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Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Pendel-Studenten: Hotel Mama ist keine Lösung

| 18 Lesermeinungen

In vielen deutschen Unistädten steigen die Mietpreise. Viele Studenten entscheiden sich daher fürs Pendeln – eine Entscheidung mit Nebenwirkungen, denn das Leben als „Pendel-Student“ ist keine Freude.

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Frankfurt bietet als Stadt eigentlich alles, was sich der Student von heute wünschen kann: Dank ihrer Lage ist die Mainmetropole hervorragend an den Rest des Landes angebunden (ideal für den Ausflug nach Hause über das Wochenende), der öffentliche Nahverkehr ist gut ausgebaut, die Wege sind kurz. Eine lebhafte und diverse Kulturszene, unzählige Möglichkeiten für Praktika und Nebenjobs und mehrere Hochschulen, an denen von Architektur bis Zoologie fast alles studiert werden kann, lassen eigentlich keinen Wunsch offen. Eigentlich. Denn es gibt einen Haken an der Sache: die hohen Mietpreise.

Ähnlich wie in München oder Hamburg zahlt, wer in Frankfurt studieren möchte, einen hohen Preis. Ein WG-Zimmer ist im Durchschnitt erst ab 430 Euro im Monat zu haben, eine stattliche Summe im Vergleich zu anderen Städten wie Dortmund, Marburg oder Leipzig, wo es Vergleichbares bereits für 100 Euro weniger gibt. In einem der Studierendenwohnheime unterzukommen ist schwierig, die Wartelisten sind aufgrund des hohen Andrangs lang.

Doch Frankfurt ist nur ein Beispiel, in vielen deutschen Städten sieht die Lage ähnlich aus. Laut einer neuen Studie des Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ist Wohnen in vielen deutschen Universitätsstädten in den letzten sieben Jahren deutlich teurer geworden, bei gleichzeitig sinkendem Angebot an typischen Studentenwohnungen. Nicht wenige Studierende bleiben deshalb gleich ganz zu Hause und pendeln zur Universität, weil sie sich eine Wohnung oder ein Zimmer in der Stadt nicht leisten können – oder wollen. Wie viele es deutschlandweit sind, dazu gibt es keine genauen Zahlen.

„Ich verliere Zeit!“

Marie Roth* ist eine von ihnen. Sie studiert im ersten Semester Kommunikationsdesign an der Hochschule Darmstadt und pendelt täglich eineinhalb Stunden mit der Bahn von ihrem Heimatort im Umland Frankfurts an die Uni – einfache Strecke wohlgemerkt. Ab und an nimmt sie auch das Auto, was die Fahrtzeit auf rund 40 Minuten verkürzt, jedoch für sie bedeutet, dass sie einen Parkplatz in der Darmstädter Innenstadt finden muss. Dass Marie pendelt, sagt sie, läge vor allem an ihrer finanziellen Lage: „Ohne BAföG ist es für mich schwierig, eine Wohnung, beziehungsweise ein Zimmer in Darmstadt zu bezahlen. Gleichzeitig lässt es mein Studium zeitlich nicht zu, nebenher genug zu verdienen, um mir Wohnen in Darmstadt zu finanzieren.“

Einfacher wird das Studium durch die Pendelei für sie nicht. „Da ich Freunde in Darmstadt habe, kann ich ab und zu nach Veranstaltungen dort übernachten. Wäre das nicht der Fall, könnte ich vor allem an Univeranstaltungen, die bis spät in den Abend gehen, wegen der schlechten Bahnverbindungen nicht teilnehmen.“ Gleichzeitig, berichtet sie, benachteilige sie das Pendeln gegenüber anderen Studenten: „Ich verliere Zeit, in der ich effektiv zu Hause arbeiten könnte, weil ich entweder auf die Bahn warten muss, oder in der Bahn sitze und nicht alle Arbeitsmaterialien dabei habe, was bei einem künstlerischen Studiengang zum Problem werden kann.“ Wenn sie könnte, so Marie, würde sie sofort nach Darmstadt ziehen.

© Henner RosenkranzDer Letzte in der Unibibliothek Darmstadt – diese zweifelhafte Freude wird Pendel-Studenten nicht zuteil

Während Auswirkungen auf das Studium das eine sind, kann das Pendeln auch für das Sozialleben der betroffenen Studierenden Folgen haben: Unisport, zusätzliche Veranstaltungen, Studenteninitiativen, alles muss abgewogen werden: Lohnt sich der Zeitaufwand, wenn man später noch nach Hause pendeln muss? Macht es Sinn, sich an der Uni zu engagieren, wenn man für ein Treffen, zum Beispiel am Wochenende, noch einmal extra in die Stadt fahren muss?

Wer nicht vor Ort wohnt, kann auch nicht einfach mal so nach der Vorlesung noch schnell auf ein Bier in die Szenekneipe mitkommen oder spontan abends mit feiern gehen, denn im Hintergrund tickt immer die Uhr. Wer die letzte Bahn oder den letzten Bus verpasst, hat ein Problem, denn nicht immer gibt es Freunde, die einen dann auf der Couch übernachten lassen, oder Eltern, die zur Not mit dem Auto abholen kommen.

Freunde? Welche Freunde?

Besonders kompliziert wird es für pendelnde Erstsemester. Die ersten Wochen des Studiums sind oft entscheidend für die restliche Studienzeit. Alles steht auf Anfang, eine neue Stadt, ein neuer Lebensabschnitt, niemand kennt sich – der ideale Nährboden, um sich ein neues soziales Netzwerk aufzubauen. Während man zwischen Orientierungsveranstaltungen, den ersten Seminaren und Semesterstartpartys hin und her tingelt, entstehen neue Freundschaften, oft bilden sich auch die ersten Cliquen. Für Studenten, die in Uninähe eine Bleibe haben, ist all das logistisch keine Herausforderung. Für Pendler hingegen sieht die Sache anders aus.

„Freunde hatte ich in den ersten beiden Jahren an der Uni eigentlich nicht“, erzählt Marco Wesseldorf*. Er hat in Frankfurt Wirtschaftswissenschaft studiert und pendelte die ersten zwei Jahre seines Studiums regelmäßig ins Frankfurter Westend, bis er in der Nähe des Campus schließlich ein Zimmer in einem Studentenwohnheim ergattern konnte. Doch Geldmangel sei eigentlich nicht der Grund gewesen, warum er zum Studiumspendler wurde.

„Meine Eltern waren schon bei der Wahl der Uni dafür, dass ich nach Frankfurt gehe, eben weil es so nah war und ich dann von Zuhause aus pendeln könnte.“ In den Augen seiner Eltern sei das einfach die praktischere Lösung gewesen. Die Notwendigkeit nach Frankfurt zu ziehen, hätten sie lange nicht gesehen. „Wozu in die Ferne schweifen? Pendeln ist doch kein Problem“, habe sein Vater oft gesagt.

Für Marco war es das aber doch. „Ich habe in den ersten Wochen niemanden richtig kennengelernt, weil ich jeden Abend wieder aus der Stadt rausfahren musste. Wenn die anderen feiern gegangen sind, musste ich den letzten Zug erwischen.“ Nach wenigen Wochen, so Marco, habe sich das zu Beginn noch instabile soziale Gefüge so verfestigt, dass es für ihn fast unmöglich wurde, noch irgendwo „anzudocken“. Die ersten beiden Jahre sei er sehr einsam gewesen. „Durch das Pendeln wird alles kompliziert. Spontan Freunde treffen? Vergiss es. Schnell mal in die Bibliothek zum Studieren? Kein Problem, wenn du ‘ne Stunde Anfahrt in Kauf nimmst.“ Die Verspätungen der Bahn hätten ihr Übriges beigetragen, so der 24-Jährige, der mittlerweile in den Niederlanden seinen Master macht.

Nesthocker? Weit gefehlt!

Besonders genervt ist Marco von Begriffen wie „Nesthocker“ oder „Hotel Mama“, die gerne in diesem Zusammenhang benutzt werden – Zuschreibungen, die ignorieren, dass ein „Pendlerstudium“ nicht unbedingt freiwillig geschieht und viele die Probleme ausklammern. „Wenn man Zeitungsartikel über Studenten, die pendeln, liest, wird das immer wieder geschrieben, ganz so, als ob wir alle zu faul oder zu feige wären, auszuziehen.“ Er kenne jedoch einige, denen es genauso wie ihm ergangen sei und keiner hätte den besonderen Wunsch verspürt, länger als nötig bei den eigenen Eltern zu wohnen. „Es ist nicht so, dass ich meine Eltern nicht mag, aber irgendwann wollte ich auch mal erwachsen werden.“

© Michael BraunschädelDer soziale Aspekt kommt bei durchgetakteten Pendel-Studenten zu kurz

Ähnlich wie Marie berichtet auch Marco davon, dass das Pendeln sich negativ auf die eigene Leistung auswirken könne. Abgesehen von der Teilnahme an Veranstaltungen und der verlorenen Zeit, erschwere der Mangel an sozialen Kontakten das Studium auch auf andere Ebene. „Durch das Pendeln habe ich kaum Leute kennengelernt. Während alle anderen Lerngruppen hatten oder Freunde, die sie fragen konnten, wenn sie etwas nicht verstanden haben, war ich immer auf mich allein gestellt. Toll war das nicht.“ Erst als er im letzten Studienjahr dann doch noch nach Frankfurt ziehen konnte – nach langen Diskussionen mit seinen Eltern – habe sich die Lage gebessert, „obwohl es da eigentlich auch schon egal war. Ich musste es ja vorher auch alleine schaffen.“

Wenn er auf seine Studienzeit in Frankfurt zurückblicke, sei da immer dieser bittere Beigeschmack. „Ein Studentenleben, wie viele es sich vorstellen, hatte ich eigentlich nicht. Mein Noten waren immer gut, aber sozial bin ich auf der Strecke geblieben.“ Um dieses Erlebnis nicht zu wiederholen, habe er sich auch für einen Master im Ausland entschieden, an einer kleineren Universität, in einer kleineren Stadt. Jetzt lebe er in einer WG, keine zehn Minuten von der Universität entfernt. „Mein Sozialleben ist viel lebendiger als vorher, manchmal fast schon zu lebendig. Aber ich habe auch viel nachzuholen.“

*Die Namen wurden geändert


18 Lesermeinungen

  1. Dominik sagt:

    Umzug war die beste Entscheidung
    Die ersten 3 Wochen meines Studium bin ich ebenfalls gependelt, von Düsseldorf nach Dortmund. Ich konnte mich entscheiden: 10 min zu spät im Hörsaal sein oder 30 min zu früh. Also habe ich täglich das Haus um kurz vor 6 verlassen um pünktlich um 8 im Hörsaal zu sein. Insgesamt 4 Stunden Zug- und Busfahrten pro Tag hätte ich keine 5 Jahre durchgehalten. Die Nachmittage in diesen Wochen haben wir glücklicherweise genutzt um die Wohnung zu renovieren, die unsere WG werden sollte – das war gut investierte Zeit, so verringerte sich der Weg zur Uni auf 20 min! Wäre ich zuhause wohnen geblieben, hätten mir meine Eltern zwar ein Auto finanziert – dabei wäre jedoch etwas auf der Strecke geblieben: Erwachsen werden! Darunter verstehe ich: in der neuen Stadt flexibel und spotan Leute treffen, Übernachtungsgäste ohne Fragen von den Eltern, einen Haushalt organisieren, sich um Miet-, Strom-, Gas-Verträge kümmern, kochen (vor allem mit Freunden, gerne auch zu Uhrzeiten, bei denen die Eltern den Kopf schütteln)!
    Diesen Freiheitsdrang verspüren nach meinen Beobachtungen immer weniger “Erstis” – man lässt sich weiterhin von Mama bekochen und Papa bezahlt sogar den Handyvertrag.

  2. Pendlerherz sagt:

    80km+ zur Uni, 50km zur Arbeit
    Kenne ich nur zu gut. Bin mittlerweile fast mit meinem Studium fertig – es fehlt nur noch die BA – und habe währendessen etliche Stunden im Zug verbracht. 3 Stunden pro Tag um genau zu sein. Mein Glück war, meist nur 2-3 Tage die Woche Uni zu haben. Einzig ärgerlich war, für eine 90 minütige Veranstaltung besagte 3h zu fahren, da keiner der Kommilitonen, die nur 5 Minuten Fußweg zur Uni hatten, gewillt war, das Seminar mit mir zu tauschen.

    Als ich darüberhinaus noch einen Werkstudentenjob aufgenommen habe (schließlich muss man ja auch Praxiserfahrung vorweisen), für den ich ebenfalls 1,5h pendeln musste, hat sich mein Leben endgültig im Zug abgespielt.

    Aber selbst mit den 3 Semestertickets die ich dafür benötigt habe (die mich pro Semester wohlgemerkt fast 700 Euro gekostet haben) kam ich immernoch günstiger weg, als eine Wohnung zu mieten. Mal abgesehen davon, dass der soziale Anschluss wie beschrieben bei mir eh gelaufen war, sodass ich ohnehin nur einsam in einem Zimmer gesessen wäre.

    Aber ich habe die Zeit im Zug genutzt um vieles zu erledigen, hatte Zuhause also meine Ruhe. Und das Gefühl, großartig etwas verpasst zu haben, habe ich auch nicht. Mal sehen was der kommende Master in der winzigen Studentenstadt bringt.

  3. Max sagt:

    Kann ich so bestätigen
    Ich studiere selber nun Physik im 1. Semester und pendel jeden Tag 2 Stunden. Und ich muss sagen, es ist echt nicht angenehm, sich im Winter auf die Bahn verlassen zu müssen. Gerade gestern habe ich wegen einer Weichenstörung 2 Stunden für den Hinweg gebraucht. So bleibt neben dem Studium wirklich keinerlei Zeit für Freunde.

  4. WiMey sagt:

    Selbst 20 km waren mir zu viel
    Ich kann das nachvollziehen. Ich hätte nur 20 km fahren müssen und hatte sogar schon ein eigenes Auto. Trotzdem bin ich in die Stadt gezogen. Wovon ich allerings nur abraten kann, sind WGs. Ich hatte erst eine vernünftige Lernumgebung als ich mir eine eigene kleine Wohnung gesucht hatte. Okay, hat alles viel gekostet, war aber definitiv die schönste Zeit und ich bin meinen Eltern ewig dankbar dafür.

    Heute würde ich allerdings gar nicht mehr studieren, sondern mich direkt nach der Lehre selbstständig machen. Nach meiner Lehre hatte ich die kreativste und ideenreichste Phase mit dem meisten Elan. Das Studium hat mich davon abgehalten, diese Dinge tatkräftig umzusetzen. Nach dem Studium war ich erst mal für den damaligen Arbeitsmarkt überqualifiziert und musste mich durch eine weitere, sehr kräfteraubende Zusatzausbildung noch weiter qualifizieren, um an eine feste Stelle zu kommen. Glücklicher hat mich das nicht unbedingt gemacht.

  5. Jan sagt:

    Woher kommt dieser Druck?
    “Mein Noten waren immer gut, aber sozial bin ich auf der Strecke geblieben.”
    “Nach wenigen Wochen, so Marco, habe sich das zu Beginn noch instabile soziale Gefüge so verfestigt, dass es für ihn fast unmöglich wurde, noch irgendwo „anzudocken“.”

    Warum machen sich Studenten so einen Druck? Sind Studenten etwas so Besonderes? Muss Studieren so anders sein als das Absolvieren einer Ausbildung? Als wenn man ganz viel Feiern gehen MUSS. Wer sagt denn das? Ich habe mit Mitte Zwanzig auch nochmal ein Studium aufgenommen und die erste Zeit gependelt. Man kann doch auch in Vorlesungen Leute ansprechen usw. Das “Leutekennenlernen” funktioniert an der Uni doch auch nicht anders als im normalen Leben.

    Ich meine, zum Teil sehe ich durchaus auch diese Grüppchenbildung, wobei ich das schon etwas lächerlich finde, schließlich handelt es sich in der Regel um erwachsene Menschen, die i.d.R. überdurchschnittlich intelligent sind, aber ein Sozialverhalten wie Kinder an den Tag legen.

    • David sagt:

      Sie haben vollkommen Recht
      Es gibt an der Uni hunderte verschiedene Möglichkeiten, neue Leute kennenzulernen, Freundschaften zu schließen, und gemeinsam etwas zu unternehmen. Dass sich alles im ersten Semester beim kollektiven Saufen entscheidet, oder die Kommilitonen pünktlich zu Studienbeginn ihre bisherigen Freundschaften “auf Null stellen”, und man Angst haben muss, nicht schnell genug in die Lücke zu drängen, ist doch ziemlicher Quark.

  6. Matthias sagt:

    Titel eingeben
    Was ich nicht verstehe:
    Wenn man einfachen Weg 1,5 Stunden jeden Tag pendelt, macht das in der Woche 15 Stunden. Zieht man in die Uni-Stadt so kann man dies auf ca 5 oder weniger reduzieren.
    Dementsprechend bleiben 10 Stunden Zeitgewinn, in denen gearbeitet werden kann.
    Unterstellt man einen geringen Stundenlohn von 9 Euro macht das 90 Euro pro Woche und knappe 400 Euro im Monat. Mit diesen 400 Euro sollte es in jeder deutschen Uni-Stadt möglich sein, ein WG-Zimmer zu ergattern.
    Also warum zieht die Marie Roth nicht in die Uni-Stadt?

    • Kp sagt:

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      Weil man von 400€ die sowieso allein auf Miete draufgeht, nicht leben kann

    • mh59 sagt:

      Freiheit
      In einem Studiosus muss ja auch der innere Drang nach Freiheit/Unabhängigkeit vorhanden sein. Wer sich nicht den Wind um die Nase wehen lässt, hat nicht die besseren Chancen am Arbeitsmarkt.

    • Carroll sagt:

      Mit keinem Geld der Welt
      ist es mehr möglich Wohnraum in Unistädten zu bekommen.

      Ich hatte wohlweislich schon Juli mit der Suche nach einer Wohnung in Düsseldorf angefangen. Preisvorstellung: bis zu 500€ warm.
      Es ist nicht so, dass es keine Zimmer oder kleinen Wohnungen in dieser Preisklasse gibt, allerdings ist die Nachfrage danach so hoch, dass häufig per Zufall oder Einkommen gewählt wird. Zumindest bei letzterem ist jeder Student aus dem Rennen.
      Bei (deutlich) über hundert Anschreiben habe ich etwa 15% beantwortet bekommen, die meisten mit Absagen. Mit Anrufen erreichte ich fast nur Mailboxen.
      Wenn dann eine Besichtigung anstand, dann ging es mit 9 anderen Studenten durch die beengte Wohnung. Weitere Gruppen folgten.

      Es ist wirklich ein Wahnsinn, den man als Student erlebt, wenn man versucht bezahlbare Wohnungen zu bekommen.
      Seit Monatsanfang habe ich nun auch eine – aber nur dank Vitamin D.

  7. evelyn sagt:

    5 Jahre nach Stuttgart gependelt als Student: Geld gespart, hat Vorteile!
    Ich habe knapp 5 Jahre gependelt, als ich in Stuttgart studierte und sehe nur Vorteile: Sehr viel Geld gespart! Zudem hatte ich saubere Luft auf dem Dorf, keinen Feinstaub und ich konnte sehr viel Geld zurücklegen, von dem ich mir heute etwas kaufen kann oder es teils für eine Wohnung ausgeben könnte. Für Szene-Kneipen und Parties hatte ich schlicht keine Zeit, da ich Architektur studierte und dies so zeitaufwändig ist, dass man am besten zuhause wohnt und dort auch in Ruhe lernen und arbeiten kann. Das kann ich nur jedem empfehlen. Dass hier immer noch Werbung gemacht wird für Studenten, die möglichst schnell ausziehen sollen, zeigt, dass es hier schlicht nur ums Geld geht: Der Staat will Studenten, die Miete zahlen, abhängig sind von Lebensmittelläden, etc, das unterstützt natürlich die Deutsche Wirtschaft. Wenn alle zuhause blieben und solidarisch mit den Eltern leben würden und sich die Kosten für Lebenshaltung teilen würden, würde der Staat ja weniger Kasse machen. Nur: Für den einzelnen, finde ich ich, ist es wesentlich vorteilhafter, während des Studiums zuhause zu bleiben. Nesthocker sind in Baden Württemberg übrigens viele junge Leute, die nicht “kein Geld” hätten, sondern wirtschaftlich handeln, sparsam sind, und Geld auf die Seite bringen, anstatt es für horrend teure Studenten Wohnungen und heruntergekommende überteuerte Studenten-Zimmer auszugeben. Das ist wirtschaftlich sinnlos.

    • Ex-Schwabe sagt:

      Da spricht ein Schwabe zu einem Ex-Schwabe
      Meine Mutter denkt ebenfalls schwäbisch. Sie meinte immer ich solle doch pendeln und mein ganzes Geld sparen…für ein Auto oder sonst was (Eigentumswohnung etc), das mit enormen Kosten und Wertverlust einhergeht …
      Ich habe neben meinem Studium (Jura) immer einen Nebenjob gehabt, mein Studium hat dadurch 1,5 Jahre länger gedauert, aber dafür hatte ich 5 Jahre Berufserfahrung in meinem Schwerpunktbereich. Während meines Studiums habe ich nicht zu Hause gewohnt und für meinen Unterhalt selbst gesorgt. Trotzdem habe ich was auf der Kante und war trotzdem feiern und im Urlaub.
      Was bringt mir das, wenn ich Mitte 20 mit meinem Studium fertig bin und so viel Geld gespart habe, sodass ich mir eine Eigentumswohnung anzahlen kann, vor allem zu Zeiten, in denen eine 1-Zimmer-Wohnung knapp 100.000€ kostet (zB in Frankfurt aM). Und kommt mir ja nicht mit Niedrigzins und Förderungen (kfw Kredit, Riester Förderung, etc), unterm Strich ist das alles nicht so vorteilhaft wie es sich anhört.
      Wieso fährt ganz Deutschland und jetzt auch noch die sog. Millenials, die doch laut Studien ihr Geld für Lifestyle Produkte und Avocado Toasts ausgeben, einen Sparkurs? Für was? Wenn man ordentlich studiert hat und mit 25/26 einen festen Job aufnimmt (in dem man locker noch 50 Jahre arbeiten wird..Rente mit 70..) kann man sich auch noch was zur Seite legen. Meine Eltern haben sich ihre erste Eigentumswohnung mit 30 angezahlt, die hatten auch keine Studentenjobs.

  8. Antje Willnow sagt:

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    Alle Eltern, die Ihr dies lest, vermietet doch einfach eure leeren Kinderzimmer zu fairen Bedingungen an Studierende! Das Meckern über steigende Mietpreise und über die schwierige Zimmersuche Eurer Kinder in der eigenen Stadt oder in anderen Orten bringt gar nichts.

  9. Gast sagt:

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    Mein Neffe sagt das Pendeln nach München lohnt sich für ihn
    weil der Freizeitwert so sehr gross ist
    Bei seinen Eltern hat er ein eigenes Bad, die Küche ist natürlich mit allem ausgestattet, im Keller hat er sich einen Raum als Kino ausgebaut
    über die Strasse ist der See, dort kann man man baden, das Segelboot liegt dort auch

    Dafür pendelt er gerne nach München

  10. bafibo sagt:

    Und
    dann gibt es noch die besonders Glücklichen, deren Eltern bereits in der gewählten Universtätsstadt wohnen – das Hotel Mama ist nicht nur billiger, sondern in vielem sogar praktischer als eine eigene Wohnung. Das sind dann echte Nesthocker, aber vielfach läßt die finanzielle Lage nichts anderes zu.

    • auto sagt:

      Die glücklichen Eltern
      wünschen sich aber eventuell auch mal mehr Platz in der Wohnung und Ruhe vor den Kindern und ihren Freunden. Leider sind Studentenstädte aber so teuer, dass die Eltern es sich nicht leisten können ein zwei Extra-Zimmer in einer WG zu finanzieren.
      Meine Kinder werden alle Baggerfahrer und pennen direkt im Steinbruch.

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