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Fitna – Oder: Plädoyer zum konstruktiven Umgang mit einem inadäquaten Feedback

Nach dem Karikaturenstreit vom letzten Jahr zieht neues Ungemach auf. Geert Wilders hat sein islamkritisches Video Fitna vergangenen Freitag über den britschen Provider Liveleak im Internet veröffentlicht. Der hat allerdings aufgrund von ernsten Todesdrohungen gegen seine Mitarbeiter das Video bereits nach wenigen Stunden wieder gesperrt. Zu spät. Das Video kursiert bereits im Internet und ist nicht mehr zu stoppen. Sollte es? Ich meine nein:

 

Das Video kann als ein Feedback eines eher rechten Flügels der westlichen Gesellschaft an die islamische Welt verstanden werden. Offensichtlich hat diese Bevölkerungsgruppe den Eindruck gewonnen, dass der Islam eine eher martialische und terroristische, eine anti-indiviudalistische und anti-westliche, eine dominante und unterdrückende Religion ist. Damit hat sich bei dieser Zielgruppe offenbar ein ziemlich abschreckendes Bild über den Islam festgesetzt und dieser hat ein massives Imageproblem. Eigentlich kein Wunder:

 

Wenn über Jahre überall auf der Welt ausdrücklich im Namen des Islam von islamischen Tätern terroristische Anschläge verübt werden und damit die täglichen Nachrichten füllen, dann prägt das massiv  den „Brand“ des Islam überall in der Welt. Wie ein negatives Firmenimage auch auf die Mitarbeiter ausstrahlt, wirkt das schlechte Image des Islam auch auf die Mehrheit zurück, die einen friedvollen und toleranten Islam vertreten.

 

Feedback von anderen bietet immer eine hervorragende Gelegenheit, etwas über sich selbst zu lernen. Das Feedback mag vorsichtig und andeutungsweise oder direkt und aggressiv vorgetragen worden sein – egal. Nicht derjenige, der Feedback gibt, hat das Problem, sondern der, der es erhält. Wenn ich ein Feedback erhalte, dann kann ich mir die vier klassischen Fragen des Marketings stellen:

 

1. Welche Wirkung habe ich auf andere?

2. Ist das die Wirkung, die ich erzielen möchte?

3. Falls nicht, welche Wirkung möchte ich erzielen?

4. Wie bekomme ich diese Wirkung vermittelt?

 

Wenn jetzt Geert Wilders mit Todesdrohungen unter permanentem Polizeischutz leben muss, dann mögen manche sagen, dass dies die Quittung für ein unfreundliches und beleidigendes Feedback an die Muslime sei. Das ist allerdings völlig unakzeptabel, da Beleidigungen bei uns nicht in Selbstjustiz sondern vor Gericht ausgetragen werden. Doch sollten wir die Gelegenheit nutzen, die islamische Welt aufzufordern, ihr ramponiertes Image zu reflektieren und motivieren, eine überzeugende Imagekampagne zu starten. Das zumindest sollte das Interesse der westlichen Muslime sein. Das Image des Islam zu verändern ist definitiv eine Herausforderung an dessen Vertreter, nicht Sache der Andersgläubigen. Deren Sache ist es, immer wieder Formen des Feedbacks zu finden, die diesen Prozess in geeigneter Art und Weise inspirieren.

 

Eine schöne Woche &
Carpe Diem

 

Ihr Ralf Borlinghaus

 

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