

  8. Dörflicher Akademiker sagt:

    Work/Life-balance...
    … ist, gemessen an den Verdienstmöglichkeiten, fast nirgendwo so schlecht wie im akademischen Bereich.

    Eigentlich ist die Entscheidung von Frauen, diesen Weg größtenteils nicht zu gehen, ziemlich clever.

    Es wäre umgekehrt eher ein Problem sollten Männer irgendwann ebenfalls die Schnauze voll haben und von diesen Karrierewegen wegen geringer Erfolgschancen, hohem Stresslevel, nur befristeten Verträgen usw. Abstand nehmen.

  9. R.Wackermann sagt:

    Chancen muss man nutzen, sonst bringen sie nichts
    Bereits 1986 hat Frau Dr. Merkel in Quantenchemie promoviert und wissenschaftlich gearbeitet. Sie ist wohl einer der bekanntesten Beweise, dass es auch für Frauen sehr wohl möglich ist, MINT-Fächer zu studieren, zu promovieren und wissenschaftlich zu arbeiten, ist aber beileibe nicht die einzige Frau, die das geschafft hat. Daher verstehe ich irgendwie das Problem nicht.
    Ich kann nur sagen: Mädels, macht es! Und lasst euch nicht entmutigen – viele Jungs müssen da auch durch. Kopf hoch, Rücken gerade, beide Füße fest auf dem Boden. Gute Argumente erledigen den Rest.

  10. Karl Müller sagt:

    Qualifikation vor weltanschaulichem Hokus Pokus
    Warum sollte die Qualifikation nicht ausschlaggebend sein?
    “Geschlecht” ist kein Ersatz für Qualifikation.

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