Chaos as usual

Chaos as usual

Wer sich heutzutage in den Straßenschluchten des Kapitalismus bewegt, muss aufpassen, von einstürzenden Paradigmen und herabfallenden

27. Apr. 2009
von Thomas Strobl
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Wiederholt sich die Geschichte? Das will ich doch gar nicht wissen!

Das Prinzip eines Pyramiden- oder Kettenbriefspiels ist schnell erklärt: Alle Teilnehmer erwarten, nach ihnen würden weitere Spieler einsteigen, aus deren Einsatz dann die Rückzahlung des eigenen Spielgeldes bestritten sowie das – zumeist sagenhafte – Gewinnversprechen der Organisatoren eingelöst wird. Weil die ganze Nummer logischerweise nur solange funktionieren kann, als neu hinzutretende Teilnehmer gefunden werden, andernfalls alle übrigen noch im Spiel befindlichen Spieler alles verlieren, sind derartige Kettenbriefspiele üblicherweise gesetzlich verboten. Bis auf eines, zufällig das größte Pyramidenspiel überhaupt: Der Kapitalismus.

Dieses Spiel ist absolut legal, seine erfolgreichen Spieler werden zumeist als „Helden" verehrt und rangieren in den gesellschaftlichen Hierarchien an oberster Stelle. Die goldene Regel im Kapitalismus lautet: Solange zur Bedienung aller Schulden neue Nachschuldner gefunden werden, läuft alles wunderbar. Bleiben diese aber aus, dann heißt es: Game over! – Der Kettenbrief reißt, der Aufschwung schlägt um in die Krise, und alle, die gestern noch jubelten, sind plötzlich stinksauer. Zumeist gibt es dann ziemlich lautes Geschrei, wenn es besonders hart kommt auch eine knackige, kleine Revolution, oder gar einen ausgewachsenen Krieg, mittels derer die alten Wetten aufgehoben und die Schuldenuhren auf „Null" zurückgedreht werden, sodass das lustige Kreditspiel von Neuem starten kann. Der ehemalige Fed-Chef Alan Greenspan verlieh dieser Sorge Ausdruck, als er vor einigen Jahren um „new credits" förmlich bettelte, und selbst durch drastische Leitzinssenkungen massiv dazu beitrug, dass sie auch tatsächlich eintrafen; sein Nachfolger Ben Bernanke tut sich da schon erheblich schwerer, die Neuschuldner wollen sich seit geraumer Zeit partout nicht einstellen, die wirtschaftlichen Auswirkungen ihres Fernbleibens werden zunehmend schlimmer. Weiterlesen

27. Apr. 2009
von Thomas Strobl
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22. Apr. 2009
von Thomas Strobl
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Genug von meinen Schweinereien

Nein, meine sehr geschätzten Damen und Herren, das waren weder die letzten Worte von Johannes B. Kerner, mit denen dieser sich vom ZDF zu Sat 1 verabschiedet hätte, noch ist es eine Ankündigung, dass ich an dieser Stelle nicht mehr über Fragen zur deutschen Einkommensverteilung zu schreiben gedächte. Stattdessen handelt es sich dabei um den Titel eines kleinen Reclam-Büchleins von Ludger Lütkehaus, das auf rund 150 Seiten einen bunten Strauß an Sigmund-Freud-Zitaten offeriert. Gestern habe ich das Werk zufällig am Flughafen entdeckt, auch gleich im Flieger noch gelesen, und in Zeiten wie diesen, wo es für die allermeisten Menschen ohnehin nichts zu lachen gibt, dachte ich, so etwas sollte man seinen treuen Bloglesern zur entspannten Abwechslung nicht vorenthalten. Ich jedenfalls habe mich für läppische 4 Euro schon wesentlich schlechter amüsiert. Weiterlesen

22. Apr. 2009
von Thomas Strobl
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20. Apr. 2009
von Thomas Strobl
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Politik für die obersten 1,6%

"So wie wir die kapitalistische Wirtschaftsweise kennen und erleben, hat sie zur Grundlage, daß die Gesellschaft in die beiden durch Besitz und Nichtbesitz von Erwerbsvermögen unterschiedenen gesellschaftlichen Gruppen "Kapital" und "Arbeit" auseinandergeschichtet ist, wobei erstere eine Minderheit, letztere die große Mehrheit bildet. Dieser Sachverhalt gestattet der ersteren Gruppe, die Initiative zu ergreifen und den Sozialprozeß der Wirtschaft zu organisieren, indem sie Angehörige der letzteren im Lohnarbeitsverhältnis in ihren Dienst nimmt. Bezeichnen wir die durch das Merkmal der von Besitz oder Nichtbesitz von Kapital gekennzeichneten Gruppen als "Klassen", so haben wir hier die "kapitalistische" Klassengesellschaft vor uns; sie liegt unserer kapitalistischen Wirtschaftsweise zugrunde, die ihrerseits wieder sehr dazu angetan ist, die ungleiche Verteilung von Vermögen ("Kapital") und damit den Charakter dieser Gesellschaft als Klassengesellschaft noch zu verschärfen."

Wer meint, dieses Zitat stamme von Karl Marx oder einem seiner neuerdings wieder recht zahlreichen Fans, der irrt: Diese Sätze stammen vom Nestor der katholischen Soziallehre Oswald von Nell-Breuning. Einer der bedeutendsten und beeindruckendsten christlichen Sozialethiker, die Deutschland je hatte, und damit jemand, der eigentlich auch im konservativen Lager als zitierfähig, wenn schon nicht sinngebend gelten müßte.

Nun legte die SPD also ihr Wahlprogramm auf den Tisch, eines, das auf den ersten Blick durchaus die Ethik Nell-Breunings aufgreift, eines, das man im besten Sinne des Wortes als „links-liberal" bezeichnen könnte, und die empörten Reaktionen der christlich-konservativen Republik sind heftig: „Ein tiefer Griff in die sozialistische Mottenkiste", schimpfen die einen, die gerade ihrer politischen Klientel aus Tegernsee-Villenbesitzern die Erbschaftssteuerfreiheit ihrer Pretiosen zugeschanzt haben; „Koalition? Mit uns keinesfalls!" empören sich die anderen, die unmittelbar nach der Wahl 2005 selbst nichts besseres zu tun hatten, als die größte Mehrwertsteuererhöhung aller Zeiten vom Stapel zu lassen; und alle zusammen haben dabei natürlich nur eines im Sinne, nämlich das Wohl der berühmten „Mitte" – nicht wahr? – den sprichwörtlichen Facharbeiter, die Krankenschwester, den Polizisten, mit einem Wort: den hart arbeitenden, ehrbaren Bürger dieses Landes, den die SPD mit ihren Vorschlägen jetzt weiter zu schröpfen droht, in ihrem „unverhüllten Linksruck", wie Ulf Poschardt, der selbsterklärte Guru der „Movers & Shakers" in seiner neuesten Wirkungsstätte lauthals dröhnt. Dass letzterer für das moderne "Geschmacksbürgertum" anderes im Sinn hat, als Nell-Breunig, ist bereits bestens bekannt und bedarf keiner weiteren Erörterung. Aber CDU/CSU? Was hätten die als angebliche "Volksparteien" gegen das SPD-Programm vorzubringen? Weiterlesen

20. Apr. 2009
von Thomas Strobl
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15. Apr. 2009
von Thomas Strobl
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Too much information und statistische Normaldepression

Folgt man dem Soziologen Niklas Luhmann, dann beziehen wir unser Wissen über die Welt aus den Massenmedien: Sie zeigen der Gesellschaft „wie die Welt gelesen wird", was in der Welt von Bedeutung ist. Sie stellen das allgemeine Orientierungswissen bereit. Gleichzeitig begründen die Massenmedien auch eine neue Zeitsemantik: Die Gegenwart verliert ihre Bedeutung, sie schrumpft gleichsam zu einem bloßen Umschlagspunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft; sie hat keinen eigenen Raum mehr, keine Dauer und auch keine Stabilität. Mit jeder weiteren Entfaltung der Massenmedien wird die Gesellschaft daher auch unruhiger, unsicherer, unsteter, eiliger – sie wird durch die Massenmedien zunehmend temporalisiert. Die traditionelle Vergangenheits- und Geschichtsorientierung wird durch eine Fixierung auf die Zukunft als primär sinngebendes Element abgelöst, die „Neuheit" als entscheidender Wert entdeckt. Zeit ohne Dauer im „Jetzt" bedeutet aber: „Man hat buchstäblich keine Zeit mehr" – charakteristisch für unsere moderne Gesellschaft. Weiterlesen

15. Apr. 2009
von Thomas Strobl
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09. Apr. 2009
von Thomas Strobl
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Ende des neokonservativen Zeitalters?

Der Kapitalismus fällt ins Koma und Barack Obama wird Präsident der USA: Ist es Zufall, dass beide Ereignisse zeitgleich auftreten oder verbirgt sich mehr dahinter, womöglich eine echte Zeitenwende? – Ja, meint der österreichische Autor Robert Misik in seinem neuesten Buch „Politik der Paranoia", dahinter stecke tatsächlich viel, viel mehr, nämlich das herannahende Ende des neokonservativen Zeitalters. Noch könne man sich dessen zwar nicht ganz sicher sein, weiterhin bestünde Gefahr, dass die Gesellschaft auch diesmal nur in einer kurzlebigen Ahnung von Wechsel stecken bleibt, statt den vollständigen Durchbruch in eine neue, bessere Epoche zu schaffen. Aber immerhin: So gut wie jetzt hätten die Chancen schon lange nicht mehr gestanden, schreibt Misik, und mit seinem Buch wolle er seinen Beitrag leisten, für einen echten Wechsel zu einer nachhaltigeren und gerechteren Politik; daher beschränke er sich darin auch nicht auf die bloße Kritik an neokonservativem Gedankengut, sondern stelle diesem die eigenen „progressiven" Konzepte als die überzeugenderen politischen Lösungen gegenüber. Weiterlesen

09. Apr. 2009
von Thomas Strobl
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03. Apr. 2009
von Thomas Strobl
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Ist Horst Köhler "on to something" ?

Es ist 2 oder 3 Jahre her, da saß ich in den USA in einer Veranstaltung und lauschte dem Herausgeber eines bekannten US Nachrichtenmagazins, gleichzeitig bekennender Republikaner, bei seinem Vortrag; es ging um die Politik von Präsident George W. Bush, das Auditorium bestand zu 80% aus amerikanischen Managern, insofern war die zur Schau getragene Kritik am damaligen Kurs des US Präsidenten entsprechend verhalten, zumindest nach europäischen Maßstäben. In seiner Rede machte der Vortragende aber an einer Stelle eine Bemerkung, die bei mir offenbar hängen geblieben ist und gestern spontan in mein aktives Bewusstsein schoss: Er wüsste auch nicht genau einzuordnen, was Bush und die Neocons da eigentlich im Irak und in Afghanistan genau bezweckten, er glaube jedoch – ja, er hätte da so ein diffuses Gefühl -, da sei vielleicht mehr, als mit bloßem Auge sichtbar wäre: „I believe the President is on to something".

Nun ist Horst Köhler nicht George W. Bush, und die Soziale Marktwirtschaft ist nicht Afghanistan, und wenn ich nicht gestern die Gedanken eines wiederum ganz anderen Mannes auf mich wirken lassen hätte, dann wäre ich im Leben nicht auf die Idee gekommen, derartig schräge Assoziationen zwischen Köhlers Berliner Rede und diesem USA-Erlebnis überhaupt zum Besten zu geben. Aber sei's drum: Ich habe gestern Oswald von Nell-Bräunigs „Worauf es mir ankommt" gelesen, einen unscheinbaren, nicht mal 100 Seiten starken Vortragsband, in welchem die Meilenstein-Reden des legendären katholischen Sozialethikers abgedruckt sind. Und darin findet sich folgende Passage, im Anschluss an seine zutreffende Feststellung, dass in Zeiten schneller Produktivitätszuwächse Arbeitsplatzabbau stattfindet, der nicht ohne weiteres kompensiert werden kann: Weiterlesen

03. Apr. 2009
von Thomas Strobl
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