Chaos as usual

Chaos as usual

Wer sich heutzutage in den Straßenschluchten des Kapitalismus bewegt, muss aufpassen, von einstürzenden Paradigmen und herabfallenden

18. Jun. 2009
von Thomas Strobl
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Frau Bär, helfen Sie mir!

Ich will diesen Beitrag mit einem Bekenntnis beginnen. Ein Bekenntnis, das schon lange überfällig war, das in mir drängt und schmerzt, schon seit Jahren, mit dem ich ringe, gegen das ich mich stemme, verzweifelt, resignierend, manchmal obsiegend - dann drücke ich es wieder zurück in das tiefe, dunkle Etwas meiner Seele -, dann aber wieder auch nicht, wenn es mich übermannt, wenn ich es förmlich hinausschreien möchte, in die Welt, alles sollen es hören, alle sollen meine Verzweiflung teilen, alle sollen meinen Schmerz fühlen: ICH BIN SÜCHTIG! Weiterlesen →

18. Jun. 2009
von Thomas Strobl
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15. Jun. 2009
von Thomas Strobl
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Man trägt jetzt wieder "Proletarier"

Ein Satz aus Frank Walter Steinmeiers gestriger Parteitagsrede ist bei mir hängen geblieben, weil er in meinen Augen das ganze Dilemma der Politik, insbesondere sozialdemokratischer Politik in der Ära nach Schröder, verkörpert: „Ich habe den Opelanern in die Augen geschaut. Ich habe ihre Angst gesehen, ihre Hoffnung. Ich sage niemandem in Not: "Du bist nicht systemrelevant." Er hätte es ihnen besser gesagt! Er hätte sich verkneifen sollen, sich selbst für einen modernen Regenmacher zu halten und der Welt etwas vorzumachen: Im Kapitalismus steht jedes Unternehmen jederzeit zur Disposition, und mit ihm seine Arbeitsplätze. Fährt Herr Steinmeier Opel? Hat sich der klatschende SPD-Parteitag jüngst massenweise neue, bunte Opels zugelegt? Nein? Ah, da schau her. Aber selbst wenn: Der Krieg um Marktanteile und Gewinnmargen in der Automobilindustrie würde kein bisschen anders verlaufen. Steinmeier hätte - wenn er ehrlich wäre - den Opelanern stattdessen sagen müssen, dass es den Markt nicht interessiert, ob er oder irgendjemand sonst sie für systemrelevant hält: er, der Markt, entscheidet, welche Unternehmen und Arbeitsplätze im Konkurrenzkampf überleben. Und an diese ernüchternde Botschaft hätte er - vor der Agenda 2010 - anschließen können, dass - wenn der Markt den Daumen nach unten dreht - sich trotzdem keiner um seine private Zukunft Sorgen zu machen braucht: Sozialsysteme wie auch Arbeitsmarktpolitik würden dafür sorgen, dass jeder, der arbeiten will, auch Arbeit finden wird; und dass bis dahin für ihn und seine Familie gesorgt werden wird. Doch das kann Steinmeier heute natürlich nicht mehr, denn es waren Gerd Schröders - und damit seine - Reformen unter dem Schlagwort „Hartz IV", die jegliche Gewissheit über die eigene Zukunft im Falle des Arbeitsplatzverlusts zerstörten. Und allen gruppendynamischen Übungen in Sachen „kämpferische Parteitagsstimmung" zum Trotz: Der einstmals sozialdemokratische Wähler wird ihm das nicht vergessen. Weiterlesen →

15. Jun. 2009
von Thomas Strobl
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11. Jun. 2009
von Thomas Strobl
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Der verrückt gewordene Marxismus des Tugan-Baranowski

In der Essay-Sammlung „Literatur und Revolution" von Leo Trotzkij findet sich ein Aufsatz aus dem März 1914, in welchem der spätere Sowjet-Revoluzzer in unmissverständlichen Worten verkündet, was von all den Dissidenten, progressiven Marx-Interpreten und sonstigen „Laientheologen" zu halten sei, die „unermüdlich die Weltgeschichte durchschütteln, sich neuen Strömungen anpassen und von allem in der Welt - Tschechoffs Held beim Verkauf des Vögleins gleich - wenigstens einen kleinen Nutzen für ihr Leben nach dem Tode davontragen wollen." Über den Helden unseres heutigen Dramas schreibt er so zum Beispiel folgendes: Weiterlesen →

11. Jun. 2009
von Thomas Strobl
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09. Jun. 2009
von Thomas Strobl
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Logische Purzelbäume mit österreichischem Charme

Ein Studentenwitz an naturwissenschaftlichen Fakultäten geht so: Ein Biologe, ein Physiker und ein Mathematiker stehen in einem Garten und bekommen jeder ein 5m langes Seil in die Hand gedrückt. Die Aufgabe lautet, möglichst viel von dem Garten mittels dieses Seils eindeutig abzugrenzen. Der Biologe legt nun sein Seil kunstvoll um ein üppig bewachsenes Blumenbeet - mit der Vielfalt der darin enthaltenen Arten würde er dem Auftrag bestmöglich nachkommen. Der Physiker hingegen bringt sein Seil auf dem Rasen in die Form eines perfekten Kreises - damit hat er die größtmögliche Fläche abgetrennt, was seiner Meinung nach dem Ziel am nächsten kommt. Der Mathematiker jedoch stellt sich kerzengerade hin, legt das Seil eng um seine Füße und proklamiert: „Ich definiere „Außen" als „Innen" - der Sieg war ihm nicht zu nehmen. Wer an derlei Späßen Gefallen findet, für den ist der austro-amerikanische Physiker, Kybernetiker und Erkenntnistheoretiker Heinz von Foerster der richtige Mann. „Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners - Gespräche für Skeptiker" lautet der verheißungsvolle Titel einer sehr heiteren aber nichtsdestoweniger aufschlussreichen Gesprächsreihe mit Heinz von Foerster, die der Deutsche Bernhard Pörksen 1997 mit dem 2002 verstorbenen Meisterdenker führte und als Buch herausbrachte, letztes Jahr bereits in der 8. Auflage. Weiterlesen →

09. Jun. 2009
von Thomas Strobl
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06. Jun. 2009
von Thomas Strobl
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Kapitalismus, Sozialismus und ein schlechter Pferdesattel

"An einem Morgen im Frühherbst des Jahres 1909 begaben sich zwei Duellanten in Begleitung ihrer Sekundanten zum Austragungsort ihres Ehrenkampfes, wie es der code duello vorschrieb. Keiner der beiden war ein sonderlich guter Fechter. Nach einigem Herumgefuchtel mit ihren Säbeln traf jedoch schließlich der Säbel des einen Duellanten den anderen an der Schulter und fügte ihm einen Schnitt zu. Kaum hatte das Blut zu fließen begonnen, schritten die Sekundanten auch schon ein und erklärten das Gefecht für beendet. Schlugen sich die beiden Rivalen um die Hand einer Frau? Waren es Offiziere, die einen Ehrenkampf austrugen? Nein. Der eine war Professor, der andere Bibliothekar. Und sie schlugen sich um die Frage, ob Studenten leichteren Zugang zu Büchern erhalten sollten oder nicht. Der Professor, der das Duell für sich entschied, war Schumpeter selbst." Das ist nur eine der zahlreichen Anekdoten, die in der Schumpeter-Biographie von Thomas K. McCraw, die im Oktober 2008 auch auf deutsch erschienen ist, nachzulesen sind. Es gibt nicht viele Biographien, zumal nicht über Nationalökonomen, die man mit Spannung und konstant guter Unterhaltung liest, aber diese ist mit Sicherheit eine davon. Sie hat in meinen Augen das Zeug, in Sachen Joseph A. Schumpeter das zu werden, was Robert Skidelskys Werk über John Maynard Keynes bereits ist: ein Klassiker. Was natürlich in nicht geringem Maße in der schillernden Figur Schumpeters selbst begründet liegt, der in dieser Hinsicht dem englischen Lord um nichts nachstand. Weiterlesen →

06. Jun. 2009
von Thomas Strobl
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03. Jun. 2009
von Thomas Strobl
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Mögen Sie ABBA?

In Zeiten einstürzender Paradigmen und allgemeiner Ratlosigkeit, gepaart mit zunehmenden Zweifeln hinsichtlich traditioneller Erklärungen dessen, was die Welt im Innersten zusammenhält, greift man zur intellektuellen Selbstaufrichtung immer wieder gerne auf Denker früherer Epochen zurück; mit Vorliebe solche, die nicht den hohen Türmen des Mainstreams entstammen, sondern dezidierte Außenseiterpositionen vertreten; weil den Mainstream kennt man ja zumeist eh schon von A bis Z, und schließlich waren es ja nicht zuletzt dessen Exegeten, wegen denen wir jetzt pudelnass im strömenden Regen stehen. Soweit es die Ökonomie und insbesondere die Wirtschaftspolitik betrifft, war der ursprünglich aus Rumänien stammende US Ökonom Abba P. Lerner zweifellos ein derartiger Außenseiter. Der von ihm entwickelte Ansatz der „Functional Finance" unterscheidet sich radikal von allem, was wir heute gemeinhin unter „solider" Wirtschaftspolitik verstehen. Er ist aber gerade heute umso interessanter, als er sowohl das Problem immenser staatlicher Verschuldung als auch die Notwendigkeit zu verstärktem staatlichen Engagement adressiert. Wie sieht er aus? Weiterlesen →

03. Jun. 2009
von Thomas Strobl
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27. Mai. 2009
von Thomas Strobl
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Eigentum ist männlich

Peter Sloterdijk bezeichnete den Bremer Professor Gunnar Heinsohn einmal als „höchst anregenden Gelehrten, der die engeren Fachdisziplinen immer wieder zu wissenschaftlichem Nutzen überschreitet". Und damit hat er wohl recht. Wer sich vergegenwärtigen möchte, was das in der Praxis bedeutet, sollte Heinsohns Doktorarbeit aus 1983 lesen - er wird zweifellos auf seine Kosten kommen, Satisfaction guaranteed! - Inhaltlich von schier unglaublicher Breite wie auch Tiefe, liest sich das Opus mit dem zugegeben sperrigen Titel „Privates Grundeigentum, Patriarchalische Monogamie und Geldwirtschaftliche Produktion - Eine sozialtheoretische Rekonstruktion zur Antike" spannend; sogar sehr spannend für ein Traktat zu diesem Thema, und ich übertreibe wohl nicht, wenn ich sage, dass ich mich bei der Lektüre von Dan Browns „The Da Vinci Code" kaum besser unterhalten habe. Im großen Unterschied zu letzterem handelt es sich bei Heinsohns Dissertation aber nicht um reine Fiktion, sondern die tatsächliche Antike - aus seiner ganz persönlichen Sicht. Und die ist - wie könnte es anders sein - auch schon anno 1983 alles andere als Mainstream. Heinsohn „rekonstruiert" - der Titel macht da keine falschen Versprechungen: Die Geschichte des Altertums erzählt er auf die ihm eigene Art und Weise, damit gleichzeitig die Geschichte des Patriarchats, der Entstehung des Eigentums und der Geldwirtschaft - alle drei topoi sieht er kausal miteinander verknüpft. Wenn man so will, dann ist diese Arbeit der Ausgangspunkt für alles Weitere, was Heinsohn gemeinsam mit seinem Kollegen Otto Steiger in den 80ern und 90ern zu Papier bringen wird. Und weil er bei seiner Promotion vor den beiden post-keynesianischen Großkalibern Hajo Riese und Jan Kregel offenbar der Meinung war, dass die Neuschreibung der Geschichte von sowohl Patriarchat als auch Geldwirtschaft für die Erlangung eines zweiten Doktortitels ja womöglich ein wenig mickrig sei, schob er im Appendix als Goodie noch schnell die Begründung nach, warum die Sumerer in Wahrheit die Chaldäer waren, und nicht schon 3000 v.Chr. sondern erst 2000 Jahre später durch das sonnige Mesopotamien spazierten. Und da sage noch mal einer, Nationalökonomie könne nicht spannend sein! Weiterlesen →

27. Mai. 2009
von Thomas Strobl
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25. Mai. 2009
von Thomas Strobl
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Oh.Weh. California

Allen sonnigen Fernsehserien aus dem „Golden State" zum Trotz: Es sieht wirklich nicht gut aus für Kalifornien - fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt, Heimat jedes achten Amerikaners und führende High-Tech-Schmiede des Planeten. Eine seit langem schwelende Krise droht den US Bundesstaat nunmehr endgültig ins Finanzchaos zu stürzen, und egal, wie die Geschichte schlussendlich auch ausgehen mag, sie wird eine große Anzahl von Verlierern produzieren. Der prominenteste darunter wohl Arnold „Hasta la vista baby" Schwarzenegger, in dessen Rolle als Gouverneur, für die er seinerzeit als „Starbesetzung" gefeiert wurde, wohl mittlerweile nichts mehr nach Drehbuch läuft. Er, der stolze Held diverser Äääktschn-Movies, er musste sich zum Zeichen der ultimativen Unterwerfung letzte Woche nach Washington begeben, um dem politischen Gegner im Weißen Haus eine Bundesgarantie für kalifornische Staatsanleihen aus dem Kittel zu schalmeien. Was für eine Erniedrigung! Und was für eine finanzpolitische Dramatik, mit der das bundesstaatliche Haushaltsfiasko plötzlich zum nationalen Anliegen der USA wurde. Weiterlesen →

25. Mai. 2009
von Thomas Strobl
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21. Mai. 2009
von Thomas Strobl
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Ist die ZEIT reif für die Post-Wachstums-Ökonomie?

In der jüngsten Ausgabe der ZEIT beschäftigt sich Wolfgang Uchatius sehr eingehend mit dem Thema „Wirtschaftswachstum"; oder besser: mit der Abwesenheit desselbigen, denn sein Beitrag mit dem Titel „Wir könnten auch anders" dreht sich ausschließlich um die Frage, ob eine Post-Wachstums-Gesellschaft vorstellbar wäre, und wenn ja wie. Ich halte seinen Beitrag insgesamt für sehr gut, zudem verständlich auch für Leser ohne Doppeldoktor in Ökonomie und Sozialwissenschaften, daher will ich mich gerne etwas eingehender damit beschäftigen. Die Kollegen von der ZEIT haben sicherlich nichts dagegen, wenn ich die sagenhafte Popularität der FAZ-Website dazu nutze, einem gelungenen Artikel wie diesem zu einem deutlich höheren Share of Voice zu verhelfen. Weiterlesen →

21. Mai. 2009
von Thomas Strobl
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19. Mai. 2009
von Thomas Strobl
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Mit 500 PS auf der Road to Serfdom

Wenn - wie man liest - sich selbst Edelkarossen-Hersteller Porsche jetzt um ein warmes Plätzchen unter Mama Angelas Rockzipfel bemüht, dann ist es wirklich höchste Zeit, Friedrich August Hayek zu bemühen und mal wieder ein wenig in seinem Anti-Staatswirtschafts-Klassiker „Road to Serfdom" (deutsch: „Der Weg zur Knechtschaft") zu blättern. Zudem wäre der österreichische Ökonom und Nobelpreisträger vor rund einer Woche, am 8. Mai, 110 Jahre alte geworden, da kann man ihm ohnehin ein wenig die Ehre erweisen, und das will ich nachfolgend gerne tun. Mit Robert Misik hatte ich mich ja letztens noch über Hayeks Werk unterhalten, am Wochenende dann mal wieder darin gelesen, und was soll ich sagen: Ja, es ist immer noch verdammt aktuell. Bei dem was die Damen und Herren Volksvertreter in Berlin so treiben - wer weiß, was da noch alles an schönen Dingen auf uns zukommt -, da liest man so ein Werk gerne schon mal zur Prophylaxe. Und auch wenn man die Ansichten Hayeks zu Sozialpolitik und Verteilungsgerechtigkeit nicht immer für der Weisheit letzter Schluß nehmen muss, als wortgewaltiger Mahner vor dem schleichenden Weg in den Totalitarismus ist er noch immer unerreicht. Sehen wir uns also mal auszugsweise an, was der Friedrich August da so schreibt: Weiterlesen →

19. Mai. 2009
von Thomas Strobl
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