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Für die Arbeitswelt gilt: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Wir sind also in Bewegung – so oder so. Gehen wir doch in diesem Blog ein

Vom Sessel in die Berge. Teil 4: Abstieg: Oder jetzt gehts’s los

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Der Männer sind zur strategischen Auszeit in die Schweizer Berge gekommen. Ein Unternehmer, ein Berater und ein Manager. Alle mit einem Berg im Kopf, den sie hier besteigen wollen.

> Teil 1 (Prolog) lesen

> Teil 2 (Aussicht genießen – Einsicht gewinnen) lesen

> Teil 3 (Bittere Pillen) lesen

Am Morgen macht sich so etwas wie Aufbruchstimmung breit. Mit dem Wetter scheint sich bei Peter, Klaus und Günter eine Menge geklärt zu haben, so dass sie wie mit den Hufen scharren, um das Vorgenommene in die Tat umzusetzen. Jetzt wird es ernst. Die Verabredung ist, dass jeder seine Geschäftsstrategie wie vor einem Vorstandsgremium präsentiert, um für die Umsetzung seiner Pläne grünes Licht zu bekommen. Das hat zwei Vorteile. Zum Einen erfordert das eine gründliche schriftliche Vorbereitung, bei der es nicht ausreicht, sich die Dinge ungefähr im Kopf zurecht zu legen. Zum Anderen bekommen die eigenen Pläne dadurch, dass sie quasi öffentlich gemacht werden, eine viel größere Verbindlichkeit und damit Nachhaltigkeit.

Peter beginnt: Er hat erkannt, dass er sein Unternehmen verloren hat, weil er im Bereich Marketing und Finanzen zu schwach aufgestellt war. Er selbst ist eher der Daniel Düsentrieb und Tüftler, der geniale Ideen liefert und in Projekten umsetzt. Da er sein Unternehmen immerhin noch mit Gewinn verkauft hat, spricht finanziell nichts gegen einen Neuanfang. Peter spürt die Mission, noch einmal ein kleines schlagkräftiges und hochprofitables Unternehmen aufzubauen. Die Vision, die ihn treibt, diese Mission zu erfüllen, ist ein repräsentatives Haus mit großer Garage für mehrere Autos und vor allen Dingen mit Kieseinfahrt, deren Knirschen ihm beim Heimkommen bestätigen soll: Ich bin erfolgreich. Sein Plan sieht die Erstellung eines Marketingkonzeptes vor, mit dem er bis Ende des Jahres hochkarätige Partner für die Bereiche Marketing und Sales und drei Pilotkunden für eine neue Produktidee gewinnen will. Um keine Missverständnisse entstehen zu lassen, betont Peter, dass er nicht die Absicht hat, sein Leben bis zur Verwirklichung der Vision zu verschieben. Vielmehr will er jeden Tag auf dem Weg dorthin so intensiv auch mit seiner Familie leben, als wenn es sein letzter wäre.

Klaus hat jahrelang darüber nachgedacht, die Unternehmensberatung, für die er arbeitet, zu verlassen und noch einmal ganz neu anzufangen, um etwas wirklich Bedeutsames zu tun. Für diesen Schritt hat er nie den Mut gehabt; zu hoch war das Gehalt, zu komfortabel die finanzielle Absicherung durch den Arbeitgeber. Jetzt hat Klaus die Perspektive gewechselt und sieht die Möglichkeiten, die sich ihm durch und mit seinem Arbeitgeber bieten. Eine aktuelle Umstrukturierung ermöglicht einen neuen Zuschnitt von Verantwortlichkeiten und Tätigkeitsschwerpunkten. In Abstimmung mit einem ambitionierten Kollegen will sich Klaus aus der Projektabwicklung zurückziehen und auf die Akquisition von Projekten konzentrieren. Da dies in seiner Branche am besten über Publikationen, Fachartikel und Vorträge geschieht, kann er es gegenüber der Geschäftsleitung rechtfertigen, wenn er künftig einen erheblichen Teil seiner Arbeitszeit in die Ausbildung seines Expertenstatus investiert. Als seine Mission sieht er, zur Lösung gesellschaftlicher Missstände mit seiner Expertise beizutragen. In seiner Vision sieht er sich durch Politik, Wirtschaft und Verbände bei entsprechenden Fragestellungen konsultiert und geschätzt. Das Rauchen will er übrigens auch aufgeben.

Georg weiß nun sicher, dass er nicht wieder nach einer neuen Aufgabe als Niederlassungsleiter suchen will. Bei allen bisherigen Erfolgen ist ihm klar, dass ihm zum nachhaltigen Erfolg die notwendige Durchsetzungskraft insbesondere gegenüber Vorgesetzten fehlt. An vielen Stellen in seiner Biographie konnte er entdecken, dass er die Kraft gehabt hat, erfolgreich etwas Neues zu beginnen. Jetzt will er mit seinem Pfund, seinem besonderen Gespür für Menschen, wuchern und in das Feld der Personalberatung wechseln. Dort sind Quereinsteiger gesucht und mit seinen praktischen Erfahrungen und Verbindungen in der Logistikbranche sollte es möglich sein, sich in einer spezialisierten Personalberatung entsprechend zu platzieren. Georg präsentiert einen Projektplan, der ihn bis Ende des Jahres einen Arbeitsvertrag als Personalberater bescheren wird. Als seine Mission erkennt er, langfristig ein eigenes Unternehmen aufzubauen, das ihm erlaubt – so seine Vision – Beruf und Privatleben unter einem Dach zu verbinden. Dann wird er konkret: Bis Ende 2008 will er eine Schlüsselposition Logistik bei einem der ganz großen Unternehmen besetzt haben.

(Wie wollen Sie Ihre Vision beruflich umsetzen?)

Jetzt sind wir durch. Alle haben das Gefühl, ein persönliches Gipfelkreuz erreicht zu haben, und genießen die Ausblicke, die sich von dort aus bieten. Dann kommt der Abstieg. Wieder müssen wir den Höhenweg entlang mit den steilen Abgründen. Merkwürdig. Diesmal wird nicht nur Klaus übel, auch Peter wird vom Schwindel erfasst, als sie tief unter sich auf den Seealpsee blicken. Georg kümmert sich um Peter, ich begleite Klaus, und beide meistern den Engpass schließlich mit einem Erfolgserlebnis. Wir alle sind wieder um eine Erfahrung reicher. So ganz ohne Schwindelanfälle wird es bei der Umsetzung der ambitionierten Pläne nicht abgehen. Dann ist es gut, jemanden zur Seite zu haben, der einen stützt. Dann ist es gut, eine Familie und Freunde hinter sich zu wissen. Auf der Meglisalp jedenfalls haben sich jedenfalls vier Freunde gefunden.


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