Chaos as usual

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Wer sich heutzutage in den Straßenschluchten des Kapitalismus bewegt, muss aufpassen, von einstürzenden Paradigmen und herabfallenden

Ich mache mir Sorgen um den Josef

| 21 Lesermeinungen

Ich mache mir Sorgen um den Josef. Josef hat keine Manieren. Josef hat keinen Stil. Er redet gedankenlos, wo er schweigen sollte. Er stellt sich in den...

Ich mache mir Sorgen um den Josef. Josef hat keine Manieren. Josef hat keinen Stil. Er redet gedankenlos, wo er schweigen sollte. Er stellt sich in den Mittelpunkt, wo er nur Dekor ist. Er meint „sie“ hätte was „für ihn“ tun wollen. Elende Hybris! Sie wollte gar nichts für ihn tun. Sie wollte für niemanden etwas tun. Sie wollte den Selbstzweck des Ereignisses ehren. Sie wollte die Kommunikation fördern, die Kultur, die Bildung, die Gesellschaft. Und Gesellschaft, das sind wir alle. Und deshalb profitieren wir auch alle. Sie tat was für uns, nicht für ihn. Sie wollte das Allgemeinwohl fördern. Sie wollte was für ihn tun? Blödsinn! Für uns wollte sie was tun. Aber es passt wieder einmal zu dem Josef, dass er glaubt, es ging um ihn. Josef glaubt, es gehe immer nur um ihn. So ist er, der Josef. Und selbst wenn es so gewesen wäre, dass sie für ihn etwas tun hätte wollen: Warum sagt er das, der Josef? Warum posaunt er es in die weite Welt hinaus? Weiß er denn nicht, dass die das nicht versteht? Hat er nichts gelernt damals? Als er schon mal dachte, er müsse der Welt was mitteilen? Als er die zwei Finger einer Hand in die Kameras spreizte? Hat er da nichts gelernt? Nein, er hat nichts gelernt! Ein Gentleman genießt und schweigt, heißt es. Wenn eine Dame was „für ihn“ tut. Nicht der Josef: der kennt keine intime Scham. Der redet, sobald man ihm ein Mikro unter die Nase hält. Von wegen „diskreter Banker“ – tzz. Wollen Sie, dass etwas umgehend an die Öffentlichkeit gelangt? Dann flüstern Sie es dem Josef ins Ohr – als „Geheimnis“. Aber wichtig: Sie müssen ihm unbedingt sagen, das sei „nur für ihn“ bestimmt. Sonst funktioniert es womöglich nicht. Weil Josef springt nur dann an, wenn es um ihn geht. Verstehen Sie? Auch wenn es gar nicht um ihn geht. Wie neulich auch. Da ging es ja auch nicht um ihn. Sondern um das Allgemeinwohl. Da war überhaupt nichts dabei. Das war völlig in Ordnung. Sagen alle. Eben weil es gerade nicht um den Josef ging. Auch wenn der meint, es wäre um ihn gegangen. Weil sie was für ihn hätte tun wollen. Für ihn. Und das stimmt ja nicht. Josef redet nur Unsinn. Josef scheint mir egozentrisch. Josef scheint mir größenwahnsinnig. Ich mache mir Sorgen um den Josef.


21 Lesermeinungen

  1. Ich habe kurz gezögert, aber...
    Ich habe kurz gezögert, aber nun poste ich es doch: Das Foto vom Treffen der Initiative Finanzstandort Deutschland am 10. Dezember 2008 in der KfW, bei dem Josef Ackermann sich bei Peer Steinbrück für die 480 Mrd. Bankenhilfe bedankt hat. Zitat Ackermann: „Wir sind der Politik und der hinter ihr stehenden Bürgern dafür zu Dank verpflichtet.“ Frau Merkel war über das Foto und die Pressemitteilung so wütend, daß beide nicht an die Medien gingen. Aus gutem Grund: Auf dem Briefkopf der Initiative stand damals noch Lehman als „assoziiertes Mitglied“. Interessant, möchte man heute sagen.
    Noch interessanter aber ist der Mensch, der links oben auf dem Foto grinst: Es ist Jörg Asmussen, der Nick Leeson der deutschen Staatsbankenszene, dessen IKB die Hilfe bekam – und an die Deutsche Bank weiterreichte, damit diese keine beantragen mußte.
    https://whatiseconomy.com/joomla/images/stories/ifd%20initiatorentreffen%20dez%202008.jpg
    Auch aus den USA bekam die Deutsche Bank Gelder, u.a. von der AIG, diesmal durch Merkel-Vermittlung. Die Deutschen mußten sich aber dafür verpflichten, auch die Zechen in den USA zu bezahlen. Da Ackermann nun bereits festgestellt hat, daß die Bürger nicht hinter Steinbrück, sondern hinter Merkel stehen und Merkel festgestellt hat, wie hilfreich eine Bank ohne Hilfeantrag im komplizierten Deal mit den Amerikanern ist, haben sich die beiden jetzt gefunden.
    Ackermann selbst gab am 11. Dezember 2008 dem Drängen des Kanzleramtes nach, das Bild nicht an die Medien zu geben. Damals befürchtete man noch – völlig zu Unrecht – Widerstand gegen das Finanzmarktgesetz, in dessen §11, Absatz 3 es in bewährter Bankkaufmannstradition heißt: „Ein Haushalts- und Wirtschaftsplan wird nicht aufgestellt.“
    Wenn das kein Erfolg ist, daß so etwas im Volk und in den Medien ohne Widerstand durchgeht – was dann?
    Merkel hat für Josef zu Recht ein Essemn gegeben!

  2. Mistral sagt:

    Dienstwagen-Affären und die...
    Dienstwagen-Affären und die „Leiden“ des Josef A. – ein wirklich spannender Wahlkampf! Und was spielt sich zwischenzeitlich in der Wirklichkeit ab?
    – Wir erleben die tiefste Weltwirtschaftskrise seit 80 Jahren, welche die wirtschaftswissenschaftlichen Diskurse und die Wirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnten nicht nur in Frage stellt, sondern teilweise zertrümmert.
    – Wir erfahren von dem, in der Bundesrepublik historisch beispiellosen, Vorgang, dass die Reallöhne sogar während eines „Wirtschaftsbooms“ gesunken sind.
    – Wir hören weiterhin von dem sozialpolitischen Dauerskandal der sozialen Selektivität in unserem Bildungswesen und dessen beklagenswerten Gesamtzustandes.
    – Wir wissen, dass uns mit dem Klimawandel und der Rohstoffverknappung globalen Umwältzungen ungeahnten Ausmaßes kurz bevorstehen.
    Aber unsere Eliten reden über Dienstwagen und Geburtstagsfeiern. Narzissmus und Selbstbespiegelung im Endstadium!

  3. "Aber unsere Eliten reden...
    „Aber unsere Eliten reden über Dienstwagen und Geburtstagsfeiern. Narzissmus und Selbstbespiegelung im Endstadium!“
    Nein, kein Endstadium, sondern – in der Intention der „Elite“ – das endlich erreichte, lange verheissene Paradies, in dem man keine anderen Sorgen mehr hat; historische Parallele? Paraguay 1956 (oder wachsen da keine Bananen?) Marie Antoinette 1780, Zar Nikolaus 1904?
    „wenn die Leute keinen Kohl haben, sollen sie doch Spargel essen!“
    ich habe übrigens eine eigene Theorie, warum sie nichts für ihn tun wollte: als armes DDR-Mädel wollte sie auch seinen Spargel, er hat ihn ihr zwar gegeben, vorher aber die Köpfchen abgebissen, auf den langen Rest kam´s ihr aber dann nicht mehr an….

  4. delphin sagt:

    Wenn Sie Wahlkampf wollen,...
    Wenn Sie Wahlkampf wollen, müssen Sie sich andere Parteien suchen.
    Unsere Top 4 Parteien können die wirklich heissen Themen nicht diskutieren, weil sie bei allen wichtigen Themen ‚Dreck am Stecken‘ haben.
    CDO’s sind ja nicht bei uns auf den Bäumen gewachsen, nein da mussten Gesetze geändert werden und Zulassungen vergeben bzw. Emphehlungen ausgesprochen werden. Die Einen haben den Handel in Deutschland zugelassen, die anderen haben darauf gedrängt. forciert haben alle 4. Der Fehler kostet uns Bürger ein paar 100 Milliarden. Dumm das, war aber auch Pech. Na ja, Schwamm drüber, oder?
    Bankenpleite, die ist seit Mitte 2007 am hochkochen, seit Herbst wird im Internet darüber diskutiert, dass die meisten Banken wohl pleite gehen könnten und warum. (was sich als Realität erwiesen hat). Wie kann es sein, dass unsere Regierung dann im Herbst 2008 von HRE überrascht wird. Was treiben die eigentlich so den ganzen Tag?
    Neoliberalismus und Privatisierungswahn, wird von allen 4 Parteien gefördert.
    Die Banken werden wie selbstverständlich von unserem Steuergeld gestützt. Da ich, mit Aktien ja nicht umgehen kann, beschliesst unsere Regierung sich für die Kredite und Bürgschaften von den Banken kein Eigentum überschreiben zu lassen. Banken sind halt die besseren Banker.
    Lohndumping wird von allen 4 Parteien gefördert. Die Mittelklasse ist auf dem Abstieg, aber wer sagt den Vermietern, dass Ihre Einkommen dadurch ebenfalls fallen müssen? Mindestens mittelfristig.
    Dei einzigen die einen umfassenden Gegenkurs fahren sind die Linken. Mit denen könnten Sie auch diskutieren, aber mit denen kann man ja nicht diskutieren, nicht war? Ja warum eigentlich nicht, oder glauben Sie immer noch die alte CDU/CSU Kommunisten Lüge?
    Wenn Sie fremd gegangen sind und Ihre Frau weiss das und Sie wissen, dass Sie das weiss. Und wenn Sie dann noch vermeiden wollen über den Fehltritt zu sprechen, ja dann unterhalten Sie sich halt über Ursula’s Spanienerlebnisse und Joe’s Geburtstag. Scheinkommunikation.

  5. Ratioso sagt:

    Na was denn,
    ich finde der...

    Na was denn,
    ich finde der Josef hat sich das Geburtstags-Essen bei Angie nun wirklich verdient. Hat er nicht tatsächlich großartiges für den Finanzplatz Deutschland geleistet -oder war daran zumindest vermutlich maßgeblich beteiligt? Erst hat man den Handel mit den tollen innovativen Finanzprodukten erlaubt und dann hat der Josef mit seinen Freunden von GS und so dafür gesorgt, das die deutsche Banken die neuen Wertpapiere auch ordentlich kaufen. Dafür sollte auch mal eine kleine Belohnung durch die Kanzlerin drin sein.

  6. Josef sagt:

    @dude
    Herr Strobel hat aus...

    @dude
    Herr Strobel hat aus folgenden Gründen einen kongenialen Text über Josef verfasst:
    Es gibt für die literarische Interpretation den Grundsatz: Form und Inhalt bedingen einander. Herr Strobel hat einen ironischen Plauderton gewählt. Eine angemessene Form für die Beschreibung von Josefs Verhalten.
    Ernsthaft auseinander setzen kann man sich doch nicht mit dem Herrn Josef. Shakespeare hätte Josef allenfalls als komischen Simpel in einer seiner Kommödien untergebracht. Der Simpel wirkt komisch, weil er sich unangemessen verhält und äußert. So wie das Herr Strobel in seinem prosaische Text wunderbar beschrieben hat.
    Versuchen Sie doch den Text einmal aus dieser Persperpektive zu lesen. Es würde mich nicht wundern, wenn Sie Ihren Kommentar (Bewertung) dann auch nicht mehr so toll finden.

  7. Dante sagt:

    Eine Kaste (die aristos) ist...
    Eine Kaste (die aristos) ist historisch schon an ihrer Hybris untergegangen. Die Geschichte ist doch herrlich listig: nun ist es mit dem diskreten Charme der Bourgeoisie kommplett perdu…

  8. Der Mann ist eitel - und dank...
    Der Mann ist eitel – und dank dieser Eigenschaft ist er die Idealbesetzung für einen Bankster – ein Leonardo di Caprio der Szene. Was erwartest du? Etwa Kompetenz?

  9. undertaker sagt:

    Ich habe mich die letzten Tage...
    Ich habe mich die letzten Tage immer wieder gefragt, woher mir dieser neue Slogan auf den CDU-Plakaten „Wir haben die Kraft“ so bekannt vorkommt.
    https://www.cdu.de/portal2009/27919.htm
    Fast so vertraut wie das „Yes, we can!“ von Bob the Builder. Nun bin ich fündig geworden: „Durch die Worte „Bei der Macht von Grayskull – ich habe die Kraft!“ kann sich Prinz Adam mit diesem Zauberschwert in He-Man verwandeln.“
    Dazu die Geburtstagsfeier mit Joe, sieht so aus, als würde man bei der CDU wieder auf die Masters of the Universe setzen;-)

  10. websimultan sagt:

    Ein genialer Schachzug der UBS...
    Ein genialer Schachzug der UBS wäre es die Anstellung von Joe Ackermann (DB). Er hätte die Kompetenz, die UBS wieder fit zu trimmen, besonders in den eher unbekannteren Bereichen Investmentbanking, zumal er diesen Bereich ja persönlich bestens kennt. Dies würde sich nicht nur positiv auf den Aktienkurs, sondern auch auf das Image des Bankenplatzes Schweiz auswirken. Wenn sich jedoch eine solche Persönlichkeit verpflichten würde, wäre der Rücktritt Ospels die logische Folgerung… dachte man im November 2007 vielfach in der Schweiz.
    „Josef redet nur Unsinn. Josef scheint mir egozentrisch. Josef scheint mir größenwahnsinnig. Ich mache mir Sorgen um den Josef“…. doch wird es immer einige geben, die mehr können als der Durchschnitt. Neid hat viele Facetten… und hier ist gerade die Vorstellung eines neuen Prototyps misslungen.

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