Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Klickeradoms: Der große Carl-Barks-Schwindel im Pariser Kunsthandel

Längst erzielen Comic-Originale schwindelerregende Summen im Kunsthandel. Das heißt aber nicht, daß der Kunsthandel viel davon verstehen muß. In Paris kann man gerade ein besonders dummdreistes Angebot bewundern.

In Paris gibt es eine Straße, an der man als Comicliebhaber nicht vorbeigeen kann: die rue Dante im fünften Arrondissement. Dort reihen sich mittlerweile die Spezialgeschäfte fast lückenlos aneinander, als habe man sich die orientalische Basarstruktur zum Vorbild genommen. Vom Comicfachhandel über Antiquariate, Merchandising-Geschäfte, DVD-Läden bis zum Comic-Kunsthandel ist alles da, was das Herz begehrt.

Und es kommen immer noch neue Anbieter dazu. Jetzt hat in der rue Dante eine neue Galerie geöffnet: Slomka, die sich auf “origineaux des maîtres de la BD” spezialisiert hat, also auf Originalzeichnungen der Meister des Comics. Die aktuelle Austellung widmet sich der französischen Zeichnerszene der fünfziger Jahre, also den großen Jahren der Zeitschrift “Spirou”, die 1959 durch den Erfolg der Neugründung “Pilote” abgelöst wurden. So kann man bei Slomka Zeichnungen von André Franquin sehen, aber damit hört die “Spirou”-Szene jener Epoche auch schon auf. Aus späteren Jahren ist noch Roba vertreten, aber die meisten präsentierten Originale entstammen dem Umfeld von “Pilote”: Werke von Jean Tabary (“Iznogoud”), Albert Uderzo (“Asterix”), Jean Giraud (“Blueberry”) und dann noch die späteren Folgen dieser Comicrevolution, vertreten durch Arbeiten von Hugo Pratt (“Corto Maltese”), Philippe Druillet oder Gotlib.

In den Galerieräumen, die man nur nach zweimaligem Klingeln durch eine Sicherheitsschleuse betreten kann, hängen einige Rarissima: eine Originalseite aus “Tim und Struppi” von Hergé aus den dreißiger Jahren etwa oder eine der allerschönsten “Asterix”-Seiten, nämlich der Kampf von Asterix und Obelix im römischen Kolosseum aus “Asterix als Gladiator”. Preise sind für beide gar nicht erst ausgewiesen; sie liegen für diese Arbeiten im sechsstelligen Bereich. Spektakulär genug, daß man so etwas überhaupt zu sehen bekommt, denn Originale aus beiden Serien sind fast nie außerhalb von Museen oder unzugänglichen Privatsammlungen zu finden.

Die Preisvorstellungen für weniger prominente Werke bewegen sich am obersten Rahmen.  Franquin-elegenheitszeichnungen minderen Ranges etwa werden mit achttausend Euro bewertet, und auch alles andere, was überhaupt mit Einzelbeträgen ausgewiesen ist, war in den letzten Jahren in entsprechender Qualität auf Auktionen weitaus billiger zu bekommen. Doch neben den europäischen Künstlern gibt es auch ein paar amerikanische Comiczeichner im Angebot, darunter eine gleichfalls unausgewiesen teure Superman-Zeichnung aus der Feder von Joe Shuster persönlich und auch drei Tagesfolgen des Dpnald-Duck-Zeitungsstrips der siebziger Jahre.

Das war nun die ästhetisch beklagenswerteste Epoche dieser Serie, nachdem ihr langjähriger Zeichner Al Taliaferro 1969 gestorben war. Den Namen seines Nachfolgers habe ich nie auch nur versucht, mir zu merken, weil er so gräßlich zeichnete, und von ihm sind nun auch die drei in Paris angebotenen Streifen. Doch nicht der Name dieses Comicstümpers steht als Künstler dabei, sondern der von Carl Barks, dem größten Duck-Zeichner überhaupt. Da auf allen drei Folgen Dagobert Duck zu sehen ist und Barks sich in den Siebzigern nicht zu schade war, solche Folgen mit der von ihm erfundenen Figur des Multimilliardärs zu signieren, ist klar, wie es zu dieser Behauptung kommen kann. Doch die Identifikation einer echten Barks-Arbeit gehört zur leichtesten Übung eines jeden Comic-Kenners, und diese drei Strips sind so erkennbar nicht von Barks wie der Superman gegenüber oder Tim und Struppi nebenan. Wie man als angebliche Spezialgalerie auch nur auf den Gedanken kommen kann, den Namen des Meisters mit diesen Machwerken in Verbindung zu bringen, ist ein Rätsel.

Es sein denn, man wollte richtig abzocken. Das ist bei einem Preis von je zweitausend Euro pro Folge auch der Fall, aber für echte Barks-Arbeiten wäre das wiederum ein Witz. Also weiß die Galerie genau, daß es sich hier nicht um Barks handelt, trotzdem schreibt sie es hin. Erstaunlich, was man auf diesem Feld immer noch zu behaupten wagt. Vielleicht sind die französischen Sammler ja arrogant gegenüber amerikanischen Künstlern, aber derart naiv dürfte niemnd mehr sein. Mal sehen, ob die drei Strips in ein paar Monaten noch da aushängen werden. Oder ob sie wenigstens eine andere Zuschreibung erfahren werden. Dann erfahre ich ja vielleicht auch mal den Namen des eigentlichen, unsäglichen Zeichners.