Literaturblog

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Die Frankfurter Buchmesse 2018

Die Leute sollen sich in unser Land verlieben

So doppeldeutig der Slogan ist, mit dem sich Georgien als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse präsentiert, so eindeutig ist die Botschaft des jungen Landes mit langer Geschichte: „Made by characters“, von Persönlichkeiten ebenso hervorgebracht wie von Schriftzeichen, das passt zur Heimat von weltbekannten Gestalten – von der antiken Medea bis zum sowjetischen Diktator Stalin – wie von international eher unbekannten Schriftstellern, denen das ebenso alte wie einzigartige Alphabet Grundlage und lange Zeit Grenze war.

Denn wer ist schon des Georgischen mächtig, einer Sprache, die das Land in seinem Pavillon selbst mitunter unaussprechlich und schmerzlich anzuhören nennt? Wie findet die Literatur einer Sprache, die von gegenwärtig kaum mehr als vier Millionen Menschen geschrieben und gesprochen wird, in die weite Welt hinaus? Einer Sprache und Schrift, von der selbst die Georgier, wie Medea Metreveli, als Direktorin des Georgian National Book Center Koordinatorin des Gastlandauftritts, lachend erzählt, mitunter verblüfft gefragt werden, ob sie sie auch beherrschten?

Georgien ist stolz auf seine Schrift und hat die 33 Buchstaben des Mchedruli genannten heute gebräuchlichsten seiner drei Alphabete zum gestaltenden Element des Gastland-Pavillons gemacht. In jede der mehrere Meter groß nachgebauten rundlichen Formen ist die kurze Vorstellung einer georgischen Besonderheit gedruckt. George Bokhrua, der den Pavillon entworfen hat, schätzt die moderne Wirkung der jahrhundertealten Symbole. Holz und helles Tuch sind die vorherrschenden Materialien, sie geben dem Pavillon eine Leichtigkeit, Offenheit, Unaufdringlichkeit, etwas Einladendes, das die Neugier der Gäste anspricht und nicht, wie gelegentlich bei anderen Gastlandauftritten zuvor, das Pflichtbewusstsein.

Ein Land im Umbruch nennt sich Georgien, und was für gegenwärtig einige Länder im ehemals sowjetischen Einflussbereich gilt, stimmt für dieses Land mit seiner wechselvollen Geschichte seit Menschengedenken. Die Leute sollten sich in ihr Land verlieben, sagt Medea Metreveli, und sie sollten, so viele Kilometer weit Georgien auch entfernt sein mag, so verborgen am Schwarzen Meer und Kaukasus, so klein zwischen Russland und dem einstigen osmanischen Reich es auch wirken mag, erkennen, dass es sich um ein europäisches Land mit europäischen Werten handelt, das auf der Suche ist nach neuen Freunden. In diesen Tagen in Frankfurt wird es sie zweifelsohne finden.