Chaos as usual

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Wer sich heutzutage in den Straßenschluchten des Kapitalismus bewegt, muss aufpassen, von einstürzenden Paradigmen und herabfallenden

Mögen Sie ABBA?

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In Zeiten einstürzender Paradigmen und allgemeiner Ratlosigkeit, gepaart mit zunehmenden Zweifeln hinsichtlich traditioneller Erklärungen dessen, was die Welt im Innersten zusammenhält, greift man zur intellektuellen Selbstaufrichtung immer wieder gerne auf Denker früherer Epochen zurück; mit Vorliebe solche, die nicht den hohen Türmen des Mainstreams entstammen, sondern dezidierte Außenseiterpositionen vertreten; weil den Mainstream kennt man ja zumeist eh schon von A bis Z, und schließlich waren es ja nicht zuletzt dessen Exegeten, wegen denen wir jetzt pudelnass im strömenden Regen stehen. Soweit es die Ökonomie und insbesondere die Wirtschaftspolitik betrifft, war der ursprünglich aus Rumänien stammende US Ökonom Abba P. Lerner zweifellos ein derartiger Außenseiter. Der von ihm entwickelte Ansatz der „Functional Finance" unterscheidet sich radikal von allem, was wir heute gemeinhin unter „solider" Wirtschaftspolitik verstehen. Er ist aber gerade heute umso interessanter, als er sowohl das Problem immenser staatlicher Verschuldung als auch die Notwendigkeit zu verstärktem staatlichen Engagement adressiert. Wie sieht er aus?

I work all night, I work all day, to pay the bills I have to pay
Aint it sad
And still there never seems to be a single penny left for me
That’s too bad
In my dreams I have a plan
If I got me a wealthy man
I wouldn’t have to work at all, I’d fool around and have a ball…

(ABBA, „Money, Money, Money“)

In Zeiten einstürzender Paradigmen und allgemeiner Ratlosigkeit, gepaart mit zunehmenden Zweifeln hinsichtlich traditioneller Erklärungen dessen, was die Welt im Innersten zusammenhält, greift man zur intellektuellen Selbstaufrichtung immer wieder gerne auf Denker früherer Epochen zurück; mit Vorliebe solche, die nicht den hohen Türmen des Mainstreams entstammen, sondern dezidierte Außenseiterpositionen vertreten; weil den Mainstream kennt man ja zumeist eh schon von A bis Z, und schließlich waren es ja nicht zuletzt dessen Exegeten, wegen denen wir jetzt pudelnass im strömenden Regen stehen.

Soweit es die Ökonomie und insbesondere die Wirtschaftspolitik betrifft, war der ursprünglich aus Rumänien stammende US Ökonom Abba P. Lerner zweifellos ein derartiger Außenseiter. Der von ihm entwickelte Ansatz der „Functional Finance“ unterscheidet sich radikal von allem, was wir heute gemeinhin unter „solider“ Wirtschaftspolitik verstehen. Er ist aber gerade heute umso interessanter, als er sowohl das Problem immenser staatlicher Verschuldung als auch die Notwendigkeit zu verstärktem staatlichen Engagement adressiert. Wie sieht er aus?

„Die zentrale Idee ist, dass der Staat seine Wirtschaftspolitik, d.h. Haushaltsausgaben und Steuereinnahmen, Neuverschuldung und Schuldentilgung sowie Emission und Vernichtung von Geld, alleine an den Auswirkungen ausrichtet, die seine Maßnahmen auf die Wirtschaft haben, und nicht daran, ob eine gewisse Politik nach herrschender Doktrin als „vernünftig“ oder „unvernünftig“ angesehen wird. Dieses Prinzip der Beurteilung von Maßnahmen ausschließlich nach ihrer Wirkung, wurde bereits auf viele andere Gebiete menschlicher Tätigkeit übertragen, und wird dort als „wissenschaftliche Methode“ den Methoden der Scholastik gegenübergestellt. Das Prinzip, wirtschaftspolitische Methoden nur nach ihren Auswirkungen auf die Wirtschaft zu beurteilen, wollen wir „Functional Finance“ nennen.

Regierungen sollten ihre Haushaltsausgaben und ihre Steuereinnahmen der Höhe nach so planen, dass die aggregierten Ausgaben in der Volkswirtschaft gerade dafür ausreichen, den aggregierten Vollbeschäftigungs-Output zu aktuellen Preisen zu kaufen. Falls das ein Haushaltsdefizit bedeutet, höhere Schulden, Gelddrucken etc, dann sind diese Dinge per se weder gut noch schlecht, sondern sie sind schlicht die für ein gewünschtes Ergebnis von Vollbeschäftigung bei Preisstabilität erforderlichen Maßnahmen.“

Oder anders gesagt: Vernünftige Wirtschaftspolitik ist Vollbeschäftigungspolitik. Eine Regierung mag nach „ausgeglichenen Haushalten“ streben oder aber eine chronische Defizitpolitik betreiben – ob das im Einzelfall als „vernünftig“ zu beurteilen ist, richtet sich ausschließlich danach, ob es dem Ziel der Vollbeschäftigung (bei Preisstabilität) dient.

Der gute Herr Lerner schrieb das anno 1943, im Kielwasser von Keynes‘ General Theory, zu deren wichtigsten Interpreten er seinerzeit gerechnet wurde. Heutzutage mag man dagegen einwenden, dass die westlichen Regierungen ohnehin alle ordnungspolitischen Grundsätze längst über Bord geschmissen hätten, sich stattdessen schon seit Jahrzehnten nur noch am Ziel der Vollbeschäftigung orientieren. Aber das ist nicht, was Lerner damit meinte: der tiefe Graben zwischen öffentlichen Lippenbekenntnissen und tatsächlicher Politik war auch ihm nicht unbekannt. Wie man an den jüngsten deutschen Äußerungen, auch und vor allem von unserer sehr geschätzten Frau Bundeskanzlerin, zu „Schuldenbremse“ und Geldpolitik von Fed und BoE ersehen kann, ist das Ziel der Vollbeschäftigung in der Realität der deutschen Wirtschaftspolitik bestenfalls eines von mehreren. Und daher ist es kein großes Wunder, dass alle Bundesregierungen der letzten 20 Jahre an ihm grandios gescheitert sind; und zwar unabhängig davon, ob es nun ihr alleiniges Ziel oder nur eines von mehreren gewesen ist.

Demzufolge zielt Lerners Ansatz in eine ganze andere Richtung. Um das zu illustrieren, betrachten wir mal jenen Teil seiner Theorie, der den aktuell gültigen Dogmen am extremsten zuwiderläuft: Die Geldpolitik.

„Der moderne Staat kann alles, was er dafür geeignet hält, zum allgemeinen Geld erklären, und damit dessen Wert unabhängig von jeglicher Verbindung zu Gold oder anderen Formen der Deckung etablieren. Zwar ist es richtig, dass die bloße Deklaration, wonach dieses oder jenes nun Geld sein solle, für dessen allgemeine Akzeptanz nicht ausreichend wäre, selbst wenn keinerlei Zweifel darüber bestünde, dass der Staat eine solche Festlegung in absoluter, verfassungsgemäßer Souveränität träfe. Aber wenn der Staat das so deklarierte Geld auch als Mittel festlegt, in welchem Steuern und Abgaben zu entrichten sind, dann funktioniert dieser Trick. Jeder, der Schulden gegenüber dem Staat hat, wird das neue Geld akzeptieren, weil er mit seiner Hilfe seine Schulden tilgen kann; und alle anderen werden es ebenfalls annehmen, weil sie wissen, dass alle Steuerpflichtigen es akzeptieren werden, und sie bei diesen daher damit bezahlen können.“

Lerner schließt sich hier also ziemlich offensichtlich der chartalistischen Geldauffassung des Deutschen Georg Friedrich Knapp an, die der um 1900 als „Staatliche Theorie des Geldes“ veröffentlichte. Auf Knapps Gelddefinition rekurrierten in der Folge eine ganze Reihe bedeutender Theoretiker, Max Weber zum Beispiel oder auch John Maynard Keynes.

Aber was bedeutet das konkret?

Wie aus vorstehendem Zitat ersichtlich, leitet Lerner den Wert des Geldes aus nichts anderem ab, als dessen staatliche Akzeptanz für Zwecke der Besteuerung und des Abgabenwesens. Es bedarf also keiner wie immer gearteten „Deckung“, sei es durch Gold, Devisenreserven oder was auch immer sonst, sondern bezieht seinen Wert direkt aus einer (künftigen) Steuerzahlung: Wenn auf einer Banknote „100 Euro“ aufgedruckt ist, und sie vom Finanzamt auch mit einem Wert von 100 Euro zur Begleichung von Steuerschulden akzeptiert wird, dann hat sie auch im allgemeinen Zahlungsverkehr einen Wert von 100 Euro. Was auch immer dann schlussendlich als Material verwendet wird, aus dem das Zahlungsmittel physisch besteht, sei es Gold oder auch nur Papier, ist hingegen völlig egal.

Es bedarf wohl keiner weiteren Erwähnung, dass eine derartige Geldauffassung heute weder Mainstream ist, noch mit den Ansichten prominenter Offstream-Autoren übereinstimmt, wie etwa der von Gunnar Heinsohn, die man in seinem jüngsten FAZ-Artikel nachlesen kann. Heinsohn besteht darin auf einer strikten Eigentumsdeckung von Geld. Wenn man so will, dann kann man sich Lerner und Heinsohn als die zwei Gegenpole des geldtheoretischen Offstreams vorstellen, mit dem aktuellen Mainstream à la Bernanke, Weber und Trichet irgendwo dazwischen.

Aus Lerners Auffassung ergeben sich unerhörte Folgen für die Geld- und Fiskalpolitik: Wenn der Staat zwecks Erreichung des Vollbeschäftigungsziels Haushaltsdefizite vorsieht, dann muss er sich in dessen Höhe nicht extra verschulden: Er druckt dieses Geld einfach. Oder praktisch gesprochen: er lässt sich bei den Geschäftsbanken einen Kredit einräumen, drückt ihnen dafür im Gegenzug auch eigene Schuldverschreibungen in die Hand, welche von den Geschäftsbanken aber unmittelbar an die Zentralbank weitergereicht werden. Wenn diese nicht als „unabhängig“ tituliert wird, sondern schlicht als staatlicher Regiebetrieb agiert, dann bedeutet das für den Staat nichts anderes als einen Kredit bei sich selbst aufzunehmen. Und selbstverständlich käme es auf das exakt Gleiche raus, wenn der Staat sich den Kredit gleich von der Zentralbank direkt einräumen ließe.

Staatliche Verschuldung im herkömmlichen Sinn sieht Lerner zwar weiterhin auch vor, aber aus einem ganz anderen Grund: wenn zuviel Geld in Umlauf gelangt und Preisstabilität nicht mehr gewährleistet ist, dann muss der Staat dieses Zuviel an Kaufkraft irgendwie aus dem Verkehr ziehen. Das kann er entweder über Steuererhöhungen machen, oder aber über die Emission von Anleihen an das Publikum. Die staatliche Verschuldung im landläufigen Sinn wird damit also – so paradox das klingen mag – zu einer Maßnahme staatlicher Anti-Inflationspolitik.

Spiegelbildlich zu den öffentlichen Ausgaben – und natürlich erneut völlig konträr zur etablierten Fiskallogik –  sieht Lerner in den Steuern kein Mittel staatlicher Finanzierung.

„Steuern sollten niemals für Zwecke der Haushaltsfinanzierung erhoben werden.“

Wozu auch, wenn die Regierung ohnehin alles mit Geld bezahlen kann, dass sie selbst druckt? Denn Zweck von Steuern sieht Lerner denn auch in allen möglichen anderen Zusammenhängen, insbesondere zur Steuerung der im Umlauf befindlichen Geldmenge zwecks Aufrechterhaltung von Preisstabilität. Daneben müssen aber Steuern in nennenswertem Umfang aber auch deshalb erhoben werden, um den oben beschriebenen Wertzusammenhang des Geldes sicherzustellen. Falls keine Steuern erhoben würden, könnte man ja schlecht davon ausgehen, dass das Publikum staatlichem Geld deswegen einen Wert beimisst, weil es damit seine Steuern begleichen kann.

Eine zentrale Erkenntnis Lerners bezüglich des staatlichen Gelddruckens machen derzeit diverse Zentralbanken dieser Welt. Nämlich die, dass auch das schönste frisch gedruckte Geld im Zweifel gar nichts bewirkt, wenn es nicht irgendwie in Umlauf gelangt:

„Die Geldemission hat keinerlei ökonomischen Effekt, solange das neu gedruckte Geld nicht in Umlauf gerät. Geld, das im Keller verbleibt, hätte man erst gar nicht zu drucken brauchen.“

Wer denkt – übertragen auf unsere modernen Zeiten – dabei nicht an das mittlerweile geflügelte Wort von der „Kreditklemme“?

Wie oben schon zum Ausdruck gebracht, sieht Lerner in der Vollbeschäftigung das wichtigste Ziel staatlicher Wirtschaftspolitik. Und zwar nicht primär aus sozialen Erwägungen, sondern weil

1) die Vorteile technischer Neuerungen, die zu Produktivitätssteigerungen führen, nur bei Vollbeschäftigung voll zum Tragen kommen:

 „Sobald Arbeitslosigkeit anliegt, ist es nicht wichtig oder gar nützlich, auf arbeitssparende, neue Technologien zu setzen. Die dadurch eingesparten Arbeitskräfte würden nämlich genauso wenig anderweitig beschäftigt werden, wie die, die bereits arbeitslos sind. Die Arbeitslosigkeit würde sich also nur vergrößern. Wo es Arbeitslosigkeit gibt, führen Effizienzsteigerungen in einem bestimmten, produktiven Prozess nicht automatisch zu einer Effizienzsteigerung in der Wirtschaft als Ganzes.“

2) ein Land ohne Vollbeschäftigungspolitik in der Gestaltung seiner Handelsbilanz Einschränkungen unterliegt, weil es nicht in dem Maße importieren kann, als es bei Vollbeschäftigung könnte.

Obwohl vermutlich die allerwenigsten Leute von Abba Lerner überhaupt auch nur je gehört hätten, findet sein Ansatz auch heute noch durchaus Befürworter. Insbesondere die sogenannten „Neo-Chartalisten“ um den US Ökonomen L. Randall Wray rekurrieren gerne und häufig auf Lerners „Functional Finance“. Auch der im Zuge der Krise zu posthumer Berühmtheit gelangte Hyman Minsky war einer seiner Anhänger. Wer sich näher dafür interessiert, über die vorstehend lediglich skizzenhafte Darstellung hinaus, dieser Link weist auf eine recht detaillierte Zusammenfassung von Lerners Theorie.


95 Lesermeinungen

  1. Nanuk sagt:

    Sorry tut mir leid......
    Sorry tut mir leid…

  2. Tarantoga sagt:

    Tatsächlich unterscheidet...
    Tatsächlich unterscheidet sich die heutige Situation in Bezug auf den Geldwert kaum von der Vorgeschlagenen. Ohne den chartalistischen Ansatz lässt sich unser Fiat Money sowieso nicht überzeugend erklären.
    Der Unterschied ist nur, dass die wunderbare Geldvermehrung heute an die Banken abgetreten ist und ausgerechnet der Staat sich verschulden muss.
    Danke für den Beitrag @wgn, darauf habe ich gewartet.

  3. Dreier sagt:

    @nullblicker
    ganz meine...

    @nullblicker
    ganz meine Meinung!
    @Steve_b
    Nein, das könnte jeder genügend wirtschaftlich starke Währungsraum zB die Eurozone oder die USA mit dem US Dollar. Die internationalen Finanzströme sind diesen Währungssystemen untergeordnet.
    @nobody
    alle Staaten drucken Geld, haben die schon immer und werden die auch immer tun. Wer denn auch sonst? Dass ein Staat in Schwierigkeiten ist, kann man unter anderen daran, dass nicht mehr veröffentlicht wird, wie viel Geld neu gedruckt wird! (Hab gehört die USA hat die Veröffentlichung der aktuellen Geldmenge an US Dollar schon vor einiger Zeit eingestellt) Siehe Zimbabwe; die Trillionirgendwasscheine in der Hyperinflation kommen vom Staat (jeder andere würde augenblicklich erschossen!) bringt denen nur nichts, weil sie von anderen damit immer noch nichts kaufen können. Nach der zwangsläufigen Währungsreform ist der Staat und alle Machthaber dann aber auf „magische“ Weise schuldenfrei (zumindest national) oder gar richtig reich (Aufkauf aller nationalen Produktionsmittel und Ressourcen mit dem wertlosen Papiergeld, das man vorher selber in Umlauf gebracht hat)
    Der Wert des Geldes ist eine rein psychologische Größe basierend darauf was andere bereit sind Dir an echten Waren dafür zu geben bzw was man selber bereit ist dafür an Arbeit zu leisten!

  4. aloa5 sagt:

    @nullblicker
    Auch wenn ich...

    @nullblicker
    Auch wenn ich Ihnen zum Thema Vollbeschäftigung z.T. zustimme…
    Das Grundeinkommen ist je nachdem eine (ganz) böse Fiktion. Was meinen Sie warum INSMler wie HWWI-Straubhaar sog. „Machbarkeitsstudien“ mit Löchern durch welche man Sterne hindurchschieben kann dazu erfinden?
    Es gibt durchaus sogar große internationale Zukunftsgremien welche das von Ihnen beschworene Szenario beschreiben. Also sagen wir für Deutschland etwa 15mio arbeitende welche zusammen mit den ganz reichen in Saus und Braus leben sowie 65mio arme Schlucker am Existenzminimum (ALGII für alle). Man mag denken – nicht viel anders als heute. Aber es ist doch nicht ganz das gleiche…. und vor allem ist es nicht automatisch *besser*. Letzteres wird leider immer leise unterstellt.
    Ich erinnere aber in diesem Zusammenhang immer gerne daran, das wohl imho inzwischen jeder 15te arbeitenden Mensch in der Gesundheitsbranche tätig ist und noch einmal so viele indirekt (also jeder 8te arbeiten in- oder für die Gesundheit). Das sind 12 x so viele wie vor rd. 100 Jahren. Man sollte nicht zu früh den Abgesang anstimmen. Das ist zwar in Deutschland und im Internet beliebt – bei unseren Arbeitslosenzahlen aber auch kein Wunder. Grüße, ALOA

  5. aloa5 sagt:

    Na - die USA haben "lediglich"...
    Na – die USA haben „lediglich“ M3 nicht mehr veröffentlicht. Man hatte versucht sich darüber zu retten.
    Wenn Sie wissen wollen wie es bei den Amerikanern aussieht (bares oder unwahres) müssen Sie hier schauen:
    https://www.shadowstats.com/alternate_data
    Man kann dort im übrigen auch die Arbeitslosenzahlen bzw. die Zahl inkl. der Arbeitsreserve sehen.
    Grüße
    ALOA

  6. Tarantoga sagt:

    Wenn der Staat keine Zinsen...
    Wenn der Staat keine Zinsen mehr bezahlen müsste, ich würde annehmen, dann könnte er ein Grundeinkommen zahlen. Derzeit gibt er es halt anderen.

  7. Devin08 sagt:

    Lauter alte Hüte
    Man muss...

    Lauter alte Hüte
    Man muss Hacedeca recht geben, ein kapitalistischer Staat mit solchen Befugnissen (einem solchen Blankoscheck) wäre in der Konsequenz ein totalitärer. Was den Sozialismus angeht, erübrigt sich eine solche Prämisse, denn dieser ist nicht nur anders organisiert, er handelt auch nach anderen Ordnungsprinzipien (der Schutz des Privateigentums des Bürgers steht ehe nicht auf seiner Agenda).
    Und auch Tarantoga muss man recht geben: es ist genau so. Also diskutieren wir hier in Form einer Alibidebatte!?
    Und selbstredend stell ich mir wie Nullblicker die Frage: wäre denn eine nicht „vollbeschäftigte Gesellschaft“ nicht die bessere?
    Im Kapitalismus! – eindeutig Nein! Denn das bedeutet Armut, Abhängigkeit…
    Im Sozialismus! – im Prinzip Ja, wenn der technische Standard dem entsprechend wäre! Ich denke, und da denke ich mal weit in den Kommunismus hinein: Genau dies ist ehe das ultimative Ziel einer klassenlosen Gesellschaft. Zunächst Abschaffung der Klassen, der Klassenausbeutung, dann Reduzierung der Arbeit auf das gesellschaftlich notwendige Maß. Ein sog. Grundeinkommen könnte ich mir als eine Übergangslösung im Sozialismus in Richtung Kommunismus vorstellen, in der Phase, noch vor der Abschaffung des Geldes, bei Resten von „Marktwirtschaft“ (niemals im Kapitalismus, das wäre nur geschönte Sozialhilfe), und zwar auf hohem technischen Niveau (der Kapitalismus wäre global gesehen nur noch eine Minderheitenveranstaltung, wenn überhaupt eine solche).
    Ach ja: Was mir bei all diesen „Klassikern“ so einfällt: lauter alte Hüte, oder?
    Der älteste Hut wäre dann wohl „die Vollbeschäftigung“. Nicht nur Phasen für das Volk, sondern auch eine Aporie im System der bürgerlichen Ökonomie. Denn: Produktivitätssteigerung = immer Entlassungsproduktivität. Nehmen wir dann noch Marxens Analyse der Zusammensetzung des Kapitals in einer entwickelten kapitalistischen Gesellschaft, dazu den „tendenziellen Fall der Profitrate“, und wir haben ein für das Kapital nicht zu lösendes Problem.
    Merke: Jede kapitalistische Krise kommt genau hieraus. Überproduktionskrise (da am Bedarf/am Markt vorbei produziert) und zugleich Unterkonsumtionskrise, da die Massenarbeitslosigkeit den inneren Markt stetig und schrumpfen lässt).
    Die herrschende Ökonomie bezeichnet daher ihre 4 Ziele, nämlich hoher Beschäftigungsstand, Preisniveaustabilität, außenwirtschaftliches Gleichgewicht und angemessenes und stetiges Wirtschaftswachstum nicht zu Unrecht als „magisches Viereck“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Magisches_Viereck).
    Es sind genau die Bedingungen, die eine kapitalistische Wirtschaft zusammen nie erfüllen wird, nicht mal ansatzweise.
    So gilt für Deutschland im besonderen Maße:
    Hoher Beschäftigungsstand und Wirtschaftswachstum – Fehlanzeige
    Außenwirtschaftliches Gleichgewicht und Preisniveaustabilität – Fehlanzeige
    Der Exportweltmeister leistet sich seinen Wohlstand auf Kosten der Massen im In- und Ausland, damit sind für die Massen die Waren im Inland zu teuer, im Ausland wohl relativ billig, dafür stimmt aber das außenwirtschaftliche Gleichgewicht mit diesen nicht mehr (den Preisdruck erleben die Massen im Ausland durch deren negativen Handels- wie Leistungsbilanz). So haben wir eine verdeckte (eine geleugnete) Inflation – seit Jahrzehnten – für die Konsumgüter im inneren Markt, damit wir preiswert exportieren können. Das bedingt wiederum einen ständigen Druck auf das Währungssystem, was wiederum durch zu hohe Zinsen gestützt wird. Dass wir nun, in der Krise, gezwungen sein sollen, niedrige Zinsen zu haben, wollen die Banken ja nicht wirklich wahrhaben, somit bleiben die Zinsen und damit weiterhin die Preise der Massenkonsumgüter relativ hoch. Last not Least ergibt all das eine ständig wachsende Massenarbeitslosigkeit, da die Produkte für den Weltmarkt – unter diesem Preisdruck – in Billiglohnländern produziert werden müssen. Das wiederum verschärft die Bedingungen auf dem inneren Markt, usw. usf.
    Ich brauch wohl nicht zu erwähnen, dass das nicht gerade die besten Bedingungen für eine handfeste Wirtschaftskrise sind. Und genau dies ist auch der Grund für Deutschlands ungebrochene Aggressivität. Wer unter solchen Bedingungen Exportweltmeister bleiben will, also dauerhaft die Massen auf dem Weltmarkt für den eigenen Luxus bluten sehen will, ist nicht gerade ein Softie.
    Hab ich was vergessen?

  8. Devin08 sagt:

    Korrektur! Ich meinte...
    Korrektur! Ich meinte natürlich „nicht nur Phrasen für das Volk“

  9. nullblicker sagt:

    @aloa5
    Als ich...

    @aloa5
    Als ich „Grundeinkommen“ in den Raum stellte setzte ich natürlich eines weit jenseits von ALGII vorraus, denn dieses ist in meinen Augen einfach nur menschenunwürdig, insbesondere für Kinder.
    Nein, eine „gute“ Versorgung mit Lebensmitteln, Wohnraum sowie kulturellen Gütern sollten schon möglich sein, ich vermeide hier absichtlich eine monetäre Fixierung.
    Die richtigen Prioritäten vorrausgesetzt wäre das locker „finanzierbar“ – Anführungszeichen weil sich die „Finanzierung“ im Endergebnis nur als Verteilungswerkzeug für Güter entpuppt.
    Als Abgesang empfinde ich das ehrlich gesagt nicht, im Gegenteil – es könnte der Aufbruch in eine menschlichere Gesellschaft, fern vom kapitalistischen Rattenrennen werden – mit reicher Kultur und Focussierung auf das Gemeinwohl.
    Ja, ich weiss – ich spinne…aber meine Utopie gefällt mir besser als die Utopie vom „Freien Markt“

  10. "Oder anders gesagt:...
    „Oder anders gesagt: Vernünftige Wirtschaftspolitik ist Vollbeschäftigungspolitik.“
    ===> … Wenn das der gutste Erich Honecker noch hätte erleben dürfen !
    ===> … WgnX plädiert – erneut, nachdem ich ihm schon im letzten Jahr mehrfach diesbezüglich den Kopf waschen musste, um ihm diese totalitären & dysfunktionalen Flausen auszutreiben (!) – leidenschaftlich für die „VOLLBESCHÄFTIGUNGSPOLITIK“ der DDR !
    ===> … Der Endsieg sei dem Marxismus-Leninismus-Keynesianismus-Dadaismus-Totalitarismus !?!?? NJET !!!
    ===> … alle, die wo von Freiheit träumen … sammeln sich hinter mir … und legen schon mal eine rostige Eisenstange parat … um im anstehenden Bürgerkrieg für die Freiheit & das Recht auf den Aufrechten Gang … zu kämpfen.
    Retroliberale Grüsse,
    ~ H a L b G o T t ~

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