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Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Dürfen Lehrer keine Kritik an Parteien üben?

| 18 Lesermeinungen

In Hamburg und anderswo ruft die AfD Eltern und Schüler dazu auf, Verstöße gegen das Neutralitätsgebot an Schulen zu melden. Die Debatte darüber ist überflüssig und schädlich, findet die Fachdidaktikerin Andrea Szukala.

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Schulpolitik ist ein wichtiges Wahlkampfthema für die AfD

Die AfD sieht sich zu Unrecht behandelt. An deutschen Schulen werde die Partei in ein durchweg negatives Bild gerückt, sie spricht gar von politischer Indoktrination. Lehrer würden sich im Unterricht gegen die Partei aussprechen und undifferenziertes, AfD-kritisches Unterrichtsmaterial verwenden. Die Schüler würden in ihrer Meinungsbildung beeinflusst. Dieser Tage initiiert die AfD-Fraktion der Hamburger Bürgerschaft die Aktion „Neutrale Schulen Hamburg“ und bittet Eltern und Schüler, vermeintliche Verstöße gegen das Neutralitätsgebot zu melden. Die Partei will die Fälle anschließend an die Schulbehörde zur Prüfung weiterleiten. Parteifreunde aus Berlin planen ein ebensolches Vorgehen.

Andrea Szukala lehrt an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Fachdidaktik der Sozialwissenschaften und ist Sprecherin der Sektion Politische Bildung der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft. Für sie ist die von der AfD entfachte Debatte ein alter Hut: „Eigentlich wurde die Diskussion in der politischen Bildung bereits vor Jahren zu den Akten gelegt.“ Schon 1976 einigten sich die Fachdidaktiker mit dem Beutelsbacher Konsens auf grundlegende Leitlinien der politischen Bildung, die für alle Lehrkräfte bindend sind. Diese halten unter anderem fest, dass Lehrer das, was in der Gesellschaft kontrovers diskutiert wird, auch im sozialwissenschaftlichen Unterricht in einer facettenreichen Bandbreite aufzugreifen haben – ohne eine Position privilegiert darzustellen oder gar unter den Tisch fallen zu lassen. Dabei dürfen die Lernenden nicht im Sinne einer vom Lehrer gewünschten Meinung überrumpelt werden; hier verläuft die Trennlinie zwischen politischer Bildung und Indoktrination. Anhaltspunkte dafür, dass sich eine signifikante Anzahl an Lehrkräfte nicht an diese Grundsätze hält, sieht Szukala nicht.

Der sozialwissenschaftliche Unterricht soll sich differenziert mit gesellschaftlichen Entwicklungen auseinandersetzen, was, so Andrea Szukala, auch eine kritische Thematisierung der AfD einschließt: „Lehrer sollten sich dabei aber nicht an harten, provokativen AfD-Aussagen abarbeiten, sondern die politischen Forderungen der Partei in den Fokus nehmen.“

„Lehrer sind politische Menschen“

Aber dürfen sie auch ihre eigene Meinung zum Ausdruck bringen? Ja, sagt die Fachdidaktikerin – unter bestimmten Voraussetzungen. Ob ein Pädagoge seine subjektiven Ansichten preisgeben sollte, hänge vor allem von den Kontextbedingungen ab. Vor jüngeren Schülern beispielsweise sei das weniger angebracht. Und allgemein müsse die persönliche Meinung deutlich als solche gekennzeichnet vorgetragen werden. Darauf zu achten, sei Teil der eigenen Professionalität, der „Klassenraumperformance“, so Szukala. Würden Lehrer versuchen, mit ihrer Meinung die Schüler subtil zu beeinflussen, verstießen sie gegen die Grundpfeiler des Beutelsbacher Konsenses – und ihr pädagogisches Ethos.

Andrea Szukala

Wenn sie jedoch ihre Sicht der Dinge unter Berücksichtigung ihrer Verantwortung mit den Schülern teilten, habe das einen durchaus motivationalen Charakter, von dem der Unterricht profitiere. Die Positionierung des Lehrers mache Mut, die eigene Meinung zu äußern. Lehrer erfüllten eben auch eine Vorbildfunktion, so Szukala. Für die Schüler sei es das falsche Signal, schlüpften Lehrer nicht gelegentlich aus ihrem Korsett der Neutralität heraus. „Der Lehrer ist ein politischer Mensch“, sagt Szukala, ein unpolitischer Politiklehrer sei genauso fehl am Platz wie ein unkünstlerischer Kunstlehrer.

Trügen Lehrer ihre Meinungsäußerungen angemessen vor, ergäben sich nützliche Impulse und Anknüpfungspunkte für die Urteilsbildung der Schüler, die ja durchaus auch zu konträren Ansichten gelangen könnten. Gerade in zurückhaltenden Lerngruppen könne die Meinung des Lehrers, so Szukala, Schüler aus einer gewissen Lethargie rütteln, sie zur Partizipation ermutigen und so ihr demokratisches Bewusstsein festigen.

Die Relevanz im Blick

Dass die AfD nun Meldeplattformen einführt, ist für Andrea Szukala nicht überraschend. Immer wieder bezeichneten Parteifunktionäre Lehrer als „rot-grün-geprägt“ und werfen ihnen eine Art linker Meinungsmache vor. Auch im Wahlprogramm zur Bundestagswahl im vergangenen Jahr erklärte die Partei, eine vermeintliche „ideologische Beeinflussung an der Schule“ stoppen zu wollen.

Das nun in Hamburg geübte Vorgehen der Rechtspopulisten kann aus Andrea Szukalas Sicht schwerwiegende Auswirkungen auf die Schule als Raum politischer Bildung haben. „Jedem Lehrer geht es durch Mark und Bein, dass Schülerinnen und Schüler ihn nun denunzieren sollen,“ sagt die Fachdidaktikerin über die Meldeplattformen der AfD. Wer sich gegen die Partei positioniere, müsse nun mit Anfeindungen rechnen. Das könnte Lehrkräfte einschüchtern und dazu führen, dass sie auf eine kritische Auseinandersetzung mit der Partei verzichteten.

Davon abgesehen ist es für Andrea Szukala unabdingbar, mit Schülern über die AfD zu sprechen. Die gesellschaftliche Kontroverse um die Inhalte der polarisierenden Partei und den Umgang mit ihr sollte im Unterricht thematisiert werden. Szukala rät Lehrkräften jedoch davon ab, die AfD zum Themenschwerpunkt zu machen. „Man darf eine Minderheitenansicht nicht zur relevantesten Meinung aufbauschen“, sagt die Fachdidaktikerin. Zwar seien im öffentlichen Diskurs die Debatten um Einwanderung und Geflüchtete derzeit die zentralsten, andere Politikfelder wie etwa die Rente, die Zukunft der EU oder der Klimawandel drängten aber ebenso nach einer Lösung.


18 Lesermeinungen

  1. Verständnis
    Ich habe in den späten 90ern Abitur gemacht und kann mich ebenso wie einer meiner Vorredner an viele Lehrer erinnern, die politisch im linken und/oder grünen Lager zu verorten waren und daraus keinen Hehl gemacht haben, ausdrücklich auch im Zusammenhang mit Unterrichtsinhalten. Haben sich die Lehrer seitdem verändert? Ich fürchte, eher nicht. Man mag die AfD persönlich nicht mögen oder ihre Initiative einer „Meldeplattform“ in ihrer Art und Weise für geschmacklos halten – in der Sache ist das Anliegen ganz so absurd der Partei aber (leider) nicht völlig aus der Luft gegriffen.

  2. Zweierlei Maß
    Tatsächlich habe ich bereits in den 80ern eine Beeinflussung durch Politik Lehrer in die Richtung Links-Grün erleben und ertragen müssen. Wer sich -wie ja eigentlich gewünscht- kritisch geäußert hat, hatte damals nicht viel zu lachen und konnte froh sein, wenn er 5 Punkte erhalten hat. Die Lehrer beeinflussen massiv und das schon seit Jahrzehnten. Wer sich heute als AFD Fan outet wird an den Pranger gestellt. Und gleichzeitig wird die Vorgehensweise der AFD als Denunziantentum bezeichnet. Die offiziell Toleranten sind diejenigen, die am intolerantesten sind. Die offiziell meinungsoffenen Menschen sind diejenigen, die am meisten Zensur betreiben. Nur was in mein Meinungsbild passt wird akzeptiert. So ist die Realität in vielen Schulen. Wie wäre es tatsächlich mal mit einer unabhängigen Untersuchung der Mitschriften und des Lehrmaterials. Ob da dieser Beutelsbacher Konsens nicht erschreckend wenig berücksichtigt wird. Immer mehr sehen daher die Vorgehensweise der AFD fast schon als Notwehr an. Und dann fragt sich wieder jeder..:“wie konnte das passieren“…

  3. Titel eingeben
    Die Aufgabe der Lehrer wäre also eigentlich eine neutrale Darstellung im Unterricht:(…) „ohne eine Position privilegiert darzustellen oder gar unter den Tisch fallen zu lassen.“ Das wäre doch hier einmal ein Anlass für investigative Nachforschungen von Seiten eines seriösen Mediums wie der FAZ, sich tatsächlich in verschiedenen Schulen das verwendete Lehrmaterial und die Aufschriebe der Schüler anzusehen und diese auch darüber zu befragen, ob sie den Unterricht als neutral empfänden. Und auf der Basis dessen könnte man doch beurteilen, ob der Beutelsbacher Konsens eher eingehalten wird oder sich die AfD möglicherweise zurecht beschwert.

    „Anhaltspunkte dafür, dass sich eine signifikante Anzahl an Lehrkräfte nicht an diese Grundsätze hält, sieht Szukala nicht.“ Frau Szukala positioniert sich aber deutlich gegen die AfD, was man an Zuschreibungen wie „polarisierender Partei“ oder „Minderheitenansicht“ sieht. Also sieht Frau Szukala hier keine Benachteiligung der AfD, die sie aber gleichzeitig ablehnt. Das hat aus meiner Sicht absolut null – also keinerlei Beweiswert.

    Wenn sich ein Lehrer im Sinne der offiziellen Regierungshaltung positioniert, in einer Situation, in der Andersdenkende oft abgewertet und als „Nazis“ bezeichnet werden, regt das weiterhin kaum den Diskurs an, sondern Schüler werden sich eher hüten, dem Lehrer zu widersprechen. Immerhin würden sie wohl zumindest – gerechtfertigt oder nicht – eine Auswirkung auf ihre Noten befürchten.

    Wenn die „Meldeplattform“ der AfD nicht das ideale Mittel zu sein scheint und man aber tatsächlich befürchten muss, dass die Neutralität des Politikunterrichts zugunsten einer einschlägigen Indoktrination zum Nachteil der Schüler nicht zuverlässig gegeben ist – mit welchem Mittel sollten die Schüler bzw. ihre Eltern diesem Problem Herr werden? Wie können Eltern verhindern, dass ihre bis ins Erwachsenenalter noch leicht zu beeinflussenden Kindern von wohlmeinenden Pädagogen für ihre politischen Zwecke missbraucht werden?

    Die Argumentation dieses Artikels besteht aus „nicht sein kann, was nicht sein darf“ – die Berufung auf das Neutralitätsgebot – ohne Überprüfung dessen faktischer Einhaltung und weiterhin der Zugrundelegung nicht der zu recherchierenden Realität, sondern der Behauptungen der offensichtlich parteiischen Frau Szukala.

    • Zur Reception
      Offensichtlich haben sie die zuschriften sowie den text nicht richtig gelesen, oder wollen ihn mit Absicht falsch verstehen. Ihr misstrauen gegenüber Lehrern geht dann doch was sehr weit. Setzen sie sich doch zum hospitieren in die schule, da erfahren sie mehr, als hier märchen zu erzählen.

    • Opferrolle
      Die AfD steht prozentual wo?
      Richtig! Und somit sind die Positionen der AfD auch in vielen Belangen eine Minderheitenmeinung und dass die Ansichten polarisieren (sollen), ist ja sogar erklärtes Ziel der AfD-Oberen – Frau Szukala positioniert sich somit gar nicht gegen die AfD, nur weil sie Faktisches ausspricht.
      Somit ist der lang geschriebene Kommentar als das zu deklarieren was er ist – eine inszenierte Proklamation der Opferrolle der AfD.

      Dass die FAZ nun „ermitteln“ soll, ob es einen neutralen Unterricht gäbe – warum sollte sie das tun, denn offensichtlich hat ja nur die AfD ein Problem mit dem Unterricht und Angst vor möglicher Indoktrination. Wenn es diese derart gäbe, dann wären unsere Kinder derart durch die Schule beeinflussbar bzw. programmierbar wie Roboter. Und das ist nicht der Fall.
      Lehrer sind Menschen und unterrichten anhand des vorgegebenen Stoffes. Wenn also nun in Schulen Lehrer „gemeldet“ werden sollen, weil sie gegen die AfD sind, wo geht es dann weiter? In Kindergärten, Das kann letztlich nie ganz neutral sein, eine gewisse Subjektivität und Meinungsäußerung ist in allen menschlichen Tun, Schreiben und Reden zu finden. Auch in ihrem Kommentar.

      Krankenhäusern, Betrieben, Familien…? Irgendwo in unserer Geschichte kam das schon mal vor. Und ganz ehrlich, schön, dass das Geschichte ist.

  4. Lehrer sind Beamte
    … oder sie sollten es zumindest sein. Der Unterschied zwischen einer verbeamteten und einer angestellten Lehrkraft ist der Eid auf das Grundgesetz und die jeweilige Landesverfassung. Damit sind Lehrer in besonderer Weise der weltanschaulichen Neutralität verpflichtet. Der Beutelsbacher Konsens verdeutlicht und verstärkt dieses nochmals und er stellt auch den Kern der Lehren dar, die die Politikdidaktik aus der Zeit nach 1968 gezogen hat. Eine Zeit, in der Deutschland schon einmal so polarisiert war, wie es sich heute darstellt. Jedem muss klar sein, dass Unterricht nicht im luftleeren Raum stattfindet und das Schüler wie Lehrer die gesellschaftlichen Konflikte in den Unterricht mit hineintragen. Die AfD hat also theoretisch recht, jedoch ist nicht nur ihr Mittel indiskutabel, sondern auch das vermittelte Selbstbild als Opfer des sogenannten Mainstreams ist mehr als fraglich. Gestaltet doch die AfD die Stimmung im Land und damit auch im Unterricht längst mit! Den Kollegen, denen das hier zu theoretisch war, sei einfach gesagt: Erinnert Euch an eure Jugend und eure Individualisierung gegen gerade pädagogische Autoritäten. Wenn Ihr im Unterricht gegen die AfD wettert, ist das die beste Werbung, die sich diese Partei wünschen kann!

    • verbeamtung
      die sog angestellte lehrkraft hat genau wie die verbeamtete einen eid auf das gg abgelegt; auf die landesverfassung wird kein eid abgelegt! M e sollte aber der wunsch sus zu bilden, um sie zu befähigen sich eine eigene meinung zu bilden im zentrum der ausbildung stehen. Drohungen wie die der afd bilden viel zu oft, auch das unsägliche “ unser anwalt… „-gedrohe, eine ängstlichkeit beim lehrkörper sowie besonders dem direktorium aus, die die sus sehr genau wahrnehmen, und sich dementsprechend im unterricht still zurücklegen. Auch eine art Affirmation, allerdings die falsche. Diese jungen leute sollen die notwendigen neuen ideen hervorbringen, um uns voranzubringen und nicht in angst zu erstarren, wie es die afd betreibt.

  5. Niemand hat die Absicht eine Mauer .......
    Das ist ja alles sehr interessant und schön aber in der Realität (das ist etwas, was manche Lehrer aus dem Geschichtsbuch vielleicht sogar kennen) werden Lehrer wegen „falschen“ Aussagen bzw. falscher Partei Zugehörigkeit tatsächlich entlassen.

  6. alter Hut
    Dass Schüler nur unter großen Schmerzen den aktuell herrschenden Meinungskorridor verlassen können war in Deutschland schon immer der Fall.

  7. Nun ja...
    Ich habe ’95 mein Abi gemacht und in meinen gut zehn Jahren am Gymnasium habe ich dutzende Lehrer kennen gelernt. Viele waren politisch und haben, zum Teil subtil, indoktriniert.
    Warum sollte das heute plötzlich anders sein?

  8. Dünnhäutigkeit
    Die AfD reagiert auf Kritik wie ehedem jede Partei an den Rändern des politischen Spektrums. Weniger fein ausgedrückt: Wer nicht für uns ist, ist gegen us (Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein.) Einerlei ob eine kritische Presse oder erklärende Lehrer: die AfD verbreitet einerseits Angst durch Ressentiments und hat andererseits Angst vor Kritik. Darauf reagiert sie mit dem ureigenen Opfermythos von Extremisten.

    Lehrer und Dozenten, egal ob an Schulen oer weiterführenden Bildungseinrichtungen, müssen Entwicklungen und im Untericht oder Seminaren moderieren. Sie sind dabei lediglich ihrem Gewissen und dem Geist des Grundgesetzes verpflichtet. Verlässt eine Partei das Wertefundament des Grundgesetzes, so ist das natürlich im Unterricht klar und deutlich hervorzuheben. Aber das muss gar nicht so platt sein, wie es die AfD darstellt. Das geht feiner.

    Zum Beispiel indem man Begrifflichkeiten während der Nazizeit und nach der Nazizeit thematisiert. Allein dadurch, dass man Begriffe wie „Zigeuner“, „Erinnerung“ oder „Überfremdung“ im Kontext seiner Zeit und aus der Sicht von Angehörigen thematisiert, schafft man Räsonnement bei den Lernenden. Klar, dass die AfD da nicht gut dabei wegkommt. Klar, dass ein Geschichtslehrer wie der Herr Höcke aus Thüringen von einem Beutelsbacher Konsens nichts wissen will. Das ist so klar, wie wir heute einen Journalisten der DDR, der in Leipzig vor 1989 im Roten Kloster gelernt hat, dass Journalismus der Partei Lenins zu dienen habe, bedeuten würde, er habe seinen Beruf verfehlt.

    Ein guter Lehrer stellt seine politische Überzeugung meiner Meinung nach in den Raum, um den Lernenden Orientierung zu geben, er ermuntert sie gar zu Kritik an seiner Haltung – hält sich hernach aber zurück und moderiert. Und wenn’s besonders kontrovers ist, macht er das, was seinerzeit an meiner Schule gemacht wurde: Er lädt Politiker und Wissenschaftler zu einer Podiumsdiskussion mit Fragen aus dem Publikum ein. Politik kann herrlich wenig abstrakt sein, spannend wie ein Krimi und sehr nahbar – es kommt darauf an, was der Lehrer daraus macht.

  9. Die AfD sieht sich unangemessen dargestellt,
    ruft aber dennoch Schüler dazu auf, entsprechende Vorfälle zu melden. Unwillkürlich fragt man sich: Wenn die Fakten bekannt sind, warum zieht die Partei nicht umgehend vor Gericht, statt Schüler in eine politische Debatte hineinzuziehen?

    Da Schüler im Unterricht erst noch lernen und überdies von ihren Erziehungsberechtigten vorgeprägt sind, versteht es sich von selbst, dass deren Meinung in Bezug auf die Inhalte ihres Unterrichts nicht so belastbar sein kann, wie die erwachsener Menschen. Auch Kinder von AfD-Mitgliedern und -wählern besuchen die Schulen; kaum verwunderlich, dass diese sich an einer kritischen Beleuchtung der AfD eher reiben, als Grünenwähler.

    Die AfD will gegen Indoktrination zu Felde ziehen. In der Praxis sieht das so aus, dass Kinder und Jugendliche zum Denunzieren ermutigt werden. Wie wäre es stattdessen, die AfD bestimmte ein paar vertrauenswürdige Menschen, die den Unterricht hospitieren? Das würde die Schüler aus der Debatte um Gegenstände heraus halten, die zu diskutieren sie erst noch erlernen.

    Da man mir vermutlich unterstellen wird, der „Diskriminierung“ der AfD Vorschub zu leisten: An der Schule meiner Schwester gab es unlängst eine Podiumsdiskussion, an der auch der hiesige AfD-Kandidat teilnahm. Meine Kleine hatte kein Problem damit, mir gegenüber zuzugeben, dass sie ihn von den sechs Teilnehmern persönlich am sympathischsten gefunden habe, da er am unaufgeregtesten aufgetreten sei. Ihr Wissen um die Inhalte steht auf einem anderen Blatt. Ich kann mir vorstellen, dass es wirklich so war, und ich sehe kein Problem darin, zwischen einer Person und den Inhalten, die sie vertritt, zu trennen. Das tue ich selbst. Von „Indoktrination“ o. Ä. kann ich nichts finden, wenn derlei möglich ist.

    • Lassen Sie die Demokratienähe der Mitschüler Ihrer "Kleinen" verproben, Herr Reiter
      Sollte Ihr Kind auf ein Gymnasium gehen, dann möge es sich einfach mal als Sympathisant der AfD probeweise zu erkennen geben. Dann wird sie erfahren, was es bedeutet, anderer Meinung zu sein in einer Gesellschaft, die schon in jungen Jahren so uniform argumentiert, das mir Angst und Bange wird.
      Der Beutelsbacher Konsens ist theoretisch gut. Leider ist, in Zeiten, in denen alles „Nazi“ ist, was nicht links ist, der Frau Szukalas Verweis auf den Konsens zielgerichtete Heuchelei.
      Anzumahnen ist das mangelnde Demokratieverständnis vieler Schüler, das Demokratie nur so lange akzeptiert, wie sie der eigenen Ideologie dient. Ich möchte sehen, welcher Lehrer sich der Meute entgegenstellt und Ihre „Kleine“ da verteidigt. Seien Sie mutig. Viel Glück!

  10. Selbstgerechte Sichtweise
    Auf diese Art „Toleranz“ zum AfD bashing verständigen sich sofort alle links-grün gefärbten „Pädagogen“.
    Daß man in Deutschland so etwas überhaupt thematisiert, geht mit den allgemein miserablen Ergebnissen unseres Schulsystms einher. Was soll man von den Lehrern der Lehrer erwarten, die solch ein tendenziöses Toleranzverständnis haben? Es schein alles mit allem zusammenzuhängen; die schlechte Schulsituation, schlechte Lehrerschaft und sinkendes Bildnungsniveau.
    Und wen erkennt man in diesem System sofort als Gegner? Klar, denjenigen, der das ändern will!

    • Lösung
      Ich tue mich schwer damit die AfD als Problemlöser zu sehen. Die AfD bezieht alle Themen auf Flüchtlinge und das wird als politische Methode ausgerufen,um sich nicht den Altparteien anzunähern. Die AfD sitzt als 3. größte Partei immer in Vollbesetzung im Bundestag. Ausschussarbeit wird volkommen vernachlässigt. Die Partei hat kaum politische Konzepte, die über Migration hinausgehen. Selbst Parteiköpfe wie Gauland,die eig das intelektuelle know how haben, können auf Nachfrage keine Position der AfD zu diversen Themen (Steuern,Rente,Digitalisierung) wiedergeben. Die AfD macht keine Politik. Deswegen ist es schlicht Hähme zu behaupten,dass ihr Welt und Politikbild nicht von den Lehrkräften zugelassen wird. Es gibt nämlich keins. Die AfD ist ein FDP Verschnitt, ohne das entsprechend ausgebildete Personal. Sie ist eine Partei für die Reichen und Privilegierten ohne Zukunftsvision. Wie soll ich eine Partei im Unterricht positiv darstellen,wenn Parteiköpfe an der Grenze auf Frauen und Kinder schießen lassen wollen. An dem Tag der Amokfahrt in Münster saß ich mit Freunden draußen. Bevor ich wusste,ob Freunde von mir unter den Opfern waren, hatte Beatrix von Storch sich schon mit „Wir schaffen das“ gemeldet. Es war kein Islamist. Die Ironie ist,dass ,wenn man das alles objektiv wiedergibt, die AfD schon das Sachlichkeitsgebot (Neutralitätsgebot ist meiner Ansicht hier falsch) verletzt sieht.

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