Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Klickeradoms!

| 25 Lesermeinungen

Mein neuer Comic-Blog beginnt mit einer tristen Nachricht: Volker Reiche beendet im Januar 2009 seine werktägliche Comic-Serie "Strizz". Warum, das wird hier ausgiebig verraten. Wie es weiter geht, dagegen erst einmal nur angedeutet. Fortsetzung folgt!

Das erste Wort muß natürlich aus Entenhausen sein, und weil Erika Fuchs mit dem berühmten „Klickeradoms“ – jenem Geräusch, das ein Waschzuber voller Glühbirnen erzeugt, wenn der von einem auf der Lehne eines Küchenstuhls balancierenden Donald Duck auf den Fußboden entleert wird – ihrerseits Wilhelm Busch zitierte, in dessen „Frommer Helene“ diese Lautmalerei zum erstenmal zu finden war (bei Busch beschreibt sie das Geräusch einer zerschellenden Gipsreplik der Venus von Medici), ist mein Zitat nun ein doppeltes, das einen bedeutenden Vorläufer des Comics mit einem Höhepunkt des Genres verbindet.

Nun ist Klickeradoms bei aller Schönheit seines Klangs doch Resultat einer Zerstörung. Somit werde ich diese Überschrift fortan immer dann in diesem Blog verwenden, wenn es destruktive Dinge zu berichten gibt. Das heißt im Falle von Desastern, also zum Beispiel angesichts missratener Comics, peinlicher Erlebnisse, Dummheiten, Arroganzen und Vulgärdonaldismen. Was letzteres meint, wird sich im Laufe der Zeit zwangsläufig auch jenen Lesern erschließen, die keine donaldistischen Grundkenntnisse besitzen.

Warum steht dann dieses Warnwort „Klickeradoms“ gleich über dem ersten Eintrag des Comic-Blogs? Weil es eine Enttäuschung zu vermelden gibt, von der außer mir noch niemand weiß. Vor mehr als sechs Jahren, im April 2002, begann Volker Reiche für die F.A.Z. seinen werktäglichen Comic-Strip „Strizz“. Am 2. Januar 2009 wird er ihn in dieser Form beenden. Das ist nicht nur der Qualität der Episoden wegen bedauerlich, die „Strizz“ und damit auch der Zeitung und faz.net ein treues Stammpublikum beschert haben, sondern auch aus einem sportlichen Aspekt: Kein anderer Zeichner in der mittlerweile mehr als hundertzehnjährigen Geschichte des Comics hat mit derart heißer Feder gezeichnet wie Volker Reiche. Mit der Ausnahme einiger weniger der mehr als tausendfünfhundert Folgen enstand „Strizz“ immer tagesaktuell (und wenn ich mich recht erinnere, ist die Zahl der Ausnahmen wohl eher an den Fingern einer Hand denn an denen von zweien abzuzählen). Deshalb konnte Volker Reiche in seinem Strip so aktuell sein wie die Zeitung – und manches Mal war er gar aktueller. Das erforderte aber auch eine stete Wachsamkeit und die Verfolgung der Geschehnisse des Tages von morgens bis in den frühen Nachmittag hinein, um sie noch in die jeweilige Folge des nächsten Tages einarbeiten zu können. Dieser Mühe hat sich kein Kollege von Reiche unterziehen wollen, auch nicht so dezidiert politisch kommentierende Zeichner wie Gary Trudeau oder Walt Kelly.

Im Gegenteil: Im Normalfall haben Comic-Strips Vorlaufzeiten von mehreren Tagen, wenn nicht Wochen, damit man auf Seiten der Zeitung sicher sein kann, daß auch niemals eine Folge ausfällt. Dieses Risiko ist die F.A.Z. mit „Strizz“ eingegangen, und mit Ausnahme einer einzigen Woche, in der Volker Reiche erkrankt war, war es nie die Schuld des Künstlers, wenn einmal etwas schiefging. Was ohnehin erfreulich selten vorkam. Diesen wechselseitigen Ehrgeiz von Zeichner und Redaktion werden beide wohl zukünftig noch vermissen, aber Reiche möchte nach sechseinhalb Jahren steter Fron am Leuchttisch auch einmal wieder länger Urlaub machen können, Freunde und Opern besuchen und vor allem lesen. Ihm winkt ein schönes Leben, das ihn jauchzen lassen dürfte. Wir dagegen empfinden diesen Einschnit eher als ein Ereignis, das sich wie „Klickeradoms“ anhört – keine Peinlichkeit, kein Fehler, aber ein echter Verlust.

Natürlich werden wir deshalb Volker Reiche auch nicht ganz aus den Klauen der Zeitung lassen; schließlich können wir auch nicht die zahllosen „Strizz“-Freunde enttäuschen. Im Lauf der kommenden Wochen wird es an dieser Stelle und in „Strizz“ selbst dazu mehr Konkretes zu lesen geben. Aber es stellt sich ja auch die Frage: Womit füllen wir die Lücke? Das sei noch nicht verraten. Oder zumindest nicht vollständig. Aber doch soviel, damit der erste Eintrag des Comic-Blogs auf einer positiven Note endet: Vom 6. Januar an wird Ralf König zurückkehren, der 2007 schon einmal als Urlaubsvertretung für „Strizz“ agierte und mit seinem Comic „Prototyp“ ein kleines Meisterwek schuf. Jetzt wird er genug Zeit und Platz haben für ein großes. Heißen wird es „Archetyp“, aber mehr sei nun wirklich nicht ausgeplaudert. Auch schönste Erwartungen könnten ja Geräusche wie „Klickeradoms“ hervorbringen, wenn sie dann enttäuscht werden. 


25 Lesermeinungen

  1. <p>Keine Panik:</p>
    <p>"Liebe...

    Keine Panik:
    „Liebe STRIZZ-Freundinnen und -Freunde!
    Bitte keine voreiligen Tränen um das Ende von STRIZZ, denn STRIZZ geht auch im neuen Jahr weiter! Zwar nicht mehr von Montag bis Freitag, sondern “nur” am Samstag, dort aber mit einer für einen Zeichner wunderbar großzügigen halben Zeitungsseite. Vielleicht bekommt dann Herr Paul sogar seinen eigenen Strip. Mal sehen… Wer also will, kann STRIZZ die Treue halten und das ganze Wochenende nichts anderes machen, als STRIZZ zu studieren. „
    https://www.strizz.de/
    :-)

  2. <p>Danke Herr Reiche. Strizz...
    Danke Herr Reiche. Strizz und all die anderen werden mir sehr fehlen. Humor mit Niveau, wo findet man das heute noch!

  3. <p>Lieber Volker...
    Lieber Volker Reiche,
    vielen Dank für 6 Jahre aufopfernde Arbeit für Ihre Leser. Auch wenn ich mich an Strizz und Co. erst gewöhnen mußte – den Comic vor Ihnen fand ich damals besser – inzwischen beginne ich wegen Ihnen die FAZ von hinten, auch Samstags und Sonntags.
    Viel Erfolg die nächsten Jahre, Gesundheit und mehr Ruhe – denn die Verpflichtung zur Tagesaktualität über 6 Jahre ist eine Bürde, die heute kaum noch einer auf sich nehmen würde. Machen Sie mal ausgiebig Urlaub – und die große farbige Weihnachtsillustration sowie alle Urlaubsvertretungen sollte Herr König auf jeden Fall Ihnen überlassen.
    Herzlichst Ihr Gerry Arnolds

  4. ...
    >>Klickeradoms<< Ich habs auch gehört, als ich den Blog gelesen habe. Keine Folge habe ich verpasst, Herrn Paul ins Herz geschlossen (mein Kater hat die gleiche Attitude, meine ich), Rafael wächst und ich will wissen, ob Klara ihn zur Mode missionieren kann und schafft es Rafael aus den Zwillingen würdige Nachfolger zu machen?
    Ich war immer beeindruckt von der Tagesaktualität der Beiträge. Ach bitte Herr Reiche, zeichnen Sie doch wenigstens sonntags in der FAS.>>Klickeradoms<<

  5. <p>An die FAZ:</p>
    <p>Bieten...

    An die FAZ:
    Bieten Sie Herrn Reiche die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung an und zahlen Sie ihm mehr, viel mehr!!
    Joerg Dohnke

  6. FAZ ohne Strizz will ich mir...
    FAZ ohne Strizz will ich mir gar nicht vorstellen. Samstag war schon schlimm genug. Bin total geschockt.
    Nachdem ich die Begründung gelesen habe, muss ich sagen, dass ich natürlich verstehe, dass Herr Reiche sein Leben zurückhaben möchte.
    Auch wenn mich „Strizz“ anfangs überhaupt nicht angesprochen hat, mittlerweile gehören Raffael, Strizz, Berres & Co. tatsächlich zur erweiterten Familie. Oder zumindest zur Nachbarschaft, deren Werdegang man freundllich interessiert mitverfolgt.
    Ich bin gespannt, wie und ob die Geschichten zu Ende geführt werden. Wird Herr Leo Frau Gebhardt womöglich doch noch einen Antrag machen? Unterstützt Familie Strizz die darbende Automobilbranche und kauft ein Cabrio ?
    Wenn ich darüber nachdenke, hat es doch etwas Gutes. Bill Watterson’s Calvin & Hobbes hat es nicht geschadet, dass er eines – zu frühen Tages – den Schlussstrich gezeichnet hat. Im Gegenteil…

  7. <p>Sehr schade! Die...
    Sehr schade! Die Lebensweisheiten des Herrn Strizz und der übrigen Akteure, jeden morgen im Büro als Erstes zu lesen, wird mir sehr fehlen.
    Wie wird das Leben von Paula und Vincent weitergehen? Was wird aus Raffael, Irmi und Omi? Wer wird jetzt den frechen Jungkatern im Grünebergweg Einhalt gebieten? Wird Leo & Co. in der Finanzkrise überleben und weiter Spanplatten verkaufen können? Wird es für uns alle überhaupt ein Leben nach Strizz geben können?
    Jedenfalls aber, trotz aller Trauer, an Herrn Reiche herzlichen Dank für all die vergnüglichen Stunden mit seinen Geschöpfen!

  8. <p>Gesternabend tagte nach...
    Gesternabend tagte nach Aufruf durch Herrn Müller eilig die Task force der Haustierrates. Herr Paul, Müller und Tassilo haben sich ausgiebig mit der Frage befasst, ob die Strizz-Serie in der FAZ fortzuführen sei. Nebenergebnisse waren eine Runde Katz-Gourmet für alle (was den Ernst der Lage beweist), zwei Haikus und eine umfassende, knapp halbstündige (und oft unterbrochene) Analyse der Bedingungen und Möglichkeiten eines evolutiven Comics in einer Tageszeitung. Darüber später oder nie. In der Hauptfragestellung (leider versuchte Herr Paul auch hier immer wieder abzulenken und Tassilos Hütte für sich als Ratsvorsitz zu erobern) trugen die Herren wie folgt vor: Herr Tassilo hielt dafür, dass es mit Strizz & Co. tatsächlich etwas gemütlicher gehen dürfe. Die ständige Beobachtung der Tagespolitik sei ohnedies seine Sache nicht, man solle vielmehr auch den Blick auf die, wie er formulierte „poetischen Dinge aus der Stille des Alltags“ lenken. Das sei schon früher oft gelungen, denn, zum Glück für alle Tiere, werde nicht jeden Tag große Politik gemacht, da sei immer schon Zeit für ein Gedicht gewesen oder für einen Blick in die Wolken. (Hier kam sein erstes Abendhaiku). Herr Paul stellte fest, er sei ohnehin der Präsident und Herrscher von allem, warum überhaupt aus der zweiten Garde berichtet werde, verstehe er nicht, selbst Obama sei im Vergleich ein Langeweiler, dem wolle er gern ein paar Tricks beibringen, die schon auf dem Grüneburgweg tüchtig aufräumten. Herr Müller schwieg länger, hielt dann seine Rede über „inhärente Evolutionen aktueller Bildgeschichten“, die nicht hierhin passt. Im Tenor war die so: Zwar sei es ein mutiges Unterfangen, Comicfiguren wachsen zu lassen. Ein Neffe, der pubertiert, sei schwerer durch die Blätter zu führen als drei Neffen, die zwar ähnlich klug seien (er sprach von einem Fähnlein Fieselschweif, ohne das näher zu erläutern), aber doch zu ewiger Kindheit verurteilt. (Zweites und trüberes Haiku Tassilos hier) Auch eine Irmi sei keine ewige Daisy, dafür danke er ihr täglich mit einer apportierten Zeitung. Unwandelbarkeit mache den Umgang leicht und die Geschichten einfach, ja vorhersehbar. So sei aber die Welt nun einmal nicht, wenn man der Zeitung trauen dürfe. Heute sollten auch Comics wachsen dürfen, und davor habe der beherzte Dackel keine Angst (Einwurf Paul: „Wachsen? Sie Pfeife! Der größte bin ich!“), und was man von dem Reiche höre, lasse am ehesten von ihm erwarten, dass er sich dieser Aufgabe, die philosophisch, pädagogisch und politisch höchst reizvoll (Tassilo schnarchte hier kurz, wurde aber von Paul geweckt „Au! Heda!“) sei, gewiß gewachsen zeige. Er, Müller, wolle gern von Zeit zu Zeit etwas Wurst von seinem Teller geben, wenn das hülfe. (Herr Paul: „Reden Sie nicht so geschraubt, her mit der Wurst, Anfänger!“) In gemeinsamem Beschluss gab der Rat schließlich grünes Licht für eine Fortführung der Serie. Einmütig erklärten die Haustiere, dass keineswegs Druck bestehe, man pfeife („Selber Pfeife!“ „Still, Herr Paul!“) auf die Tagespolitik, wenn sie nicht taugt, und der Neffe dürfe in aller Gemütsruhe („Jo, Herr Reiche, auch in der Welpenschule geht es Pfote vor Pfote, joho!“) pubertieren, so etwas dauere Jahre und dulde keine Hetze (außer bei Jungkatern, so ein Ratsmitglied einschränkend). Kurzum, laut fachlichem Rat ist Strizz weiterzubetrieben, gerne entspannter, was allen gut tue und gelegentliche Forcierung („Dilettanten! Das Tempo bin ich!“) wohl nicht ausschließen werde. Herr Reiche möge alsbald dem Vortum folgen, er darf zum Dank gelegentlich eine Eichenwurzel durchnässen.
    Na, dann: Auf geht’s!

  9. Das geht nicht! Das geht gar...
    Das geht nicht! Das geht gar nicht! Wie soll das gehen? Das geht nicht.
    Tassilo! Paul!! Tun Sie was! Schnell!!

  10. NEEEIIIIIIN!
    Der Strizz war...

    NEEEIIIIIIN!
    Der Strizz war das Beste an der FAZ.

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