Chaos as usual

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Wer sich heutzutage in den Straßenschluchten des Kapitalismus bewegt, muss aufpassen, von einstürzenden Paradigmen und herabfallenden

Das Eigentum in der Krise (und die Ökonomie auch)

| 49 Lesermeinungen

Mit Subprime fing es an, dann kamen die ersten Bankenpleiten, und jetzt diskutieren wir das Enteignungsgesetz - je länger die Kreditkrise dauert, um so stärker verlagert sich ihr Epizentrum aus der Peripherie der Finanzmärkte direkt in den Maschinenraum des Kapitalismus: dorthin, wo der Motor allen wirtschaftlichen Wachstums die längste Zeit störungsfrei vor sich hinbrummte, dann von einer Sekunde auf die nächste ins Stottern geriet, die Fehlzündungen sich häuften, und jetzt akute Gefahr besteht, dass er wegen eines veritablen Kolbenfressers seinen Geist aufgibt: das Eigentum treibt die Marktwirtschaft an, und diese Krise ist eine Eigentumskrise!

Mit Subprime fing es an, dann kamen die ersten Bankenpleiten, und jetzt diskutieren wir das Enteignungsgesetz – je länger die Kreditkrise dauert, um so stärker verlagert sich ihr Epizentrum aus der Peripherie der Finanzmärkte direkt in den Maschinenraum des Kapitalismus: dorthin, wo der Motor allen wirtschaftlichen Wachstums die längste Zeit störungsfrei vor sich hin brummte, dann von einer Sekunde auf die nächste ins Stottern geriet, die Fehlzündungen sich häuften, und jetzt akute Gefahr besteht, dass er wegen eines veritablen Kolbenfressers seinen Geist aufgibt: das Eigentum treibt die Marktwirtschaft an, und diese Krise ist eine Eigentumskrise!

Dabei geht es dem Eigentum der Form nach eigentlich gut, zumindest wenn man dem jüngst veröffentlichen „Internationalen Index für Eigentumsrechte“ (IPRI) Glauben schenkt: Deutschland liegt demnach beim Schutz des Eigentums weltweit auf Platz 4, und insgesamt werden die Spitzenplätze natürlich von den Industrienationen belegt. Doch den peruanischen Ökonom Hernando de Soto bekümmern die Zustände am unteren Ende der Skala: die nur spärlich ausgeprägten Eigentumsrechte in den Entwicklungsländern; in ihnen sieht er nämlich die Armutsursache Nummer 1. Der britische Historiker Niall Ferguson zitiert ihn in seinem neuesten Buch „The Ascent of Money“ mit einem interessanten Vergleich:

„Die Armen der Welt bewohnen Immobilien im Gesamtwert von 9.300 Milliarden Dollar, das entspricht in etwa der Marktkapitalisierung aller börsennotierten Unternehmen in den 20 größten Volkswirtschaften der Erde. Das Problem ist aber, dass die Armen in den Entwicklungsländern keine titulierten Eigentumsrechte an ihren Häusern und Wohnungen halten, und diese daher nicht als Kreditsicherheit nutzen können.“

Im Resultat blieben diese Länder laut de Soto in der Wohlstandsentwicklung zurück, weil wer nicht kreditfähig ist, natürlich auch kein Kapital aufbringen kann, um ein Unternehmen zu starten; und damit scheitert die Marktwirtschaft gewissermaßen schon an der Startlinie. De Soto spricht hier eine häufig verkannte Grundwahrheit aus: der Kapitalismus ist das leistungsfähigste Wirtschaftssystem nicht primär deshalb, weil sich darin die Keynesschen „Animal instincts“ ungehindert austoben könnten, oder Schumpeters „kreativer Zerstörer“ seine Innovationen in die Welt setzt; sondern vielmehr aus dem Grund, dass kreditfinanzierte Unternehmer alles dafür geben, ihr mit Schulden belastetes Eigentum nicht in der Pleite zu verlieren.

Machen wir an dieser Stelle einen großen Sprung von Peru und de Soto zurück nach Deutschland und zu den beiden Professoren Gunnar Heinsohn und Otto Steiger: gemeinsam haben sie in ihrem „Eigentum, Zins und Geld“ eine umfassende Eigentumstheorie der Wirtschaft dargelegt, in der sich de Soto mit seinen Ansichten wohl recht gut wiederfinden würde. Und nicht nur er: Peter Sloterdijk machte den unter Schuldendruck operierenden Unternehmer zum Helden seines „Weltinnenraums des Kapitals“ und empfahl das Werk der beiden jüngst als „das Kapital des 21. Jahrhunderts“. Freunde der Nationalökonomie mag das verwundern, wo doch spätestens seit Adam Smith von nichts anderem mehr als „Privateigentum“ die Rede ist. – Aber stimmt das? Oder wird dabei nicht ebenso oft Eigentum mit „Besitz“ verwechselt? Das in der Ökonomie auch heute noch gültige „Tauschparadigma“ deutet stark darauf hin, dass es der physische Besitz und nicht das Rechtsinstitut des Eigentums war, dass alle Autoren seit Adam Smith und John Stuart Mill zum agens des wirtschaftlichen Wohlstands verklärten; und weil ihnen dadurch die ausschließlich dem Eigentum vorbehaltenen Operationen „Kauf“, „Belasten“ und „Beleihen“ entgingen, haben sie es auch bis heute nicht geschafft, ein Wirtschaftsmodell vorzulegen, das dem modernen Kapitalismus angemessen wäre. Ganz im Gegenteil: Geld und Kredit sind ihrer Auffassung nach nichts weiter als ein „Schleier“, der die realen Tauschakte verhüllt. Dass ebendieser „Schleier“ sich gerade anschickt, den industriellen Westen samt und sonders in den Abgrund zu reißen, entbehrt dabei nicht einer gewissen Komik.

Smith selbst trug zum historischen Missverständnis durch eine Fehlinterpretation von Aristoteles bei, genauer: dessen Aussagen zu Eigentum und Tauschhandel in „Politik“ und „Nikomachischer Ethik“: Wo der antike Philosoph kollektive Reproduktionsprinzipien wie Autarkie und Reziprozität beschreibt, und den „gerechten“ Tausch zwischen den Polis-Bürgern als eine gesellschaftlich vernünftige Konsequenz des erreichten Selbstversorgungsgrades hervorhebt, macht Smith daraus einen „menschlichen Hang zu tauschen“. Der große Karl Polanyi, der Aristoteles in seinem „Ökonomie und Gesellschaft“ ein ganzes Kapitel widmet, schreibt denn auch:

„Was den Ursprung des Tauschaktes betrifft, so hätte den Philosophen der  Gemeinschaft nichts weniger begeistert als die laut Adam Smith dem Individuum angeblich inhärente Neigung.“

Nach Polanyis Auffassung war Aristoteles zudem gar nicht im Stande, für Smith die Blaupause zu einer auf Eigentum und Tauschhandel beruhenden Marktwirtschaft zu liefern, weil selbige zu dessen Lebzeiten erst im Entstehen begriffen war; insbesondere der Angebots-Nachfrage-Mechanismus sei ihm gänzlich unbekannt gewesen. Mit anderen Worten: Smith reimte sich eine Utopie zusammen, die uns bis in die heutige Ära der Banken-Conduits, der Leveraged Buyouts und der Kreditderivate im Trillionen-Dollar-Bereich verfolgt.

Weil der etablierten Ökonomie die überragende Bedeutung des Eigentums für die Kreditfähigkeit lange Zeit verborgen blieb, war diese auch nie im Stande, die Pleiten-, Pech- und Pannenchronik des Kapitalismus korrekt zu deuten. Nach Ansicht von Heinsohn/Steiger sind die periodisch wiederkehrenden Krisen nur Ausdruck desselben Problems, das de Soto oben für die Entwicklungsländer als Ausgangshandicap diagnostizierte: Güterbesitz mag vorhanden sein bis zum Abwinken, aber kreditfähiges Eigentum? Fehlanzeige! – Sei es, weil Verschuldungsspielräume bereits restlos ausgereizt sind; weil Einbrüche bei den Vermögenspreisen zu Unterbesicherung bestehender Kredite führen und deshalb unbelastetes Eigentum nachgeschossen werden muss; oder weil diejenigen, die noch über belastungsfähiges Eigentum verfügen, sich schlicht weigern, dieses wirtschaftlich einzusetzen.

Gunnar Heinsohn sieht uns aktuell an einem solchen Punkt: das Publikum hat kein verschuldungsfähiges Eigentum mehr, denn nicht nur Haus und Hof, auch zukünftiges Einkommen sind bereits weitestgehend verpfändet (man denke an den US Verbraucher); und potenzielle Investoren sind aufgrund individueller Risiko-/Renditeerwartungen nicht gewillt, ihr Eigentum dem Wirtschaftskreislauf zuzuführen, horten stattdessen amerikanische T-Bonds und deutsche Bundesanleihen. Zentralbankpolitik kann an diesem Zustand wenig ändern: die Fähigkeit, die Zinsen zu senken, ist nicht gleichbedeutend mit der Fähigkeit, zusätzliches  Eigentum zur Verfügung zu stellen. Dummerweise kann diese Misere sehr lange anhalten, wie insbesondere Japan erfahren musste, das sich nach dem Platzen seiner Immobilien- und Aktienblasen Anfang der 90er-Jahre über ein Jahrzehnt lang damit herumschlagen musste; und aktuell sieht es eigentlich fast wieder danach aus, als wäre sie noch immer virulent.

Kann die Politik überhaupt irgendwas gegen eine derartige „Eigentumskrise“ tun? – Ja: sie kann Eigentum mehr oder weniger direkt umverteilen, hin zu denen, die es unmittelbar konsumieren oder investieren. Zunächst vergleichsweise schmerzfrei über höhere Staatsverschuldung, und falls das nichts fruchtet, über direkte Vermögenseingriffe bei den Bürgern. Letzteres hätte in der Jahrtausende alten Geschichte der Schuldenwirtschaft durchaus Tradition: schon im antiken Sparta erwarb sich Lykurg damit seinen Ruf als „Reformer“; und noch viel früher, nämlich 1788 v Chr., erklärte in Mesopotamien König Rim-Sin alle Schulden in seinem Reich Ur für null und nichtig, und trieb damit einige der frühesten, dokumentierten Geldverleiher in den Bankrott; der derart schuldbefreiten Wirtschaft soll es hernach aber wieder bestens gegangen sein.

In unseren modernen Zeiten schafft man kapitalismuskompatible Eigentumsstrukturen natürlich nicht mehr mit derlei archaischen Methoden, sondern bedient sich progressiver Einkommens- und Vermögensbesteuerung; da ist die Regierung Merkel zwar aktuell noch auf einer Art fiskalischem „Schmusekurs“, aber das muss ja nicht immer so bleiben: aus dem politischen Off erklingen bereits deutlich vernehmbare Rufe nach einem „Krisensoli“ oder einer „Zwangsanleihe“ für die „Reichen“; zudem wird mit der aktuell ablaufenden Enteignungsdebatte womöglich die Tür zu wesentlich drastischeren Maßnahmen aufgestoßen, mit denen auch Rim-Sin und Lykurg ihre Freude gehabt hätten. Alles nur eine Frage der politischen Prioritäten…


49 Lesermeinungen

  1. SineObligo sagt:

    Zunächst einmal meinen...
    Zunächst einmal meinen herzlichsten Glückwunsch zu diesem Einstand!
    Mehr Licht! ist man geneigt zu rufen und die Analyse der Krise als Eigentumskrise trifft den Nagel auf den Kopf. Möge die Eigentumsökonomik, die – ironischerweise von der Wirtschaftswissenschaft jahrhundertelang unbemerkt – sich als Garant für ein enormes Wohlstandswachstum erwiesen hat, nun endlich auch in den Elfenbeintürmen der Tauschtheoretiker und den Machtetagen der Politik ankommen!
    Bitte lassen Sie in Ihrem Bemühen nicht nach, die Wirtschaftswissenschaft vom Kopf auf die Füße zu stellen! Wissenschaftler wie Heinsohn/Steiger, Paul C. Martin und andere haben auf diesem Gebiet Großes geleistet. Nur auf diesem Fundament kann nachhaltig erfolgreiche Wirtschaftspolitik gestaltet und ein Ausweg aus der Krise gefunden werden.
    Mit Ihrem Ruf nach Eigentumsreform zielen Sie sicher auf des Pudels Kern. An einer Neuverteilung belastbaren Eigentums führt kein Weg vorbei. Wie Sie allerdings die höhere Staatsverschuldung in diesem Zusammenhang als Lösung sehen, entzieht sich meinem Verständnis. Gerade die grandiose Verschuldung des infalliblen Schuldners Staat, der keineswegs seine zu zahlenden Zinsen im Produktionsprozess erwirtschaftet, sondern diese einfach hochbucht, und der auch keinesfalls an die Tilgung dieser Schulden denkt, ist doch die Achillesferse der modernen Eigentumsökonomik.
    Die Blasen der Privatwirtschaft haben sich im Verlauf der Krise in die letzte Blase der Staatsverschuldung verwandelt und das Platzen dieser Staatsblase würde uns allen noch lange in den Ohren hallen.

  2. 655321 sagt:

    @stroblt: "Damit kann er mehr...
    @stroblt: „Damit kann er mehr anfangen als der reine Besitzer: er kann den Acker auf dieser Wertbasis beleihen oder verkaufen.“
    Das ist Quatsch. Auch der reine Besitzer kann zukünftige Einkünfte diskontieren, für seine Berechnung muß er lediglich berücksichtigen, inwiefern dieses Besitzverhältnis in der Zukunft fortbesteht (oder z.B. durch ein gleichwertiges ersetzt wird) und ob er ansonsten in der Lage ist diese Erträge zu liefern. Das müssen Eigentümer im übrigen auch machen, da auch Eigentum nicht vor dem persönlichen systemischen Risiko schützt (z.B. Krankheit, Dürre)

  3. 655321 sagt:

    @strobit:
    "Der Mensch hat...

    @strobit:
    „Der Mensch hat übrigens immer Eigentum an sich selbst (Sklaverei außen vor), was eine Menge Stoff für zukünftige Beiträge bietet…“
    Jetzt nicht ungenau werden. Wenn Eigentum nicht übertragbar ist, ist es kein Eigentum sondern ein leerer Begriff. Ohne Sklaverei kann man nicht vom Eigentum an sich selbst sprechen. Darüberhinaus sprechen die durch staatliche Ordnung genehmigten Formen von Zwang (Wehrdienst, Freiheitsstrafe, *Verbot der Sklaverei* usw.) dafür, das ein solches Eigentumsverhältnis an sich selbst nicht besteht: es wird immer nur gerne in die Diskussion geworfen, wenn Eigentum naturrechtlich begründet werden soll.

  4. Huuh.rrah sagt:

    Da kommt gleich beim ersten...
    Da kommt gleich beim ersten Wegkreuz eine Gestalt gelaufen und hat die perfekte, allumfassende Lösung im Gepäck. Ich kannte bisher nicht einmal seinen Namen: Rim-Sin!
    Warum hat der Kerl keine Partei gegründet?

  5. alta sagt:

    Wie nützlich ist die...
    Wie nützlich ist die Auseinandersetzung mit einem königlichen Radikal-Reformer der, ohne mit spitzer Feder nachrechnen zu wollen, vor schlappen 3500 Jahren sein Unwesen trieb?
    Wie verwunderlich ist es das die Begriffs-Definition eines Philosophen, der gut 300 Jahre vor Christus starb, heut keine Gültigkeit mehr hat?

  6. Devin08 sagt:

    Wir verlottern in eine...
    Wir verlottern in eine Depression
    Nachtigall ich hör dir trapsen, war es mir, als ich vor etwa einem Jahr (vielleicht waren es auch zwei Jahren) in der Presseöffentlichkeit vernahm, dass das deutsche Kapital neidvoll auf das us-amerikanische schaue, da im Gegensatz zu den USA hier in Deutschland so viele Milliarden in des Bürgers Sparstrümpfe verkomme. Die Deutschen vertrauten auf ihre Rente und sparten daher unbekümmert auf ziemlich unfruchtbare Weise. Der US-Bürger hingegen müsse, um seine Rente abzusichern, sein Geld schon etwas profitabler (wollte gemeint haben: riskanter!) anlegen, in Wertpapieren, Aktien, Grundbesitz (!) anlegen. Nun die Finanzkrise macht es deutlich, der Rubel rollt, zunächst mal in die Löcher, schwarzen Löcher! Die Banken halten noch die Bank, der Bürger starrt auf seine, vom Staat gesicherten Spargroschen. Patt – vorläufig. Also geht es jetzt ein wenig langsamer, aber doch sicher – Zug um Zug. Dem Bürger werden die Groschen mit List und Tücke aus der Tasche gezogen. Die Renten sind nicht sicher, heißt es (die Wertpapiere aber auch nicht, weiß man jetzt!), also wird der Konsum angefeuert und die Verschrottungsprämie für alte Autos losgetreten. Aber die Banken halten das Geld immer noch, sie horten, ja sie rüsten sich, langfristige Darlehen, bzw. Investitionskredite sind noch nicht in Mode. Der Leitzins geht runter, bei kleinen- und kurzfristigen Krediten machen die Banken also wieder etwas Profit, man muss ja auch was arbeiten. Nur Bekloppte investieren, die Schlauen warten auf den ultimativen Börsencrash (und den Preisverfall). Ein Spiel mit dem Tod – will es scheinen. Der Coup macht aber nur Sinn, wenn die Masse in Bewegung gerät, d.h. deren Geld, oder deren Geldwert, oder wenn man sie paralysiert, d.h. ihren Verstand lahmlegt. Wenn sie nun in Gold anlegen, vielleicht kriegen wir sie dann?- fragt sich schon der eine oder andere Spezialist. Schon wird spekuliert über eine Goldbindung des Geldes, ein neues Bretton Woods wird in Umlauf gesetzt. Staatsanleihen? – vielleicht, aber die sind entweder als langweilig oder als gefährlich verrufen. Auf welchen Staat soll man setzen, den Gewinner oder den Verlierer? Das wäre der Hit: Staatsanleihen wie Derivate! Dann Kriegsanleihen gar – für die Gewinner? Aber wer mag daran schon denken? Das Patt zieht sich hin, es entspricht dem Patt im Klassenkampf, und das geht schon lange so. Der deutsche Proletarier traut sich nämlich lange nicht mehr, aber der Bourgeois auch nicht. Jetzt soll erst mal Opel gerettet werden. Wem nützt das? – fragen sich nicht nur die Banken Wir verlottern in eine Depression.

  7. etiterum sagt:

    @MostlyBullish, wir wollen das...
    @MostlyBullish, wir wollen das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Ihren Eigentumstitel dürfen Sie natürlich gerne behalten. Sein Wert beträgt übrigens: Kosten für das Papier + Kosten für das Bedrucken + Kosten des Notars + Kosten des Registers + Kosten für die eigentumschützende Infrastruktur (Gerichtsbarkeit, politische Kosten, Polizei) + Kosten zum Aufrechterhalten eines Marktes für Eigentumstitel. Da läppert sich schon was zusammen – insgesamt eine gute Erfindung, bringt vielen Arbeit.

  8. bilbo01 sagt:

    @strobl

    Ein sehr schöner...
    @strobl
    Ein sehr schöner Einstand. Freue mich auf viele interessante Artikel hier bei der FAZ.
    Zur Sache:
    „Der Mensch hat übrigens immer Eigentum an sich selbst (Sklaverei außen vor), was eine Menge Stoff für zukünftige Beiträge bietet…“
    Das ist ein interessanter Punkt. Juristisch gibt es selbstverständlich kein Eigentum an einer Person. Der Mensch hat aber die Möglichkeit, seine Arbeitskraft zum Nutzen anderer zu verwenden oder sie, wie im Arbeitsverhältnis, zur Disposition des Arbeitgebers zu stellen. Diese Möglichkeit rechtfertigt mE auch die Einordnung der Arbeitskraft als Vermögen.
    Trotz dieser (wirtschaftlichen) Vermögensqualität besteht aber ein ganz entscheidender Unterschied zum Eigentum bei Heinsohn/Steiger. Im Gegensatz zum Eigentum kann man nämlich seine Arbeitskraft/Person nicht für einen zu gewährenden Kredit belasten. Die Arbeitskraft des Menschen ist (Sklaverei außen vor) nur soweit fungibel, wie der Mensch bereit ist, seine Arbeitsleistung zum Nutzen eines anderen zu erbringen und kann daher nicht als Sicherheit für gewährte Kredite dienen.
    Beste Grüße,
    bilbo

  9. 655321 sagt:

    Rim-Sin ist in Mesopotanien...
    Rim-Sin ist in Mesopotanien wohl kein Einzelfall gewesen. Offenbar hat man durchaus regelmäßig die Schulden gestrichen, etwa wenn die Funktionsfähigkeit des Staates gefährdet war (Schuldknechte kämpfen nicht) oder wenn ein neuer Herrscher bei Amtantritt die Loyalität des Volkes sichern wollte:
    https://www.schalkenbach.org/Works-Michael-Hudson.html

  10. 655321 sagt:

    Die IPRI Studie habe ich mir...
    Die IPRI Studie habe ich mir jetzt auch angeguckt: Schwierig daraus die genannten Schlussfolgerungen zu schliessen. Der Index setzt sich aus drei Teilwerten zusammen, LP beschreibt die Rechtsstaatlichkeit des Landes und die Verlässlichkeit seiner Institutionen, IPR die Implementation von IP (Patente etc), schliesslich PPR, welches sich beschäftigt Eigentumsrechten beschäftigt, d.h. ob sie definiert sind und wie schwerig es ist Eingentumstransaktionen durchzuführen. Kritischerweise ist darin ein Punkt, wie schwer es ist einen Kredit zu bekommen und zwar lautet die Frage wörtlich:
    —–
    Survey participants were asked:
    „How easy is it to obtain
    a bank loan in your country
    with only a good business plan
    and no collateral?
    (1 = impossible, 7 = easy)“.
    ——
    Die Frage *beleihungsfähigen* Eigentums wird dort also gar nicht diskutiert, die Armen Länder liegen weit zurück, weil sie keine rechtsstaatlichen Institutionen haben die Kontrakte durchsetzen könnten und demzufolge kein Kreditwesen das auf ‚business plans‘ abfährt.

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