Literaturblog

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Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt 2019

13. Okt. 2017
von Julia Bähr
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Der Untergang des Abendlandes ist verschoben

Weil doch immer alle fragen, wo sie sind, die jungen Leute, und wofür sie sich begeistern: Hier sind sie. Sitzen auf Papphockern herum oder drängen sich dahinter und warten auf die Verleihung des ersten deutschen Buchblog Awards, als hätte es nie eine Diskussion darüber gegeben, ob die jungen Leute heutzutage nur noch in Smartphones gucken statt in Bücher. Denn hier könnten die Bedenkenträger erleben, wie sehr Buch und Handys einander befruchten: Mehrere Hände gehen in die Luft und streamen via Facebook live die Verleihung eines Preises, für den unter anderem Vlogs nominiert sind, die mit Handys aufgenommen und ins Internet gestellt wurden. Because it’s 2017.

Damit ist der Untergang des Abendlandes wohl mal wieder verschoben; wir hätten ja eh alle nichts anzuziehen gehabt. Also können wir unsere Zeit jetzt auf andere fruchtlose Diskussionen verwenden: Heißt es der oder das Blog? „Diese Frage hört nie auf, brennend zu sein“, findet die moderierende Kleinverlegerin Christiane Frohmann, was ein paar Anfangszwanziger im Publikum mit „Hä?!“ kommentieren. Da scheint also nicht allzu viel zu brennen, und auch die anschließend heraufbeschworene Kluft zwischen der Literaturkritik im Feuilleton (bildungsbürgerlich) und Buchblogs (keine Angst vor Genre-Romanen) wird kurz darauf an Ort und Stelle beigelegt: Weil Buchhändlerin Sarah Reul, die unter dem Namen Pinkfisch bloggt, erfrischenderweise um Handzeichen bittet, ob das Thema durch ist, und das Votum einhellig ausfällt.

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13. Okt. 2017
von Julia Bähr
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13. Okt. 2017
von Andrea Diener
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Ein schöner Verriss ist auch ein Geschenk

© ORF/Puch JohannesWarum tun die sich das an? Jackie Thomae bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt.

Es könnte mit dem Autorendasein so schön sein, gäbe es diese lästigen Kritiker (ja, auch uns) nicht. Die in der Zeitung gehen ja noch (uff), die bei Amazon kann man zur Not auch ignorieren, wenn einer dem Buch zwei Sterne gibt, weil die Post mal wieder den Umschlag geknickt hat. Schwieriger ist es, wenn man gleich einem ganzen Rudel von ihnen leibhaftig gegenübertritt, wie es beim Bachmann-Wettbewerb der Fall ist, der Topmodelshow des Bildungsbürgertums, so Moderatorin und Verlegerin Christiane Frohmann. Was richtet das, was richtet Kritik allgemein im Inneren des Autors an? Eine Diskussion auf der Orbanism-Bühne wollte dieser Frage nachgehen. Es war dann aber vor allem Thomae, die zu einer Antwort beitragen konnte.

Das liegt vor allem daran, dass sie im Sommer nicht davor zurückgeschreckt ist, in Klagenfurt vor einem Kritikerpodium zu lesen. Einer der Juroren, so berichtet sie, ist immer der Dieter Bohlen, und einige ergehen sich immer in Thomas-Bernhard-Vergleichen, anstatt mal wirklich genau zu berichten, was einen Text und dessen Sprache wirklich ausmacht. Zu lang, zu staubig, zu österreichisch findet Kritiker Stefan Mesch die Angelegenheit und Autorin und Kolumnistin Margarete Stokowski würde gerne mal einen belesenen Fliesenleger oder eine Lehrerin in die Jury einladen, an denen der Bullshit abprallt. Jüngeren Autoren raten viele Verleger und Agenten ohnehin von der Teilnahme ab, berichtet Thomae, sie hingegen habe sich reif genug gefühlt und geistig gewappnet, indem sie mit dem Schlimmsten rechnete. Und dann guckt man besser nicht auf Twitter: Schöne Stimme, schön gelesen, lauteten da die Urteile zu ihrem Vortrag. Sicher ein Kompliment, aber das will man als Autor ja auch nicht hören.

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13. Okt. 2017
von Andrea Diener
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13. Okt. 2017
von Felix-Emeric Tota

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Der Bücher-DJ soll mal lauter drehen! Ich will lesen!

Wenn man so in die Welt hineinhört, dann könnte man meinen, der DJ hat in der Musik die Band abgelöst. Doch gibt es eigentlich eine vergleichbare Veränderung in der Literatur? Auf der Frankfurter Buchmesse wird jedenfalls ein Bücher-DJ vorgestellt – mit Mischpult, Touch-Funktion und eigenem Hashtag. Zeit für einen Besuch beim „mvb“, dem Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels!

Getanzt wird am Stand des mvb nicht. Klar, der normale Buchmessen-Besucher bekommt seine Schwungmasse oft nicht in Gang, aber um das Tanzen geht es hier auch gar nicht. Auch nicht um Lieder, die in Büchern vorkommen. Dem mvb ging es vielmehr darum, zu zeigen, was man mit Metadaten für die Literatur, die Literaturvermittlung und den Buchhandel machen kann. Und dafür haben sie – richtig – einen Tisch bauen lassen, der aussieht wie aus einer Raumstation in einem Star Trek Film. An ihn können sich nun Unentschlossene stellen, die zwar ein Buch lesen wollen, aber nicht wissen, was für eines. Sie müssen dafür nur an den Reglern „Genre“, „Region“ und „Farbe“ drehen – und schon spuckt die Nutzeroberfläche Bücher aus, die mit den Nutzerpräferenzen übereinstimmen.

13. Okt. 2017
von Felix-Emeric Tota

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13. Okt. 2017
von Felix-Emeric Tota
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Politischer Büchervandalismus: Ein Fall für die Polizei

© dpaVorgestern wurde noch friedlich vor den Ständen rechter Verlage demonstriert.

In der Buchmessennacht von Donnerstag auf Freitag wurde der Stand vom „Manuskriptum Verlag“ und von „Tumult“ , einem Magazin, das sich als „Vierteljahresschrift für Konsensstörung“ bezeichnet, beschädigt und leergeräumt. Verlag und Zeitschrift werden kontroverse, rechte Inhalte zugeschrieben. Am Morgen fanden die Betreiber die Regale des Standes leer vor. Alle Bücher wurden entwendet. Zudem wurde ein Prospekt für ein Buch von Rolf Peter Sieferle mit obszönen Zeichen beschmiert und auf dem Fußboden wurde Unrat vorgefunden. „Tumult“ sagte, die Kriminalpolizei sei bereits am Morgen vor Ort gewesen und hätte eine Anzeige aufgenommen. „Manuskriptum Verlag“ sagte: „Wir machen einfach weiter.“

13. Okt. 2017
von Felix-Emeric Tota
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13. Okt. 2017
von F.A.Z. - Feuilleton
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Die größte Gefahr geht immer noch von Rechten aus

© dpaDemo gegen Judenhass in Berlin

Gibt es Antisemitismus in Deutschland? Viele Menschen zweifeln daran, dass diese Debatte noch zeitgemäß ist. Auch die Teilnehmer der Gesprächsrunde „Fragiler Konsens. Judenfeindschaft heute“ auf der Frankfurter Buchmesse räumen ein, dass die Bundesrepublik sehr viel getan hat, um ihre nationalsozialistische Vergangenheit aufzuarbeiten und zu überwinden. Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, bezeichnet die Deutschen gar als „Weltmeister der Erinnerungskultur“.

Inzwischen zeichnet sich hierzulande jedoch eine gefährliche Entwicklung ab: Beinahe 60 Prozent der Bundesbürger möchten einen Schlussstrich unter das Thema Judenverfolgung im Dritten Reich ziehen. Die Aufarbeitung der Vergangenheit empfinden viele offenbar als Last. Bei der Debatte am Donnerstag thematisiert die Erziehungswissenschaftlerin Heike Radvan vor allem die Rolle der Pädagogen: „Antisemitische Ressentiments gibt es in allen Milieus der Gesellschaft, auch unter Erziehern. Dies und auch falsche Reaktionen auf antisemitische Äußerungen von Kindern oder Jugendlichen verstärkt deren Stereotype mitunter.“ Weiterlesen →

13. Okt. 2017
von F.A.Z. - Feuilleton
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12. Okt. 2017
von F.A.Z. - Feuilleton
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Vom Schaumbad in die Selbständigkeit

© Picture AllianceMuss ich mich hier auch rasieren? Als Frau in der Arbeitswelt hat man’s nicht leicht.

Kochen, backen, sticken, ja, aber: Sind Wesen von der Venus denn überhaupt für die Selbstständigkeit in der harten Männerwelt geeignet? Vielleicht nicht, und trotzdem müssen sie irgendwie, denn man muss ja heutzutage. Aber wie geht das überhaupt, wenn man doch nur ein schwaches Weib ist, das sich mit romantischen Komödien besser auskennt als mit der Steuererklärung? Für alle, die „erfolgreich als Frau“ den Weg in die Selbstständigkeit finden wollen, hat Martina Peukert im gleichnamigen Ratgeber allerhand Tipps zusammengetragen. Mit ihrem Ratgeber wirft sie die Gender-Debatte um Jahre zurück: Als erster Teil mehrerer Bände, wie auf dem Blog der Autorin angekündigt, strotzt er voller Verallgemeinerungen – Frauen ticken auf ihre eigene Art und Weise und dabei in jedem Fall ganz anders als Männer. Während „Erfolgreich als Frau“ den Anspruch erhebt, das geschlechtsunabhängige Unternehmerpotential einer jeden Frau zu entfachen, schießt es mit seinen Pauschalisierungen weit am Ziel vorbei.

Schon beim Vorwort, fragt man sich: Welcher Typ Frau plant einerseits eine Karriere als Selbstständige, nickt aber anerkennend, wenn die Autorin feststellt, Frauen verkaufen sich oft unter Wert, trauen sich einiges nicht zu, und obwohl sie doch fleißiger und gewissenhafter als Männer arbeiten, ist der Wunsch nach einem Chef, der den Tagesablauf durch konkrete Arbeitsanweisungen strukturiert, häufig weiblicher Natur? Weiterlesen →

12. Okt. 2017
von F.A.Z. - Feuilleton
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12. Okt. 2017
von Julia Bähr

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Suchen Sie sich einen langweiligen Verlag!

© Picture AllianceAuch Fische müssen manchmal getrennte Wege schwimmen.

Als Thomas Meyer vor einiger Zeit in einem Interview sagte, vier von fünf Paaren sollten sich trennen, war die Aufregung groß. Ähnlich groß wie damals, als er bei einer Schulfreundin erfahren hatte, dass Paare sich scheiden lassen können, nach Hause ging und das begeistert seinen dauerstreitenden Eltern vorschlug. Die Eltern sind heute noch zusammen. So gewinnt ein Autor manchmal sein Lebensthema. Und zahlreiche zauberhafte Weihnachtsfeste.

Nun laufen auf der Buchmesse einige Menschen herum, die nicht nur zu ihren Partnern schwierige Beziehungen haben, sondern auch zu ihren Lektoren, Autoren, Agenten. Da kommt Meyer mit seinem Buch „Trennt euch“ gerade recht, denn die Ratschläge passen ganz verblüffend auch zu jenen Schwierigkeiten. „Sie müssen kein sehr witziger Mensch [lies: Autor] sein, um einen Partner [Verlag] zu finden, aber sie sollten einen ähnlich witzigen Menschen [Verlag] erwählen.“ Also: Wenn Sie dröges Zeug schreiben wollen, suchen Sie sich einen langweiligen Verlag! Herrgott, es gibt doch genug davon! Umgekehrt gilt das natürlich auch: humorvolle Autoren brauchen humorvolle Lektoren. „Wie sollen Sie sich anerkannt fühlen von jemandem, der nie über Ihre Scherze lacht?“ Genau. Weiterlesen →

12. Okt. 2017
von Julia Bähr

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11. Okt. 2017
von F.A.Z. - Feuilleton

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Mutige Medienschaffende

© APAhmet Şık auf einem Archivfoto

„Erdoğan hat nicht mehr alle Tassen im Schrank“: Der ehemalige Innenminister Gerhart Baum (FDP) ist sichtlich aufgewühlt, als er seine Laudatio für Ahmet Şık auf der Frankfurter Buchmesse hält. Şık ist Preisträger des diesjährigen Raif-Badawi-Awards, weil der „Cumhuriyet“-Journalist aufgrund seiner kritischen Berichterstattung derzeit in der Türkei in Haft sitzt. Am Schicksal des Mannes, der den Preis stellvertretend für die vielen ebenfalls eingesperrten Reporter in der Türkei erhält, gibt Baum ganz unverhohlen dem türkischen Präsidenten die Schuld.

Während der Preisträger an diesem Mittwochnachmittag nicht anwesend sein darf, hat sich einer unters Publikum gemischt, dem der immer restriktiver werdende Umgang der türkischen Regierung mit Medienschaffenden ebenfalls schmerzlich vertraut sein dürfte: Can Dündar. Aktuell lebt und arbeitet der Journalist in Deutschland, mithilfe von Interpol will ihn die türkische Staatsanwaltschaft angeblich bald suchen lassen. Ankara wirft ihm unter anderem die Unterstützung der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vor; Ahmet Şık wiederum soll Propaganda für die Gülen-Bewegung betrieben haben. Die Ironie dabei: Der in der Vergangenheit bereits mehrfach angeklagte, investigative Reporter Şık kritisiert in seinem Buch „Die Armee des Imam“, dass die sogenannte „Hizmet“-Bewegung von Fethullah Gülen den Polizeiapparat und die türkische Justiz massiv infiltriert habe. Weiterlesen →

11. Okt. 2017
von F.A.Z. - Feuilleton

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11. Okt. 2017
von Andrea Diener
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Macht’s gut, und danke für das Fischrezept

© AP PhotoZusammen isst man weniger allein.

Es gibt niemanden, der nicht isst und trinkt, aber nur wenige, die den Geschmack zu schätzen wissen.

Konfuzius

Tausend Quadratmeter groß ist die Gourmet Gallery, und ein Zehntel davon gehört China. Genauer gesagt dem Konfuzius-Institut, Chinas Sprach- und Kulturvermittlungsstelle. Der Stand wurde Mittwoch Vormittag eingeweiht, ein Nudelmeister schwang Nudelteig mit artistischer Perfektion, knotete und rollte und schwang wieder, um eines dieser Gerichte herzustellen, die in China an jeder Straßenecke im Hocken weggeschlabbert werden, hinter denen aber ein, zweitausend Jahre Tradition stehen und ziemlich viel Luft nach oben, was die Qualität der Zubereitung angeht.

Eventuell ist es erklärungsbedürftig, warum China ausgerechnet mit einer Gourmet-Offensive auf der Buchmesse antritt, aber zum Glück gehören zum Rahmenprogramm auch eine Reihe Podiumsdiskussionen. Da sitzt Dr. Jing Wei vom Konfuzius-Institut, die erklären kann, was sie sich dabei gedacht hat. Und natürlich führt der Weg irgendwie über Schweinefleisch süß-sauer, jenem Klassiker der deutsch-chinesischen Küche, mit dem jeder irgendwann angefangen hat, seine Stäbchenfertigkeiten zu testen. Das sei so ziemlich das erste, was die meisten Menschen von chinesischer Kultur mitbekommen, sagt sie und hat, zumindest was Deutschland angeht, wohl auch recht.

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11. Okt. 2017
von Andrea Diener
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