Comic

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Diese Erzählform vereint das Beste beider Kunstwelten: Wort und Bild. Was man davon lesen und was man besser meiden soll, steht hier.

Comicsalon Erlangen, zweiter Tag, zweite Lieferung: Die Preisträger

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Die Max-und-Moritz-Preise, der Höhepunkt des Comicsalons, sind verliehen worden: Ralf König gewinnt für seine F.A.Z.-Strips, Nicolas Mahler wird als bester deutschsprachiger Zeichner geehrt, Jens Harder, Ulli Lust und Nadia Budde gewinnen Preise - was will man mehr?

Große Freude, auch wenn nicht alle Blütenträume reiften. Doch was die Jury bei den Max-und-Moritz-Preisen, der wichtigsten deutschen Comicauszeichnung vergaß, hat das Publikum nachgeholt: Ulli Lust bekommt für „Der letzte Tage vom Rest deines Lebens“ den erstmals verliehenen Publikumspreis. Das ist eine echte Überraschung, denn man kann nicht behaupten, dass Ulli Lust eine Künstlerin ist, die bei der breiten Masse bekannt ist. Vielleicht hat sich ausgezahlt, dass sie mit ihrem Forum electrocomics.com schon seit Jahren im Netz vertreten ist, denn im Netz wird ja auch über den Publikumspreis abgestimmt. Aber das ist eher eine Noterklärung für etwas, das ich mir im Grunde nicht erklären kann, was mich aber umso mehr freut. Zumal Ulli Lust für den Band auch den separat verliehenen ICOM-Preis bekommen hat, der unabhängigen Publikationen gilt.

Die anderen Max-und-Moritz-Preisträger (die der Jury also) sind über jeden Zweifel erhaben. Nicolas Mahler ist als bester deutschsprachiger Comic-Künstler ausgezeichnet worden. Das hatte er längst verdient, und nun wird nachgeholt, was überfällig war. Jens Harder hat mit „Alpha“ das beste deutsche Album gezeichnet. Jawohl, das ist eine berechtigt Ehrung, auch wenn Harder das nie getan hätte, wenn nicht sein französischer Verlag die Sache betrieben hätte, denn kein deutscher Verlag wollte diesen grandiosen Comic haben, als er noch im Projektstadium war. Nadia Buddes köstliche Reminiszenz an ihre Kindheit in der DDR, „Such dir was aus, aber beeil dich“, ist zum besten Kinder-Comic gewählt worden. Aber auch Erwachsene sollten ihn unbedingt lesen. Umgekehrt kann man das für „Pinocchio“ von Winshluss nicht sagen: Das klingt zwar nach einem Kindercomic, aber geehrt wird er als bestes internationales Album. Auch zu recht, denn nicht umsonst hat dieser Comic im vergangenen Jahr schon beim Festival in Angoulême den Hauptpreis und damit die wichtigste europäische Auszeichnung gewonnen.  Für Kinder ist das allerdings gar nichts, dafür geht es entschieden zu drastisch zu – sexuell wie gewaltmäßig.

Unter den studentischen Comics ist dem zweiten Band von „Strichnin“, dem Magazin der  Fakultät für Gestaltung an der Hochschule Augsburg, der Max-und-Moritz-Preis zugesprochen worden. Der ist in der Tat gegenüber dem Debüt vor zwei Jahren deutlich verbessert: guter Druck, exzellente Mischung verschiedener Stile, starke Geschichten. Gegenüber den Publikationen anderer Hochschulen ist diese von geradezu klassischer Schönheit – nicht avantgardistisch, aber erzählerisch.

Tja, und das schönste aus F.A.Z.-Sicht am Schluß (obwohl es der erste verliehene Preis des Abends auf der Gala war): Ralf König gewinnt für seine Bibelserien „Prototyp“ und „Alphatyp“ den Max-und-Moritz-Preis für den besten Comic-Strip. „Das kenn ich schon“, lästerte er auf der Bühne, denn gewonnen hat er in anderen Rubriken schon häufiger. Dennoch bin ich extrem froh über gerade diese Bestätigung. Schöner Abend mit diesen Preisträgern.

 

 


1 Lesermeinung

  1. Kein Wort über den auch von...
    Kein Wort über den auch von mir geliebten Shaun Tan, der mal wieder leer ausgegangen ist? War hier im Blog nicht vor kurzem großes Gegrummel, dass die Deutschen dieses großartige Werk zu Unrecht ignorieren.

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