Chaos as usual

Chaos as usual

Wer sich heutzutage in den Straßenschluchten des Kapitalismus bewegt, muss aufpassen, von einstürzenden Paradigmen und herabfallenden

Carrie Bradshaw trifft Luhmann und die Laura Girls

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Bei SPIEGEL Online lesen wir von einem interessanten Gerichtsurteil: Das Arbeitsamt muss einem Bordell keine Prostituierten vermitteln, entschied das Bundessozialgericht in Kassel am Mittwoch, und wies damit die Forderung eines Bordellbetreibers aus Speyer an die Bundesanstalt für Arbeit in dritter und letzter Instanz ab. "Eine solche Handlung der öffentlichen Gewalt lässt sich nicht mit der Werteordnung des Grundgesetzes vereinbaren", heißt es laut SPIEGEL in der Urteilsbegründung. Der Kläger betreibt unter der Marke "Lauras Girls" zwei Bordelle. Deren Dienstleistungen will er zukünftig von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten anbieten lassen, daher bat er die Arbeitsagentur um Hilfe bei der Suche nach geeigneten Mitarbeiterinnen aus Deutschland und der Europäischen Union. Als Art der Tätigkeit gab er die "Vornahme sexueller Handlungen" an. Sein Argument vor Gericht: Prostitution sei mittlerweile ein normales Gewerbe, die Bundesagentur dürfe ihm daher die Vermittlung von Arbeitskräften nicht verweigern, das dürfe sie nur bei kriminellen Aktivitäten. Zudem wären die Jobs sozialversicherungspflichtig und "Wenn sie in die Arbeitslosenversicherung einzahlen, muss sich die Anstalt auch um sie kümmern." Damit ließen ihn die Richter jedoch abblitzen. Ich kann mir nicht helfen, aber mich faszinieren derlei Geschichten total. Aus streng gesellschaftsphilosophischer Sicht, versteht sich.

Bei SPIEGEL Online lesen wir von einem interessanten Gerichtsurteil: Das Arbeitsamt muss einem Bordell keine Prostituierten vermitteln, entschied das Bundessozialgericht in Kassel am Mittwoch, und wies damit die Forderung eines Bordellbetreibers aus Speyer an die Bundesanstalt für Arbeit in dritter und letzter Instanz ab. „Eine solche Handlung der öffentlichen Gewalt lässt sich nicht mit der Werteordnung des Grundgesetzes vereinbaren“, heißt es laut SPIEGEL in der Urteilsbegründung.

Der Kläger betreibt unter der Marke „Lauras Girls“ zwei Bordelle. Deren Dienstleistungen will er zukünftig von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten anbieten lassen, daher bat er die Arbeitsagentur um Hilfe bei der Suche nach geeigneten Mitarbeiterinnen aus Deutschland und der Europäischen Union. Als Art der Tätigkeit gab er die „Vornahme sexueller Handlungen“ an. Sein Argument vor Gericht: Prostitution sei mittlerweile ein normales Gewerbe, die Bundesagentur dürfe ihm daher die Vermittlung von Arbeitskräften nicht verweigern, das dürfe sie nur bei kriminellen Aktivitäten. Zudem wären die Jobs sozialversicherungspflichtig und „Wenn sie in die Arbeitslosenversicherung einzahlen, muss sich die Anstalt auch um sie kümmern.“ Damit ließen ihn die Richter jedoch abblitzen.

Ich kann mir nicht helfen, aber mich faszinieren derlei Geschichten total. Aus streng gesellschaftsphilosophischer Sicht, versteht sich. Genauso, wie letzte Woche schon die News über den baldigen Familienzuwachs im Hause Parker-Broderick; Zwillingen wie man hört – wir gratulieren! -, mit denen aktuell nicht Ms. Sarah Jessica Parker selbst schwanger geht, die Dame, die wir alle als real-life-Double von Schuhfetischistin Carrie Bradshaw aus „Sex and the City“ kennen, sondern eine Leihmutter mit dem schönen Namen „Michelle“. Über die genauen Hintergründe dieser reproduktiven Menage-à-trois wollen wir uns hier nicht weiter auslassen – sie gehen uns im Grunde auch gar nichts an -, festhalten wollen wir nur, dass das Leihmuttergewerbe in den USA offenbar floriert und dabei Margen abwirft, wie zu Pablo Escobars besten Zeiten der Kokainhandel: die Leihmütter selbst kassieren für 9 Monate Kopfschmerzen, Übelkeit und Geburtsstress zwar nur relativ bescheidene 30.000 Dollar, aber Vermittlungsagenturen, die im Auftrag der prospektiven Eltern eine geeignete Gebärmutterbesitzerin suchen, kassieren wohl in der Regel 100.000 Dollar und mehr für ihre Dienste, wenn man den wie üblich gut informierten einschlägigen Medien glauben darf. Und dieselben Medien erzählen uns, dass das im Land der unbegrenzten Möglichkeiten natürlich alles keine große Sache mehr wäre, diverse andere Prominente wären auf diesem Wege ebenfalls schon zu Kinderfreuden gekommen, der Latino-Barde Ricky Martin etwa, von unzähligen Homosexuellen-Paaren ganz zu schweigen, und eines Tages in nicht allzu ferner Zukunft wird das alles als ganz und gar „normal“ gelten.

Schöne neue Welt also, die wir kurz mal verlassen wollen, um ins Jahr 1974 zu reisen. Damals schrieb der marxistische US Soziologe Harry Braverman folgendes:

„Die Bevölkerung verlässt sich nicht mehr auf soziale Organisationsformen in Gestalt von Familie, Freunden, Nachbarn, Gemeinschaft, Älteren und Kindern, sondern bedient sich des Marktes nicht nur für Nahrung, Kleidung und Wohnung, sondern auch für Erholung, Unterhaltung, Sicherheit, für die Betreuung der Jungen, der Alten, der Kranken, der Behinderten. Bald werden nicht nur die Material- und Dienstleistungsbedürfnisse der Gesellschaft durch den Markt bestimmt sein, sondern auch alle emotionalen Erscheinungsformen des Lebenszyklus.“

Runde 35 Jahre später sind wir also an einem Punkt angekommen, wo sich in der gesellschaftlichen Realität selbst der elementarste menschliche Vorgang, nämlich der von Zeugungsakt, Schwangerschaft und Geburt, in einem marktwirtschaftlichen Kontext präsentiert; oder – um mit dem Anthropologen Karl Polanyi zu sprechen – zur „Warenfiktion“ geworden ist, als solches mit einem Preisschild versehen wird und dem Gesetz von Angebot und Nachfrage unterliegt. Dass die Prostitution als vermeintlich „ältestes Gewerbe der Welt“ gilt, muss uns nicht weiter irritieren: Sie wurde – zumindest in unseren Breitengraden – niemals von der Gesellschaft als solches gelebt, sondern führt bis zum heutigen Tage eine Randexistenz in der sozialen und rechtlichen Grauzone. Tendenzen, sie von dort herauszuholen und in die Mitte des gesellschaftlichen Establishments zu führen, gibt es zwar durchaus, aber eben erst seit relativ kurzer Zeit. Und entsprechende Widerstände seitens der Gesellschaft ebenso, wie das oben zitierte Gerichtsurteil ja eindeutig belegt.

Wir können anhand dieser (und zahlreicher anderer) Beispiele also beobachten, dass sich das Marktwirtschaftliche in unserem Leben ständig ausbreitet, und dabei in Bereiche vordringt, die bislang intimsten menschlichen Zusammenhängen vorbehalten waren, in einem Rhythmus, der von autonomer Bewegung und gesellschaftlichem Widerstand bestimmt wird. Letzterer ergibt sich zumeist aus moralischen, rechtlichen oder religiöse Auffassungen, Traditionen, Sicherheitsbestimmungen und dergleichen mehr, und oft genug ist nicht klar mit welchem Argument man nun den „moral highground“ für sich reklamieren könnte, dem protagonistischen oder dem antagonistischen: Ist es begrüßenswert, dass Frauen ihre natürliche Gebärfähigkeit zur Einkommenserzielung nutzen können, oder sollte man das als „ausbeuterisch“, „unmenschlich“, „unethisch“ oder was auch immer ablehnen? Und warum sollte dann Prostitution, jenseits konservativer Moralvorstellungen, eigentlich nicht als „normale“ Dienstleistung gelten dürfen (kriminelle Machenschaften außen vor)? Es sind doch gerade die Apologeten des Liberalismus, die uns neuerdings immer von „Freiheit“ und „individueller Entfaltung“ predigen – wer bestimmt da, was jetzt noch als „erlaubt“ und was als „nicht mehr erlaubt“ gelten soll? Wer spielt den Richter? Und nach welchen Regeln? Und ist es nicht so, dass, wo die Fans des Liberalismus zufällig aus dem konservativen Lager entstammen, sich bisweilen krasse Widersprüche zwischen liberalem Leitmotiv und konservativem Wertebewusstsein ergeben, wie das Robert Misik kürzlich so erfrischend in seinem neuen Buch „Politik der Paranoia“ dargestellt hat?

Wir werden uns zukünftig mit derlei Fragen intensiver und öfter zu beschäftigen haben, das ist für mich so sicher wie das sprichwörtliche Amen in der Kirche. Alleine schon deshalb, weil wesentliche Elemente unseres Gemeinwesens noch immer auf einem Gesellschaftsbild beruhen, das dem heutigen ja schon nicht mehr wirklich entspricht, der gesamte Apparat der sozialen Sicherung etwa; und weil das Vordringen der Marktwirtschaft in noch tiefer liegende Bereiche des Menschseins nicht aufzuhalten sein wird – die moderne Medizin und die Genforschung eröffnen da ein weites Spielfeld. Der deutsche Mediziner, Psychotherapeut und Professor für Organisationslehre Fritz B. Simon schreibt in seiner stark an Luhmann angelehnten „Einführung in die systemische Wirtschaftstheorie“:

„Der Tausch Geld gegen Gut hat den Vorteil, dass der Einzelne der Geiselhaft seines sozialen Herkunftssystems und dessen Anpassungsforderungen entkommen kann. Nun ist es im Prinzip möglich, auch als isoliertes Individuum zu überleben, dem sich niemand zur Hilfe oder Solidarität verpflichtet fühlt, und das selbst keine derartigen Verpflichtungen eingeht.“

Wir sehen heute bereits, dass gelebte Individualität, sofern man sie sich leisten kann, vor keinen moralischen, sozialen oder biologischen Grenzen mehr halt macht. Zukünftige Gesellschaften werden daher völlig anders funktionieren, als es unserer traditionellen Sicht entspricht: Entscheidungen für oder gegen eine bestimmte Lebensweise sind dann keine Frage mehr von Moral, Tradition oder familiärem Hintergrund, sondern schlicht eine des Preises. Und in einer solchen Gesellschaft, in der Begriffe wie „Individualität“ und „Freiheit“ unmittelbar an den Begriff „Geld“ geknüpft sind, wird logischerweise auch alles, was Geld „kostet“, als Einschränkung von Individualität und Freiheit empfunden: eigene Kinder zum Beispiel. Insofern ist die Prognose nicht schwierig, dass das weitere Voranschreiten einer von Geld- bzw Marktprozessen getragenen Individualisierung gleichzeitig auch zu DER entscheidenden Herausforderung für das Gemeinwesen werden wird, wovon unsere heutigen Rentendebatten bereits erste Vorahnungen liefern; wie auch die News vom amerikanischen Leihmutter-Gewerbe oder das Gerichtsurteil zum Prostitutionsgewerbe.

 


57 Lesermeinungen

  1. Nanuk sagt:

    "Nun ist es im Prinzip...
    „Nun ist es im Prinzip möglich, auch als isoliertes Individuum zu überleben, dem sich niemand zur Hilfe oder Solidarität verpflichtet fühlt, und das selbst keine derartigen Verpflichtungen eingeht.“
    Der Witz an der Sache ist das in der so genannten Unterschicht genau das Gegenteil passiert dort bilden sich Solidargemeinschaften ja auch die Mafia ist eine und wenn man überhaupt aus der Vergangenheit heraus annahmen über die Zukunft erstellen kann sind solche Horden immer die überlegenere Lebensform wenn man nur Biologische erwägungen in betracht zieht.
    Da wünsche ich den Übermenschen viel spass beim Endsieg über die Biologie.
    Afganistan läst grüssen nicht wahr werte Politik… dort reicht die staatliche Kontrolle bis zur Bordsteinkante…
    Ich möchte weinen um meinen Porsche aber ich hab ja ne Garage mit Selbstschuss Anlage ja genau so schmecht die Freiheit durch Eigentum man wir zum Gefangenem im selbigen.

  2. c.cramer sagt:

    nein, vorher werden gruppen...
    nein, vorher werden gruppen von menschen, die sich irgendeine form von kultur erhalten oder neu entwickelt haben, widerstandslos die macht im sogenannten abendländischen kulturraum übernehmen und die bis dahin aufgrund der oben beschriebenen verhältnisse ohnehin schon stark dezimierte bevölkerung unterwerfen bzw. ausrotten. allerdings über so große zeiträume, daß es ein fast unmerklicher vorgang sein wird.

  3. enigma sagt:

    Das ist doch völlig in...
    Das ist doch völlig in Ordnung, wenn das Austragen von Kindern eine Angelegenheit eines Geschäfts wird. Denn ausgehend davon, daß immer nach Lösungen gesucht wird, wenn der natürliche Fortgang der Fortpflanzung aus irgendeinem Grunde behindert ist, ist dies doch die am meisten zivilisierte! Jetzt deswegen den Untergang des Abendlandes auszurufen, weil es Leihmütter gibt, heißt doch auf der anderen Seite akzeptieren, daß alternativ den Latino – Mädels die frischen Babys schlicht und ergreifend gewaltsam geraubt werden, ohne daß sie dafür 30.000 $ beziehen. Insofern werden hier doch nur Krokodilstränen geweint!

  4. pjk sagt:

    "...sie [die Prostitution]...
    „…sie [die Prostitution] wurde – zumindest in unseren Breitengraden – niemals von der Gesellschaft als solches gelebt…“
    In abgewandelter Form doch: als Versorgungsehe. Während der Gang ins Bordell sozusagen eine Transaktion auf dem Spotmarkt darstellt, handelt es sich bei der Versorgungsehe um einen langfristigen Liefervertrag.
    Es ist übrigens noch nicht so lange her, da haben deutsche Gerichte geurteilt, daß wegen der „ehelichen Pflichten“ Vergewaltigung in der Ehe nicht bestraft werden könne. Nicht nur der Markt, sondern auch das Recht war damals noch nicht in der „privacy“ angekommen, was diese vermutlich nur aus der Sicht des Außenstehenden idyllischer gemacht hat.
    @Nanuk
    Ja, so sieht es aus. Jede Entwicklung erzeugt in gewissem Maße auch ihr Gegenteil, würde der Dialektiker sagen. Schon in den 90-ern hat das Benjamin Barber in seinem Essay „McWorld vs. Dschihad“ dargestellt; später hat er den Gedanken in „Coca Cola und Heiliger Krieg“ nochmal präzisiert:
    https://www.rosaluxemburgstiftung.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Utopie_kreativ/91-2/91_2_rez.pdf

  5. Hartmut Amft sagt:

    Frage:
    Was ist den...

    Frage:
    Was ist den menschenunwürdiger, eine mit 30.000 $ bezahlte Leihmutter-Dienstleistung oder ein 1€-Job?

  6. goodnight sagt:

    Yep.
    Der Vorteil des Geldes...

    Yep.
    Der Vorteil des Geldes ist halt, es kennt keine Hautfarbe, keine Religion, keine Kultur, kein Alter, kein Geschlecht, nichtmal Bildung, Herkunft und Körper überhaupt. Yep, und genau deshalb kann man sich als alter Sack ne junge Frau kaufen….yep, und schon rufen alle: Das Geld ist der Untergang des Abendlandes, es kolonalisiert die Lebenswelt, etc.
    Nope.
    Schauen wir nach Italien udn Frankreich, dort stehen zwei Landesväter im Zentrum der Presse, weil sie sich mit jungen hübschen Damen umgeben. Yep, der Italiener ist ca. 9 Mrd. € schwer, der Franzose hingegen nur ein paar Milliönchen….whatever, entscheidend ist vielmehr, dass die garnicht Geld sondern Macht und Ruhm den Damen für …äh…was uch immer da gelaufen sein sollte…anbieten (Yep, vielleicht schenken die auch einfach nur gerne…äh….die Herren 😉 ) Whatever, wichtig ist: Man brauch kein Geld, um gesellschaftliche Regeln zu umgehen, es geht auch mit Macht oder Ruhm als „Tauschmittel“.
    Ergo: Geld ist nicht das grundlegende Element dieser Entwicklung.
    Das grundlegende Element ist vielmehr die funktionale Differenzierung, die wir überall, auch außerhalb des Kapitalismus finden.
    Prostitution ist ja das älteste Gewerbe der Welt, also schon vor dem Kapitalismus auf unserer Erde….bzw. an dessen Anfang…whatever, wichtig ist hier: Prostituion ist funktionale Differenzierung, d.h. ich unterscheide zwischen der Frau, die ich heirate und der Frau, mit der ich Sex vollziehe. Eine Unterscheidung (vulgo: Differenzierung)….und zwar eine funktionale!
    Yep, und diese funktionale Differenzierung geht immer weiter, d.h. je mehr ich funktional differenziere…umso mehr differenziere ich funktional 😉
    Ergo ist die Entwicklung zu Leihmüttern eine logische Konsequenz der Meta-Entwicklung der funktionalen Differenzierung: Jetzt unterscheide ich Frauen nicht nur mehr nach sexuellen Aspekten, sondern auch nach …äh…yep, sind ja auch sexuellle…egal, also, erst habe ich eine frau für Sex und eine für die Ehe, jetzt habe ich eine Frau für Sex, eine für die Austragung meiner Kinder und eine für die Ehe….und yep, das ist natürlich alles auch erst möglich durch Geld, d.h. weil ich all die Frauen jetzt bezahlen kann….obwohl, auch früher haben Männer schon Frauen geschwängert, die sich nicht geheiratet…und auch nicht bezahlt haben….nur…äh…heute kann man das offiziel mittels Vertrag machen, d.h. es ist gesellschaftlich legitimiert.
    Whatever: Nicht der Kapitalismus ist die entscheidene Komponete der Gesellschaft, sondern er ermöglicht durch seine gesellschaftliche Teilfunktion die Beschleunigung der funktionalen Differenzierung. Die Frage ist nur, ob der Mensch, als Person da noch mitbeschleunigen kann….
    „You go back to your hotel and I’ll go back to my glamorous life of being alone. The only thing I have to come home to is a bottle of mouthwash to get the taste of cum out of my mouth. I’m tired of being alone. That’s what I’m tired of. “
    Sera (leaving las vegas)

  7. stroblt sagt:

    @goodnight

    Die Frage die ich...
    @goodnight
    Die Frage die ich mir stelle ist: Warum gewinnt das funktionale System „Wirtschaft“, das ja im Prinzip nur eine von diversen Umwelten für jedes Individuum darstellt, so dermaßen an Bedeutung auf Kosten aller anderen Umwelten? Weil es so einfach und anspruchslos ist, i.e. mit Geld als alleinigem Kommunikationsmedium und dem super-simplen Code „zahlungsfähig/nicht-zahlungsfähig“? Oder woran liegt es?

  8. lemming sagt:

    Es ist nicht das System...
    Es ist nicht das System „Wirtschaft“, es ist in der Tat das Medium Geld. Es wird ja nicht nur in „der Wirtschaft“ gezahlt – es wird überall gezahlt. In der Ehe, in der Politik, uswusf wie oben beschrieben. Neben der ganzen funktionalen Differenzierung braucht es eben auch eine ent-differenzierende Komponente, einen gemeinsamen Nenner der „Systeme“, goodnightsch gesprochen, auch „Medium“. Aus Geld kann Sex werden, oder Macht, oder sonstwas – und eben umgekehrt! „Geld macht frei“ – aber woran erinnert mich das bloß, dass ich bei dieser Konklusion so ein merkwürdiges Gefühl habe…? Ach ja, stimmt, das Geld hat einen Ursprung, diese Sache, aus der auch alles wird.

  9. Kajetanus sagt:

    "Weil es so einfach und...
    „Weil es so einfach und anspruchslos ist, i.e. mit Geld als alleinigem Kommunikationsmedium und dem super-simplen Code „zahlungsfähig/nicht-zahlungsfähig“?“
    Ja. Geld ist eine Sprache, die überall verstanden wird. Wer hat, kann. Wer nicht hat, muss sich andere Wege suchen. Wer es möchte, weiß, was er tun muss, um es zu bekommen. Wer aber hat, darf trotzdem nicht glauben, alles bekommen zu können 🙂
    Geld schafft nur eine Grenze. Haben oder nicht haben. Geld überwindet dabei aber soviele gesellschaftliche, religiöse und politische Grenzen, dass man sich schon ernsthaft damit beschäftigen sollte, ob man nicht „Geld“ vorbehaltlos akzeptiert, um sich dann mit dem Blick auf die Wirklichkeit mit den Auswüchsen zu beschäftigen, die diese Haben/Nichthaben-Grenze verursachen kann. Denn Geld ist ja kein Wunderheilmittel. Es macht vieles nur einfacher, mehr nicht.
    In welcher Form „Geld“ dabei aber existieren kann, bzw. erschaffen wird, das ist eine ganz andere Frage.

  10. Anschuetz sagt:

    die am lautesten wider die...
    die am lautesten wider die Prostitution in der Gesellschaftsmitte wettern sind doch wohl die, die meiste Angst haben, mit runtergelassenen Hosen bei den Spielchen erwischt zu werden, zu denen sie im hier beschworenen Familienumfeld nicht den Mumm haben. Ähnliches gilt für die Leihmütter, früher bummste sich der Adel auch im hohen Alter noch durchs Land und zog so den versäumten Nachwuchs heran, heute sind es ähnliche Strukturen, die die Leihmutter ermöglichen, mit dem kleinen Vorteil, dass die Gewalt heute weniger direkt sondern mehr subtil, aber nicht minder brutal und menschenverachtend, vonstatten geht. Wer da einen Wertewandel sieht, belügt sich lediglich selbst über die goldene Vergangenheit und vor allem über die eigenen ach so ethischen Vorfahren.

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