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Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Medizinstudium: Die Abiturnote wird überschätzt

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Ein Medizinstudium ist in Deutschland nur etwas für Einserabiturienten. Wegen deren wundersamer Vermehrung gilt das mehr denn je. Neue Zulassungskriterien müssten her, doch die Politik lässt sich mit einer großspurig angekündigten Reform viel Zeit.

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Eine Studentin der Human- und Zahnmedizin schaut bei einem Kurs am Institut für Anatomie der Universität in Leipzig durch das Mikroskop, aufgenommen am 13.01.2009. Die Leipziger Universität, die in diesem Jahr ihr 600-jähriges Bestehen feiert, ist in Deutschland nach Heidelberg die zweitälteste Hochschule, an der ohne Unterbrechung gelehrt und geforscht wurde. Foto: Waltraud Grubitzsch +++(c) dpa - Report+++ | Verwendung weltweitDie Auswahlverfahren für Medizinstudenten in Deutschland sind höchst uneinheitlich.

Die Versprechen waren vollmundig: Der „Masterplan Medizinstudium 2020“ sollte die medizinische Ausbildung an den Hochschulen von Grund auf reformieren. Dazu gehörte neben einem Rundum-Eingriff in den Lehrplan und der Einführung der viel gescholtenen Landarztquote, auch „für eine zielgerichtetere Auswahl der Studienplatzbewerber“ zu sorgen, sprich, bei der Zulassung nicht mehr ganz so stark auf die Abiturnote zu schauen. So war es im Koalitionsvertrag von 2013 („Deutschlands Zukunft gestalten“) beschlossen worden. Mittlerweile ist der aber schon auf halbem Weg von der Vitrine ins Archiv, derweil sich niemand mehr so recht um sein Geschwätz von gestern kümmert. Wenn die Gesundheits- und Wissenschaftsminister auf ihrem Treffen Ende Januar keine Einigung erzielen – und darauf läuft, wie verschiedene Quellen gegenüber FAZ.NET einstimmig bestätigen, alles hinaus – ist der „Masterplan“ auf unbestimmte Zeit klinisch tot. Und dürfte erst irgendwann nach der nächsten Bundestagswahl wiederbelebt werden.

Mit der verpflichtenden Einführung „mindestens zwei weiterer Auswahlkriterien neben dem Numerus Clausus im Auswahlverfahren der Hochschulen“, wie es der bislang noch unveröffentlichte Gesetzesentwurf vorsieht (der FAZ.NET in Auszügen vorliegt), würde allerdings auch nur obligatorisch, was inzwischen ohnehin an fast allen der 35 medizinischen Fakultäten im Land Standard geworden ist. Heute schon geht, wer keinen Studienplatz über die Abiturbestenquote erhält und noch nicht über ein Dutzend Wartesemester angesammelt hat, ins sogenannte hochschuleigene Auswahlverfahren, in dem mit sechzig Prozent die Mehrheit der Plätze vergeben werden. Hier zählt dann nicht mehr nur die Abiturnote. Sondern je nach Hochschule zum Beispiel ein besonders gutes Abschneiden im Medizinertest oder eine vorangegangene Berufsausbildung. Hamburg oder Duisburg-Essen laden zudem zum Auswahlgespräch, Freiburg belohnt Wehrdienstleistende, und in Münster darf man zum Rollenspiel antreten. Da wird dann schon mal eine Arzt-Patienten-Szene simuliert und von einer Jury bewertet, wie es um Auffassungsgabe und Einfühlvermögen der Bewerber bestellt ist.

Kurzum: Die Universitäten haben mit dem Kochen eigener Zulassungssüppchen längst ihre Antworten auf die Flut an Überfliegern gefunden. Aus wessen Noten kann man schließlich noch verlässlich auf besondere Begabung schließen, wenn sich, wie in Berlin, die Abiturzeugnisse mit einer Durchschnittsnote von 1,0 innerhalb von zehn Jahren vervierzehnfacht haben?

Den Universitäten sind die Hände gebunden

Doch so sehr man die durch Reformwirrwarr und Experimentierlaune in der Schulpolitik verursachte Kastration des Abiturs beklagen muss, lässt sich vielleicht auch ein Hoffnungsschimmer in der Entwicklung ausmachen: Endlich scheint bei den Universitäten die Erkenntnis gereift zu sein, dass gute Noten eben nur bedingt einen guten Arzt machen. Und dass es sich zum Wohle der Patienten lohnt, zu Studienbeginn auch mal einen Blick auf die Persönlichkeit und die Sozialkompetenz der angehenden Mediziner zu werfen – eine Forderung, die neben der „Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland“ auch Günther Matheis, Präsident der Landesärtzekammer Rheinland-Pfalz, gegenüber FAZ.NET erhebt. Das wiederum sieht der „Masterplan“, so wie er zuletzt ausgehandelt wurde, für alle Hochschulen verbindlich vor. So sollen etwa ein Ehrenamt bei den Johannitern oder ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Klinik belohnt werden.

ILLUSTRATION - In einer nachgestellten Szene zeigen die Mitarbeiterinnen Anna-Lena Thies (l-r) und Janina Sensmeier sowie BWL Student Benedict Välker und Jura Student und Schauspieler Klaus Palenberg (r) am 04.07.2013 in Münster (Nordrhein-Westfalen) im Studienhospital des Universitätsklinikum wie eine der Aufgaben im Eignungstest für angehende Medizinstudenten aussieht. Die Studenten müssen einen Mann mit zwei gebrochenen Armen füttern und dabei auf viele Kleinigkeiten achten, beobachtet werden sie von zwei Prüfern. Foto: Caroline Seidel/dpa (zu dpa-Korr:" Traum vom Medizinstudium: Spitzenabitur oder Eignungstest" vom 05.07.2013) | Verwendung weltweitStudenten führen vor, worauf es beim Eignungstest für angehende Medizinstudenten an der Universität Münster ankommt.

Sollte die Reform in der Schublade verschwinden, blieben die Universitäten an den NC als Hauptzulassungskriterium gekettet und könnten ihren Spielraum beim hochschuleigenen Auswahlverfahren nicht weiter ausdehnen. Denn in der gegenwärtigen Zulassungsordnung, heißt es bei der Stiftung für Hochschulzulassung, der ehemaligen Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen, müsse die Note „einen maßgeblichen Einfluss behalten“. Da andere Kriterien nur einen ergänzenden Charakter haben, werden sie in Form von Boni auf den Abiturschnitt angerechnet – und dies sehr uneinheitlich. So wird für einen ausgebildeten Altenpfleger oder Notfallsanitär in Saarbrücken aus einer 2,1 eine 1,9; Oldenburg verspricht sogar einen ganzen halben Notensprung (0,5), doch andernorts, wie in Regensburg, Erlangen-Nürnberg oder Halle-Wittenberg, winken für Logopäden oder Physiotherapeuten gerade einmal 0,1-Notenstufen an Bonus. Ähnlich sieht es aus, wenn man den Medizinertest mit Erfolg abgelegt hat: Abiturienten mit einer 1,5 haben dann in Göttingen durch einen 0,5-Sprung gute Karten für einen Studienplatz; Lübeck ist noch großzügiger und vergibt zusammen mit einer Ausbildung sogar eine Gutschrift von bis zu 0,8-Notenstufen.

Das war es dann aber auch schon mit den Zusatzkriterien, mehr steht den Universitäten nicht zu – selbst wenn sie wollten. Und wollen sie nicht (Bonn) oder nur eingeschränkt (Köln), kann sie auch niemand dazu zwingen. In der Konsequenz darf sich ein Bewerber mit einem Schnitt von 1,5 mancherorts Chancen auf ein Medizinstudium ausrechnen, an anderen Universitäten hingegen nicht. Bewerber mit einem Schnitt von 2,5 dürfen sich in Deutschland erst gar keine Hoffnungen auf einen Studienplatz machen. Stattdessen können sie sich, wenn sie den Gang ins Ausland oder an private Hochschulen scheuen, sogar trotz Ehrenamt, Ausbildung und Freiwilligen Sozialen Jahr auf eine Wartezeit einstellen, die mit 14 Semestern mittlerweile länger dauert als das Studium selbst. Ist das sinnvoll und fair?

Wohl kaum, wenn es anstelle eines kolossalen „Masterplans“ eigentlich nur wenig Phantasie bedürfte, um das Zulassungsverfahren an den entscheidenden Stellen zu verbessern. Etwa, indem man die Abiturbestenquote streicht und stattdessen achtzig Prozent der Plätze im hochschuleigenen Auswahlverfahren vergibt, wie auch Rudolf Henke, Vorsitzender des Marburger Bundes, im Gespräch mit FAZ.NET anregt. Oder durch eine einheitliche Pflicht zum schon einmal totgesagten und wiederauferstandenen Medizinertest – heute als vielleicht unvermeidbare Reaktion auf die schwindende Verlässlichkeit dafür, ob die nach zwölf bis dreizehn Jahren erworbene Hochschulzugangsberechtigung noch zu mehr berechtigt als zum Erwerb von Lachshäppchen auf der Abiturfeier.

Der Tutor Leopold (l-r) und die Medizinstudenten Anja-Kathrin, Lucas, Tutorin Johanne und Marie führen am 09.01.2016 in der Charité in Berlin bei der Übung «Simulierte Rettungsstelle» eine Notfallbehandlung an einem Dummy durch. In Fünfergruppen üben die Studenten für den Ernstfall in der Notaufnahme. Foto: Britta Pedersen/dpa (zu dpa «Simulationsmedizin: Den Ernstfall durchspielen» vom 11.01.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweitVorwissen schadet nicht: Simulationsmedizin in der Notaufnahme der Charité in Berlin

Vor allem aber sollte endlich einmal eine erfolgreiche berufliche Ausbildung einheitlich jene Wertschätzung erfahren, die sie verdient und die auch der „Masterplan“ ihr nicht ausreichend verleiht. Denn ist nicht gerade sie mehr denn je ein verlässliches Indiz dafür, dass es wirklich ernst meint, wer an seine drei Jahre Praxiserfahrung noch ein zwölfsemestriges Hochschulstudium dranhängen möchte? Sollten die Universitäten qualifizierten Ausgebildeten deshalb nicht mehr Chancen in Aussicht stellen als halbgare NC-Boni? An der Finanzierung dürfte zumindest das nicht scheitern.

Gerade im Wahljahr wären Verbesserungen beim Auswahlverfahren der Medizinstudenten ein gutes Signal – zumindest, wenn man junge Menschen davon überzeugen möchte, dass in der Bildungspolitik durchaus noch gestaltet und verändert und nicht nur verwaltet und sich verhoben werden kann, wie das Gezerre um den „Masterplan“ wieder einmal gezeigt hat.


23 Lesermeinungen

  1. NC für ein verschultes Studium und einen frustranen Beruf
    Nach 17 Jahren im Beruf als Arzt brauche ich meinen Kindern den Druck eines NC im Hinblick auf Medizinstudium nicht zu machen. Als Kinder von “ Aerzteeltern“ ist für sie das Medizinstudium und der Arztberuf mehr “ Albtraum“ als ein erstrebenswertes Berufsziel – welchen background haben die Aspiranten für die heissbegehrten Studienplätze ?

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      Ich bin seit über 20 Jahren mit Leib und Seele Hausarzt: Der schönste Beruf nach’m Papst (frei nach Müntefering)!!! Bin in diesen Jahren allenfalls bei einzelnen Patienten kurz frustriert gewesen, spätestens mit dem nächsten Patienten war die Frustration jedoch wieder weggeblasen. Störend ist nur die zunehmend hohe Arbeitsbelastung: Leider wollen gerade diesen schönsten Arztberuf (Hausärzte sind in Umfragen die Arztgruppe mit der höchsten Arbeitszufriedenheit) nämlich nur wenige junge Kollegen ergreifen! Vielleicht würde sich das bei anderen Auswahlkriterien ändern?!

  2. Abiturnoten
    Zitat „Endlich scheint bei den Universitäten die Erkenntnis gereift zu sein, dass gute Noten eben nur bedingt einen guten Arzt machen.“

    – kein Wunder, wenn in Berlin die Quote der 1,0 Abiturienten sich innerhalb vervierzehnfacht hat dank rot-gruener Politik. Die Universitaeten koennen da einem nur leid tun und muessen sich eben teils schwachsinnige Rollenspiele ausdenken, um die 1,0er Schueler auseinander zu halten.

    Ich bin 2009 ins Medizinstudium mit 1,4 ohne grosse Buerokratie reingekommen. Heute waere das wohl utopisch.

    Mein Vorschlag waere ein standardisierter Test fuer alle Universitaeten, der in der 12. Klasse genommen werden kann und mehr auf Medizin fokussiert ist – der aktuelle TMS ist es nicht.

  3. Ausbildungen nicht nur als Sprungbrett nutzen
    Ich stimme der vertretenen Meinung im Text absolut zu, die Zulassung zu einem Medizinstudium muss verbessert werden und nicht nur auf der Abiturnote beruhen. Als Medizinstudenten sehe ich viele Vorteile in einem Auswahlverfahren, dass einen Medizinertest, Simulationen oder Auswahlgespräche beinhaltet. Einen generellen Freifahrtsschein für Bewerber mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung sehe ich allerdings kritisch. In Deutschland herrscht schon jetzt ein ausgeprägter Pflegenotstand, der sich sicherlich verschärft, wenn die Ausbildungsplätze nur von Personen angenommen werden, die darüber den Medizinstudienplatz bekommen möchten. Wir brauchen motivierte, gut bezahlte Pflegekräfte und nicht nur Leute die nach 3 Jahren den Pflegeberuf an den Nagel hängen, um ein Studium zu beginnen und anderen Bewerben damit Ausbildungsplätze wegnehmen. Ich sehe es absolut ein, dass sich eine medizinische Berufsausbildung in einem Bewerbungsverfahren positiv auswirken sollte, dennoch sollte man darauf achten, dass die Ausbildungen nicht nur als Sprungbrett zum Medizinstudium genutzt werden.

  4. Die berufliche Ausbildung als Zulassungskriterium
    sollte wertgeschätzt, aber auch nicht überschätzt werden. Ja, sie ist ein Indiz für die Motivation zum Medizinstudium, aber eignet sich nicht notwendig als Prognosekriterium für ein erfolgreiches Medizinstudium, zumindest wäre das zu überprüfen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass immer wieder Studenten und Studentinnen das Medizinstudium spätestens bei größeren Herausforderungen abgebrochen haben und in den ursprünglichen Beruf zurückgekehrt sind. Würde sich zeigen, dass dies tatsächlich häufiger geschieht, wäre die Aufwertung dieses Kriteriums angesichts der knappen Plätze doch bedenklich.

  5. Warum muss es eigentlich immenr noch einen NC geben
    Mehr als 40 Jahre lang gibt es den Numerus Clausus und noch länger gibt es einen Ärztemangel, zumindest auf dem Land:
    Warum kann man in 40 Jahren nichts dagegen tun? Wer verhindert die Schaffung neuer Medizinstudienplätze?
    Ich sehe ein, dass man nicht in ei oder zwei Jahren die Studienplatzzahl verdoppeln kann, aber warum geht es nicht innerhalb von drei Generationen an neu ausgebildeten Absolventen, akademischem Mittelbau und Professoren?
    Hätte man genug Studienplätze, würde sich vielleicht die Privilegierung der ‚Doktoren‘ vermindern und damit der Zug hin zum Studium über den Markt regulieren.
    Sind es vielleicht die Ärzteverbände, die auf Standesrecht (bis hin zur erlaubten ‚Bestechung‘, pardon Geldzuwendung von Pharmaunternehmen) bestehen, und auch sonst ihre Pfründe schützen wollen?
    Eine gründliches Aufräumen an den midizinischen Fakultäten könnte außerdem das Niveau wieder so anheben, dass ein in Deutschland erworbener Medizin-Doktorgrad wieder außerhalb Deutschlands anerkannt wird.

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      Sorry, aber die Fragen sind einfach zu beantworten:
      ad 1) Ein Studium der Humanmedizin kostet ca. 100.000- 150.000€, finanziert durch den Steuerzahler. Eine (noch weitere) Erhöhung der Studienplatzzahl ist also erstmal nicht wirklich günstig
      ad 2) Der „Ärztemangel“ ist bestenfalls relativ. Tatsächlich gibt es heute mehr als doppelt so viele Mediziner wie vor 40 Jahren. Die aber arbeiten nicht mehr 70-100 Stunden in der Woche, sondern eher so 50-60. Grund 1: Arbeitszeitbegrenzungen gibt es seit etwa 10- 15 Jahren auch in der Medizin (einige zumindest). Grund 2: der Wunsch vieler Ärzte nach Teilzeit oder halbwegs Work- Life- Balance- akzeptablen Arbeitsbedingungen.
      Grund 3: Geographische Fehlallokationen. Oft bedingt durch Grund 2.
      Vor etwa 10 Jahren gab es noch eine Ärzteschwemme, heute gibt es Antrittsprämien und Headhunter…
      So flexibel und vorausplanend ist weder die deutsche Bürokratie noch können alle vorstehenden Entwicklungen vorausgesehen werden. Da brauchts auch keine blockierenden Standesgesellschaften mit entsprechendem Dünkel.
      Die freuen sich eher über neue zahlende Mitglieder…
      ad 3) Die Anerkennung deutscher Abschlüsse ist international durchaus gut- jedenfalls erheblich einfacher als bei Abschlüssen aus vielen anderen Ländern, wie etwa z.B. den USA, die man ja eher auch nicht zu den völligen medizinischen Entwicklungsländern zählen kann….

  6. Abitur sollte eine Befähigungsprüfung sein?
    Wie sehr dies in dem Kultuschaosländerstreit überhaupt möglich sein soll, weiß auch ich nicht. Jegliche Ausgleichsbestrebungen (Boni-Mali) waren und bleiben meiner Meinung nach unsinnig. Die Opfer in der Misere sind die Studierwilligen und Fähigen.
    Was die einzelnen Länder Ihren Abiturabgängen fachlich mitgeben wollen, wissen diese oft selbst nicht.
    Die einzige Lösung, die bleibt: 1. Definition von Zielen, die ein Hochschulstudent zum Erreichen der Studienvoraussetzung für eine bestimmtes Studienfach benötigt. 2. Mindestens ein Vorbereitungsjahr in Richtung dieses Studienwunsches im Abiturjahr oder nach dem Abitur. Selbstverständlich mit entsprechender Abschlussprüfung.
    Die Vorgaben sollten die jeweiligen Fakultäten der Hochschulen festsetzen.!

  7. NC ist nicht so schlecht
    Eine Studie der Uni Heidelberg vor einigen Jahren hatte ergeben, dass der Abi-Durchschnitt sehr gut mit der Wahrscheinlichkeit, ein Medizinstudium erfolgreich abzuschließen, korreliert. Bleibt allerdings das o.g. Problem, dass die Abi-Note sehr stark davon abhängt, wo man sein Abi abgelegt hat.
    Eine noch bessere Korrelation als die Abi-Note lieferte übrigens der TMS (Medizinertest) – was tatsächlich dafür spricht, diesen wieder verpflichtend einzuführen. Ein weiterer Vorteil: beim TMS schneiden männliche Bewerber etwas besser ab als weibliche – ganz im Gegensatz zur Abiturnote. Die Gleichberechtigung der Geschlechter wäre somit wieder gegeben.
    Die Anzahl der Wartesemester korreliert übrigens negativ mit dem Studienerfolg, was irgendwie auch logisch erscheint. Insofern wäre zu überlegen, die Wartezeit-Quote (derzeit 20%) zu senken bzw. ganz zu streichen.
    Soziale Kompetenz ist natürlich im Arztberuf sehr wichtig, reicht aber definitiv nicht aus, um das Studium erfolgreich zu absolvieren. Was nützt ein sozial überragender Bewerber, der am Physikum scheitert? Andererseits gibt es auch eine Menge Arbeitsplätze für fachlich überragende, aber sozial wenig kompetente Mediziner (z.B. Forschung, Labor, Pathologie, aber auch Chirurgie).
    Als Ärztin mit 23-jähriger Berufserfahrung und Mutter einer Medizinstudentin (Abi-Note 1,8 und 94. Perzentile im TMS) würde ich folgende Entscheidungskriterien berücksichtigen: Abi-Note mit Schwerpunkt auf naturwissenschaftlichen Fächern, TMS (als Pflicht) und Berufsausbildung bzw. vorherige Tätigkeit in medizinischen Berufen.

  8. Auswendiglernen und NC plus Standard
    … passen nur bedingt zusammen. Die Medizin tendiert im ärztlichen Bereich aktuell weg vom Individualkönner (oder -Versager) hin zu standardisierten evidenzbasierten Verfahren mit entsprechenden Leitlinien. Finanziert wird Vieles von interessierten Firmen. Diese steuern auch die Leitlinien der WHO. Somit reduziert sich die Tätigkeit des Breitenversorgers auf das Erfüllen von Leitlinien. Was aber, wenn die Lösung des Problems im Leitliniensystem nicht angeboten wird? Dann ist Kreativität (statt Auswendiglernen) gefragt. Wenn niemand mehr den üblichen Denkrahmen verlassen kann, ist ein vergebliches Herumreichen eines Patienten die Folge (die anderen denken ja genauso!) Genau diese Kreativität wird den Schülern mehr und mehr aberzogen, als sei nur das reproduzierbare Wissen „Intelligenz“. Genau das ist es gerade nicht, das Auswendiglernen von Telefonbüchern würde ebenfalls ein fragwürdiges Licht auf den werfen, der dieses tut. Stattdessen: Kunst fördern ( !) , Musiker z.B. vernetzen neuronal ganz anders und sind zum mentalen Multitasking in der Lage, einfach durch die vielseitigen motorischen Anforderungen. Dann Ethikunterricht, Philosophie , guter Handwerkunterricht etc. . Und eine vorherige mindestens einjährige Ausbildung als Sanitäter oder Altenpfleger, um Bodenständigkeit zu schaffen. Das wäre die Lösung. Somit erreichte man gutes kognitives Wissen, Bodenständigkeit plus die Neugier bei der Suche nach einer Lösung des Problems = Kreativität. Es gibt keinen Nachweis, dass das bisher vorliegende Wissensangebot umfassend ist. Somit sind medizinische „Wissenschaften“ als Ideologie geistig limitierend. Wir brauchen das Gegenteil. Die Bereitschaft zu einer vorherigen Ausbildung weist auf echte Motivation auf den späteren Beruf hin. So wie’s jetzt läuft, verpflichtet der gute Notendurchschnitt geradezu zur beruflichen Fehlentscheidung und damit zur Verfehlung des eigenen tatsächlichen Talents.

  9. Länderausgleich
    Früher gab es für die Abitursnoten den „Länderausgleich“. Wenn der Bundesdurchschnitt zum Beispiel 2.0 war, Hamburg hatte 1.0 und Bayern 3.0, dann wurden alle bayerischen Abitursnoten um eine Note angehoben, alle Hamburger Noten wurden um eine abgesenkt. So stellt sich der, der mit guten Noten nur so um sich wirft, selbst ein Bein. Das scheint es heute nicht mehr zu geben. Sonst würden nicht alle so heftig über die „Einserinflation“ klagen.

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      Das gibt es noch, jedes Land hat eine eigene Quote, zumindest innerhalb der Abiturbestenquote

  10. Leichen leben länger...
    Der NC per Abiturnote war doch im föderalen Bildungssystem der Bundesrepublik von vorneherein eine Totgeburt, nur will das keiner wahrhaben.
    Selbst zu Zeiten, wo die „Allgemeine Hochschulreife“ tatsächlich generell einen umfassenden Fächerkanon umfaßte, konnte doch niemand ernsthaft behaupten, die Abschlußnoten seien unmittelbar vergleichbar. Gegen entsprechende Analysen der Länderunterschiede wehrten sich die Kultusminister bis in die PISA-Zeiten erfolgreich, aber auch sonst wußte doch jeder: ‚wenn Du mit Deiner Leistung im Gymnasium X einen Durchschnitt von 2,0 hast, bekommst Du damit am Gymnasium Y im nächsten Stadtteil eine 1,2‘.
    So, wie die Situation nun heute aussieht, sollte eigentlich klar sein, daß der Hochschulzugang generell besser durch eine Eingangsprüfung geregelt werden sollte (wie in den meisten anderen Ländern). Um das hier zu ändern, wäre aber noch wesentlich mehr Aufwand erforderlich als nur ein „Masterplan“ – und schon der wurde ausgerechnet von denen versprochen, die seit Jahrzehnten für die Ursachen des Chaos verantwortlich sind. Vor allem müßte man sich von der Heiligen Kuh der automatischen Hochschulzugangsberechtigung per Abitur verabschieden, das aber würde die erschwindelten „Erfolge“ der Kultusministerien doch zu offensichtlich in Frage stellen.
    So bleibt tatsächlich nur, auf Einsicht und Engagement der Hochschulen zu hoffen: die Möglichkeiten zu eigener Gestaltung so weit wie möglich auszunutzen, auch wenn das zusätzlichen Aufwand bedeutet, und darauf zu drängen, daß sie ausgeweitet werden.
    Es besteht dabei natürlich die Gefahr, daß zur Begrenzung der eigenen Anstrengungen Pseudo-Kriterien eingeführt werden, wie etwa eine bestimmte Punktzahl im TOEFL-Test, der extern absolviert (und extra bezahlt) werden muß. Darauf zu warten, bis die Politik eine vernünftige Lösung bereitstellt, wird aber wohl weit ins Pensionsalter der heute davon Betroffenen reichen.

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