Blogseminar

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Diskutiert werden das Leben der Studierenden, aktuelle Fragen der Hochschulpolitik sowie die Zweiheit von Forschung und Lehre.

Studieren ist schwer, abbrechen noch mehr

| 29 Lesermeinungen

An diesem Donnerstag stellt die Bundesbildungsministerin eine Studie über Uni-Abbrecher vor. Hier schildert eine frühere Studentin, wie es ist, wenn man feststellt, die falsche Wahl getroffen zu haben.

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Abbrechen, aufgeben, versagen. In vielen Situationen des Lebens können diese unerfreulichen Zustände eintreten. Doch ist es wirklich eine Schande zu merken, dass man mit seinem gewähltem Studienfach falsch gelegen hat? Dass man als unwissender Abiturient eine Entscheidung getroffen hat, die zu übereilt war? Sich einzugestehen, dass man sich in seinen Vorstellungen getäuscht hat?

Nach dem Abitur wird jährlich eine riesige Schar von Schülern aus der Schulpflicht entlassen. Plötzlich frei. Es wird gefeiert, geschlafen und genossen. Die ersten Schritte sind gemacht. Aber nur einige wenige, die sich schon in der Grundschule als Ärztin in spe gesehen hatten, besitzen einen genauen Plan, wie sie ihr weiteres freies Leben gestalten wollen. Die meisten fühlen sich nach der Schule nicht wirklich vorbereitet und haben keine Ahnung, welcher weitere Weg sich am besten für sie eignet. Viele versuchen im Ausland neue Erfahrungen zu machen und hoffen auf Inspiration und einen Wegweiser, der ihnen sagt, wohin es gehen soll. Aber die vielen Möglichkeiten die es heutzutage gibt, erschlagen einen. Es ist so unendlich schwierig herauszufinden, mit welcher Weiterbildung man sich die beste, passendste Grundlage fürs eigene Leben schafft. Obwohl man in der Schule schon einige Berufsberatungen und Zukunftstests hinter sich gebracht hat, kann man mit den Ergebnissen selten etwas anfangen.

Genau in dieser Situation befand ich mich Ende des letzten Jahres. Eine Überlegung für mich war, einfach mal ein Studium anzufangen – vielleicht hat man ja Glück und es ist wie geschaffen für einen. Ich entschied mich für ein Studienfach, einen Studienort, suchte eine Wohnung und erledigte den ganzen Papierkram. Alles Dinge, die anstrengend sind, aber wenn erst einmal alles erledigt ist und man sich in der neuen Umgebung wohlfühlt, ist die Freude groß. Neue Freunde finden, die Stadt erkunden, das ganze Drumherum des Studentenlebens vollends auskosten. Jetzt musste nur noch das Studienfach passen.

Doch leider kam es anders. In den täglichen Vorlesungen und Tutorien merkte ich, dass die Themen nur spärlich bis gar nicht mein Interesse weckten. Die Vorlesungen besuchte ich irgendwann nur noch selten, Pflichtveranstaltungen brachte ich schlechtgelaunt hinter mich. Spätestens bei den Klausuren, wenn man sich mit dem Stoff gezwungenermaßen auseinandersetzten muss, entscheidet sich, ob man sich durchkämpfen will oder nicht. Wobei: Dass ein Studium von vorne bis hinten Spaß macht, ist natürlich eine Wunschvorstellung. Dass man sich durch Fächer und Kurse auch mal hindurchquälen muss, ist ganz normal und auch machbar, solange es andere Studienbausteine gibt, die einem das Herz erfüllen. Wenn das allerdings nicht der Fall ist, ist es schwer, ein dreijähriges Studium zu bewältigen, und natürlich stellt sich die Frage, ob das überhaupt Sinn macht.

Ein Studium ist ja eigentlich dazu da, einen Menschen mit seinen speziellen Interessen weiterzubringen, man wird darauf vorbereitet und ausgebildet, mit dem entsprechendem  Abschluss Nützliches zu erreichen und sich den Beruf zu ergattern, der einem Spaß macht. Laut einer Studie des „Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung“  bricht aber fast ein Drittel der Bachelor-Studenten ihr Studium frühzeitig ab. Ist ein Studium heute also zunächst vor allem ein Experiment? Ist der Druck heutzutage nicht mehr so hoch, bei dem zu bleiben, was man angefangen hat? Die hohe Zahl der Studienabbrecher zeigt auf jeden Fall, dass man nicht mehr so festgefahren ist wie früher. Das allgemeine Umfeld hat offenbar keinen so abwertenden Blick mehr auf einen Studiengangwechsel oder einen Abbruch. Des Öfteren bekommt man sogar Lob für die mutige Entscheidung, sich eingestanden zu haben, dass man sich geirrt hat. Und ja, es fühlt sich mutig an!

Natürlich kann man immer noch denken, dass „Abbrecher“ nur aus Bequemlichkeit handeln. Doch ihnen ist durchaus klar: die Zeit nach dem Abbruch ist mit sehr viel mehr Aufwand verbunden, als einfach weiterzustudieren. Man muss sich jetzt wieder den Kopf darüber zerbrechen, was man als nächstes anfangen will, und der innere Druck ist sogar um einiges höher, denn nochmal danebenliegen will man natürlich nicht. Im Grunde durchläuft man das gleiche Prozedere wie vor Beginn des Studiums noch einmal. Es ist also durchaus keine einfache Entscheidung abzubrechen.

Und dann sind da die inneren Konflikte. Dass man in den Dingen gut ist, die einem Spaß machen, ist ja bekannt. Nur weiß man viel zu oft gar nicht, was einem wirklich Spaß macht. Deshalb kann man die Sache auch so sehen: Ein angefangenes Studium kann einem helfen, genauer herauszufinden, worin man gut sein könnte – was einem Spaß macht. Auch wenn es nicht beim ersten Versuch klappt, ist es keine verschwendete Zeit, denn man lernt sehr viel dabei, zum Beispiel wird man schneller selbständig.

Aber es ist auch so: Studieren ist nicht für jedermann etwas, auch eine Ausbildung ist mittlerweile eine angesehene Alternative. Von Anfang an etwas Geld zu verdienen und allgemein mehr Praxisbezug zu haben, ist durchaus attraktiv, und die Chancen, danach einen guten Beruf zu finden, keinesfalls klein. Vielleicht ist einem aber auch während des kurzen Studiums eine brennende Idee gekommen und man ist jetzt bereit, ein Start-Up zu gründen, mit dem man womöglich noch groß rauskommt. Die Alternativen heutzutage sind schier unendlich, und man kann fast mit jeder etwas erreichen.

Viele Dinge im Leben, sage ich mir, brauchen mehrere Anläufe, damit sie sich zum Besten wenden. Warum sollte das mit dem Studium anders sein? Zumal es eine überdurchschnittlich wichtige und schwere Entscheidung ist. Das Leben ist lang und Abiturienten sind jung, man darf sich also nicht zu viel Druck aufbauen, keine Zeit zu verlieren.

Ich jedenfalls habe mein Studium nach dem ersten Semester beendet. Im Nachhinein habe ich nicht bereut, es probiert zu haben. Nach einer kurzen Phase der Ratlosigkeit hatte ich ein so genanntes „Perspektiven Coaching“. Es hat sehr gut getan, mit jemanden zu reden, der einen nicht persönlich kennt und darauf spezialisiert ist, genau mit dieser vorhanden Ratlosigkeit umzugehen. Das alles hat mir gezeigt, dass man einfach nicht verzweifeln darf, sondern den Mut haben muss, weiter zu suchen. Ich bin gespannt, welchen Umweg ich als nächstes gehe.

Und wer weiß schon, ob er nach seinem fertigen Jurastudium nicht doch eine Kaffeerösterei übernimmt?

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Hier geht es zu einem Blog-Artikel über “Studienzweifler”


29 Lesermeinungen

  1. onlyhuman sagt:

    Nachvollziehbar und trotzdem traurig
    Frau Kehnel beschreibt, wie sie und ihre Mitstudenten die Situation sehen. Erstmal danke für die Einblicke, die authentisch und ehrlich rüberkommen. Doch leider zeichnet sie damit auch ein erschreckendes Bild über den Zustand des Bildungssystems einerseits und der jungen Generation andererseits. Wer als Abiturient mit 18, 19 oder 20 Jahren keine Zeit gefunden hat, sich auch nur ansatzweise mit dem Thema “eigene Zukunft” zu beschäftigen und ggf. mal die eine oder andere Firma von innen zu betrachten (Ferienjobs, Schülerpraktika, BuFDi etc.), dem kann man objektiv nur bescheinigen, dass er NICHT Hochschulreif ist. Reife spiegelt sich nämlich nicht nur in den Noten auf dem Papier, sondern in einer Haltung. In Deutschland stehen einem glücklicherweise fast alle Türen offen und das zu großen Teilen kostenfrei. Aber kostenfrei bedeutet leider auch, dass die Wertschätzung dadurch nicht besonders gesteigert wird. Irgendjemand bezahlt jedoch für diese Freiheit der jungen orientierungslosen Abiturienten und das sind wir alle. Diese doch immensen Kosten für den Bildungsbetrieb an unseren Unis und Hochschulen gehen selbstverständlich zu Lasten anderer öffentlichen Güter (Sicherheit, Infrastruktur usw.) und somit stellt sich schon die Frage, ob es gerecht ist, diesen kostenfreien Zugang zu hochwertiger Hochschulausbildung für eine Zielgruppe offen zu halten, die von Verantwortung scheinbar noch nie etwas gehört hat (Zitat: “Ich bin gespannt, welchen Umweg ich als nächstes gehe.”). Das ist lustig, wenn man die Zeche nicht zahlen muss. Das tun u.a. die Kinder/Jugendlichen, die keine Chance hatten, Abitur zu machen.
    Die andere Seite der Medaille ist selbstverständlich die offensichtlich unzureichende Vorbereitung der Abiturienten auf das weitere Leben durch die Schulen. Dort arbeiten eigentlich Vollprofis, teilweise sogar Staatsbedienstete/Beamte. Deren Umgang mit unseren Ressourcen sollte ebenso Hinterfragt werden, wie die Eigenverantwortung der Abiturienten, deren Eltern und der Politik, die das Ganze steuern soll.
    Jedem (jungen) Menschen sollte klar sein, dass er seine Zukunft auch durch eigenes Handeln maßgeblich mitbestimmt. Also weniger jammern und mehr machen :-)

    • Selbst B.Sc sagt:

      Das stimmt so nun auch nicht
      Sehr geehrter Herr Bach,
      ich bin selbst erst vor wenigen Wochen mit meinem Bachelorabschluss fertig geworden und kann die Situation der Autorin sehr gut nachvollziehen. Nach dem 3. Semester stand ich selbst vor der Entscheidung abzubrechen. Ich habe es nicht getan und bereue es heute an manchen Punkten in meinem Leben.

      Ihre Meinung, dass man nach der Schule einen Plan für die eigene Zukunft haben sollte kann ich zwar aus Ihrer Perspektive verstehen, aber leider sieht die Realität anders aus. Die jungen Leute machen heute oft mit 17 Jahren ihr Abitur. Mit 17 Jahren soll man wissen mit welchem Thema man sich den Rest seines Lebens beschäftigen soll? Die Möglichkeiten sind schier endlos und man verliert leicht den Überblick. Es geht ja beim Studium nicht mehr nur noch um die Entscheidung BWL, Medizin oder doch ein anderes Fach. Selbst wenn man die grobe Richtung weiß, dann ist die Entscheidung noch lange nicht gefallen, da die Studiengänge heute schon im Bachelor sehr spazialisiert sind und man sich eigentlich direkt für eine Branche entscheiden muss. Ist das in einem Alter von 17 bis 20 Jahren, in dem man sich vielleicht selbst noch nicht zu 100% gefunden hat, etwas viel verlangt?
      Natürlich gibt es die von Ihnen beschriebenen Chancen von Ferienjobs, Praktika etc. Aber haben Sie mal jemanden begleitet bei dem Versuch eine solche Stelle zu bekommen? Ferienjobs gibt es heute nur noch selten in Bereichen, welche für ein Studium relevant sind. Man hat die Wahl zwischen Bandarbeit, Gastronomie und Regale einräumen. Das hilft bei der Entscheidung, ob Kulturwirtschaft nun der richtige Studiengang ist wenig.
      Längere Praktika werden seit es den Mindestlohn gibt nur noch an Pflichtpraktikanten vergeben, da dies für das Unternehmen günstiger ist. Kürzere Praktika (weniger als 3 Monate) werden so gut wie nie vergeben, da dies einen großen Aufwand für Unternehmen bedeutet und viele nicht mehr bereit sind diesen auf sich zu nehmen. Abgesehen davon, dass man ohne persönliche Beziehungen zu dem Unternehmen eh keinen Platz bekommt, da es zu wenig Plätze für zu viele Interessierte gibt. Und wer sagt, dass ein Praktikum oder ein Ferienjob vor dem Studium dabei hilft die richtige Entscheidung zu treffen?
      Ich wollte zu Beginn meines Studiums unbedingt in den internationalen Vertrieb eines großen Unternehmens und habe daher Wirtschaftswissenschaften studiert. Ich hatte vor dem Studium zwei Praktika in diesem Bereich gemacht und war begeistert. Doch man verändert sich während des Studiums, wird erwachsener und selbstständiger. Irgendwann bemerkte ich, dass im Vertrieb doch nicht meine Zukunft liegt. Ich orierntiere mich inzwischen hin zum Non-Profit-Bereich. Meinen Bachelor habe ich erfolgreich abgeschlossen, aber einen Master im Non-Profit-Bereich zu finden gestaltet sich trotzdem als sehr schwer, da Wirtschaftswissenschaften als Bachelor oft nicht anerkannt werden. Nicht nur mir geht es so, auch viele Mitstudierede sagen, dass sie nun – durch das Studium – ganz andere Vorstellungen haben als vorher, andere Meinungen haben und Dinge anders sehen. Man entwickelt sich weiter während des Studiums manchmal passt es dann einfach nicht, egal wie gut man sich vorbereitet hat.

      Zum Schluss möchte ich noch auf den Punkt der Kosten eingehen. Das Studenten sich auf Kosten anderer einfach mal auspropieren, diese Meinung von Ihnen kann ich nun wirklich nicht nachvollziehen. Ein Studium gibt es nun wirklich nicht umsonst. Die wenigsten Studenten meiner Uni bekommen so viele Zuschüsse, dass sie sich das Studium ohne Kredit oder private Unterstützung der Familie leisten können. Uns Studenten ist bewusst, welches Privileg ein Studium ist und was das kostet. Die wenigsten Studenten können zu Hause wohnen bleiben, da die Studienorte meistens weiter weg liegen. Also müssen Möbel, eine Wohnung und Lebensmittel finanziert werden. Dazu kommen die Semesterbeiträge, welche oft mehrere hundert Euro betragen und die Lehrbücher, von denen jedes Semster mindestens 2-3 gekauft werden müssen und von denen eins gut und gerne mal 40€ aufwärts kostet.
      Studenten bzw. ihre Eltern zahlen den Großteil der Zeche für ihr Studium selbst und das ist ihnen bewusst. In meinem Studiengang hatte ich Studenten, die weiterstudiert haben, weil sie ihr ganzes Geld in das Studium investiert haben und ihren Abschluss gemacht haben, obwohl sie sich überhaupt nicht für das Fach begeistern konnten, einfach weil sie finanziell keine andere Möglichkeit hatten.
      Das Studenten sich also keine Gedanken um die Finanzierung des Studiums machen stimmt überhaupt nicht.

      In einem Punkt stimme ich Ihnen allerdings zu: die Abiturienten werden nicht gut auf die Zeit nach der Schule vorbereitet. Da liegt sowohl bei Schulen und der Politik, aber auch bei vielen Eltern noch dringender Handlungsbedarf!

  2. Berhard Hordler sagt:

    Hauptsache Spass..
    Früher war nicht alles besser. Soweit schon klar. Nun aber scheint mir die Uni zur Selbsterfahrungsgruppe degeneriert. Die YOLO Generation, der verwöhnten Einzelkinder studiert mal neben dem feiern ” irgendwas mit Medien “.
    Jetzt erstmal Party. Nach dem Abi ( ebenfalls entwertet , da inzwischen jeder irgendwie durchs Abi bugsiert wird ) wird erstmal gechillt, kann man sich ja später noch festlegen.
    Was fragt sich eigentlich die Frau an der Supermarktkasse, was mit Ihren Steuern so im Bildungssystem passiert ?

  3. Marner sagt:

    Warum sollte auch alles immer Spaß machen?
    Die Anspruchshaltung, dass alles immer Spaß zu machen hat und der eigenen Selbstverwirklichung dienen muß ist ein riesen Problem.
    Eines dem sich jeder junge Mensch stellen muß. Nicht alles ist immer spaßig oder dreht sich nur um das eigene selbst. Das berühmte “do what you love and you’ll never work a day in your life.” endet bewußt nicht auf “and you’ll become rich and famous”.

  4. defenze sagt:

    Da treffen Generationen aufeinander
    Wie auch hier in den Kommentaren ersichtlich wird. Die früheren Generationen sind die wahren goldenen und die heutigen Abiturienten im Grunde alles Versager.

    Da wird die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen. Richtig ist das die Zahl der Abiturienten einen Wert erreicht hat den es noch nie gegeben hat. Und das ein Abitur in Sachsen oder Bayern einen höheren Stellenwert besitzt als in NRW oder Berlin ist auch jedem klar. Jetzt scheint es fast so das diejenigen welche ihr Abitur vor xx Jahren abgeschlossen haben, sich darüber ärgern das es so vielen Menschen ermöglicht wird ein Abitur zu erhalten und zu studieren, obwohl es damals nur einer kleinen “elitären” Minderheit vorbehalten blieb.

    Doch was war mit den anderen? Diese mussten malochen und hatten als Arbeiter kaum eine Möglichkeit ihren Kindern einen sozialen Aufstieg zu ermöglichen. Dieses hat sich zum Glück geändert – die Studentenflut bedeutet eben auch das mehr Menschen ihre Potentiale entdecken und entfalten können. Und wenn jemand dann nach dem 1. Semester ein Studium abbricht weil er durch die absolute Fülle an Informationen oder Werbeanzeigen nicht das richtige Studienfach für sich ausgesucht hat, dann ist das noch lange kein Beinbruch sondern eben die Freiheit die wir heute haben.

  5. Severus sagt:

    Immernoch braucht man vor Allem Geld im Studium
    Viele werden auch mangels Geld gezwungen das Studium abzubrechen. Nebenbei arbeiten ist das, was einem in vielen Fächern das Rückgrat bricht. Wenn man nicht zu den wenigen mit Stipendium oder reichen Eltern zählt, hat man kaum noch eine Chance anspruchsvolle Fächer zu studieren. Wie Naturwissenschaften. Die Zeit fehlt halt dann auch zum Lernen.

    Und nach einem Abbruch in der heutigen Welt was Neues zu finden ist extrem schwer. Denn welche Firma nimmt heute noch Auszubildende, die schon etwas älter sind und einen Studienabbruch hinter sich haben. Die meisten bevorzugen die Leute, die direkt aus der Schule kommen.

  6. Nikolaus sagt:

    Federmann
    Die Probleme des Bürgertums!

    Eine Realschülerin wählt ihren Weg, wenn sie sich in der neunten Klasse bewirbt. Geld für ein gap year fehlt oft – und ist auch schlecht mit dem Wunsch des neuen Arbeitgebers nach einem Vorstellungsgespräch vereinbar. Ein Abbruch steht nur jenen offen, die kein BaföG benötigen, weil ihre Eltern bereit sind Umwege zu finanzieren.

  7. arribert sagt:

    Rechtzeitig machen
    Ich habe noch zu Magister-Zeiten Politikwissenschaften abgebrochen, die Entscheidung hat viel zu lange gebraucht. Dann der Wechsel in ein technisches Fach, was überhaupt nicht auf der Hand lag, waren sehr schwer. Ich habe dann noch die Hochschule gewechselt und bin nach einer Ewigkeit dann fertig geworden mit Informatik. Durchaus an einer anspruchsvolleren FH, was mich aber dazu gebracht hat, auch mal was fürs Studium zu tun.
    Und, ja, es gab bei Vorstellungsgesprächen Fragen zu meinem Lebenslauf und dem langen Studium, das war aber nie ein KO-Kriterium. Bis jetzt bin ich auf jede Bewerbung(!) eingeladen worden.

  8. S Silver sagt:

    Perspektiven Coaching
    Der Artikel hat mein Interesse geweckt. Darf man fragen, was das für eine Art Perspektiven Coaching war? Bin auf der Suche nach so etwas aber möchte nicht die typische Berufsberatung vom Arbeitsamt…

    Lg

  9. H.Bauernfeind sagt:

    Die Entscheidung wird in der Regel abgenommen
    Wer schon nach dem ersten Semester hinwirft, der hat sich vorher nicht richtig informiert und nimmt nach dieser kurzen Zeit auch praktisch nichts mit. Die allermeißten Abbrecher scheitern am Studium, indem wichtige Scheine nicht erworben werden können. Das moderne Bachelor-Studium nimmt dem Studenten da die Entscheidungsfindung ab. Durch die starke Verschulung kommt der Studienplan aus dem Tritt und oft trennt dies auch von den Kommilitonen, wenn der Schein eine Zugangsvoraussetzung für die Folgeveranstaltungen darstellt. Wer 3 Mal durch die Prüfung fliegt, der wird automatisch exmatrikuliert und darf auch woanders dieses Studium nicht fortsetzen. Hinzu kommen oft noch Studiengebühren als Strafmaßnahme, wenn die Regelstudienzeit stark überschritten wird. Dies alles motiviert sich früh nach etwas anderem umzuschauen, da in der heutigen Zeit die Lebensläufe immer stärker beäugt werden. Und die Fähigkeit unter einer aussichtslosen Sache schnell einen Strich ziehen zu können, ist eine Eigenschaft, die im Berufsleben durchaus honoriert wird. Wie heißt es so schön: Es ist keine Schande zu Boden zu gehen. Es ist eine Schande nicht wieder aufzustehen.

    • Gast sagt:

      Titel eingeben
      Dann ließe sich aber die Frage stellen, wie viele Semester Sie benötigt haben, um sich ein Bild über die “allermeißten” [sic] machen zu können. (-;

  10. Schlegel Rudi sagt:

    Diplom-Kaufmann
    Dir Ratlosigkeit heutiger Abiturienten ist fast schon erschreckend. Wie kann man Abitur machen, und sich nicht in der 11. Klasse (8jähriges Abi) oder in der 12. Klasse (9jähriges Abi) über berufliche Möglichkeiten Gedanken zu machen. In keinem der letzten 5 Jahrzehnte gab es mehr Informationen über Berufe und Studienfächer als heute: Bücher, Ratgeber, Zentren für Studienberatung, IHK’s, Personalabteilungen größerer Unternehmen usw. Es ist so irritierend wenn ich lese und erlebe, dass Abiturienten mal als aupair ins Ausland gehen. Ich verstehe nicht, wie man Kunstgeschichte studieren kann, oder mal etwas Philosophie, mal ein Semester Sozialwissenschaften, dazu etwas Romanistik und was so alles an Unis angeboten wird. Sehr gute Exemina in Jura werden von Großkanzleien mit Anfangsgehälter von 70 000 € und mehr gelockt, Ingenieure, Informatiker, Chemiker erhalten ab Untergrenze 50 000 bis 60 000 €. 14 Schüler aus der Abigruppe 1957 (WG Göppingen) studierten in Berlin, Hamburg, Köln, München mit dem Ergebnis 7 Diplom-Kaufleute, 4 Diplom-Ingenieure, 1 Diplom-Volkswirt , 1 Diplom-Übersetzerin, 1 Diplom-Handelslehrer. Keiner hat ein Semester verpaßt, keiner ist bei einer Uni-Prüfung durchgefallen. In den Füngziger Jahren waren rund 5 % in einem Gymnasium, heute sind es teilweise 40 bis 60 % je nach Stadt. Hat das mit der hohen Abbrecherquote in unseren Universitäten zu tun?
    Rudi Schlegel
    Karlsruhe

    • testthewest2 sagt:

      Die Ursache....es geht uns gut
      Die Ursache für den mangelden “Drive” und die Sorglosigkeit ist eben das große Gefühl der Sicherheit.

      Mama und Papa werden einen schon versorgen, ansonsten kommt noch Vater Staat. Das war früher ganz anders. Mein Vater, 1 Woche nach Kriegsende geboren (in Schlesien!!), kannte noch Armut, Flucht, Hunger. Er wusste was er im Leben erreichen wollte und verfolgte sein Ziel mit großer Gradlinigkeit.
      Damit ermöglichte er mir ein sorgloses Leben. Allerdings hat er mir auch vermittelt das man sich anstrengen sollte und “Spass haben” nicht alles ist. Dennoch habe ich nie den unbedingten Willen entwickelt wie er, weil es nicht nötig war. Vielleicht, sollte ich in diesem Leben nochmal Not leiden, bin ich dann auch dazu in der Lage, aber momentan erreicht man seine Ziele auch mit weniger Aufwand.

      Deshalb darf man es der jetztigen Generation nicht zu übel nehmen: Ohne Not, kein großer Antrieb. Wären wir in gleicher Position wirklich anders?

    • Jonas sagt:

      Antwort an Hrn. Schlegel
      Hallo Herr Schlegel,

      falls es tatsächlich heute eine höhere Abbrecherquote gibt als in den 50ern/60ern – nach kurzem Googeln habe ich dazu noch nichts gefunden – sind doch mehrere Gründe denkbar.
      Mehr Abiturienten steht eine noch viel größere Auswahl an Studiengängen gegenüber und eine noch größere Auswahl an Beratungen und Informationsquellen. Das Überangebot verwirrt mehr als das es nutzt, wie im Artikel schon angedeutet.
      Ebenfalls ist der gesellschaftliche Druck wohl stark gefallen, sein Studium unbedingt zu beenden.
      Auch haben sich die Studienrahmenbedingungen stark geändert. Die 5% Abiturienten der 50er stammten fast ausschließlich aus dem oberen Bürgertum. Zugangsvoraussetzung zu einem Medizinstudium war einfach das Abitur, nicht eine spezielle Note darin. Auch das Sammeln der Scheine stelle ich mir heute tendenziell strenger und mit weniger kumpelhaftem Durchwinken vor.
      Als Ingenieurs-Bachelorabsolvent war es bei uns allgemeine Meinung, dass die Altklausurensammlungen immer schwerer wurden und die leichtesten Klausuren die der Diplomabschlüsse waren. Und das waren die von Anfang der 0er Jahre. Wie viel leichter muss dann der Diplomabschluss 40 Jahre davor zu erreichen gewesen sein?
      Ich bin überzeugt, dass auch die Absolventer der 60er sehr gute Leistungen erbracht haben, denke aber, dass die Hürden zwischen Studienbeginn und -abschluss niedriger waren.

    • Moritz Arold sagt:

      Ratlosigkeit Abiturienten
      Sehr geehrter Herr Schlegel,

      Möchte zu Ihrem Kommentar gern ein paar Äußerungen machen.

      Wie kommen Sie darauf, dass sich Abiturienten, welche nach Ende der Schulzeit in der 11. bzw. 12. Klasse nicht sicher bezüglich ihres Studiengangs sind, mit dieser Frage nicht auseinander gesetzt haben? Ich sehe hier keineswegs einen zwingenden Zusammenhang sondern viel eher die Möglichkeit, dass man trotz aller Bemühungen nicht zu einem abschließenden Ergebnis gekommen ist.
      In dieser Situation halte ich einen Auslandsaufenthalt für äußerst sinnvoll, da der angehende Student hier statt auf einer informativen auf einer ideellen Ebene wächst. Dieser Prozess kann sehr hilfreich hingehend einer so konsequenzreichen Entscheidung wie der Studienwahl sein. Und denken Sie nur an die anderen positiven Auswirkungen, welche eine intelligent gefüllte Pause zwischen Schule und Studium in unserer heutigen Gesellschaft haben kann; da wären die Einsparungen an Steuergeldern durch weniger abgebrochene Studien sowie die gute Reputation des Auslandjahres bei Arbeitgebern.

      Ein Fach wie die genannte Kunstgeschichte studiert man, weil es einen interessiert. Ihnen wird sicher klar sein, dass nicht jeder großen Wert auf monitäre Interessen legt und Mitmenschen mit geringerem Einkommen nicht weniger Wert sind, sowie dass jemand, der seiner Passion folgt anstatt blind finanziellem Wohlstand hinterherzurennen, wohl glücklicher mit seinem Leben wird, als derjenige, der es andersherum macht.

      Weiterhin möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass es sich bei Ihrem gewählten Beispiel der Abigruppe mitnichten um ein repräsentatives Exempel handelt (“Gesetz der großen Zahlen”) und es offensichtlich ist, dass nicht alle damaligen Abiturienten beruflich so erfolgreich waren wie Ihre Bekannten. Somit verfehlt das Beispiel seinen Zweck als Beleg für die Überlegenheit des damaligen Studiensystems bzw. der damaligen Generation.

      Zum Ende möchte ich noch hinzufügen, dass ein Studium durch die Studienzeitverkürzung bedingt durch die Bologna-Reform deutlich anspruchsvoller geworden ist und sich so zumindest teilweise die hohen Abbruchquoten erklären lassen.
      Will Ihnen aber auch Recht geben, dass mit hohen Anteil an Gymnasialabsolventen auch interlektuell schwächere Schüler das Abitur machen und so automatisch in ein Studium reinrutschen, dessen Anforderungen sie vielleicht nicht gewachsen sind.

      Ich entschuldige mich für alle möglichen Tippfehler und verbleibe mit freundlichen Grüßen,

      Moritz Arold

    • Ein Gast sagt:

      Genau das ist das Problem...
      es gibt heute viel zu viele Informationen und Ratgeber, die sich zudem widersprechen. Die Informationsflut führt nur dazu, dass man heute uninformierter ist, als vor 50 Jahren. Damals gab es eine Hand voll Studiengänge, heute gibt es alleine im Bereich Betriebswirtschaftslehre hunderte mit unterschiedlichen Spezialisierungen.
      Und man muss auch klar sagen, dass nicht jeder die Erfüllung darin sieht BWL oder Jura zu studieren, um dann eine Nummer bei einem Grosskonzern zu sein, auch wenn man dort gehaltlich besser entlohnt wird als ein freischaffender Japanologe.
      Alle Studienfächer haben Ihre Berechtigung, auch wenn sie gerade nicht auf den Arbeitsmarkt vorbereiten, so wie es von Vielen in der Wirtschaft gefordert wird.

    • Oliver Bäumker sagt:

      @Rudi Schlegel
      Sie sprechen mir aus dem Herzen!
      Ich bin Abijahrgang 1991 und habe in meinem Umfeld bis auf zwei begabte, aber bedauerliche Ausnahmen ebenfalls nur zielstrebige Macher gehabt. Meine Tochter macht in diesen Tagen Abi und wird erst nächsten Monat 18, trotzdem ist für sie seit einem Jahr klar, dass sie Englisch, Kulturwissenschaft und Wirtschaft studieren wird, dazu wählt sie Russisch, weil sie eine Herausforderung sucht. Solche Kinder machen Freude. Allerdings liegt es nicht an den Kindern, sondern an den Eltern. Seit über 2 Jahren bekommt sie von mir regelmäßig englische Literatur, Informationen aus der F.A.Z., wir waren in Deutschland, England, Wales, Schottland und in den Niederlanden, um uns Universitäten anzusehen, zu fühlen, ob Englisch wirklich richtig ist usw. etc.
      Fazit: Wenn Eltern nicht führen, wird das nichts. Nur angeben bei den Nachbarn und Freunden reicht nicht, Erziehung beginnt bei der Geburt und nicht erst im Restaurant, wenn Kind nicht still sitzen kann, weil Retalin alle …

    • Gast sagt:

      Titel eingeben
      Nee, das hat(te) vielmehr was mit “Elitenreproduktion” und der finanziellen Ausstattung des Elternhauses zu tun. Gerade in der BRD der 1950er Jahre …..

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