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Neue Vorbilder gesucht. Anmerkungen zur Führungskrise bei der Deutschen Bahn

| 4 Lesermeinungen

  Nach dem spektakulären Abgang von Klaus Zumwinkel hat wieder ein deutscher Top-Manager trotz unzweifelhafter Verdienste einen unrühmlichen Abschied...

 

Nach dem spektakulären Abgang von Klaus Zumwinkel hat wieder ein deutscher Top-Manager trotz unzweifelhafter Verdienste einen unrühmlichen Abschied genommen. Hartmut Mehdorn ist – wie man so sagt – über eine Datenaffäre gestolpert.

Der Ruf nach dem Rücktritt des Bahnchefs wurde zumeist wie folgt begründet: Wenn Mehdorn über Art und Umfang der Überwachung der Bahn-Mitarbeiter durch die entsprechenden Stellen informiert gewesen wäre, dann hätte er dem Treiben Einhalt gebieten müssen. Dagegen gehöre Mehdorn, der womöglich nicht über derartige Vorgänge in seinem Betrieb informiert ist, sowieso nicht  mehr an die Spitze der Bahn.

Ich persönlich glaube Hartmut Mehdorn, dass er von dem Datenabgleich nichts gewusst hat, der ja eigentlich schon zur Routine geworden war. Mehdorn hat mehrfach betont, dass durch die Kontrollen gültiges Recht nicht gebrochen worden sei und vermutlich ist das auch so. Es handelt sich also eher um ein Kultur- und Werte-Thema. Keiner der Korruptionsbekämpfer war dahingehend sensibilisiert, ob bestimmte Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung gegen bestehende Werte des Unternehmens verstoßen könnten. Denn wäre das so gewesen, dann hätten sie schon aus Selbstschutz bei höheren Stellen um Genehmigung nachgefragt.

Die fehlende kulturelle Sensibilisierung seines Unternehmens ist nun in der Tat etwas, was sich der Bahnchef vorwerfen lassen muss. Dabei geht es weniger um die betriebsinterne Veröffentlichung von Werte- und Verhaltenskodex als vielmehr darum, welches Verhalten und welcher zwischenmenschliche Umgang von der Unternehmensspitze vorgelebt wird. Wenn ein Vorstandsvorsitzender den Menschen in seiner Umgebung vertraut und eine offene Kommunikation pflegt, wenn er in seinem Verhalten konsequent werteorientiert ist, dann wird diese Haltung durch alle Hierarchieebenen hindurch diffundieren und letztlich alle Mitarbeiter durchdringen. Bestimmte Mittel und Maßnahmen der Korruptionsbekämpfung verbieten sich dann von selbst.

Wenn Sie den Grad Ihrer Vorbildfunktion als Führungskraft gegenüber Ihren Mitarbeitern einmal testen wollen, dann kommen Sie z. B. einmal eine zeitlang Freitags kommentarlos ohne Krawatte ins Büro. Sie werden feststellen, dass es Ihnen nach kurzer Zeit Ihre männlichen Mitarbeiter nachtun werden und ihre Krawatten am Freitag ebenfalls im Schrank lassen. Nach einiger Zeit ist der Leasure-Friday zur allgemeinen Selbstverständlichkeit geworden. Genau diese Vorbildfunktion hat jede Führungskraft in Hinblick auf werteorientiertes Verhalten.

Eine schöne Woche &
Carpe Diem!

Ralf Borlinghaus

  Bild zu: Neue Vorbilder gesucht. Anmerkungen zur Führungskrise bei der Deutschen Bahn


4 Lesermeinungen

  1. Raffy Ryff sagt:

    Das Wort Vor-Bild ist...
    Das Wort Vor-Bild ist selbsterklärend. Eine Führungsperson muss für die Mitarbeiter sicht- und spürbar sein. Nicht als oberste Position im Organigramm, sondern physisch anwesend, präsent. Auf allen Betriebsebenen.

  2. Bei den Herren Mehdorn,...
    Bei den Herren Mehdorn, Zumwinkel sehe ich als Psychologe und Führungskräftetrainer das Defizit vor allem in der inneren Reife. Mit anderen Worten: sie sind nicht wirklich erwachsen. Denn zum Erwachsensein gehört, dass man für gemachte Fehler geradesteht und sie nicht zu vertuschen sucht.
    Was wir mittlerweile ja so gewohnt sind von Vorständen oder Politikern ist das Verhalten, dass man Fehler meist erst dann zugibt, wenn sie sowieso nicht mehr zu leugnen sind. Wenn das ein Pubertierender von 15 Jahren versucht, ist das altersgemäß. An einen Erwachsenen lege ich andere Massstäbe an.
    Zu dem Thema habe ich auf meinem Blog einen längeren Beitrag geschrieben. Wen es interessiert: https://tinyurl.com/cy7427

  3. Hrn. Kopp-Wichmann kann ich...
    Hrn. Kopp-Wichmann kann ich nur zustimmen: Viele Probleme erwachsen aus dem nichterwachsen sein der Führungskräfte. Dabei liegt es wohl in der Natur eines jeden Menschen, die eigenen Fehler und Mängel vertuschen zu wollen.
    An dieser Stelle ist eine genaue Analyse der Anforderungen an die eigene Person für manchen Manager sicherlich notwendig und gewinnbringend. Was bei Produkten (man verzeihe mir den Vergleich, er ist nicht verachtend gemeint) an Qualitätssicherung obligatorisch ist, wird bei Führungskräften wohl eher selten in Erwägung gezogen: die Eigenschaften mit den Kundenanforderungen möglichst genau in Einklang zu bringen. Dabei ist im Sinne eines TQM der Kundenkreis einer Führungskraft umso umfangreicher, je höher sie steht; nicht nur für Herrn Mehdorn und Herrn Zumwinkel bis in die Öffentlichkeit hinein. Deshalb (trotz allem) meine Hochachtung vor diesen Herren!

  4. Regina K. sagt:

    Sicher sind eigene Fehler...
    Sicher sind eigene Fehler immer etwas Unangenehmes, aber wie auch Herr Kopp-Wichmann geschrieben hat, sollten erwachsene Menschen, gerade in solchen Positionen! die Fähigkeit der Reflektion bzw. der offenen Zugeständnisse von Fehltritten inne haben.
    Bei der „Qualitätssicherung“ von Führungskräften um bei der Begrifflichkeit von Herrn Dr.Hübner zu bleiben, kann allerdings meiner Meinung nach Einiges getan werden. Es gibt zahlreiche Messinstrumente, die es der Führungskraft ermöglichen, die „Kundenanforderungen“ sprich die Erwartungen z.B. der eigenen Mitarbeiter zu erfragen. Aktuell hierzu wird an der Ruhr-Universität Bochum eine Studie zum Thema „Wie führt Ihr Chef…?“ durchgeführt. Vielleicht schauen Sie mal rein:
    https://www.testentwicklung.de/bif_derzStand.htm

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