Chaos as usual

Chaos as usual

Wer sich heutzutage in den Straßenschluchten des Kapitalismus bewegt, muss aufpassen, von einstürzenden Paradigmen und herabfallenden

Kapitalismus, Sozialismus und ein schlechter Pferdesattel

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"An einem Morgen im Frühherbst des Jahres 1909 begaben sich zwei Duellanten in Begleitung ihrer Sekundanten zum Austragungsort ihres Ehrenkampfes, wie es der code duello vorschrieb. Keiner der beiden war ein sonderlich guter Fechter. Nach einigem Herumgefuchtel mit ihren Säbeln traf jedoch schließlich der Säbel des einen Duellanten den anderen an der Schulter und fügte ihm einen Schnitt zu. Kaum hatte das Blut zu fließen begonnen, schritten die Sekundanten auch schon ein und erklärten das Gefecht für beendet. Schlugen sich die beiden Rivalen um die Hand einer Frau? Waren es Offiziere, die einen Ehrenkampf austrugen? Nein. Der eine war Professor, der andere Bibliothekar. Und sie schlugen sich um die Frage, ob Studenten leichteren Zugang zu Büchern erhalten sollten oder nicht. Der Professor, der das Duell für sich entschied, war Schumpeter selbst." Das ist nur eine der zahlreichen Anekdoten, die in der Schumpeter-Biographie von Thomas K. McCraw, die im Oktober 2008 auch auf deutsch erschienen ist, nachzulesen sind. Es gibt nicht viele Biographien, zumal nicht über Nationalökonomen, die man mit Spannung und konstant guter Unterhaltung liest, aber diese ist mit Sicherheit eine davon. Sie hat in meinen Augen das Zeug, in Sachen Joseph A. Schumpeter das zu werden, was Robert Skidelskys Werk über John Maynard Keynes bereits ist: ein Klassiker. Was natürlich in nicht geringem Maße in der schillernden Figur Schumpeters selbst begründet liegt, der in dieser Hinsicht dem englischen Lord um nichts nachstand.

Der Prüfstein für eine erstrangige Intelligenz ist die Fähigkeit,
zwei entgegengesetzte Ideen zugleich im Kopf zu haben
und doch weiter in Funktion zu bleiben.

(F. Scott Fitzgerald)

„An einem Morgen im Frühherbst des Jahres 1909 begaben sich zwei Duellanten in Begleitung ihrer Sekundanten zum Austragungsort ihres Ehrenkampfes, wie es der code duello vorschrieb. Keiner der beiden war ein sonderlich guter Fechter. Nach einigem Herumgefuchtel mit ihren Säbeln traf jedoch schließlich der Säbel des einen Duellanten den anderen an der Schulter und fügte ihm einen Schnitt zu. Kaum hatte das Blut zu fließen begonnen, schritten die Sekundanten auch schon ein und erklärten das Gefecht für beendet.

Schlugen sich die beiden Rivalen um die Hand einer Frau? Waren es Offiziere, die einen Ehrenkampf austrugen? Nein. Der eine war Professor, der andere Bibliothekar. Und sie schlugen sich um die Frage, ob Studenten leichteren Zugang zu Büchern erhalten sollten oder nicht. Der Professor, der das Duell für sich entschied, war Schumpeter selbst.“

Das ist nur eine der zahlreichen Anekdoten, die in der Schumpeter-Biographie von Thomas K. McCraw, die im Oktober 2008 auch auf deutsch erschienen ist, nachzulesen sind. Es gibt nicht viele Biographien, zumal nicht über Nationalökonomen, die man mit Spannung und konstant guter Unterhaltung liest, aber diese ist mit Sicherheit eine davon. Sie hat in meinen Augen das Zeug, in Sachen Joseph A. Schumpeter das zu werden, was Robert Skidelskys Werk über John Maynard Keynes bereits ist: ein Klassiker. Was natürlich in nicht geringem Maße in der schillernden Figur Schumpeters selbst begründet liegt, der in dieser Hinsicht dem englischen Lord um nichts nachstand.

Der „beste Liebhaber Wiens, der beste Reiter Österreichs und der größte Ökonom der Welt“ wollte er bekanntlich werden, aber leider, leider konnte er nach eigener Einschätzung nur zwei dieser drei Ziele verwirklichen, weil: „leider habe ich nur einen schlechten Sattel geerbt“. Aber solcherlei Bekenntnisse kennen wir natürlich schon aus der bisherigen Standard-Biographie zu Schumpeter, von Richard Swedberg anfang der 1990er veröffentlicht. Und auch, dass er sich einen Spaß daraus machte, sich mit Prostituierten im Fiaker die Wiener Kärntnerstrasse rauf und runter fahren zu lassen, um sich mit dem sittenstrengen Wiener Flanier-Bürgertum seine frivolen Späße zu erlauben, war spätestens seit Swedberg bekannt.

McCraw geht in seiner Exploration der schumpeterschen Vita aber noch ein gutes Stück darüber hinaus und leuchtet die komplexe, innerlich zerrissene Persönlichkeit des Wiener Weltökonomen auch in ihren dunkelsten Winkeln aus. Aller Leichtfüßigkeit im gesellschaftlichen Auftreten zum Trotz: Von fortwährenden Selbstzweifeln war er wohl gepeinigt, der Joseph, schon seit seiner frühesten Kindheit, als er von allen noch „Jozsi“ gerufen wurde. Dabei bewies er Zeit seines Lebens Nehmerqualitäten, musste „niederschmetternde Schicksalsschläge, die gewöhnliche Menschen vernichtet hätten“ einstecken, u.a. den Tod der geliebten Ehefrau Annie und ihres ersten, gemeinsamen Kindes bei der Geburt, nachdem nur kurz zuvor bereits seine Mutter gestorben war. Den Vater verlor er bereits im Alter von 4 Jahren, kurz danach sterben auch die Großeltern, was Mutter Johanna veranlasst, gemeinsam mit dem Joszi die böhmische Heimatstadt Triesch zu verlassen, um ins österreichische Graz zu übersiedeln. Dort macht sie wenig später „eine gute Partie“, heiratet den pensionierten Feldmarschallleutnant Sigmund von Kéler und übersiedelt alsbald mit der Familie nach Wien, wo es der junge Joseph auf das Elitegymnasium „Theresianum“ schafft. Es folgt das Studium an der Universität Wien, der Rest ist Geschichte.

Was aus McCraws Buch sehr gut hervorgeht: Schumpeters Leben ist vor allem auch wegen der unzähligen Persönlichkeiten interessant, die auf die eine oder andere Art seine Wege kreuzten. Im Seminar von Böhm-Bawerk, selbst eine Legende, saß er zB mit Ludwig von Mises, Otto Bauer, Rudolf Hilferding und Emil Lederer und debattierte die Lehren von Karl Marx. Alle vier Kommilitonen sollten später herausragende Persönlichkeiten ihrer Zeit werden: Mises als Säulenheiliger der „Österreichischen Schule“ und Lehrer von Friedrich August Hayek; Otto Bauer als einer der Begründer des „Austro-Marxismus“ und erster Außenminister der Republik Österreich; Hilferding als Verfasser von „Band 4 des Marxschen Kapitals“ und zweimaliger Finanzminister der Weimarer Republik; und Lederer als hochangesehener Professor und Nationalökonom in Deutschland und USA.

Schumpeter selbst blieb zwar eine Zeit lang im Fahrwasser seiner berühmten Lehrer, ging dann aber bald seiner eigenen Wege. Den Kapitalismus wollte er verstehen, dessen brodelnde und bisweilen feurige Mischung aus wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Elementen; die guten wie auch die schlechten Eigenschaften. Die Spezialisierung auf eine bestimmte sozialwissenschaftliche Disziplin, wie es damals zunehmend in Mode kam, erschien ihm dafür hinderlich, deshalb beschäftigte er sich sehr eingehend mit Geschichte, Literatur, Soziologie, Psychologie, Mathematik und einer Reihe anderer akademischer Fächer, und begab sich damit auf eine geistige Odyssee. Dreimal wechselte er den thematischen Schwerpunkt, beschäftigte sich zunächst mit der kapitalistischen Ökonomie, später dessen Gesellschaftsstruktur und zuletzt dessen historischer Bilanz.

In seiner Arbeit war er ein Besessener, wie es bei genialen Menschen offenbar häufig der Fall ist. Er führte eine strenge persönliche Erfolgskontrolle, täglich und wöchentlich, indem er sich nach einem Notensystem zwischen null (Scheitern) und eins (Erfolg) bewertete; die volle 1 gab er sich nur selten, die Null hingegen häufig, selbst dann, wenn er bis in die tiefe Nacht über einem Problem gebrütet hatte, aber dennoch zu keinen zufriedenstellenden Ergebnissen kam.

Sein studentischer Traum, Universitätsprofessor in der Habsburger-Monarchie zu werden, ging nur auf Umwegen in Erfüllung: nach Berlin reiste er als frisch-gebackener Doktor der Rechtswissenschaften, von dort aus nach Paris und schließlich nach London. Die noble englische Upper Class gefiel ihm, ihre Töchter noch mehr, schließlich nahm er eine von ihnen sogar zur (ersten) Frau. Die hieß Gladys, war 12 Jahre älter als er und hatte beste Connections innerhalb der englischen Aristokratie; was unserem jungen Joseph aber zunächst mal auch nicht viel nutzte: bis nach Kairo musste er mit seiner Frau gehen, um in einer dortigen Kanzlei als Rechtsanwalt erste Berufserfahrung zu sammeln. Aber kaum dort angekommen, ging es schon wieder zurück nach Europa, dort endlich erste Stationen als Universitätsprofessor in Czernowitz, Burkowina und Graz, ein paar Monate als österreichischer Finanzminister und schließlich – quasi als unternehmerischer Ritterschlag – als Bankrotteur. Eines muss man Schumpeter daher in der Retrospektive lassen: während Mises, Hayek, Rothbard und wie die großen Liberalen sonst noch alle hießen, ihren ehernen marktwirtschaftlichen Credos nie auch nur ein einziges mal Taten folgen ließen, stattdessen unbesorgt und fern jeglichen Unternehmertums von ihren akademischen Sinekuren lebten, konnte sich Schumpeter wenigstens eine ausgewachsene Bankenpleite ans Revers heften! Damit hatte er die Nase vorn, und wusste deshalb 1942 auch aus nächster Nähe, worüber er redete, als er die Phrase vom „Unternehmer als kreativen Zerstörer“ münzte: er hatte gewissermaßen die Kehrseite dieser Zerstörung erlebt, die er für die Triebkraft des Kapitalismus hielt.

Der späte Joseph A. Schumpeter, mittlerweile Über-Ökonom in Harvard, war bekanntlich überaus skeptisch, was die Zukunft des Kapitalismus betrifft. „Kann der Kapitalismus überleben? Nein, ich glaube nicht, dass er das kann“, so ein Zitate-Klassiker aus dieser Schaffensperiode, entnommen seinem Spätwerk „Capitalism, Socialism and Democracy“, in welchem er ein Stück weit zurückkehrt zu seinen Wiener Wurzeln; zu den Debatten über den Marxismus mit Hilferding, Bauer und Mises, in Böhm-Bawerks Seminar. „Im schlimmsten Fall reduziert der Kapitalismus jede Form menschlicher Beziehung auf die bloße Berechnung persönlicher Kosten und Nutzen. Er stellt materielle Werte über geistige, plündert die Umwelt aus und macht sich die übelsten Seiten des menschlichen Wesens zunutze. In einer Welt, in der alles zum Verkauf steht, kann der Geschäftsmann aus allem Profit schlagen, einschließlich der sieben Todsünden, der Faulheit vielleicht ausgenommen“, resümiert McCraw die Tagebucheinträge von Schumpeter aus 1944. Gleichwohl blieb der aber Zeit seines Lebens von den positiven Seiten des Kapitalismus überzeugt: „Das billige Tuch, die billigen Baumwoll- und Kunstseidenwaren, Schuhe, Autos und so weiter sind die typischen Leistungen der kapitalistischen Produktion, hingegen nicht Verbesserungen, die einem reichen Mann viel bedeuten könnten. Königin Elisabeth I. besaß seidene Strümpfe. Die kapitalistische Leistung  besteht typischerweise nicht darin, noch mehr Seidenstrümpfe für Königinnen zu erzeugen, sondern sie in den Bereich der Fabrikmädchen zu bringen, als Entgelt für fortwährende abnehmende Arbeitsmühe.“

Zu Schumpeters Leitmotiven zählte immer, dass die Menschen den Kapitalismus verstehen müssten, um den vollen Nutzen aus ihm ziehen zu können. Wann wäre diese Einschätzung zutreffender gewesen, als heute? Das macht diese wirklich hervorragende Biographie aus McCraws Feder umso wertvoller. Sie gibt tiefe Einblicke in die komplexe Psyche eines Mannes, der selbst wie ein Besessener daran gearbeitet hat, dieses Verständnis zu erlangen. Ob es ihm gelungen ist? Wer weiß: Vielleicht fehlte ihm zur Verwirklichung seiner drei großen Lebensziele ja auch mehr, als bloß ein guter Pferdesattel.

In diesem Sinne: wer spannenden Lesestoff aus dem Ökonomie-Genre sucht und mehr aus dem Leben dieses wirklich außergewöhnlichen Mannes erfahren möchte: mit McCraws 600-Seiten-Epos ist er bestens bedient. Und als Draufgabe noch zusätzliche 160(!) Seiten weiterführende bibliographische Notizen und Anmerkungen, das gibt’s ja auch nicht alle Tage.


32 Lesermeinungen

  1. @ hacedeca v 08. Juni 2009,...
    @ hacedeca v 08. Juni 2009, 11:48
    „Da es ja hier, in diesem thread, eher um Herrn Kalupner, denn um Schumpeter geht: ….. Na klar, in einem Land, an welchem an Universitäten eher Marx gelesen wird und eben nicht Schumpeter, ist es ja ganz folgerichtig, den Besitz an Produktionsmitteln zu besteuern. “
    ——–
    Man sollte sich doch vorstellen können, dass es möglich ist, ü b e r unsere großen Vordenker h i n a u s zu denken – und dabei zu runden, nichtwidersprüchlichen, hinreichend projektfähigen Ergebnissen zu kommen, die die globalen Rahmenbedingungen für eine gelingende Gesellschaft gewährleistet, d.h. für eine friedliche, machtsystem-minimierende und nachhaltig sich entwickelnde Industriegesellschaft, in der alle Menschen ihre Fähigkeiten allsleits entwickeln können.
    ——-
    Wenn ich dieses Denkergebnis in projektfähiger Form geschafft haben sollte – und einen anderen Anspruch erhebe ich nicht – und wenn ich dieses Ergebnis hier präsentiere, dann sollte man als Leser doch eher froh sein, dass aus dem Schumpeter-Thread ein Kalupner-Thread wird.
    —–
    Frage: Wer konkurriert mit mir um die Nachfolge von Schumpeter u n d Eucken und schließlich auch Karl Marx? Wer hat eine Steuerungssystemtheorie des Evolutionsprozesses entwickelt, die zur Synthese der Vordenkerergebnisse taugt? Das Ziel ist bei allen das Gleiche: die Ablösung einer konfliktkämpferisch vermachteten absolutistisch agierenden Vorherrschaft – heute konkretisiert in der Wachstumszwang-Tyrannei der Kapitalstockmaximierer, in der nur das Dienliche für die Kapitalstockmaximiererei sich durchsetzt, und alle anderen Enwicklungspotenziale und Innovationen, vor allem die der Menschen für die Menschen, unterdrückt und unterworfen werden. Das gesellschaftliche Ziel der Genannten ist identisch. Die Wege dahin waren grundsätzlich falsch, wie bei Marx oder unvollständig richtig, wie bei Eucken. Das Wegesuchen geht weiter. Wir ahnen oder wissen: die vollendende Synthese hat die Evolutionsgenialität in ihrem Köcher. Wir müssen in diesem Köcher suchen. Dort habe ich den Geniepunkt-Pfeil gefunden. Das ist meine einfache Wahrheit.

  2. Bernhard sagt:

    Da schrieb einer über...
    Da schrieb einer über Evolutionsprozesse. Er meinte damit wohl Entwicklung der Evolution. Evolution ist ohne vorbestimmte Richtung, überall. Sie kann auch mal rückwärts gehen, z. B. Richtung Steinzeit. Das kann man auch Schumpetersche Zerstörung nennen. Aber was hat die Evolution in der VWL zu suchen, die Antwort hätte ich gern?
    Ich verstehe den Sinn nicht, Herr K.
    ????

  3. Devin08 sagt:

    Herrn Dührings, äh Herrn...
    Herrn Dührings, äh Herrn Kalupners, umwerfende Wissenschaft
    @kalupner: „…d.h. für eine friedliche, machtsystem-minimierende und nachhaltig sich entwickelnde Industriegesellschaft, in der alle Menschen ihre Fähigkeiten allseits entwickeln können“.
    Genau solches wäre nach Marx nicht „rund“, sondern vielleicht einfach nur eine Art „Kathedersozialismus“, soweit Sie hier von den Möglichkeiten innerhalb einer kapitalistischen Gesellschaft reden. Was aber die Versuche belangen, physikalische Gesetze (oder solche, die man dafür hält!) mechanisch auf die soziale Wirklichkeit umzubrechen, da hätten Marx oder Engels Sie wahrscheinlich mit einem Herrn Dühring verglichen, und dessen umwerfenden Versuche bzgl. der Wissenschaft. Für solche Art von Scharlatanerie hätten Marx nur Hohn und Spott übrig gehabt.
    Im Übrigen: Das Problem ist nicht, dass Sie womöglich unerkannt richtiges sagen – wer sagt das nicht? -, sondern, dass Sie soviel Kauderwelschen, dass selbst der Augenstärkste Ihr Korn nicht findet.
    Es ist nicht nur die sektiererische Form allein, in der Sie Ihre Vorträge packen (in die Methode der schematischen Wiederholung, wie eine Art Gebetslitanei), sondern auch weitgehend der Inhalt.
    Sie verwechseln den „Geniepunkt“ mit Genies. Kann es sein, dass das Genie über eine etwas schwache Semantik verfügt. Sie wissen ja, viele wissenschaftliche Probleme sind oft nur semantische Probleme. Heidegger wollte da einen Durchbruch erzielen. Versuchen Sie es mal von der Seite aus. Oder kann es sein, dass Sie ein wenig größenwahnsinnig sind, da Sie wie ein Prophet reden, und auf all diese Ratschläge nur mit Unverständnis reagieren? Außerdem ist es schlichtweg falsch, soziale Prozesse auf gleiche Weise reduzieren zu wollen, wie das in der Naturwissenschaft u.U. möglich ist, aber auch dort mit nur bescheidenen Ergebnissen, wie wir inzwischen doch wissen. Außerdem ist die menschliche Gesellschaft kein einfacher mechanisch wirkender Prozess. Davon träumt vielleicht nur noch ein gewisser Zweig innerhalb der Kybernetik.
    Hinzu kommt, bzw. hieraus folgt, dass Ihr Klassenstandpunkt ein falscher ist, denn so verfallen Sie den Phrasen gewisser „Größen“ in Politik und Wirtschaft.
    Kann es sein, dass Sie ein kleines, ein glitzekleines Statusproblem haben?
    Messen Sie sich nicht an diesen Leuten, die sind allemal größer, allein deshalb, weil sie die Macht haben, es zu sein!

  4. lemming sagt:

    @kalupner
    Das verstehen Sie...

    @kalupner
    Das verstehen Sie nicht? Sondern wenden ein:
    „Jeder Produktionsfaktor, der u.a. steuerlich verteuert wird, wird effizienter/sparsamer als vorher eingesetzt (= Grenznutzengesetz) und die konkurrierenden Faktoren, z.B. Arbeit, haben mehr Chancen, nachgefragt und genutzt zu werden.“
    Oder er wird eben gar nicht mehr eingesetzt, d.h. die Effizienzsteigerung per Steuer abgewürgt, in Ihren Worten: „Innovation sparsamer eingesetzt.“ Auf diese Weise kann ich natürlich ohne weiteres Vollbeschäftigung schaffen, aber nur auf einem Niveau, das deutlich unterhalb der technisch möglichen Produktivität läge, „evolutionär fortgedacht“ eben auf dem von Bernhard gemutmaßten Steinzeitniveau. Das ist gerade Ihr Aberwitz, der jeder kapitalistischen und sogar planwirtschaftlichen Logik Hohn spricht, denn mit der Produktivität sänken natürlich auch die Profite und der Output insgesamt.
    Ich sehe schon: Ihr persönlicher „Geniepunkt“ liegt noch ein Stückchen vor Ihnen…
    Die Hinweise von devin zu Dühring waren Ihnen vermutlich ebenso unverständlich – denn einer der Marx auch nur ein wenig gelesen hat, der kann schlechterdings nicht mehr so ein new-age-artiges, megalomanes Zeugs von sich geben.
    Sie haben ein Problem, Herr Kalupner, und das besteht sicher NICHT darin, den kreativen Stein der Genies gefunden zu haben aber kein Gehör.
    Lesen wir lieber Schumpeter, von dem ich glaube VIEL gelernt zu haben und auch, dass noch viel von ihm zu lernen ist. Mein Lieblingswerk: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung. Das ist klar, grundlegend und – anders als Keynes – anscheinend frei von politischen Hinterkalkülen.

  5. Earloffunk sagt:

    Nun ja...

    @lemming
    Gehör...

    Nun ja…
    @lemming
    Gehör gefunden hat Herr Kalupner ja offensichtlich…
    Und bekannt ist auch, das es einen Mittelweg geben muss zwischen grösstmöglicher Produktivität einzelner Unternehmen und einem Grösstmöglichen Beschäftigungsgrad…. es muss einen Kompromiss zum Wohle des Ganzen geben!!!
    Vom Grundsatz her, gelten heute noch die selben Regeln, welche von einigen Gelehrten schon 2000 v. Ch. aufgestellt wurden, es mag sich der technologische Vortschritt geändert haben – aber vom Wesen her muss er sich tagtäglich entscheiden zwischen Rechtschaffenheit und Tugend oder persönlichem Vorteil und und und…
    In der Geschichte haben wir den Vorteil, zurückblicken zu können und bekommen auf Grund der auf Ereignisse erfolgten Geschichtsschreibung ein Bild von Personen über deren Rechtschaffenheit oder Verkommenheit präsentiert.
    Das ist im Präsenz sehr schwierig – die Frage ist, wie wird man in 100 Jahren über die jetzigen Vorkommnisse reden? Ist Jörg Asmussen der Volksverräter?…Wer wird gewinnen?… Wie wird sich alles entwickeln?… Wird dieser Blog in die Geschichte eingehen als „Gedankenscmiede“ der Zukunft?
    Aller Kritik zu trotz @ Kalupner
    Nur weil Ihr Lösungsansatz (noch) nicht so populär ist – muss er nicht falsch sein.
    Ich finde es verwerflich, wenn sich jemand heraus nimmt, für jemand anderes zu sprechen – nach dem Motto „Karl Marx hätte gesagt“ – wer sagt das?
    Karl Marx war auch nur ein Mensch… und Denkprozessen unterworfen – oder Keynes…
    Ich wage zu bezweifeln, das wenn diese Herren sich mit Herr Kalupners Idee beschäftigt hätten, sie alle Ansätze für sooo abwegig gehalten hätten – wer weiss das schon?
    Auch heute gibt es grosse Denker – und heute wie damals ist es schwer „neues Gedankengut“ gegen Vorherrschende Thesen zu platzieren…
    Also bitte nich alle auf Kalupner rumhacken, sondern sondieren, was ist gut? was kann man anders machen…. so wird ein Schuh draus
    … denn eine Lösung hat bis jetzt noch keiner (ausser Kalle XD)
    Gruß

  6. Huuh.rrah sagt:

    Schockierend, dieser...
    Schockierend, dieser Antikalupnerismus hier!

  7. bob sagt:

    Evolution ist hart und...
    Evolution ist hart und grausam. Wollen Sie uns sowas andrehen ?– Vielleicht um Marx gegen Schumpeter in Stellung zu bringen: Bei Schumpeter ist der Gewinn das Resultat von Innovation, bei Marx von Ausbeutung der A-Klasse. Schumpeter hat also Marx überwunden, so lese ich ihn.

  8. Herr Kalupner "Und eine gute...
    Herr Kalupner „Und eine gute Steuerungssystem-Abbildung eines höchskomplexen Prozesssystems ist i m m e r genial einfach aufgebaut.“
    in diesem Sinne hätte ich einen Vorschlag zur Kapitalismus / Sozialismusdebatte :
    Freie Märkte, FREIES Geld ( d.h. Nicht Staatliches), keine Einkommenssteuer, Nachtwächterstaat ( mit wenigen Ausnahmen wie Rentenversorgung, Kartellamt, Naturschutz nur zuständig für innere und äussere Sicherheit).
    Läuft natürlich den Wahnvorstellungen der Macher, Planer und Gutmenschen vollkommen entgegen und wird es deshalb wohl niemals geben. Aber die nächste Krise kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit …

  9. Devin08 sagt:

    ...
    Okkupationsmethode
    @Earloffunk, u.a.: Niemand hat hier Herrn Kalupner rund weg abgelehnt, ich zum Beispiel auch nicht, sondern ich habe lediglich meine Ablehnung gegen seine Gebetsmühle und gegen gewisse Inhalte vorgebracht. Ganz am Anfang in diesem Blog habe ich sogar mal zu erkennen gegeben, dass er mich interessiert. Ansonsten: „Selbst der Augenstärkste findet nicht Ihr Korn“, will doch wohl heißen, dass ich zumindest noch auf der Suche bin, meine Augen mögen ja nicht die stärksten sein. Was sein Umgang mit Marx angeht, und nur darum geht es mir, weise ich zurück, über diesen „hinaus gehen zu wollen“, wo er ihn doch von Grund auf ablehnt. Über ihn hinaus gehen, das sollte man wirklich, er tritt ihm aber unter die Beine.
    Da sollte er sich nicht hinter verstecken, dann wird auch nicht mit Marx gegen ihn argumentiert. Ich für meinen Fall argumentiere nicht ausschließlich mit oder durch Marx, aber natürlich beziehe ich mich gelegentlich auf ihn; meine Argumente sind aber ansonsten sehr authentisch und frei formuliert. Ich denke, wenn man sich auf Schumpeter beruft, oder Mises oder wegen mir auch auf Kalupner, darf man sich auch auf Marx berufen, wenn einem dessen Argumente, als die besseren erscheinen.
    Was mir auch aufgefallen ist, ist seine Okkupationsmethode. Wenn es ihm passt, okkupiert er, je nach Gusto, die hier gefallenen Argumente und baut sie mehr oder weniger geschickt in seinen Evolutionslogismus ein. So findet er nicht nur immer mehr Anhänger, die noch gar nichts von ihrem Glück ahnen, sondern so ist auch ganz plötzlich ein Herr Kalupner ein Revolutionär geworden, der sich auf revolutionäre Weise gegen das Kapital wendet, wo wir doch längst wissen, welche Figuren seine Vorbilder sind: Putin, Merkel…
    Das ist im höchsten Maße unseriös um nicht zu sagen ekklektisch. Er sollte bei seinen Argumenten bleiben (ja das sollte er!) und offen gegen die anderen antreten, und er sollte, wenn er mich fragt, von seinem sektiererischen Repetierstil abweichen und den Leuten die Möglichkeit geben, auf authentische und frei gesprochene Argumente einzugehen (wir sind doch hier keine wissenschaftliche Ingroup oder esoterische Sekte!), dann findet er sicherlich nicht nur Gehör, sondern vielleicht auch das eine oder andere Korn – bei sich, wie bei den anderen.

  10. c.cramer sagt:

    @Earloffunk, @Huuh.rrah
    was...

    @Earloffunk, @Huuh.rrah
    was hat euch kalupner bezahlt? oder erpreßt er euch?

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